Angespielt: Mittelerde Schatten des Krieges

Mit Mittelerde: Mordors Schatten legte Entwickler Monolith vor knapp 3 Jahren einen Überraschungshit hin, der besonders aufgrund des frischen Nemesis-Systems viel Lob erntete. Auf der gamescom 2017 konnte ich nun den direkten Nachfolger Mittelerde: Schatten des Krieges erstmals anspielen. Ob die Demo vor Ort überzeugen konnte, könnt ihr meinen folgenden Eindrücken entnehmen.

Die 20-minütige Demo wirft einen direkt vor eine der neuen Belagerungsschlachten, mit der Warner Bros. das Game bewirbt. Ziel ist es, die feindliche Ork-Festung einzunehmen, indem man deren Kommandanten erledigt. Zur Unterstützung stehen dem wiederkehrenden spielbaren Protagonisten Talion dabei eine Armee von Orks, die man zuvor für seine Seite gewonnen hat. In der Demo selbst habe ich vom großen Rekrutierungsprozess allerdings nichts gesehen.

Da Schatten des Krieges wieder in einer offenen Spielwelt angesiedelt ist, hatte ich die Wahl, ob ich direkt frontal mit meiner Armee angreife oder zunächst mit Talion einige Nebenziele erfülle, um die feindlichen Streitmächte für die bevorstehende Schlacht zu schwächen. Wie sich herausgestellt hat, wäre letztere die klügere Variante gewesen, denn der  Angriff auf die Festung artete bereits nach kurzer Zeit in großem Chaos aus. Fußsoldaten hinter dem Tor, Bogenschützen und andere Feuerwaffen auf den Mauern, sowie gepanzerte Kommandanten und Co. haben mir das Leben trotz des übernatürlichen Move-Repertoires Talions und seiner unterstützenden Orks sehr schwer gemacht. Wenn dich sieben Gegner gleichzeitig einkreisen und du von Pfeilen bombardiert wirst, die du nicht lokalisieren kannst, heißt es: lieber erst mal raus hier!

Talion selbst fühlt sich nun noch mehr wie ein Super-Assassine auf Speed an. Er klettert und meuchelt weiterhin ähnlich wie die bekannten Hoodie-Träger von Ubisoft und schlägt bzw. schnetzelt sich wie der dunkle Ritter von Rocksteady durch die Gegnermassen. Das Ganze allerdings mit höherer Geschwindigkeit, mehr Saltos, mehr Schrauben und generell mehr Kunststückchen. Der obligatorische Zeitlupen-Modus beim Zielen mit Pfeil & Bogen in der Luft, ist selbstverständlich auch dabei. In der Regel reichen dafür wenige Knopfdrücke, insbesondere das Klettern gleicht inzwischen mehr einem schnellen Aufzug. Und auch wenn seine Fähigkeiten manchmal gefühlt automatisch vonstatten gehen, muss ich zugeben, dass er sich trotzdem gut gesteuert und es eine Menge Spaß gemacht hat, wenn man erst mal im richtigen Kombo-Flow ist. Darüber hinaus kann man Warge zum Reiten beschwören. Mit etwas Geschick können mittels Magie auch die feindlichen Drachen manipuliert und geflogen werden. Die Kämpfe, insbesondere Nahkämpfe, kamen mir in der Demo etwas eintönig vor, was vor allem der merkwürdigen Länge geschuldet war. Wenn ich gefühlt zwei Minuten lang auf einen normalen Ork ohne Schild einschlage, dann stimmt etwas am Balancing nicht. Hier hoffe ich noch auf etwas Feintuning bis zum Release. Besiegte Kommandanten kann man entweder erledigen oder versuchen, auf seine Seite zu ziehen. Die möglicherweise längerfristigen Konsequenzen dazu konnte ich in der Demo aber selbstverständlich noch nicht sehen.

Entgegen meiner Erwartungen durch die bereits veröffentlichte Trailer und Gameplay-Videos, sah Schatten des Krieges live übrigens beeindruckender aus als gedacht. Das mag daran gelegen haben, dass es eventuell eine High-End PC-fassung war (gespielt wurde mit einem Xbox One-Controller), doch tatsächlich hatte ich bis auf die etwas steifen Gesichter, nichts groß zu bemängeln. Das Feeling einer großen Schlacht kam durch den Bombast und das ganze Getümmel auf dem Bildschirm schön zur Geltung. Schade nur, dass wieder die gleiche braun-grüne Farbpalette benutzt wurde, wie schon im ersten Teil. Im fertigen Spiel hoffe ich sehr auf mehr visuelle Abwechslung in den Gebieten, sonst bringt die noch größere Welt keinem was.

Fazit
Ich bin aus der Anspielsession von Mittelerde: Schatten des Krieges mit einem guten Gefühl gegangen. Von der Story oder all den RPG-Elementen konnte ich noch keinen wirklichen Eindruck gewinnen, doch das Gameplay-Gerüst von Talion und seinen übernatürlichen Fähigkeiten flutscht und macht Lust auf mehr. Der Knackpunkt wird für mich im fertigen Spiel allerdings die Welt ausmachen. Was gibt es hier zu erledigen? Gibt es mehr Highlights als ein paar Belagerungsschlachten, die in der Welt verstreut sind? Wie unterschiedlich sind die Gebiete? Das alles sind Fragen, die mir das Spiel noch schuldet.
Verfasst von
Für Redakteur Christoph sind vor allem gut geschriebene Charaktere, eine mitreißende Handlung sowie fantastische Welten mit dichter Atmosphäre, Aspekte die ihn beim Spielen begeistern. Neben Titeln wie The Last of Us und Bloodborne, schlägt seine Leidenschaft für Games dabei besonders für japanische Produktionen à la Final Fantasy und Persona.

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