Kritiken

Captain Toad: Treasure Tracker im Test

Nüchtern betrachtet hat sich die Pilzgarde selten mit Ruhm bekleckert. Seit gut 30 Jahren entführt immer der selbe Antagonist Prinzessin Peach und die Schlossangestellten rufen den Klempner ihres Vertrauens. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis sich Toad einen neuen Beruf sucht und zu eigenen Abenteuern aufbricht. Schon in Super Mario 3D World verließ er die heimische Burg und begab sich in bester Indiana Jones-Manier auf die Suche nach grünen Sternen. Nun tritt der mutige Pilz in Captain Toad: Treasure Tracker aus Marios Schatten und greift nach den begehrten, goldenen Sternen.

Jump´n´Run war gestern
Anders als Luigi ist Toad kein Mario in grün und erst recht nicht im Jump´n´Run-Genre zu Hause wie beispielsweise Donkey Kong. Schnelle Sprints und weite Sprünge sind nun vorsichtigem Erkunden und dem Werfen zahlreicher Rüben gewichen. Aber auch wenn Toad sich mit Gemüse zu verteidigen weiß, steht weder die Eliminierung von zahlreichen Feinden, noch die Rettung einer Prinzessin im Mittelpunkt. Anders als in Marios 3D-Ableger für Wii U muss Toad nicht fünf, sondern nur einen Stern pro Level finden, um die jeweilige Stage zu beenden. Der Weg zum Stern ist nicht immer ersichtlich, weswegen ihr Schalter, Hebel und Räder betätigen müsst, um euren Weg freizuspielen. Im Gegensatz zum kleinen Klempner, kann Toad auch nur gehen und weder rennen noch springen, womit Fahrstühle und Rampen am besten direkt zu Level-Beginn erspäht werden sollten. Es ist obligatorisch sich direkt am Anfang eine Übersicht über die vorgegebene Welt, die meist die Form einen Würfels besitzt, zu verschaffen und erst dann wacker loszuziehen. Mit der bloßen Rambo-Tour kommt ihr nur selten weiter, da die Gegner zwar nicht in riesigen Quantitäten vorhanden, aber dennoch nicht minder gefährlich sind. Nach zwei Kollisionen mit selbigen wird Toad den Bildschirmtod erleiden und das komplette Level muss von vorne begonnen werden. Zum Glück gibt es die bekannten Rüben aus Super Mario Bros. 2 und den Hammer aus Donkey Kong, die euch zum Beispiel vor Shy Guys bewahren. Items wie Fliegenpilze, welche Toad nach erlittenem Schaden wieder größer werden lassen, 1-Up Pilze, Münzen, Rügen, Hammer und auch Diamanten zieht ihr aus Blumentöpfen, die zahlreich vorhanden und in den Boden eingelassen sind. Die Diamanten sind das sekundäre Ziel eurer Erkundungstour. Pro Level sind drei von ihnen versteckt und dienen ausschließlich dazu weitere Level freizuschalten. Darüber hinaus gibt es pro Stage eine Herausforderung, die immer anders lautet. Mal müsst ihr ohne gesehen zu werden zum ersehnten Stern kommen, mal sollt ihr einen goldenen Pilz finden und manchmal dürft ihr nur wenig mit Level-Objekten interagieren.

Furchtlos begibt sich Toad auf Diamantenjagd.

Für dich schiebe ich die Blöcke weiter
Wenn ihr mal kein Gemüse auf schüchterne Jungs werfen wollt und sich kein P-Schalter in der Nähe befindet, kann es sein, dass ihr den Touchscreen berühren müsst. Die Einbindung des Wii U-Gamepads orientiert sich hierbei an Mario 3D World. Mal schiebt ihr Blöcke hin und her, um lediglich eine höhere Ebene erreichen und mal müsst ihr sie genau dann richtig anordnen, wenn ihr eine Tür betretet und sonst in die Tiefe fallt. In der Summe ergeben sich dadurch viele Rätsel und Ideen den richtigen Weg zu finden, die Herausforderung zu erfüllen sowie alle Diamanten einzusammeln. Anderseits sollte bedacht werden, dass Nintendo gezielt ein jüngeres Publikum ansprechen wollte und ihr weder Trial´n´Error-Passagen ertragen müsst, noch der Kopf qualmen wird. Ersteres ist natürlich sehr löblich, aber ein niedrigerer Schwierigkeitsgrad garantiert selten einen höheren Wiederspielwert. Wichtig ist zwar in erster Linie das Gameplay, aber auch der Umfang ist entscheidend, wenn man jüngere Zielgruppen anvisiert und ein einsteigerfreundliches Spielerlebnis präsentieren will. Wie schon im bereits erwähnten Super Mario 3D World geht Nintendo den zweigleisigen Weg zum Erfolg. Vom Titelbildschirm bis zum Abspann wird in drei Episoden ein niedriger bis moderater Schwierigkeitsgrad integriert, während ihr in zahlreichen Bonusmissionen mit Geschicklichkeit, Übersicht, Können und Ideenreichtum eine höhere Ebene betretet.

