Die Indie Ecke: Juni und Juli 2017

Indie-Spiele machen mittlerweile einen Großteil des Spieleaufgebots auf den Konsolen aus und folgerichtig wollen wir den Kleinentwicklern ein wenig mehr Sichtbarkeit einräumen. Hierzu startet an dieser Stelle eine monatliche Artikelreihe, in der unsere Redakteure Tosha und Sebastian ihre Indie-Highlights des Monats vorstellen und einen Überblick über das Line-Up des Folgemonats geben. In diesem Monat konnte Tosha kein Highlight ausmachen, weshalb heute nur Sebastian seine neuen Lieblinge vorstellen wird.

Sebastians Highlights des Monats Mai: Skylar & Plux (Xbox One, PS4) und Rime (Xbox One, PS4, später: Nintendo Switch)

Nach Yooka-Laylee im April ging es im Mai gleich aufregend weiter in Sachen 3D-Jump & Runs von Kleinststudios, denn Skylar & Plux: Adventure on Clover Island tritt in die Fußstapfen von Jak & Daxter. In drei recht linear aufgebauten Levels muss man seine Sprungfähigkeiten mit einem agilen Duo unter Beweis stellen, das mit einem Moveset wie aus dem Hause Naughty Dog daher kommt. Doppelsprung, einfacher Angriff und Wirbelangriff, man fühlt sich unweigerlich in die Jump & Run-Vergangenheit des amerikanischen Studios zurückversetzt. Mit einem neuen interessanten Move in jedem Level, kleinen Rätseln, die das Spiel auflockern und abwechslungsreichem Level-Design weiß Skylar & Plux zu gefallen.

Skylar & Plux

Auf der anderen Seite ist allerdings der äußerst geringe Spielumfang kritisch anzumerken, denn um das Spiel durchzuspielen habe ich weniger als zwei Stunden veranschlagen müssen. Auch der Schwierigkeitsgrad ist ein wenig unausgegoren. Die Hüpfsequenzen sind durchweg extrem leicht, einzelne Situationen werden aber durch Gegnermassen und fliegende Projektile zur Geduldsprobe. Eine konsistente Schwierigkeitskurve sucht man leider vergebens. Dafür sollte aber in jedem Fall hervorgehoben werden, dass der Doppelsprung und die Steuerung im Allgemeinen bei Skylar & Plux merklich direkter und besser sind als in dem Naughty Dog Vorbild, was definitiv keine Selbstverständlichkeit ist.

Beinahe doppelt so lang unterhält das Action-Adventure Rime. Rime ist sehr stark auf eine emotionale Spielerfahrung fokussiert, wobei sich bei der konkreten Thematik durchaus – jedenfalls bei mir – eine gewisse Abnutzungserscheinung bemerkbar macht. Allzu viele Indie-Spiele haben zuletzt einen ähnlichen Ansatz gewählt. Spielerisch setzt Rime vorrangig auf Rätsel, was zusätzlich dadurch betont wird, dass man in Rime nicht (unmittelbar) kämpfen kann. In der Konsequenz sind Gegner, die dem Hauptcharakter nach dem Leben trachten, nicht ohne weiteres zu besiegen. Eine Besonderheit von Rime ist, dass das Spiel ohne jeden erklärenden Text auskommt, jedes Rätsel sich also aus sich heraus erschließen lassen muss. Um dem Spieler dennoch eine gewisse Hilfe an die Hand zu geben, zeigt in nicht ganz offensichtlichen Situationen ein Fuchs den weiteren Weg durch das Spiel an. Eine subtile Führung, die erstaunlich gut funktioniert.

