Kritiken

Animal Crossing: Happy Home Designer im Test

Zu Beginn ihrer Ära verband man mit Videospielen hauptsächlich schnelle Action oder kurzweile arcadelastige Spielprinzipe, die auf Highscore-Jagden ausgelegt waren. Schon bald entstand parallel zu herkömmlichen Games das Simulationsgenre, deren Ableger – wie der Name schon suggeriert – alltägliche Begebenheiten in spielbarer Form lieferten und somit meist ohne fest vorgegebenes Spielziel auskamen. Auch Nintendos Dorfsimulation Animal Crossing stand seit jeher für ein ruhiges Gameplay und ließ den Spieler nicht nur angeln, auf Käferjagd gehen und den Kontakt mit den tierischen Dorfbewohnern pflegen, sondern bot auch die Möglichkeit sein Eigenheim nach Lust und Laune zu gestalten. Mit Animal Crossing: Happy Home Designer stellte Nintendo dieses Jahr ein Spinoff zur Hauptreihe vor, welches sich nun voll und ganz auf den zuletzt genannten Aspekt fokussiert und dadurch selbst bei eingeschworen Serienfans Missmut aufkommen ließ. Aber ist die Vorab-Kritik wirklich gerechtfertigt? Wir verraten es euch!

In den Fußstapfen von Tine Wittler
Das Raumausstatter-Büro Immo Nook hat ein riesiges Problem. So benötigt der waschbärige Ladeninhaber Tom Nook dringend einen neuen Raumaustatter-Azubi, der für ihn neue Kundschaft an Land zieht. Klar, dass ihr euch schnell dazu bereiterklärt, den offenen Posten anzunehmen, um das Handwerk des Einrichtens zu erlernen. Erstmals überhaupt könnt ihr euch dabei euren eigenen Avatar komplett selbst zusammenstellen und seid nicht, wie in vorherigen Teilen, darauf angewiesen, dass Augenform- und –farbe zufälligerweise eurem Geschmack entsprechen. Und selbst wenn euch das gewählte Aussehen nicht mehr überzeugen sollte, habt ihr später die Chance, euer Abbild noch einmal zu verändern.

Nur Mut! Schließlich ist noch kein Meister-Designer vom Himmel gefallen.
Nur Mut! Schließlich ist noch kein Meister-Designer vom Himmel gefallen.

Nach den ersten Formalitäten – ein echter Designer trägt natürlich auch selbst nur ausgewählte Kleidung – geht es gleich ans Werk. Euer erster Job des Tages ist es zunächst Kunden für das Geschäft anzuwerben. Diese lassen sich meist zahlreich in der Innenstadt vor dem Immo Nook-Gebäude antreffen. Kommt ihr einem von ihnen näher, ploppt automatisch eine Gedankenblase auf, in der der Einrichtungswunsch des Tieres grob angerissen wird. Sprecht ihr ein Tier dann an, erhaltet ihr in einem kurzen Gespräch im Büro weitere Details und seid nun komplett für die Umsetzung der Neubehausung zuständig.

Zuallererst gilt es ein geeignetes Fleckchen Land auszusuchen, an dem der Hausbau beginnen soll. Über eine Karte auf dem Touchscreen könnt ihr frei nach euren Vorstellungen wählen, ob ihr euch für eine fluss- bzw. strandnahe Gegend oder eine eher wäldliche Umgebung entscheiden möchtet. Sogar eine feste Jahreszeit lässt sich anwählen.

Auch bei der Gestaltung der Inneneinrichtung sind euren Vorstellungen, bis auf zwei oder drei Möbelstücke, die ein Bewohner unbedingt in seiner neuen Wohnung stehen haben möchte, keine Grenzen gesetzt. Zumindest fast. Denn anfangs steht euch ein eher mickriger Design-Katalog zur Verfügung. Glücklicherweise bringt aber jeder Kunde neue Gegenstände mit, die euren Gesamtkatalog Stück für Stück immer weiter wachsen lassen. Die Steuerung und die Möglichkeiten für das Einrichten selbst wurden für Happy Home Designer übrigens noch einmal verbessert. Zunächst sei erwähnt, dass Sternis – die Währung in der Welt von Animal Crossing – keine mehr Rolle mehr spielen, weshalb ihr nach Lust und Laune so viele Items verwenden dürft, wie der vorgegebene Platz hergibt. Über die auf dem Touchscreen befindlichen Menü-Tasten lassen sich Möbelstücke ganz einfach herbeizaubern und über Tippen und Anziehen kinderleicht genau dorthin stellen, wo es euch am besten gefällt. Dabei hat nicht nur die Zahl der Möbelstücke immens zugenommen, es lassen sich auch kleine Details verändern. So könnt ihr einem Raum beispielsweise durch Hinzugabe einer Geräuschkulisse einen individuellen Touch verleihen oder die Haus- und Fensterform verändern. Und wem das noch nicht genug ist, der kann sich außerdem im kleinen Vorgarten austoben und ihn mit Bäumen, Blumen oder allen anderen Items entsprechend aufhübschen.

