Kritiken

Disney Magical World im Test

Urlaub mit Kindern ist besonders nervtötend, wenn man ihre Wünsche mit in die Planung einbeziehen möchte. Noch schlimmer wird es, wenn diese Kinder dann auch noch große Disneyfans sind und dementsprechend nur ein Ziel vor Augen haben: Disney World! Neben den Strapazen, die so eine Reise mit sich bringt, wäre da auch noch der finanzielle Aspekt zu berücksichtigen. Für all diejenigen, die nicht gerade im Lotto gewonnen haben erscheint nun eine kostengünstige Alternative in Videospielform. Disney Magical World ist eine virtuelle Stadt, die neben den beliebten Disneyhelden und –prinzessinnen auch jede Menge Aufgaben und Schnickschnack für den Spieler mitbringt. Und da es für Nintendo 3DS erscheint, passt es ins Handgepäck auf dem Weg in den erschwinglichen Familienurlaub. Ob und wie lange das Spiel, welches in Kooperation von h.a.n.d. und Bandai Namco Games entstanden ist, den Spieler verzaubern mag haben wir für euch ausgiebig getestet.

Du erntest viel Bewunderung und freien Zugang zu bestimmten Quests, wenn du den Dresscode erfüllst.

Pluto und Goofy – alle sind bei dir!
Willkommen auf dem Schlossgelände! Der erste Eindruck des Simulationsspiels ist für Hardcore Disneyfans durchaus ansprechend. In dem Spiel geht es hauptsächlich darum, stets und immer wieder mit seiner Umwelt zu interagieren und dabei Aufgaben zu lösen. Darum muss man sich zunächst einmal einen Avatar erstellen, mit dem man sich identifizieren kann. Dieser kann rennen, hüpfen, zaubern, Unkraut jäten, besondere Begrüßungsrituale praktizieren und und und. Auf dem Schlossgelände selbst sind alle zentralen Anlaufstellen vertreten, wie Daisys Schneiderei, Chip und Chaps Schreinerei und Dagoberts Einkaufszentrum. Aber auch der gute alte Yen Sid hat sich sein Monopol vor Ort errichtet und hilft dem Spieler dabei seine Mission bestmöglichst zu erledigen. Zwar ist auf dem Schlossgelände alles eitel Sonnenschein, in den angrenzenden Ländern geht es jedoch ziemlich hoch her. Diese entsprechen Miniausgaben von beliebten Ortschaften aus der großen bunten Welt der Disneyfilme. Ob nun im Wunderland, Agrabah oder in und um Cinderellas Schloss; überall wird die Hilfe des Spieler benötigt, da dort böse Mächte ihr Unwesen treiben. In guter Kingdom Hearts-Manie muss man hier wieder für Frieden sorgen. Allerdings sind es dieses Mal Geister, die hier ihr Unwesen treiben und die Bewohner in Angst und Schrecken versetzen. In kleinen Quests gilt es mit Magie alles zu vertreiben, was nicht hier hingehört.

Komm mit mir, dieses Land bietet dir allerhand…
Disney Magical World bietet dem Spieler eine Vielzahl von verschiedenen Aufgaben und Quests. Die meiste Zeit ist man jedoch mit Sammeln von bestimmten Gegenständen, Blumen, Stoffen oder Nahrungsmittel beschäftigt. Man ist nämlich nicht nur der einzige, der die einzelnen Länder von bösen Geistern befreit, sondern scheinbar auch der einzige, der das Zeug dazu hat nebenbei noch ein Café zu führen. Hier verdient man sich sein Geld, indem man den anderen Bewohnern und Gästen des Schlossgeländes leckere, themenbezogene Speisen und Getränke bietet. Auch hier gibt es wieder einige Aufgaben, bei deren Erfüllung man sich weitere Sticker dazuverdienen kann. Sticker sind in diesem Fall die Trophäen, die man im Spiel sammelt. Wer alle Sticker haben möchte, braucht viel Geduld, denn auch wenn die ersten zwanzig Sticker schnell verdient sind und damit weitere Items und Spielbereiche freischalten, gibt es andere, die hauptsächlich nur durch regelmäßiges Sammeln von Gegenständen erreicht werden. Wieder andere bekommt man hauptsächlich durch Glück, wie zum Beispiel den Sticker für das Fangen eines Fisches, der größer ist als 100cm. Hier hilft nur stundenlanges Angeln neben Donald, der einem dann auch noch die ein oder andere Aufgabe aufbrummt.


Im Partnerlook angeln? Bringt zwar keine Vorteile, ist aber eine witzige Idee. Donald gefällt es.

Zu guter Letzt wird dem Spieler auch immer wieder aufgetragen komplette Outfits schneidern zu lassen und diese im Spiel zu tragen. Manchmal sind diese Outfits notwendig, um im Spiel voran zu kommen, meistens lässt man sie allerdings aber schneidern, damit man seinen Fleißsticker erhält. Wer Spiele a la Animal Crossing jedoch mag, sollte mit dieser besonderen Form von Fleißarbeit vertraut sein und eventuell sogar Spaß daran finden.

