Kritiken

Etrian Mystery Dungeon im Test

Die Zusammenarbeit verschiedener Spielefirmen an einem einzigen Titel ist im Jahr 2015 fast so natürlich, wie das Schwimmen eines Fisches im Wasser. In manchen Fällen nutzen Firmen solche Kooperationen aber nicht nur, um die Expertise auf einem speziellen Spielgenre-Gebiet zu liefern, sondern auch um zwei Franchises in einem neuen Crossover-Titel zu vereinen. Mit Etrian Mystery Dungeon präsentieren Atlus und Spike Chunsoft ihr erstes eigenes Crossver-Projekt. Aber geht das Konzept auch in der Praxis auf?

Reichtum, Macht und Ruhm
Dem besonderen Baum Yggdrasil hat es die Gebirgsstadt Aslarga zu verdanken, dass mutige Abenteurer aus allen Teilen der Welt angereist kommen, um eben diesen aufzusuchen. So beherbergen die angrenzenden Areale zahlreiche Kostbarkeiten, die es zu entdecken gilt. Doch wo es Schätze gibt, lauern auch immer Gefahren. Zum einen warten dort – wenig überraschend – Bestien und andere Monster und zum anderen gleichen die Areale verstrickten Labyrinthen, in denen sich schon so mancher Abenteurer verirrte. Dieser Tatsache zum Trotz macht ihr euch als Landsknecht auf die Reise und hofft das Mysterium um den Baum zu lüften und vielleicht selbst etwas Wertvolles zu erbeuten.

Als einfacher Landsknecht startet ihr eure Reise.
Als einfacher Landsknecht startet ihr eure Reise.

Bei Etrian Mystery Dungeon ist der Titel, wie schon bei anderen Ablegern der Mystery Dungeon-Reihe, Programm. Habt ihr euch erst einmal in einen Dungeon aufgemacht, müsst ihr euch Stockwerk für Stockwerk in quadratförmig aufgebauten Labyrinthen bis ans Ende eines Dungeons vortasten. Die Treppe zum jeweils nächsten Stockwerk zu finden, wird dadurch erschwert, dass sich euch Monster in den Weg stellen, die sich mit einigen Schwerthieben oder anderen Angriffen außer Gefecht setzen lassen. Da das ganze Spielgeschehen in Echtzeit abläuft, agieren die Gegner ihrerseits allerdings auch vollkommen eigenständig. Im Klartext bedeutet das, dass für jeden Schritt den ihr selbst auf ein neues Quadratfeld macht, auch alle Monster innerhalb eines Stockwerks einen Schritt vorwärts machen. Rollenspieltypisch erhaltet ihr für das Besiegen von Gegnern Erfahrungspunkte, die euren Charakter einerseits an physischer Stärke gewinnen lassen aber auch das Erlernen neuer Fähigkeiten ermöglichen. Wie schon aus der Hauptreihe von Etrian Odyssey bekannt, dürft ihr verschiedenen Skilltrees folgen und so euren Charakter entweder zu dem Meister einer bestimmten Fähigkeit auszubilden oder aber in einen schnittigen Allrounder zu verwandeln. Selbstverständlich finden sich auch nützliche Items überall in den Dungeons verstreut, die nur darauf warten von euch aufgesammelt zu werden. Um diese aufzuspüren lohnt sich ein Blick auf die Karte auf dem Touchscreen. Hier seht ihr alle Wege, die ihr in einem Stockwerk bereits abgegrast habt, sowie die Bewegungen der Gegner und Items innerhalb von kleineren schon aufgedeckten Etagenräumen. Seid ihr mal verzweifelt auf der Suche nach dem Stockwerkausgang, versucht möglichst Wege einzuschlagen, die noch unentdeckt sind. Da die Dungeons, wie in Mystery Dungeon-Titeln üblich, immer wieder neu zufallsgeneriert werden, lohnen sich übrigens auch erneute Besuche eines Gebiets.

