Kritiken

Akuji: The Heartless – Düsteres Afterlife-Jump & Run von den Tomb Raider Machern

Crystal Dynamics hat im Laufe der ersten 3D-Generation einen stilistischen Wandel durchlebt. Während in der Anfangszeit bunte Jump & Runs rund um den Gecko Gex zu den erfolgreichsten Spielen des Unternehmens gehörte, bewegte das Studio seinen Fokus nach und nach mehr in Richtung düstere Action-Adventures. Ein Spiel, das ein wenig auf dem Scheideweg zwischen den beiden Stilen steht, ist Akuji The Heartless. Ein düsteres Spiel mit einem Toten in der Hauptrolle, das aber immernoch klar als 3D Jump & Run erkennbar ist. Eine Mischung, die in dem Genre ohnehin eine Besonderheit darstellt.

Akuji wurde just bei seiner Hochzeit von seinem Bruder hintergangen und seines Herzen beraubt. Um seine frisch gebackene Ehefrau zu retten und den verräterischen Akt seines Bruders zu rächen versucht Akuji nun, aus der Unterwelt wieder zu entfliehen, muss hierfür aber die Seelen seiner Vorfahren sammeln und dem Baron der Unterwelt ausliefern. Ein Unterfangen, das dem herzlosen Herrn etwas einfacher fällt in Anbetracht der Information, dass diese Seelen – wie sein Bruder – verräterischen Menschen gehörten.

Spielerisch kombiniert Akuji Jump & Run- und Action-Elemente. Im Wesentlichen bewegt sich Akuji in bester Jump & Run Manier über zahlreiche mal mehr, mal weniger gefährliche Plattformen, weist aber keine athletischeren Fähigkeiten auf. Zudem kann Akuji auch Leitern hochklettern und sich an entsprechend markierten Stellen an der Decke entlang hangeln. Etwas gewöhnungsbedürftig ist allerdings, dass, wenn man nach dem Hangeln nach vorn springen möchte, man zunächst vor- und zurückschwingen muss. Hinzu kommen zwei Angriffsmöglichkeiten: Akuji kann im Nahkampf zuschlagen, oder aber mithilfe von magischen Angriffen, die man in jedem Level von neuem aufsammeln kann und insbesondere Fernkampfangriffe ermöglichen.

Zu Beginn des Spiels bis etwa zur Mitte überwiegt der Jump & Run-Anteil deutlich, danach werden die Kämpfe aber immer zahlreicher und die Gegner immer stabiler, so dass man mehr und mehr Angriffe benötigt um sich ihrer zu entledigen. Da das Kampfsystem aber nicht sonderlich tiefgreifend ist, kann das durchaus ein Nervfaktor werden. Ein noch viel größerer Nervfaktor ist allerdings die Steuerung selbst. Zunächst wäre da der Umstand, dass Akuji auf eine acht-Wege-Steuerung setzt, wahrscheinlich dem Umstand geschuldet, dass die PlayStation ursprünglich ohne Analogsticks ausgeliefert wurde. Hinzu kommt aber auch, dass der Charakter relativ viel Momentum hat und dieses insbesondere in den Sprung mitnimmt, so dass es bisweilen ziemlich schwierig ist, die nach hinten heraus schon relativ knapp gestalteten Sprungsequenzen erfolgreich zu absolvieren. Noch gefährlicher ist in dieser Hinsicht allerdings die Kamera, die sich an vielen Stellen auf eine Weise verselbstständigt, dass man nur mit äußerster Vorsicht dem Kamera-induzierten Tod entweichen kann.

Wenngleich Akuji The Heartless zunächst wie ein strikt lineares Jump & Run wirkt, ist es dringend erforderlich, das Spiel mit einem wachen Auge zu spielen. Die Endgegner der insgesamt vier Welten des Spiels verlangen nämlich eine vorgegebene Zahl an Seelen, damit man sich ihnen stellen kann. Jeweils vier Seelen sind in jedem Level versteckt, durchschnittlich benötigt man etwa drei je Level, um das Spiel erfolgreich abschließen zu können. Die Seelen sind meistens in kleinen Extra-Sprungpassagen versteckt, die aber oft nicht ganz einfach zu erkennen sind, so dass man auf jeden Fall wachsam durch die Level hüpfen sollte. Fehlen einem nämlich irgendwann wertvolle Seelen um das Spiel fortsetzen zu können, bleibt einem anderenfalls nichts anderes üblich, als bereits absolvierte Level ein zweites Mal zu spielen. Wenn ich im Test nichts übersehen habe, kann man allerdings nicht einsehen, wie viele Seelen man in einem Level bereits gesammelt hat, ohne es noch einmal zu betreten, so dass dieser Prozess schon von Beginn an eher nervig ist.

In Sachen Präsentation setzt Akuji auf eine relativ realistische Optik und düster gestimmte Musik, sowie ein etwas grimmige, aber qualitativ ordentliche deutsche Sprachausgabe . Allerdings muss man schon festhalten, dass die künstlich düstere Stimmlage aller Sprecher und die martialische Präsentation schon einen etwas eigenartigen morbiden Kitsch darstellen, der einen merkwürdigen Kontrast zu den häufig überzeichnet niedlichen Vertretern des Genres darstellt.

Insgesamt ist Akuji The Heartless ein kurzes, spielerisch wenig markantes Jump & Run mit deutlichen Schwächen in der Spielbarkeit auf Grund einer ungemütlichen Steuerung und einer brandgefährlichen Kameraführung. Die ungewöhnliche Präsentation und der heutzutage extrem niedrige Kaufpreis können das Spiel zwar als Kuriosum für Genre-Freunde und Fans des Entwicklerstudios rechtfertigen, ein Verlust ist es aber nicht, dass Akuji von der Videospielgeschichte weitgehend vergessen wurde.

 

Dieser Artikel ist Teil der Reihe „Yoshis Top 100 3D Jump & Runs“ – die laufend aktualisierte Bestenliste findet ihr in diesem Beitrag.

Sebastian hat eine ausgeprägte Vorliebe für Jump & Runs, zählt aber auch Action-Adventures und Arcade-Spiele zu seinen Lieblings-Genres. Haupta...