Kritiken

Child of Light im Test

Selten genug sieht man auf den Online-Plattformen wirklich ambitionierte Rollenspiel-Projekte, da der Aufwand meist zu groß für die relativ günstige Preisgestaltung ist. Doch Ubisoft drängt nun auch in diese Gefilde ein, indem sie einen Genre-Hybrid anbieten, der Elemente eines Plattformers mit einem Rollenspiel vermischt. Wir haben uns das auf Anhieb erfrischend wirkende Kunstwerk näher angeschaut.

Das Kind des Lichts
In Child of Light schlüpft ihr in die Rolle von Prinzessin Aurora, die von ihrer Heimat verschleppt wurde und nun einen Weg zurück sucht. Ihre Aufgabe ist es, die drei Quellen des Lichts – Sonne, Mond und Sterne – zurückzubringen, die allesamt von einer Nachtkönigin gefangen gehalten werden. Zusammen mit dem allzeit helfenden Glühwürmchen Igniculus begibt sich Aurora auf eine märchenhafte, aber von Dunkelheit erfüllte Reise durch das mysteriöse Königreich Lemuria und stellt sich ihren größten Ängsten, um ihren Vater wiedersehen zu können…

screen_child-of-light_05Während ihr Aurora durch eine 2D-Umwelt steuert, folgt euch Igniculus, der sich ebenfalls parallel über den Monitor bewegen lässt, um mit Objekten zu interagieren. So hilft er Aurora über Abschnitte zu gelangen oder Rätsel zu lösen, was auch in einem Koop-Modus umgesetzt werden kann. Während Aurora zu Beginn noch recht limitiert ist, erlernt sie mit der Zeit neue Fähigkeiten und kann die Welt von Lemuria anschließend nicht nur wie ein klassisches Jump ’n‘ Run bereisen, sondern nach einiger Zeit auch fliegen. Nicht nur werden dadurch viele neue Abschnitte erreichbar, sondern es lassen sich in der großen Spielwelt unzählige Truhen und Geheimnisse entdecken, was die Herzen von Rollenspiel-Fans höher schlagen lässt.

Findet ihr beispielsweise Kristalle, so könnt ihr diese den Ausrüstungsgegenständen anhängen und dadurch brauchbare Statusboni erhalten. Um diese Fähigkeiten zu verbessern, lassen sich Kristalle über das Menü wie in einem chemischen Prozess verbinden und ein noch stärkeres Attribut entstehen. Doch Aurora und ihre vielen Reisebegleiter können sich auch mit einem klassischen Levelsystem verbessern und Statuswerte verbessern. Neben klassischen HP- und MP-Werten, bietet das Menü ein Fähigkeitenbrett mit unterschiedlichen Routen für jeden Charakter an, das mit Level up-Punkten aufgefüllt werden kann. Neben Verbesserungen von Statuswerten zählen auch neue Angriffsvariationen und Defensivaktionen zur Auswahl, sodass man in dem klassisch gehaltenen ATB-Kampfsystem immer strategischer vorgehen kann. Zusätzlich zu den verschiedenen Elementen mit Stärken und Schwächen bietet Igniculus noch die Möglichkeit Gegner zu blenden, um deren ATB-Geschwindigkeit zu verringern. Dadurch könnt ihr Gegner noch gezielt vor dem Cast-Bereich abfangen und einen Präventivschlag landen. Geht Igniculus die Leuchtkraft aus, kann er leuchtende Orbs einsammeln, um seine Leiste erneut zu füllen. Allein muss Aurora selten kämpfen und so lassen sich auch schon zu zweit sinnvolle Angriffsmuster bilden, um Kämpfe problemlos zu überstehen. Wem das dennoch ein Tick zu schwer ist, kann den Schwierigkeitsgrad jederzeit über das Menü verändern.

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Mehr als nur eine Augenweide

Child of Light bietet dank der neuesten Rayman Engine, dem hauseigenen UbiArt Framework, eine tolle Atmosphäre. Doch Director Patrick Plourde wollte sich dennoch mit Child of Light differenzieren und geht vielmehr in die Richtung einer Mischung aus Studio Ghibli und dem unverkennbaren Artwork-Design von Yoshitaka Amano, der seit jeher für klassische Final Fantasy-Artworks verantwortlich ist. Unterstützt wird diese malerisch schöne Kulisse von einem zauberhaft komponierten Soundtrack, der aus der Feder der kanadischen Starsängerin Béatrice Martin, hierzulande besser bekannt als Coeur de pirate, stammt. Dieser Fakt und die prominente Besetzung untermauern die ambitionierte Herangehensweise an das Projekt und das Resultat kann sich wahrlich sehen lassen. Man nehme den Charme der Trine-Erzählhaltung samt Rätseldesign, die Weltgestaltung eines Guacamelee und kombiniert es mit dem Artstyle von Rayman auf einem magischen Ghibli-Trip in altbekannter Amano-Manier. Child of Light zieht sich das Beste aus vielen Komponenten heraus und bietet damit erfrischenden Abwechslungsreichtum in jeglicher Hinsicht an.

Child of Light ist ein gelungener Hybrid aus Plattformer und klassischem Rollenspiel, das die Geschmäcker beider Genre-Liebhaber – vor allem aber der jRPG-Fans – trifft. Gleichzeitig bietet dieses erfrischende Konzept Unterhaltung auf jederlei Ebene. Sei es die magisch inszenierte Hintergrundgeschichte oder das klassisch, aber süchtig-machende Kampfsystem samt großem Entwicklungspotenzial. Die Reise von Aurora ist in jedem Schritt erhaben und bietet im Preis- / Leistungsverhältnis mehr als man üblich von sonstigen Online-Titeln dieser Preiskategorie erwarten kann. Child of Light bietet eine vollwertige Spielerfahrung, die man uneingeschränkt empfehlen kann. Unsere Empfehlung: Sofort zuschlagen und sich verzaubern lassen!

F
Als inzwischen [irgendwie] alter Hase auf Gaming-Universe ist Dominic berühmt-berüchtigt für seine japanische Rollenspiel-Zuneigung. Doch auch Rennspiele und Action-Adventures sowie Spiele mit intensiver Erfahrung fesseln ihn immer wieder, weshalb er schon seit einiger Zeit zu einem waschechten Multikonsolero mutierte, der alles (aber nur, was ihm gefällt!) wie ein wählerischer Schwamm aufsaugt und den Rest brav ignoriert.
Kommt ein bisschen spät der Test, aber besser spät als nie. Es ist ein Gott von mir gewesen.... 2015 oder so…
Der Test kam schon vor langer, langer Zeit - wir haben ihn nur nochmal hochgeschoben, weil das Spiel jetzt ja auch für die Switch da ist :)
L