Die Trilogie mit vielen Beigaben

Anders als von Nintendo gewohnt existiert in Captain Toad keine Oberwelt und auch nichts Vergleichbares. Im Hauptmenü wählt ihr zwischen vier Büchern eins aus und blättert zum jeweiligen Level. Die einzelnen Buchseiten lassen sich innerhalb der Trilogie – Episode Eins bis Drei – wie erwähnt mit Diamanten und Sternen freischalten. Die Bonus-Episode wiederum benötigt zusätzlich zur sehr hoch angesetzten Diamanten-Anzahl die Komplettierung ganzer Level innerhalb der Trilogie und Bonus-Episode. Bei der Komplettierung einer Stage müsst ihr den Stern finden, drei Diamanten sammeln und die Herausforderung erfüllen. Im Anschluss markiert ein Stempel in Form einer Krone die entsprechenden Buchseiten. Individuell dürft ihr in einzelnen Leveln Münzen sammeln und könnt so eine kleine Highscore-Jagd betreiben. Beim Beenden des Levels wird – ebenfalls anders als bei Mario-Spielen üblich – euer Bestand an Münzen auf Null gesetzt. Somit wird euer Saldo nicht ins nächste Level übernommen und das altbekannte 100-Münzen-1-Up muss innerhalb eines Lebens in einem Level ergattert werden, da auch euer Tod zum Münzverlust führt. Fleißige Diamanten-Sucher können aber erleichtert aufatmen, da nach dem Ableben sämtliche gefundene Diamanten erhalten bleiben, die Stage allerdings nicht verlassen werden darf. Deswegen müsst ihr die Suche nach den begehrten Edelsteinen immer mit dem Einsammeln des Sterns verbinden.

Per Gamepad-Touchscreen verschiebt ihr gelegentlich Blöcke.

In Episode Eins und Zwei erwarten euch jeweils 18 Level und weitere 28 beenden in Episode Drei die Trilogie. Die Bonus-Episode wiederum orientiert sich an der dritten Episode. Ein Zwischen- und ein Endgegner erwarten euch in jedem Buch. Strenggenommen ist Captain Toad nicht der einzige Protagonist, sondern teilt sich mit Toadette die Bühne. Im ersten Buch tritt Toad alleine die große Entdeckungstour an. Fürs zweite Buch gilt selbiges für Toadette. Bezüglich des dritten und des Bonus-Buches wechseln sich beide ab. Innerhalb der Trilogie steigt der Schwierigkeitsgrad zwar moderat an, bleibt aber bis zum Abspann (erfolgt nach Episode Drei) recht einfach. Das Bonus-Kapitel wiederum ist das echte Prunkstück des Spiels. Einerseits wird das komplette Spielprinzip des Diamanten-Sammelns verworfen, wodurch nur noch das Erreichen des Sternes sowie die erwähnte Erfüllung der Herausforderung in den Mittelpunkt gelangt. Auch spielerisch ändert sich einiges. Mal müssen vier Toads gerettet oder es muss die Flucht vor einer Mumie angetreten werden. Ohne etwas vorweg greifen zu wollen, werden euch nicht nur neue Stages, sondern auch einige Überraschungen begegnen. Wie erwähnt steigt der Schwierigkeitsgrad auf ein höheres, nahezu angemessenes Niveau. Die Trilogie dauert ungefähr acht Stunden und je nach Fähigkeiten und Komplettierungssucht können noch einmal zwei bis vier Stunden für den Bonus-Part dazu addiert werden. Leider sinkt nach dem Freispielen und der Krönung der Level der Wiederspielwert erheblich. Hierdurch ist der Umfang des Spiels gut, aber keineswegs ein Vorbild.

