Kritiken

Chrono Trigger im Test

Zu Zeiten des Super Nintendos konnten Fans japanischer Rollenspiele sich wirklich nicht beklagen. Ein Meisterwerk folgte dem nächsten, auch wenn das Genre in Europa noch lange nicht richtig etabliert war. Auch deshalb haben es einige Perlen, wie etwa das zur späten SNES-Zeit erschienene Chrono Trigger, ihren Weg gar nicht erst auf unseren Kontinent gefunden. Im Zuge des Retrowahns auf dem Nintendo DS hat sich Square Enix nun aber ein Herz gefasst und veröffentlicht Chrono Trigger erstmals auch in Europa. Wir haben uns den Klassiker genauer angeschaut und geprüft, ob auch heute noch ein Vorzeige-Rollenspiel vor unserem Bildschirm abläuft.

Eine epische Zeitreise
Die Geschichte von Chrono Trigger dreht sich um den rothaarigen Jungspund Crono, der zusammen mit seiner Familie in einem beschaulichen Dorf lebt. In diesem herrscht momentan helle Aufregung, denn ein großes Fest samt Kirmes steht vor den Toren, anlässlich des 400. Jahrestags des Kriegsendes. Auf der Suche nach seiner besten Freundin stolpert Crono auf einmal in ein hübsches Mädchen namens Merle, die fortan mit Crono zusammen die Kirmes unsicher macht. Doch schon nach kurzer Zeit passiert das Unfassbare. Nachdem Crono seine beste Freundin Lucca gefunden hat, die zudem eine begnadete Erfinderin ist, gerät die Situation außer Kontrolle. Eigentlich hat Lucca eine Maschine erfunden, die einen vom jetzigen Punkt, zu einem weiter entfernten teleportieren soll. Was zunächst aber bei Crono gut geht, scheitert auf einmal beim zweiten Versuch, den Merle antritt und auf einmal ist sie verschwunden. Ohne große Fragen zu stellen, macht sich Crono nach ein paar Minuten auf den Weg die Ursache herauszufinden und springt dabei in ein mystisches Loch. Am Ende dieses Lochs angekommen, stellt er auf einmal fest, dass er zwar immer noch in seinem Heimatdorf ist, sich aber einiges verändert hat. Er ist nämlich sage und schreibe 400 Jahre in die Vergangenheit gereist und macht sich nun auf die Suche nach Merle.

Im Laufe des Abenteuers werdet ihr in der Haut von Crono noch weitere Epochen der Geschichte aufsuchen, von der prähistorischen Steinzeit, bis zur düsteren Zukunft. Während eurer Reise werdet ihr dabei einer großen Verschwörung auf die Schliche kommen, die vom Ende der Welt berichtet. Klar macht sich Crono auch hier auf den Weg, die Welt vor der Zerstörung zu retten. Ihm zur Seite stehen dabei immer mehr Gefährten, die ihr in den verschiedenen Zeitepochen kennenlernen werdet.

Wer hat an der Uhr gedreht?
Als Chrono Trigger anno 1995 für das Super Nintendo erschien, war die Zeitreise-Thematik in einem Videospiel ein relativ unerforschtes Gebiet. Auch heute noch wirkt die Idee frisch und das Spiel schafft es, diese Thematik gekonnt in Story und Charakterentwicklung mit einfließen zu lassen, ohne dabei eine gehörige Prise Humor vermissen zu lassen. Die eigentliche Oberwelt von Chrono Trigger ist nicht besonders groß geraten für ein Rollenspiel. Hier bekommt ihr es je nach Epoche vielleicht mit maximal vier größeren Dörfern zu tun. Da es aber insgesamt sechs Zeitepochen gibt, erlebt ihr die verschiedenen Ereignisse einfach zu verschiedenen Zeiten.