Rime

Aus rein spielerischer Sicht leidet Rime aber an einer ziemlich geringen Design-Dichte. Von den knapp vier Stunden, die das Spiel dauert, habe ich gewiss mehr als die Hälfte damit zugebracht, einfachen, anspruchslosen Wegen zu folgen, die aber zumindest stets mit sehr ansehnlichen Kulissen und Animationen gefüllt sind und dazu dienen, die markante Atmosphäre des Titels zu fördern. Zumindest auf der Xbox One sollte man außerdem die schwache technische Umsetzung im Hinterkopf bewahren, denn das Spiel hat eine durchweg instabile Framerate und ist zudem in dem kurzen Test gleich zwei Mal in einen Spielfehler gefallen, durch den der Spielcharakter immer wieder nach nur wenigen Spielschritten selbsttätig gestorben ist. Dieser Fehler konnte nur durch einen Neustart behoben werden. Wer Spaß an einigen unterhaltsamen aber simplen Rätseln und Lust auf ein atmosphärisch dichtes „Experience-Spiel“ hat, den dürfte bei Rime aber trotz dieser Macken eine gute Zeit erwarten.

Sebastians Highlight des Monats Juni: Elliot Quest (Xbox One, PS4, Wii U)
Wenn ein Indie-Team sich Zelda zur Vorlage nimmt, erwartet den Spieler in aller Regel ein Spiel, das in der Tradition von Zelda: A Link to the Past steht. Ganz anders jedoch bei Elliot Quest, denn hier hat sich das kleine Entwicklerteam das schwarze Schaf der Zelda-Reihe, Zelda II: Adventure of Link zum Vorbild genommen. In vielerlei Hinsicht wirkt das Spiel, als wäre es ein direkter Nachfolger des NES-Klassikers. Optisch ist Elliot Quest kaum detaillierter als ein NES-Titel und spielerisch ist es so nah an Zelda II, dass es bisweilen fast wie ein Plagiat herüberkommt. Im Spiel wechseln sich Oberweltabschnitte aus der Vogelperspektive und Kampf- / Rätselabschnitte in der Seitenperspektive ab. Interessant ist die Hauptwaffe des Helden, denn Elliot verwendet Pfeil und Bogen statt Schild und schießt Pfeile in einem Bogen auf Gegner. Dadurch ergeben sich einige nette Kampfsitationen, in denen man beispielsweise von einer erhöhten Plattform vorwärts schießt, um mit der fallenden Flugbahn einen Gegner weiter unten zu erwischen.

Elliots Quest

Erstaunlich gut gelungen ist das Dungeon-Design, das auf das bewährte Konzept des Schlüssel-Items zur Erweiterung der Rätsellöse-Fähigkeiten Elliots setzt. Die Dungeons sind in dieser Hinsicht ein Stück komplizierter als die in Zelda II und wissen sehr zu gefallen. Elliot Quest ist also ein gut gelungenes Action-Adventure, das eine lange brachliegende Machart wieder aufgreift, allerdings die Ideen nicht so signifikant weiterentwickelt, dass es sich voll von seinem Nintendo-Vorbild lösen kann.

 

Wie üblich schließen wir mit einem Überblick über die Indie-Spiele, die im Juli erscheinen:

Black the Fall (Jump & Run, PS4, Xbox One) 11. Juli

Serial Cleaner (Stealth, PS4, Xbox One) 11. Juli

Defenders of Ekron (Shooter, PS4) 11. Juli

Orcs Must Die Unchained (Tower Defense, PS4) 18. Juli

Yonder: The Cloud Catcher Chronicles (Action-Adventure, PS4) 18. Juli

Fallen Legion – Sins of an Empire (RPG, PS4, PSV) 25. Juli

Pyre (RPG, PS4) 25. Juli

Sundered (Action, PS4) 28. Juli

Verfasst von
Sebastian hat eine ausgeprägte Vorliebe für Jump & Runs, zählt aber auch Action-Adventures und Arcade-Spiele zu seinen Lieblings-Genres. Hauptaugenmerk liegt bei ihm meistens auf der Spielmechanik, eine gut geschriebene Geschichte lässt ihn aber auch schwach werden. Lieblingsspiele: Yoshi’s Island, Super Mario Galaxy 2, Sonic Generations und Zelda: Skyward Sword.

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