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Berserk and the Band of the Hawk Test

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8

Sehr gut

7.8

Leserhype

In der Welt der Manga wird seit Dekaden das ultimative Duell darum geführt, welche Geschichte sich mehr Zeit damit lässt, den längst desillusionierten Fans ein neues Kapitel zu gewähren: Duellant Nummer 1 ist Hunter X Hunter von Togashi Yoshihiro, seit 1998 in der Veröffentlichung. Duellant Nummer 2 ist Berserk von Miura Kentaro, bereits seit 1989 gestartet. Beide Mangaka haben jeweils fantastische Universen geschaffen, die erfolgs- und preisekrönt sind. Und beide lassen mittlerweile übertreibungsfrei mehrere Monate vergehen, bis die Geschichte endlich weitererzählt wird. Wo Hunter X Hunter aber zumindest im Anime ein stimmiges Ende erreicht hat, lockt Berserk die Fans immer weiter dem Höhepunkt entgegen – ohne je anzukommen. Erst Ende vergangenen Jahres gab es endlich eine neuerliche Anime-Umsetzung der finsteren Fantasy-Geschichte, in dessen Zugwasser wohl auch Videospiel-Fans ein wenig Glück abbekamen: Koei Tecmo veröffentlichte Berserk and the Band of the Hawk für PlayStation 4. Angesichts des akuten Mangels an Neuware haben wir uns näher angeguckt, ob Berserk-Fans Grund zum Jubel haben oder doch wieder die Eclipse über sie hereinbricht.

Kaum können Zweifel daran bestehen, dass Guts, der Held des Epos, der beeindruckendste Schwertkampfer aus der Welt der Fiktion ist. Getrieben von Rachsucht an seinem ehemaligen Söldneranführer Griffith, den sogenannten weißen Falken, setzt der Besitzer des mannshohen Drachentöters seinen Weg fort. Dabei ist ohne Belang, ob sich ihm gegnerische Soldatenmassen oder aber schaurige Monstren entgegenwerfen: Ohne Rücksicht auf eigene Verluste und ohne jedes bisschen Angst schlachtet Guts sich durch feindlich gesinnte Fleischberge. Und auch wenn die Gegner gottähnliche Dämonen sind, weicht der Berserker nicht zurück.

In Berserk and the Band of the Hawk spielt man im zumeist typischen Warriors-Stil (siehe Hyrule Warriors für Wii U oder Arslan für PS4) die Geschichte des Manga nach. Da sich das Spiel an Fans richtet, die die Manga-Story bereits kennen, sei an dieser Stelle vor nachfolgenden Spoilern gewarnt, die unablässig sind, um das Spiel zu bewerten. Bereits das Tutorial des Spiels verrät Nicht-Kennern ein späteres Highlight. Bis zur schicksalsträchtigen Eclipse, die Guts nur durch glückliche Hilfe überlebt, bietet das Spiel zahlreiche ausführliche Anime-Filmszenen, die den nur wenige Jahre alten Filmen entstammen. Dabei wechseln sich Spielgeschehen und Cutscenes geschickt ab, sodass ein steter Motivationsfluss gegeben ist, der zwischen Brachial-Action und spannender Story wechselt. Die Anime-Szenen laufen dann schon mal zehn Minuten oder länger am Stück, so sehr wird ins Detail gegangen. Das ändert sich leider mit Erreichen der einsamen Reise von Guts, nachdem er als Einzelgänger unterwegs ist und schließlich Farnese, Serpico, Isidro und Schielke trifft. Und natürlich Puck, den stets unterhaltsamen Elf, der Guts treuherzig begleitet und dabei nie um eine Comedy-Einlage verlegen ist. Leider existiert zu diesem Material des Manga kein Anime-Film und selbst die aktuell pausierende Anime-Serie ist noch nicht so weit, wie das Spiel die Geschichte erzählt. Deshalb gibt es bei etwa der Hälfte des Spiels einen spürbaren Einbruch der Erzählkontinuität: Konnten bisher auch Neulinge der Story noch gut folgen, wird jetzt immer mehr ausgelassen.