Was erwartet Toad sonst noch?
Zwischendurch erhaltet ihr als Belohnung den einmaligen Zugang zu besonderen Leveln. In diesen sammelt ihr bis zum Ableben oder Ablauf der Zeit Münzen, die eure Lebensanzahl steigern. Von Buch zu Buch unterscheiden sich die Vorgaben und insgesamt gibt es drei verschiedene Arten. Mal müsst ihr Kirschen, die Toad duplizieren, aufnehmen, um eure Ausbeute zu erhöhen und mal müsst ihr per Hammer Blöcke zerstören, die euch den Weg zum Reichtum versperren. In der dritten Variation flüchtet ihr vor Mumien durch ein Labyrinth und greift nach jeder Münzen und jedem 1-Up-Pilz, die euren Weg kreuzen. Leider wurde auf einen Mehrspieler-Modus sowie jegliche Online-Funktionen komplett verzichtet. Noch nicht einmal eure Münz-Rekorde pro Level könnt ihr in einer Rangliste vergleichen. Das größere Manko ist allerdings der Speicherstand. Es gibt nur einen einzigen und es erschließt sich nicht der Sinn, warum Nintendo davon ausgeht, dass Kinder heutzutage keine Geschwister haben oder nicht jedes Kind eine eigene Wii U hat. Die für Nintendo üblichen drei Speicherstände wären auch bei Captain Toad mehr als obligatorisch gewesen.

Zumindest mithilfe von Rüben weiß sich Captain Toad zur Wehr zu setzen.

Erforschung der Steuerung und Technik
Grafisch und soundtechnisch macht Toad eine tadellose Figur. Weder Tearing, noch Kantenflimmern oder gar irgendwelche Systemabstürze sind während des Spielens eingetreten. Optisch und akustisch stand Super Mario 3D World Pate, wodurch ihr kaum neue, aber viele gewohnte Soundeffekte und Melodien erwarten werdet. Beides hätte abwechslungsreicher und individueller sein können, verdirbt aber nicht den Spielspaß. Die wenigen Bildschirmtexte sind deutsch und eine Sprachausgabe ist nicht vorhanden. Dadurch wird Toad nicht zum Meilenstein, bleibt aber auf einem guten Niveau und ist visuell sehr sauber. Die Steuerung wirkt zuweilen leicht ungenau, träge und hakelig. Auch die Kollisionsabfrage ist nicht immer so qualitativ hochwertig, wie man es annehmen will. Zusätzlich lassen die Kamerafahrten einen gewissen Grad an Feintuning sowie Geschmeidigkeit vermissen. Der Touchscreen wird gut eingebunden, allerdings wird der Fernsehbildschirm nur noch selten angeguckt. Flimmerkiste und Controller bilden exakt das gleiche Bild ab, letzterer kann aber unmöglich blind bedient werden, wenn Spiel Interventionen verlangt. Je nach Geschmack kann die Kamera entweder per rechtem Analogstick oder per Bewegungssteuerung justiert werden. Lobenswerterweise sind beide Achsen invertierbar.

Optisch und spielerisch ist Toad ein hübsches Werk, das nicht nur ein Genre vertritt, welches gefühlt kaum noch bedient wird und ein Spielprinzip aufgreift, das stellenweise Neuland betritt. Der Schwierigkeitsgrad schmälert leider das Ganze, ist dieser doch größtenteils zu einfach und verkürzt trotz gutem Umfang die Spielzeit. Auf Online- und Mehrspieler-Modi wurde ebenfalls verzichtet, obwohl sich beide hervorragend ins Spielprinzip integrieren ließen. Der Controller wurde gut eingebunden, führt aber das duale Bildschirm-Prinzip aus Controller-Screen und Fernseher ad absurdum, weil letzterer wirklich nie gebraucht wird. Die Steuerung ist zwar nicht tadellos, unterm Strich aber verschmerzbar. Außerdem macht der starke Bonus-Modus nicht einmal ein Drittel der Expedition aus. Dass Nintendo nur einen Speicherstand anbietet, ist leider ebenso fraglich, wie das fehlende Feingefühl bezüglich der Kamerfahrt. Immerhin wird der Titel aber zu einem günstigen Budgetpreis angeboten und auch Nintendos Mut zur Innovation sollte nicht unerwähnt bleiben, da das Potential für eine neue, nicht minder ideenreiche Franchise neben Mario, Zelda und Co. definitiv vorhanden ist. Dies zu nutzen und die vorhandenen Defizite auszumerzen obliegt alleine Nintendo.

Testversion: Wii U