Interessant ist hier auch die Entwicklung der Oberwelt. In der Steinzeit ist alles zum Beispiel noch eine große Landmasse, während in der Gegenwart die Welt in verschiedene Kontinente aufgeteilt ist, obwohl ihr euch an gleicher Stelle befindet. Auch gibt es je nach Epoche an anderer Stelle Dörfer oder Gebäude, die es wiederum zu einer anderen Zeit noch gar nicht gab oder nicht mehr gibt. Dabei durchlebt ihr nicht immer eine komplette Epoche, sondern reist im Verlauf des Abenteuers stetig zwischen den Zeiten hin und her, um weitere Geheimnisse aufzudecken. Später geht dies sogar soweit, dass ihr die Zukunft an bestimmten Stellen leicht manipulieren dürft, wenn ihr ein bestimmtes Ereignis in der Vergangenheit anders bewältigt, als dies von der Geschichte geplant war. Auch die einzelnen Charaktere bringen ihr ganz eigenen Geschichten mit, die sich stets gut ins das Gesamtbild mit einfügen. So lernt ihr einen tapferen Ritter im Mittelalter kennen oder in der Zukunft einen modernen Roboter. Gegen Ende des Spiels kommen zudem eine Handvoll interessanter Nebenmissionen zum Vorschein, die sich besonders gut als Vorbereitung auf den Endkampf eignen.

Zukunftsweisend?
Spielerisch ging Chrono Trigger seinerzeit etwas andere Wege. Zunächst einmal bot euch das Spiel nämlich keine der ansonsten standardmäßigen Zufallskämpfe. Meistens könnt ihr eure Gegner direkt vor euch sehen und diese im Notfall auch umgehen. Kommt es zum Kampf, zoomt das Spiel nicht etwa in eine Kampfarena, sondern ihr bestreitet die Kämpfe direkt vor Ort. Zum Einsatz kommt hier das aus Final Fantasy bekannte ATB-System (Active Time Battle). Eine sich aufladende Leiste zeigt euch an, wann einer eurer maximal drei Charaktere an der Reihe ist. Dann heißt es schnell einen Befehl auszusuchen, wie etwa Angriff, Technik, Magie oder Item und blitzschnell zuzuschlagen, bevor der Gegner am Zug ist. Wem dieses System etwas zu hektisch ist, der kann aber auch auf rundenbasierte Kämpfe umstellen. Durch den Kampf an Ort und Stelle kommen aber auch weitere Besonderheiten zum Vorschein. So positionieren sich eure Charaktere stets anders, was Auswirkungen auf deren Angriffe hat. So besitzt Crono eine Drehattacke, die mehrere Gegner treffen kann, die nah beieinander stehen, während Lucca einen geradlinigen Flammenstrahl loslässt, der alle Gegner trifft, die in einer Reihe zu ihr aufgestellt sind.

Auch in den Dörfern ist die Spielmechanik leicht anders, da ihr hier jedes Gebäude direkt auf der Oberwelt seht und von dort aus einzeln betreten könnt. Dies führt aber auch dazu, dass die Dörfer an sich selten aus mehr als vier Gebäuden bestehen und somit recht klein ausfallen.

Chrono Trigger ist ein sehr geradliniges und zügiges Rollenspiel, welches sehr gut ausbalanciert ist. Zügig deshalb, weil ihr kaum mehr als eine halbe Stunde pro Dungeon brauchen werdet, bevor die Geschichte in kurzen Sequenzen fortgeführt wird. So ergibt sich ein stetiger Wechsel aus Kampf und Story, der das Spiel niemals langweilig werden lässt. Außerdem werdet ihr kaum Probleme haben, durch das Spiel zu kommen. Meistens seid ihr zum richtigen Zeitpunkt auf dem richtigen Level, um die Gegner mit etwas Taktik locker in die Tasche stecken zu können. Dazu trägt auch bei, dass die Charaktere, die gerade nicht in eurer Party sind, mitleveln. Nur neue Techniken bekommen sie erst durchs Kämpfen beigebracht. Höchstens wird es mal vorkommen, dass ihr nicht genau wisst, wo ihr als nächstes hinmüsst. Hier solltet ihr besonders auf die Dialoge achten. Ein Tagebuch ist leider nicht vorhanden.

