Kritiken

Donkey Kong Country: Tropical Freeze im Test

Das britische Studio Rare hat es mit einem einzelnen Spiel geschafft, sich in die Herzen der Nintendo-Fans zu schweißen sowie auf Jahre hinweg zu Nintendos wichtigstem Software-Partner zu werden. Donkey Kong Country auf dem Super Nintendo entwickelte sich zu einen riesigen Hit und war der Ausgangspunkt einer sehr fruchtbaren Partnerschaft. Mittlerweile gehen Nintendo und Rare getrennte Wege, doch der Name Donkey Kong Country bleibt bis heute in den Köpfen der Spieler. Mit den texanischen Retro Studios hat die Reihe nun eine neue Entwickler-Heimat gefunden und feiert nun in Donkey Kong Country Tropical Freeze seinen Einstand auf der Wii U. Doch kann die Spielreihe auch in ihrer fünften Ausgabe immer noch begeistern? Lest selbst…

Eine Frage der Geduld
Startet man Donkey Kong Country Tropical Freeze, darf man zunächst einmal für Nintendos Verhältnisse unangenehm lange Ladezeiten über sich ergehen lassen. Eine halbe Minute vergeht in der Downloadfassung, bevor man den Titelbildschirm zu sehen bekommt, eine weitere halbe Minute dauert es, bis man wirklich spielen kann und jeder Levelstart dauert wiederum ungefähr eine viertel Minute. Schuld daran dürfte sicherlich die detailreiche und verspielte Grafik des Spiels haben, nichtsdestotrotz ist das ein Makel, den man von Nintendo-Spielen beim besten Willen nicht gewohnt ist. Immerhin: Restarts im Time Attack dauern nur etwa 8 Sekunden und sind somit absolut aushaltbar.


Flexible Steuerung

Im Vergleich zum direkten Vorgänger Donkey Kong Country Returns hat Retro Studios definitiv aus der Kritik der Spieler gelernt. Gab es in dem Wii-Spiel nur die Wahl aus zwei Steuerungsoptionen, in beiden Fällen mit obligatorischer Schüttelsteuerung für den Rollangriff Donkey Kongs, hat Retro dem Spieler im neuesten Donkey Kong-Spiel deutlich mehr Auswahl gelassen. Neben den bekannten Steuerungsvarianten der Wii gibt es eine GamePad- und eine Pro Controller-Steuerung. Diese Steuerung lässt sich zudem im Menü auch noch modifizieren. So kann man wahlweise per Steuerkreuz – dann allerdings mit Rennknopf – oder per Analogstick spielen und kann zudem wählen, ob X und Y die Rolle ausführen, oder zum Greifen dienen – die jeweils andere Funktion übernehmen dann die Trigger ZR und ZL. So dürfte bei Tropical Freeze nun endlich jeder Spieler auf seine Kosten kommen.

Das grundlegende Gameplay wurde im Vergleich zum Vorgänger nahezu komplett übernommen. Tatsächlich ist es so, dass, solange man nur mit Donkey Kong, oder gemeinsam mit Diddy unterwegs ist, das Spiel sich absolut identisch zum Vorgänger anfühlt. In Anbetracht dessen, dass die Spielmechanik in Donkey Kong Country Returns ohnehin bereits fantastisch war, ist das allerdings kein großes Problem. Um dennoch ein wenig Frische ins Spiel zu bringen, haben die Entwickler Donkey Kong zwei neue Begleiter mit auf den Weg gegeben. Neben Diddy Kong, der wieder seinen Sprung-verlängernden Raketenfass-Move mitbringt, kann man auch Dixie Kong oder Cranky Kong als Begleiter in den Kong-Fässern finden.

Dixie und Cranky geben sich die Ehre

Dixie Kong erlaubt dem Spieler dank ihres Propeller-Haarschopfes nach dem Sprung noch ein wenig zusätzlich an Höhe zu gewinnen, wohingegen Cranky Kong offenbar Dagoberts Sprungstock aus DuckTales 1 und 2 auf dem NES gestohlen hat. Per Druck auf den Sprungknopf in der Luft kann man sich auf dem Sprungstock hüpfend fortbewegen und so nicht nur Gegnern Schaden zufügen und etwas höher springen, sondern zudem auch Stacheln überqueren. Alle drei Begleiter-Kongs ermöglichen Donkey Kong zudem die ununterbrochene Fassrolle, die für den Time Attack-Modus unverzichtbar ist. Es ist erfreulich, wie gut die drei affigen Helfer in das Spieldesign eingebunden sind. Wenn man einen spezifischen Affen benötigt, findet sich in aller Regel ein Fass, das nur diesen Affen enthält, in der Nähe, so dass nervige Wiederholungen, nur weil man den falschen Affen mitgenommen hat, ausbleiben. Auch an Time Attack-Fans hat Retro Studios gedacht und eine Option zur Verfügung gestellt, die es einem erlaubt, im Time Attack-Modus im Vorfeld zu bestimmen, welcher Kong sich in den Fässern versteckt. So kann das Spiel die Vorteile der verschiedenen Begleiter mit cleveren Verstecken voll ausnutzen, ohne in die nervigen Fallstricke zu geraten, die oftmals mit mehreren wählbaren Helfern einher gehen.

screen_donkey-kong-country-tropical-freeze_09Einfallsreiches Leveldesign
Die Spielmechanik ist also wieder absolut rund, doch das Highlight eines jeden Retro-Spiels ist seit je her das Leveldesign. Hier stellt Donkey Kong Country Tropical Freeze auch absolut keine Ausnahme dar. Die verschiedenen Level im Spiel begeistern mit einer gehörigen Portion Abwechslung, vielen frischen Ideen und gelungenen Verstecken für die zahlreichen Sammelgegenstände. Besonders viel Mühe hat man sich dabei gegeben, die vielen interessanten Level-Elemente auch stilistisch gut in Szene zu setzen. Tanzende Bäume, Fliegende Plattformen, die gleichzeitig Druckschalter sind, oder aber Windströme aus den Lungen von im Hintergrund befindlichen Gegnern sorgen für allerlei skurrile aber auch außerordentlich unterhaltsame Momente.