Da trifft man in der einen Mission gerade die Hexe Schielke, steht dann in der nächsten Mission schon mitten im Dorf Enoch und soll Oger und Kelpie bekämpfen, ohne dass auf den Konflikt zwischen Kirche und Magie eingegangen wird. Auch die optionalen Skits, die nach den meisten Missionen freigeschaltet werden, helfen da nicht weiter. Es fehlt jeglicher Aufbau der Handlung, stattdessen muss man sich mit dem harten Schnitt zufriedengeben. Zwischensequenzen gibt es dennoch, allerdings nun wesentlich seltener. Immerhin gilt es anzuerkennen, dass die eigens erschaffenen Zwischensequenzen ebenfalls hochwertig und spannend anzusehen sind. Und das macht den Berserk-Fan glücklich, denn weite Teile des Spiels sieht man hier erstmals in Bewegung! Im Gegensatz zu bisherigen Anime-Umsetzungen werden sogar zusätzliche Manga-Inhalte aufgegriffen, darunter etwa Wyald, ein Apostel, der für seine Grausamkeit gegenüber Frauen und Kindern bekannt ist. Über Zensur muss sich dabei übrigens niemand Sorgen machen: Im Gegensatz zur japanischen Version ist die West-Version sogar gewalterfüllter (befindet man sich im Special-Modus, sieht man, wie Gliedmaßen durch die Gegend fliegen. Auch das berüchtigte „Rape Horse“ darf man entzwei schlagen), lediglich ein Bonus-Kostüm für Kämpferin Cjaska fehlt. Wenngleich aber auch die Kontinuität der Erzählweise leidet, freut man sich doch, endlich zu sehen, wie Guts gegen Grunbert kämpft, wie Schielke einen Schutzwall errichtet, um Oger und Kelpie abzuwehren, oder wie Guts ein gewaltiges Makara, eine Mischung aus Kraken und Elefant, niederringt. Doch ist das bloßer Fan-Service?

Berserk and the Band of the Haw ist zum größten Teil ein typischer Warriors-Titel. Man kämpft sich durch Hundertschaften an eher passiven Gegnern, ab und zu erscheinen taffere Varianten, die mehr aushalten, doch auch die sind lediglich ein kurzzeitiger Störfaktor. Spielerisch ist also wenig anders als bei anderen Vertretern der Koei Tecmo-Franchise. Der entscheidende Knackpunkt: Selten haben zwei separate Franchises derart gut zueinander gepasst! Wenn man mit seinem riesigen Schwert mühelos Gegnermassen wegschnetzelt, hat man den Eindruck, Berserker Guts zu sehen, so wie er sein muss. Wie eingangs beschrieben, ist Guts kein typischer Held, der vorsichtig an einen übermächtigen Feind herantritt. Im Gegenteil: Ist erst einmal der Startschuss ertönt, weiß man nicht mehr, wer Feind und wer Held sein soll. Der Ästhetik wegen gibt es Fans, die gerne ein Berserk-Spiel von Entwickler From Software hätten, doch auch wenn das auf visueller Ebene stimmig wäre (kein Wunder, da die Dark Souls-Spiele direkt von Berserk inspiriert sind), wäre es spielerisch eine Katastrophe, wenn man in der Rolle von Guts vorsichtig und bedacht in den Kampf schreiten müsste. Band of the Hawk überreicht dem Spieler die Kontrolle über einen Guts, wie er sein soll: Stark, schnell, unerbittlich. Nur zwei Buttons genügen, um eine Vielzahl an Schwert-Combos anzuwenden, jede davon so animiert, wie man sich den schwarzen Ritter tatsächlich vorstellt, etwa wenn er das Schwert auf einen Gegner niederschmettert, sich am nach oben deutenden Griff nach oben zieht und im abschließenden Salto die Klinge ein zweites Mal auf sein Opfer herabsausen lässt. Und wer bis dahin schon Spaß in der Rolle von Guts hat, möge mal die Rüstung des Berserkers abwarten.