 Das Dekorieren gestaltet sich äußerst komfortabel und ist schnell erlernt.
Das Dekorieren gestaltet sich äußerst komfortabel und ist schnell erlernt.

Ich sehe die Stadt deiner Träume
Nach einigen erfolgreich ausgeführten Kundenaufträgen schaut die bereits aus Animal Crossing: New Leaf bekannte Bürgermeisterassistentin Melinda im Büro vorbei. Mit ihrer Hilfe könnt ihr die komplette umliegende Stadt bald so aussehen lassen, wie ihr es gerne hättet. Dazu gehören unter anderem der Bau einer Schule, eines Krankenhauses oder auch eines Stadtcafés, in denen sich die tierischen Kunden auch selbst herumtreiben und eben das tun, für das die jeweilige Einrichtung vorgesehen ist. Ein Kritikpunkt sollte hier, trotz der großen Freiheiten die das Spiel bietet, nicht unerwähnt bleiben: Damit Melinda oder auch die Büro-Kunden den Auftrag als erfolgreich abgeschlossen ansehen, reicht es nämlich nur die geforderten Grunditems irgendwo zu platzieren. Das restliche Design spielt keinerlei Rolle und auch eine Bewertung findet nicht statt.

Wer neben dem Einrichten noch abwechslungsreiche Randbeschäftigungen sucht, wird zudem leider bitter enttäuscht, konzentriert sich Happy Home Designer doch gameplaytechnisch nahezu ganz auf seinen Spieletitel. Lediglich über das Netzwerk der schönen Häuser habt ihr die Möglichkeit die hochgeladenen Bauten von anderen Spielern zu betrachten und eine Bewertung zu hinterlassen oder könnt an regelmäßigen zeitbegrenzten Design-Wettbewerben teilnehmen, die zusätzliche Exklusiv-Items mit sich bringen. Und dann wäre da natürlich auch noch das groß angepriesene amiibo-Karten-Feature. Besitzt ihr wahlweise einen New Nintendo 3DS oder eine amiibo-Reader, könnt ihr mittels separat erhältlicher amiibo-Bewohner-Karten direkt Kunden über das amiibo-Telefon anrufen oder für das Schießen eines Fotos in einer fremden Wohnung einladen. Manche Karten erhalten dabei exklusive Items, die auf keine andere Weise eurem Katalog hinzugefügt werden. Ihr verpasst aber auch ohne die – zugegebenermaßen recht teuren – Karten nicht wirklich viel.

Optisch hat sich gegenüber Animal Crossing: New Leaf eigentlich nichts getan. Die Charaktere sind immer noch knuffig anzusehen und auch die Umgebungen und Items fügen sich gut ins Gesamtbild ein. Von einer Prozessorenüberlastung ist der 3DS aber nach wie vor weit entfernt. Klangmäßig setzt Happy Home Designer hingegen auf einen völlig neuen Soundtrack, der aber ebenfalls (positiv) stark an den Vorgänger erinnert.

Der eingangs erwähnten unreflektierten Kritik einiger Fans wird Animal Crossing: Happy Home Designer nicht ganz gerecht. Auch in den neusten Teil steckten die Entwickler viel Liebe ins Detail und verpassten dem Spiel einen Charme, dem man sich zumindest anfangs nicht entziehen kann. Die deutschen Dialoge, sowie die schrullige Art einiger Charaktere zauberten uns erneut das ein oder andere Mal ein Schmunzeln aufs Gesicht. Leider krankt das Spiel trotz des generell hohen Umfangs dank der unzähligen Bewohner schnell an der bereits vorher befürchteten Eintönigkeit. Außer dem Designen gibt es nämlich nicht viel zu tun, nicht mal ein wirklicher Mehrspieler-Modus wie in New Leaf ist enthalten. Und auch die amiibo-Karten-Unterstützung wirkt eher wie eine zusätzliche Kostenfalle, als ein ausgeklügeltes Spielkonzept. Wer aber ruhigen Spielkonzepten, die nicht auf stundenlange Spielesessions angelegt sind, etwas abgewinnen kann, seine kreative Ader gerne auslebt oder schon immer großer Fan der Reihe war, darf ruhig einen Blick riskieren. Wir raten aber dennoch auf eine Preissenkung zu warten, da es durchaus kurzweiligere Vollpreistitel als diesen auf dem Markt gibt.

Zu einem guten Plattformer sagt Karim selten nein, aber auch epische Rollenspiele fesseln ihn vor den Bildschirm. Im öffentlichen Nahverkehr vergnügt er sich auch gerne mit kurzweiligen Puzzlern – Mobile-Gaming auf dem Nintendo 3DS ist seine absolute Leidenschaft. Zuhause angekommen, kümmert sich Karim um Datenbankpflege oder versorgt euch mit aktuellen News und Anspielberichten.