Strukturell bietet Tropical Freeze alles, was bereits Returns geboten zuvor hat. So kann man in jedem Level die KONG-Buchstaben einsammeln und so besonders schwierige Extra-Level freischalten, sowie zwischen fünf und neun Puzzleteile sammeln, die etwas schwieriger zu finden sind, dafür aber auch in mehreren Versuchen einzeln gesammelt werden können. Die Puzzleteile schalten wie gehabt Konzeptzeichnungen frei.
Neben all diesen bekannten Geheimnissen bieten manche Tropical Freeze Level auch noch ein zweites, in manchen Fällen sogar ein drittes, Zielfass. Dieses führt zu einem Geheimlevel, derer es in jeder Welt zwei gibt. Die Welt in Tropical Freeze lädt also einmal mehr zur Erkundung jedes Winkels eines jeden Levels ein.

Time Attack: Präzisionsarbeit aus den USA
Was das Leveldesign in Donkey Kong Country Tropical Freeze besonders auszeichnet, ist aber die extreme Präzision, mit der die Entwickler die Level neben dem Erkundungsaspekt auch noch auf einen fordernden Time Attack-Modus ausgelegt haben. Besonders in vielen der schwierigeren Level kann man sich zunächst gar nicht vorstellen, dass ein Speedrun sonderlich viel Freude bereiten könnte – kleine, bewegliche Plattformen, Stacheln aller Orten und Gegner über deren Köpfe man springen muss ergeben einen ungastlichen Eindruck und wecken Erwartungen an Stop & Go statt perfektem Spielfluss. Doch die Leveldesigner haben wieder einmal ganze Arbeit geleistet und jedes Level mit einem perfekten Rhythmus ausgestattet, der es dem Spieler erlaubt, ohne anzuhalten mit Rollen und Sprüngen durch die Level zu rasen. Die Level durchzuspielen ist bisweilen bereits recht anspruchsvoll, die Gold-Medaillen, oder gar die Shiny Gold-Medaillen zu sammeln dürfte aber selbst Jump ’n‘ Run-Profis auf die Probe stellen. Dank Online-Ranglisten und sogar hochladbaren Replays wird die Time Attack-Erfahrung zudem noch intensiviert, völlig abseits der Medaillen ist auch ein Wettkampf unter Freunden nun völlig unkompliziert möglich.

Perfekte musikalische Untermalung
Spielt man Tropical Freeze einfach nur so schnell wie möglich durch, dauert das Spiel nicht allzu lang, doch die unzähligen versteckten Geheimnisse, der fordernde Time Attack-Modus und die insgesamt extrem hohe Designqualität der einzelnen Level sorgen dafür, dass man unzählige Stunden mit dem Spiel zubringen wird – bei durchweg außerordentlich hoher Qualität. Neben den spielerischen bietet Tropical Freeze auch eine Reihe technischer Leckerbissen. So ist Donkey Kongs Felleffekt – falls man denn mal die Zeit findet, darauf zu achten – wirklich gelungen, in gelungenen Kameraschwenks wird die starke 3D-Optik des Spiels hervorragend in Szene gesetzt. Dabei sorgen ruckelfreie 60 Bilder in der Sekunde für die optimale Spielerfahrung. Doch die Optik wird ihrer Qualität zum Trotz durch die fantastische Akustik noch einmal in den Schatten gestellt. Serien-Veteran Dave Wise, früher bei Rare beschäftigt, hat sich des neuesten Donkey Kong-Spiels angenommen und einen meisterhaften Soundtrack abgeliefert, der zu jedem Zeitpunkt einfach nur perfekt zum Spiel passt. Die Stimmung der verschiedenen Level wird durch die tollen Kompositionen getragen, die meisten Stücke brennen sich umgehend ins Hirn ein. So abwechslungsreich wie das Leveldesign sind auch die zugehörigen Kompositionen und im Ergebnis bietet Tropical Freeze einen der besten Videospiel-Soundtracks überhaupt.

Donkey Kong Country Tropical Freeze ist ein fantastisches Jump ’n‘ Run, das Erkundung umfangreicher Level und optimale Spielperformance auf elegante Weise miteinander vereint. Das Leveldesign gehört zum Besten, was das Genre zu bieten hat, die Spielmechanik ist durchdacht und hoch poliert, all das wird schließlich in einem Fest für die Sinne – gerade den auditiven – präsentiert. Im Ergebnis ist Retro mit Tropical Freeze ein grandioser Jahresauftakt gelungen und selbst Spieler, die von der hohen Zahl an 2D-Spielen auf der Wii U ermüdet sind, sollten sich den Gefallen tun, dieses Spiel möglichst bald in ihre Wii U zu schieben. Und ist Tropical Freeze einmal im Laufwerk, wird es dieses so schnell nicht wieder verlassen!

Getestete Version: Wii U

Sebastian hat eine ausgeprägte Vorliebe für Jump & Runs, zählt aber auch Action-Adventures und Arcade-Spiele zu seinen Lieblings-Genres. Hauptaugenmerk liegt bei ihm meistens auf der Spielmechanik, eine gut geschriebene Geschichte lässt ihn aber auch schwach werden. Lieblingsspiele: Yoshi’s Island, Super Mario Galaxy 2, Sonic Generations und Zelda: Skyward Sword.