Kritiken

Castlevania: Lords of Shadow – Mirror of Fate im Test

Dracula. Eine Peitsche. Ein gewaltiges, finsteres Schloss. Stimmungsvolle, gruslige Hintergrundmusik. Das sind die Dinge, die die Castlevania-Reihe prägten und abertausende Fans begeisterten. 2010 versuchte sich MercurySteam mit Castlevania: Lords of Shadow auf PlayStation 3 und Xbox 360 an einer eigenen Neuinterpretation der Reihe, das zwar ein wirklich sehr gutes Spiel wurde – und ganz nebenbei der mit Abstand besten 3D-Ableger des Franchises -, jedoch mangelte es an dem typischen Castlevania-Charme. Einfach dem Helden eine Peitsche, pardon, ein Kampfkreuz, in die Hand zu drücken und ihn auf Monsterjagd zu schicken, reicht dazu einfach nicht aus. Ich will allerdings nicht nostalgisch herumjammern, dass früher ja wie so oft angeblich alles besser war, und lieber mein Auge auf den 3DS-Nachfolger Mirror of Fate werfen. Ob die Rückkehr zum Sidescroller den Geist der Castlevania-Reihe besser einfangen konnte, haben wir für euch herausgefunden.

Auch Gabriel Belmont, Held des ersten Lords of Shadow, ist wieder mit von der Partie – zumindest im Prolog.

„Er macht seit annähernd 600 Jahren nichts anderes, als meine Spezies auszurotten.“
(Underworld)

Zunächst einmal: Mirror of Fate knüpft mehr oder weniger genau da an, wo der PS360-Titel Castlevania: Lords of Shadow aufgehört hat und verrät somit für all diejenigen, die den Konsolen-Ableger bislang nicht gespielt haben ganz automatisch, wie dieser endet. Erzählt wird die Geschichte von Mirror of Fate in insgesamt drei Akten. So spielt man im Prolog Gabriel Belmont, noch bevor er sich auf die Suche nach den Fürsten der Finsternis macht. Die eigentliche Handlung beginnt 57 Jahre später. Trotz den Bemühungen von Gabriel Frieden und Hoffnung wiederherzustellen, wurde die Welt von der Finsternis überrannt und zwei Generationen später sinnt der nächste Belmont nach Rache am Vampirlord höchstpersönlich, der den Tod seiner Eltern zu verantworten hat. Simon, der jüngste Spross der Blutlinie der Belmonts macht sich nun also zu dem Schloss auf, in dem sich Dracula verbergen soll. Doch ihr seid nicht nur als Simon unterwegs, seine Wege kreuzen sich immer wieder mit dem geheimnisvollen Alucard, über den ihr im zweiten Akt die Kontrolle übernehmt. Und auch Simon’s Vater und Gabriels direkter Nachkomme, Trevor Belmont, wurde ein gesamter Akt gewidmet, der die Geschehnisse dreißig Jahre vor den ersten beiden Akten beleuchtet. Ohne zuviel von der Geschichte verraten zu wollen – es ist schon verdammt schade, dass der letzte Abschnitt so nicht richtig funktionieren kann und keinerlei neue Erkenntnis, keinen „Aha!“-Effekt mit sich bringt, weil man schon deutlich früher im Spielverlauf erfährt, wie denn die Geschichte mit Trevor enden wird. Dadurch wirkt der Abschluss ziemlich überflüssig und hinterlässt mehr den Eindruck einer zusätzlichen Prequel-DLC-Episode, als des zu erwarteten epischen Höhepunkt des Spiels. Einfach eine andere Kapitelreihenfolge hätte hier schon ein kleines Wunder vollbracht.