Nicht ganz in der Gegenwart angekommen
So flüssig und motivierend Chrono Trigger auch heute noch ist, so hätte man bei der Anpassung an den Nintendo DS ein paar Sachen einfach besser machen können. Erst einmal fällt hier natürlich die Grafik auf, die 1:1 aus dem Original übernommen wurde und kein Facelifting spendiert bekommen hat, wie beispielsweise die Remakes von Final Fantasy. Dennoch sieht Chrono Trigger immer noch sehr stimmig und abwechslungsreich aus, was vor allem Retro-Fans freuen wird. Die SNES-Optik hat aber auch zur Folge, dass sämtliche Details einfach etwas zu klein auf dem Nintendo DS wirken, da diese für einen TV-Bildschirm ausgerichtet wurden. Dennoch ist Chrono Trigger im technischen Bereich auf keinen Fall eine Enttäuschung, nur eben etwas altbacken. Zu Gefallen wissen auf jeden Fall die wunderschönen Anime-Sequenzen aus dem PS one-Remake, die hin und wieder in die Story eingefügt werden und mit dem Charakterdesign von Dragon Ball-Schöpfer Akira Toriyama auftrumpfen. Auch die Musik gehört heute noch zum mit besten, was ein Rollenspiel bislang auf die Beine gestellt hat.

Ansonsten beinhaltet die Anpassung an den Nintendo DS noch weitere Licht- und Schattenpunkte. Entscheidet ihr euch unter den Optionen für den „DS-Mode“, wählt ihr im Kampf die einzelnen Aktionen über den Touchscreen aus. Dies hat den Vorteil, dass ihr auf dem oberen Bildschirm nicht mehr mit kleinen Textfeldern bombardiert werdet, dafür bekommt ihr aber auch nicht immer unbedingt alles mit, da ihr ständig zwischen Top- und Touchscreen wechseln müsst. Von Vorteil ist aber auf jeden Fall, dass ihr ansonsten stets eine Karte der Welt oder des Dungeons auf dem Touchscreen seht und sich an den Rändern Kurzauswahl-Buttons für euer Inventar, Optionen, Ausrüstung usw. befinden. Das DS-exklusive Dungeon und das neue Monsteraufzucht-System hätte man sich im Übrigen sparen können, da hier leider kaum Motivation für besteht. Zwei große Kritikpunkte gibt es dann aber doch: Zum einen hat Square Enix es versäumt dem Europa-Debüt von Chrono Trigger deutsche Texte zu verpassen, weshalb nur englisch-kundige Spieler in den vollen Genuss des Spiels kommen und zum anderen wurde das Speichersystem nicht angepasst. Das bedeutet, dass ihr nur an Speicherpunkten und auf der Oberwelt euren Spielstand sichern könnt. Eine in der heutigen Zeit selbst für Remakes obligatorische Zwischenspeicherfunktion gibt es nicht.

Wer Chrono Trigger noch nicht kennt und zudem dem Englischen mächtig ist, der sollte sich dieses Meisterwerk auf dem Nintendo DS nicht entgehen lassen. Es ist zwar schade, dass das Spiel keine deutschen Texte und zudem ein veraltetes Speichersystem besitzt, aber im Grunde genommen war es das auch schon an den wirklich schwerwiegenden Mängeln. Wer sich auf Chrono Trigger einlässt, der bekommt eine erfrischende Zeitreise-Thematik spendiert, die gekonnt mit ihren Charakteren und der Entwicklung an sich umzugehen weiß. Dass es so gut wie keine Zufallskämpfe gibt und das Spielgeschehen auch ansonsten sehr flott und ausbalanciert daherkommt, ist selbst bei heutigen Rollenspielen noch lange keine Selbstverständlichkeit. Das sympathische Design und die klasse Musikuntermalung erledigen ihr Übriges. Chrono Trigger entführt euch auf eine, für ein Rollenspiel vielleicht etwas kurze, Reise von gut 20 Spielstunden mit hohem Unterhaltungswert. Wer zudem wirklich alles erfahren will, der darf sich auf satte 13 unterschiedliche Enden freuen, die einen erneuten Spieldurchlauf schmackhaft machen.