Eine echte Schatzsuche macht selbstverständlich erst mit mehreren Mitgliedern richtig Spaß macht und ist dementsprechend auch erfolgversprechender. Und so dürft ihr schon bald weitere Abenteurer aus zehn unterschiedlichen Charakterklassen für eure eigene Gilde anheuern. Es ist dabei euch überlassen, ob ihr aus einer Liste von vorgeschlagenen Helden auswählt oder selbst durch Anwerbegespräche neue Mitglieder rekrutiert. In jedem Fall ist es euch aber nicht möglich mehr als vier Charaktere mit in einen Dungeon zu nehmen, sodass ihr stets abwägen müsst, wen ihr für die nächste Reise auswählt. Im Gegensatz zu eurem Hauptcharakter seid ihr bis auf wenige Ausnahmen leider nicht in der Lage den anderen Team-Mitgliedern genaue Befehle zu erteilen. Lediglich durch das Füllen der Blast-Skill-Leiste oder in Bosskämpfen, die ganz am Ende eines Dungeons auf euch warten, könnt ihr auch über die anderen Charaktere Kontrolle ausüben. Das wäre nicht weiter schlimm, ließe die KI der NPCs nicht so sehr zu wünschen übrig. Durch regelmäßiges Training könnt ihr dieses Manko jedoch zumindest teilweise wettmachen.

Eure Mitstreiter stehen euch immer zur Seite.
Eure Mitstreiter stehen euch immer zur Seite.

D‘OE!
Bisher mag Etrian Mystery Dungeon nach einem typischen Mystery Dungeon-Ableger ohne jegliche Eigenheit oder Raffinesse aussehen, doch auch die Etrian Odyssey-Serie kommt dank einem besonderen Gameplay-Element nicht zu kurz. So trefft ihr nach etwas Spielzeit auf die außergewöhnlich starken DOEs, die sich frei in einem Dungeon bewegen können und mit denen definitiv nicht zu spaßen ist. Wie schon beim Pendant der FOEs aus der Hauptreihe ist es nicht zu empfehlen sich diesen Gegnern direkt im Kampf zu stellen und vor allem anfangs solltet ihr ihnen lieber aus dem Weg gehen. Das Problem dabei ist jedoch, dass während ihr euch euren Weg immer weiter nach unten vor bahnt, die DOEs ihrerseits schnurstracks bis zum Dungeonanfang vordringen und drohen die Bergstadt anzugreifen, was das sofortige Spielende bedeutet. Um dies zu vermeiden, könnt ihr in einem Dungeon eine Burg bauen, welche die DOEs zurücktreiben. Zu Beginn mag dies noch eine interessante Erweiterung zum Hauptspiel sein, nach einiger Zeit verkommt es allerdings zu einer bloßen nervigen Geldschleuder.
Nutzt die Karte um euch nicht in einem Stockwerk zu verirren!

Diese Dame verkauft euch praktische Items auf bestimmten Etagen.
Diese Dame verkauft euch praktische Items auf bestimmten Etagen.

Von der optischen Seite bekommt ihr ziemliche Standardkost serviert. Zwar gibt es einige unterschiedliche Umgebungen zu bestaunen, doch technisch haben wir durchaus schon besseres gesehen. In Gesprächen gibt es wieder einmal nur Standbilder eurer Gegenüber. Ganz anders sieht es beim Soundtrack aus, der malerischer und epischer kaum sein könnte und den Flair des Spiels perfekt einfängt. An diesem Aspekt erkennt man eindeutig die Handschrift von Entwickler Atlus wieder.

Etrian Mystery Dungeon ist keinesfalls eine Offenbarung für das fast schon in die Jahre gekommene Mystery Dungeon-Gameplay. Wer sich also nach dem einen oder anderen Pokémon oder Mystery Dungeon-Titel gelangweilt fühlte, sollte auch hier besser einen großen Bogen machen. Wer sich allerdings mit dem Gameplay anfreunden kann oder will oder aber ohnehin bereits großer Etrian Odyssey-Fan ist, der bekommt einen mehr als ordentlichen Serienableger geliefert. Dank der gekonnten Verschmelzung beider serientypischen Merkmale, spielt sich der Titel auch ausreichend abwechslungsreich. Erst nach einiger Zeit nerven Elemente, wie die übermächtigen DOEs. Spieler die auf dem Nintendo 3DS RPG-mäßig bereits alles abgegrast haben, können zugreifen. Alle anderen spielen besser erst einmal die gelungeneren Hauptableger.

Zu einem guten Plattformer sagt Karim selten nein, aber auch epische Rollenspiele fesseln ihn vor den Bildschirm. Im öffentlichen Nahverkehr vergnügt er sich auch gerne mit kurzweiligen Puzzlern – Mobile-Gaming auf dem Nintendo 3DS ist seine absolute Leidenschaft. Zuhause angekommen, kümmert sich Karim um Datenbankpflege oder versorgt euch mit aktuellen News und Anspielberichten.