Auch wenn man ziemlich zu Beginn bereits die klassische Peitsche gegen das moderne Kampfkreuz austauscht, so fühlen sich die drei episodenartigen Abenteuer doch schon wieder ziemlich wie ein echtes, altbekanntes und geliebtes Castlevania an. Im Gegensatz zu dem großen Bruder auf den stationären Konsolen spielt sich das Geschehen in Mirror of Fate nur auf einer Ebene ab und bietet wie man es von den Handheld-Vorgängern gewohnt ist packende Action in Sidescrolling-Manier. Auch das Gameplay wurde auf ein neues, dynamischeres und vor allem auch moderneres Level gehoben, ohne jedoch den typischen Flair einzubüßen. Und während kleinere Standardgegner, wie einzelne Zombies schon fast beim ersten Kettenkontakt endgültig wieder in die Hölle zurückkehren, so ist bei größeren Kontrahenten eindeutig mehr Taktik gefragt. Hat man diese dann lange genug bearbeitet und ordentlich geschwächt, beginnen diese zu leuchten und können alternativ mit einen Druck auf die rechte Schultertaste mit einem brachialen letzten Schlag erledigt werden. Genau das zeigt sich auch in den Bosskämpfen, die durchaus fordernd sind, ohne jedoch unfair zu werden. Dadurch, dass allerdings unter anderem bei jedem Betreten eines Areals abgespeichert wird, geht die Atmosphäre der dauerhaft drückende Gefahr ein wenig verloren. Auch bei jedem Boss wird in jeder Phase zwischengespeichert, weshalb diese nicht mehr ganz so bedrohlich erscheinen. Besagte Bossgegner gibt es übrigens zu Hauf.

Das Kampfsystem ist deutlich kombolastiger, als man es von den bisherigen Handheld-Castlevanias kennt. Anders als eben zum Beispiel in Lords of Shadow, kann man die im Kampf erworbenen Erfahrungspunkten jedoch nicht nach Bedarf eintauschen, sondern steigert das Level seines Charakters nach genug niedergestreckten Gegnern automatisch. Mit jedem Levelaufstieg lernt man auch eine neue Kombo, mit der man fortan Skeletten, Buckligen, Werwölfen oder Vampiren das Fürchten lehren kann. Dabei teilen sich allerdings alle drei spielbaren Charaktere Erfahrungspunkte und damit auch den Level. Außerdem ist das Kampfsystem in den Grundzügen bei jeder der Spielfiguren identisch, ebenso die bis zu dem Maximallevel aneigbaren Kombos. Im Laufe des Spiels erhält zumindest ein jeder zwei verschiedene Zweitwaffen, die man entweder über das Steuerkreuz oder aber den Touchscreen auswählen kann. Feindlichen Kreaturen Wurfäxte um die Ohren zu werfen, die Zeit für ein paar Augenblicke zu verlangsamen oder einen Schwarm Fledermäuse auf den Hals zu hetzen, kann euch hierbei schon das ein oder andere mal vor dem sicheren Tod retten. Auch einige Rätsel dürfen natürlich nicht fehlen, die allerdings zumeist aus simplen Herumschiebereien oder dem Zusammensuchen von Hinweisen bestehen.

