Kritiken

Ein Geist von Ghouls: Battle Princess Madelyn

Das Souls-Genre ist in den letzten Jahren in aller Munde – und gerne wird im gleichen Atemzug erwähnt, wie es das Spielgefühl und den Schwierigkeitsgrad der ersten Konsolengenerationen in die heutige Zeit gebracht hat. Ganz besonders eine Reihe kommt dabei schnell in den Sinn: Ghouls ’n Ghosts von Capcom. 1988 ursprünglich in der Spielhalle veröffentlicht, fand die Ghouls-Reihe schnell den Weg auf die Heimkonsolen und brachte NES- und Super Nintendo-Spieler in diversen Ablegern mit seinem Schwierigkeitsgrad zwischen sauschwer und unfair reihenweise um den Verstand. Doch spätestens nach den zwei Spinoffs der Maximo-Reihe wurde es ruhig die Hack’n Slash Reihe. Und während sich Indieentwickler in den letzten Jahren ziemlich jedem Genre der 80er- und 90er-Jahre annäherten, so blieb eine echte Referenz auf die Ghouls ’n Ghosts-Serie aus. Bis heute. Vorhang auf für Prinzessin Madelyn!

Battle Princess Madelyn Trailer

Schon die ersten Minuten in Battle Princess Madelyn von Casual Bit Games, das für Nintendos Switch, die PlayStation 4 und Xbox One erhältlich ist, machen kein Geheimnis aus dem Vorbild. Die wirklich liebevolle Pixelgrafik könnte aus einem direkten Nachfolger der Ghouls-Reihe stammen, die Animationen wirken fast 1:1 kopiert. Auch die Steuerung ist vertraut – vom Doppelsprung bis zum Rückstoß bei Treffern der Gegner. Bei aller Vorlage sind Charakter- und Gegner-Design dabei aber stimmig und die trotzig-tapfere Kampfprinzessin und ihr Geisterhund Fritzy sind sofort sympathisch. Auch die vielen NPCs in den Dörfern gefallen mit Charakter und Dialogen, wenn auch der Entwickler etwas mehr Mut für eigene Ideen hätten zeigen dürfen. Hier holt man sich verschiedene Quests ab, von denen wiederum einige die Story voranbringen. Welche genau ist allerdings schwer auszumachen. Und vor lauter Quests verliert man schnell den Überblick, was jetzt eigentlich zu tun ist. Mehr als einmal hatte ich im Spiel daher völlig den roten Faden verloren und bin orientierungslos durch die Gegend geirrt. Das ein oder andere mal stand dabei sehr unvermittelt und scheinbar willkürlich ein Zwischengegner vor mir, der mich mit neuen Fähigkeiten oder Ausrüstungsgegenständen belohnt hat – oder einfach getötet. Die scheinbare Sinnlosigkeit dieser Begegnungen in den oftmals gigantischen, schwer durchschaubaren Arealen lässt Battle Princess Madelyn trotz des wirklich tollen Fundaments in einigen Phasen zwischen Langeweile und Frust pendeln.

Im Stile der Klassiker hat Battle Princess Madelyn übrigens keine Leben oder Checkpoints. Stattdessen füllt sich eine Anzeige mit jedem getöteten Gegner, die man wahlweise Einsetzen kann, um sich wiederzubeleben oder besondere Attacken auszulösen. Ein cleverer Mechanismus, der den Spieler konstant zwingt, sich seinen Widersachern zu stellen und dabei abzuwägen, mit wie viel Risiko er vorgehen will. Insgesamt bleibt das Spiel ansonsten fair – wer den knackigen Schwierigkeitsgrad der Ghouls-Reihe erwartet, kommt hier allerdings nicht auf seine Kosten. Das Highlight des Spiels ist daher auch der Arcade-Mode: Befreit von der Last der etwas trägen Handlung und verworrenen Spielwelt werden hier diverse Stages neu angepasst, verkürzt und mit anderen Herausforderungen versehen. Hier kommen die Stärken von Battle Princess Madelyn am besten zur Geltung und das Spiel fühlt sich in einigen Szenen wie ein würdiger spiritueller Nachfolger von Super Ghouls’n Ghosts an.

Unterm Strich können Fans der Ghouls-Reihe bei Battle Princess Madelyn durchaus zuschlagen. Die wirklich tolle Retro-Optik (mit optionalem Scanline-Filter!), der zwischen Midi- und Orchesterversionen wählbare Soundtrack und die vielen Genre-Referenzen sorgen für ein angenehm nostalgisches Spielerlebnis, das für einige Stunden unterhalten kann, dabei aber leider nie an die Originale heranreicht. Die sympathische Heldin rettet dabei über die banale Handlung hinweg. So bleibt ein wenig Frust, einige Momente Spielspaß – aber vor allem die Hoffnung, dass sich das Entwicklerteam bei einem möglichen Nachfolger nicht mehr ganz so sklavisch auf die Geister der Vergangenheit beruft und die patente Madelyn so aus dem Schatten ihrer entfernten Vorfahren treten lässt.

 

Joshua ist Herausgeber und leitender Redakteur von Gaming-Universe. Neben News, Vorschau- und Testberichten liegt sein inhaltlicher Schwerpunkt vor al...

Zelos

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Hey sie heißt fasst so wie die Protagonistin aus Celeste und (Madeline) und sieht auch noch relativ ähnlich aus. Zufälle gibts ^^ .

Ist es denn jetzt ein Metroidvania oder geradlinig.... muss ich dafür wirklich den ganzen Text lesen... im Trailer wird das nicht ersichtlich?
 

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Hey sie heißt fasst so wie die Protagonistin aus Celeste und (Madeline) und sieht auch noch relativ ähnlich aus. Zufälle gibts ^^ .

Ist es denn jetzt ein Metroidvania oder geradlinig.... muss ich dafür wirklich den ganzen Text lesen... im Trailer wird das nicht ersichtlich?
Kein richtiges Metroidvania, aber auch nicht linear. Es gibt verschiedene Gebiete, die sind teils auch miteinander verbunden, aber man kann auch direkt hinreisen. Man findet aber nicht alles sofort und muss wieder zurück usw.

Und ja, der "ganze Text" ist zum lesen gedacht ^^
 

Rusix

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Ich muss schon sagen: Das Game bockt mich an.

Die 16-Bit Ästhetik ist schon mal enorm gut gelungen und hat mich instantan getriggert. Es sieht mir in-game noch minimal zu 'westlich' aus (äußerlich sowieso), aber alles noch im grünen Bereich.

Was mich etwas abschreckt ist die fürchterliche Musik aus dem Trailer und eben die Sachen, die überhaupt nicht Ghouls-Like sind. Die da wären: NPC's? Dörfer? Quests? Keine Checkpoints? Scheinbare Sinnlosigkeit dieser Begegnungen in den oftmals gigantischen, schwer durchschaubaren Arealen?

Das klingt eher nach Wonderboy bzw. Metroid als nach Ghost's.

Kann man all das Zeug mit dem Arcade-Mode umgehen und lohnt es sich dann überhaupt noch?

Und falls du Zeit und Muße hast: Kannst du noch auf den Soundtrack eingehen. Geht's Richtung schön melodisch oder so ein Background-Gedudel wie aus dem Trailer? Der von Super Ghouls'n Ghost's gehört für mich nämlich zu den besten der gesamten 16-Bit Ära.