Dazu gesellen sich all die Sekundärwaffen, die man sich wünschen könnte: Armbrustbolzen, die gleich einer Maschinenpistole verschossen werden, Miniaturbomben, Wurfmesser und natürlich die Armkanone. Bisher bezieht sich alles auf den Held der Geschichte, doch gibt es sieben weitere spielbare Charaktere, die sich drastisch anders spielen. Ob Serpico mit seinen schnellen Degenstichen, Schielke mit ihren Zaubern, oder aber Nosferatu Zodd, der sich in seine Apostelform verwandeln kann und dann als ca. fünf Meter großes Monster alles in den Schatten stellt. Und da stellt sich auch gleich ein gravierender Unterschied zu anderen Warriors-Spielen: In Band of the Hawk gibt es Bosskämpfe. Nicht übermäßig viele, aber ein gutes halbes Dutzend. In diesen Bosskämpfen wird dem Spieler klar vor Augen geführt, dass stupides Metzeln nicht mehr zum Erfolg führt. Leben-regenerierende Tränke und geschicktes Ausweichen bei gleichzeitigem Lock-On auf den Gegner sind essentiell, will man nicht sein Schicksal als Gebrandmarkter ereilen. Selbst auf dem normalen Schwierigkeitsgrad muss man hier geschickt vorgehen. Und auch der Grund für die im Vergleich zu anderen Warriors-Titeln geringe Anzahl spielbarer Charaktere beginnt sich hier zu zeigen: Band of the Hawk bietet eine gewaltige Anzahl nahezu perfekt modellierter Gegner. In „Arslan: The Warriors of Legend“ sind jegliche Gegner irgendwelche Soldatenvariationen, stets von menschlicher Statur. In Berserk hingegen sind all die Monster, die man erwartet, aufwendig ausgearbeitet. Soldaten und Kushanenkrieger sind nur die eine Seite. Dann aber gibt es Geister, diverse kleinere Apostel, humanoide Krokodile, Trolle, Oger, Kelpie, Grunbert, und so weiter. Zwar ist fies, dass der hilfreiche mysteriöse Skelettritter nicht spielbar ist, obwohl er ständig auftaucht, aber vergleicht man die Gegnervielfalt und deren Design-Qualität mit anderen Warriors-Spielen, wird nachvollziehbar, warum es nur acht spielbare Figuren gibt.

Gut

  • umfangreicher Story-Modus, der nie zuvor animierte Manga-Szenen zeigt
  • hervorragende Präsentation der spielbaren Figuren
  • Held Guts mit all den Moves, die man sich wünscht
  • abwechslungsreiche Gegner-Designs, hochwertig dem Manga entnommen
  • fordernde Bosskämpfe
  • RPG-System, das neue Moves freischaltet
  • Endless Eclipse-Modus mit unterschiedlichen Missionszielen

Schlecht

  • nur englische Texte und japanische Sprachausgabe
  • abseits der Bosskämpfe typisches Warriors-Massengeschnetzel
  • Story-Kontinuität nach Eclipse nur mehr sprunghaft gegeben
  • vergleichsweise wenige spielbare Charaktere (8 Stück)

Fazit

Berserk and the Band of the Hawk ist nicht das perfekte Berserk-Spiel, wer nämlich wünscht sich nicht, als Guts frei eine offene Welt zu bereisen und mystische Monster zu bekämpfen. Anders als etwa in Batman: Arkham Asylum, wo man sich tatsächlich wie der Fledermausdetektiv fühlt, fühlt man sich hier nur bedingt wie Guts, dazu ist das Gameplay insgesamt zu distanziert, man drückt eben doch nur immer wieder zwei Buttons, von seltenen Abweichungen abgesehen. Trotzdem stellt sich ein wohliges Gefühl der Befriedigung ein, weil die visuelle Präsentation mit annähernder Perfektion gelungen ist. Wie man Gegner zuhauf erledigt, wie Guts das Schwert schwingt, wie er sich in der Berserker-Rüstung fortbewegt – wow! Mehr Liebe zum Detail ist beinahe nicht möglich. Dank der Bosskämpfe ist Band of the Hawk eine klare Verbesserung zur üblichen Schnetzelei, Serien-Fans sind begeistert davon, endlich die späteren Manga-Kapitel in Bewegung zu sehen. Wer bislang allerdings keinen Kontakt zur Serie hatte, der holt sie lieber im Originalmedium nach, um wirklich alle Details zu erfahren.
8

Sehr gut

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2 Kommentare auf "Test"

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MrPrince
Editor

Ist das eine 8 Fanbonus miteinbegriffen? Oder findest du dass die Bosskämpfe das Musou-Genre so stark aufwerten?

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