Im finsteren Schloss des finsteren Fürsten der Finsternis gibt es für sammelwütige und entdeckungsfreudige Spieler so einiges zu entdecken. Auf der dauerhaft auf dem Touchscreen eingeblendeten Karte kann man jederzeit sehen, welche Winkel der verschiedenen Areale man bislang noch nicht erkundet hat. Überall in dem düsteren Gemäuer sind dabei verschiedenste Geheimnisse zu entdecken, wie Truhen mit denen die maximale Lebensenergie, Magie oder Munitionsgrenze angehoben werden kann. Auch gibt es Bestiariumseinträge zu finden, mit denen ihr im Hauptmenü mehr über die einzelnen Gegnertypen, sowie deren Schwachstellen erfahren könnt. Sehr oft stoßt ihr auf die Leichen derer, die den vereinten Mächten des Schlosses nicht gewachsen waren, aber euch in den letzten Augenblicken ihres Lebens noch eine mehr oder weniger wichtige Nachricht hinterlassen konnten, die nette zusätzliche Hintergrundinformationen zum Geschehen liefern können. Die Sammelgegenstände sind zuweilen allerdings recht gut versteckt und nicht immer von Anfang an problemlos zu erreichen. Sehr oft sind dabei fordernde Hüpfereien und / oder spezielle Fähigkeiten von Nöten, die ihr erst im späteren Spielverlauf erhaltet, um Türen gewaltsam aufzubrechen oder höher gelegene Plattformen mit Hilfe eines Doppelsprunges zu erreichen. Auch kann man auf der Karte über den Touchscreen insgesamt 50 Markierungen anbringen und selbst beschriften. Eine nette kleine Idee, die jedoch zumindest was die Sammelei angeht recht überflüssig wird, da das Spiel automatisch, wenn im aufgedeckten Bereich der Karte ein Geheimnis verborgen ist, ein Fragezeichen auf der Karte erscheinen lässt. Als kleinen Bonus gibt es im Übrigen für all diejenigen, die wirklich alles im Spiel gefunden haben ein kleines Zusatzvideo von etwa 50 Sekunden Länge im Hauptmenü zu sehen.

 

Erzählt wird die tragische Geschichte des Belmont-Clans in wunderschönen, gerenderten Cel-Shading Sequenzen, die mit einer sehr guten englischen Synchronisation unterlegt wurden. Im eigentlichen Spiel bekommen wir eindrucksvolle dreidimensionale Umgebungen präsentiert, die gerade auch mit eingeschalteten 3D-Effekt einfach beeindruckend wirken und bei denen der Tiefeneffekt absolut überzeugen kann. Überhaupt ist Castlevania: Lords of Shadow – Mirror of Fate gerade was die Optik angeht, einer der ganz großen Titel auf Nintendos Handheld. Gerade die aufwendigen Hintergründe und detaillierten Figuren, sowie deren Animationen können auf ganzer Linie überzeugen. Und die Framerate-Einbrüche, die noch in der Demo zu finden waren, sind inzwischen auch ausgemerzt worden. Hervorzuheben sind noch einige wirklich eindrucksvolle Ingame-Zwischensequenzen, die einfach grandios inszeniert wurden und sich nicht vor dem Konsolenerstling verstecken muss. Und auch auf der akustischen Seite weiß Mirror of Fate zu überzeugen. Mit orchestralen Kompositionen mit choraler Unterstützung sowie düsteren Klängen wird das Geschehen stets passend unterstrichen. Schade nur, dass auf der musikalischen Ebene doch so einiges recycelt wurde – einige Stücke aus dem Soundtrack ertönten schon im großen HD-Erstling.

Dracula – check. Gewaltiges, finsteres Schloss – check. Peitsche – mh, lassen wir das Kampfkreuz mal so eben noch gelten. Stimmungsvolle, gruslige Musik – stimmungsvoll check, gruslig eher nicht. Nicht nur die Zutaten stimmen, auch das Endprodukt konnte überzeugen. Natürlich erhält man mit dem neuesten Ableger kein reines Castlevania der alten Schule, es verknüpft vielmehr die Stärken von Lords of Shadow mit den klassischen 2D-Vampirjagden. Und doch fühlt sich Mirror of Fate deutlich mehr nach Castlevania an, als es sein großer Bruder getan hat und kann durch das anspruchsvolle Kampfsystem, fordernde Schlachten und beeindruckende Optik punkten. Lediglich das verschenkte Potential beim großen Finale und der begrenzte Umfang trüben das Gesamtbild und verhindern eine höhere Wertung. Die Spielzeit ist nämlich schon ziemlich knapp bemessen, nach gerade einmal zwölf Stunden stand auf meinem Spielstand ein Fortschritt von 100 % und mal unter uns, stellenweise habe ich mich schon wirklich verdammt dumm angestellt. (Hinweis: Dieser Test wurde von unserer ehemaligen Redakteurin Barbara Bleier verfasst)