…hier sind Abenteuer furios.
Je mehr Sticker man gesammelt hat, umso mehr Quests werden freigeschaltet. Diese werden mit der Zeit schwieriger und auch die Geister werden von Quest zu Quest stärker, bzw. hartnäckiger. Die kleinen Rätselelemente, die in einzelnen Quests versteckt werden sind jedoch zu einfach, um sich wirklich als Rätsel hervorzutun. Yen Sid bietet dem Spieler ständig das entsprechende Werkzeug, um einen Ausgleich gegen die stärkeren Geister zu erzielen. Diese Zauberstäbe bekommt man wiederum nur, wenn man denn genügend Material mitbringt. Das sind die Momente, wo das Spiel besonders langatmig wird. Im Test haben wir nach zwanzig Stunden etwa fünfzig Sticker gesammelt, allerdings gibt es 100. Wichtig ist auch, dass man sich merkt, wo man welche Quests wann erledigen kann. Ansonsten läuft man ständig hin und her, um zu schauen, wo man als nächstes weitermachen kann. Dementsprechend länger wird auch das Spiel. Wir konnten uns ziemlich gut merken, was als nächstes anstand, allerdings dürfte das Spielern der Zielgruppe deutlich schwerer fallen. Zumindest werden neue Aktionen oder Erweiterung auf dem Schlossgelände nach dem Erlangen eines weiteren Stickers auf der Karte auf dem Touchscreen angezeigt. Das gibt dem Spieler immerhin einen kleinen Hinweis.

Wer bei der Arbeit pfeift
Musikalisch gibt das Spiel nicht besonders viel her. Im Hundert-Morgen-Wald beispielsweise ist die immer gleiche Musiksequenz sogar sehr schnell sehr nervig. Auch, wenn hier keine Geister besiegt werden müssen, gibt der Titel dem Spieler sehr viele Aufträge, die man nur dort erledigen kann. Nach einer Weile geht das ohne Ton am besten. Jedoch passen die Musikstücke thematisch zu den einzelnen Gebieten. Im Wunderland ist die Musik sehr schräg und in Agrabah orientalisch angehaucht. Der Text in Disney Magical World ist auf Deutsch, jedoch wurden die typischen Ausrufe von Donald, Goofy und Co. nicht aus dem Englischen heraus übersetzt.


Besuche deine Lieblingscharaktere und halte diese Treffen mit einem Foto fest. Und immer recht freundlich!

Vom grafischen Standpunkt gibt es nichts zu bemängeln, allerdings auch nichts besonders hervorzuheben. Man stelle sich einfach alle beliebten Helden und Prinzessinnen in animierter Version vor und man ist dem Ergebnis schon sehr nah. Immerhin ist kein Charakter durch die Animierung wirklich verschandelt worden und man hat keine Probleme damit sie wiederzuerkennen.

Sei hier Gast
Wenn man sich einmal eine Pause von dieser ganzen Weltrettungsgeschichte nimmt, haben einige der Bewohner des Schlossgeländes noch persönliche Fragen an den Spieler. Im Prinzip geht es darum, dass sie letztendlich zu faul sind bestimmte Items zu sammeln und sie erbitten die Hilfe des Spielers und bieten ihnen gleichzeitig oft seltene Items zum Tausch an. Nicht immer ist dies mit wenig Arbeit verbunden. Wenn man allerdings stets alles aufsammelt, was irgendwie glitzert, so werden Sammelgegenstände angezeigt, ist man im Grunde gut gerüstet, was diese Gefallen angeht. Auch das Produzieren von Speisen und Getränken im Café kann so rund laufen. Hier sollte man auch öfters vorbeischauen, um aufzustocken und den Gewinn einzufahren. Nicht selten muss man auch noch Partys schmeißen. Wenn man sich geschickt anstellt, weckt man damit das Interesse von Helden wie Aladdin, Stitch oder Biest und erhält weitere Sticker. Wenn man dann noch einmal Langeweile hat, kann man auch einen Freund besuchen, da das Spiel einen lokalen Mehrspielermodus anbietet. Diesen konnten wir jedoch leider, aus Ermangelung eines zweiten Spielers, nicht testen.

Wie aus dem Test zu entnehmen ist, bietet Disney Magical World genug Input, um mindestens eine lange Autofahrt zu überbrücken. Aber für wen eignet sich das Spiel? Nun, ganz klar stehen hier vor allem Mädchen im Alter bis ca. zehn Jahren im Vordergrund. Wenn man mal das ständige sich Verkleiden müssen außen vorlässt, haben sicherlich auch Jungs im gleichen Alter Spaß daran – vorausgesetzt sie fahren auf die Disney-Klassiker ab. Jegliche Anspielung auf Cars beispielsweise vermisst man in diesem Spiel. Ansonsten eignet sich Disney Magical World für jeden Spieler, der sich gerne in seine Kindheit zurückversetzen und all die liebgewonnen Disney-Charaktere wiedersehen möchte. Unabhängig vom Alter sollte der Spieler in allererster Linie folgendes haben: Zeit, Geduld und Spaß an Fleißarbeit. Man erhält für sein Geld immerhin eine Menge an Spielvariationen und Inhalt, auch, wenn die Hintergrundmusik einem hin und wieder den letzten Nerv zu rauben vermag.