Far Cry 5 Test

Ubisofts Far Cry-Reihe bietet mittlerweile eine virtuelle Weltreise. Von Afrika, über eine Tropeninsel und das Himalaya-Gebirge führt Far Cry 5 nun in die Vereinigten Staaten von Amerika. Genauer gesagt nach Montana in das fiktive Hope County, das neben dem Charme von dichten Tannenwälder und Pick-Up-Trucks noch eine ganze Menge mehr bietet. Denn unter das beschauliche Volk hat sich ein Weltuntergangskult gemischt, der die ländliche Idylle ins Chaos stürzt.

Gleich zu Beginn des Spiels wird eine erzählerische Neuerung deutlich, denn diesmal schlüpft ihr in die Haut eines – je nach Wahl männlichen oder weiblichen – namenlosen und stummen Deputys der, gemeinsam mit seinem Sheriff und einem Marshall, den Sektenführer Joseph Seed verhaften soll. Dieser hat bereits eine Menge Anhänger um sich geschart und pfeift auf die Staatsgewalt von Uncle Sam. Kurz nach der Landung per Hubschrauber mitten im Herz des Kults wird anhand der grimmigen Visagen seines Zirkels klar, dass diese Festnahme nicht reibungslos ablaufen wird. Es kommt wie es kommen muss: Seed entkommt und ihr strandet getrennt von den Kollegen mitten in der Wildnis. Einen für die Reihe typischen Storyaspekt findet ihr also auch im fünften Teil wieder, beispielsweise den des unerfahrenen Kämpfers, welcher in einer Extremsituation über sich hinauswachsen muss. Lebend aus dem County heraus kommt der Deputy nämlich nur, wenn er Joseph und den Rest der Seed-Familie erledigt. Glücklicherweise gibt es im ganzen Gebiet verteilt auch Keimzellen von Widerstandskämpfern, die euch Quests anbieten, deren Abschluss den Einfluss der apokalyptischen Sippe nach und nach zurückdrängt. So ballert, sprengt und schleicht ihr euch in bester Far Cry-Manier durch eine umfangreiche offene Spielwelt, die im Vergleich zu den Vorgängern aber auch einiges neu macht.

Seit dem Sklavenhändler Vaas aus Far Cry 3 bemüht sich Ubisoft erneut einen ähnlichen Hype um ihre Antagonisten auszulösen. Pagan Min aus Kyrat war zwar durchaus interessant, aber nicht ganz so einprägsam wie der Karibik-Despot. Nun versucht man es gleich mit vier Gegnern, dem “Vater” Joseph und seinen drei Leutnants. John Seed kontrolliert das südliche Gebiet und fungiert als eine Art Prediger, der die angeblichen Sünder mit brutalen Methoden straft. Faith Seed regiert im Osten, indem sie mit einer Droge die Massen gefügig macht. Auf Jacob Seed hingegen trifft der Spieler im Norden, wo er einen Kämpfertrupp ausbildet. In regelmäßigen Abständen trifft der Spieler auf diese Antagonisten, sei es in Person, als Videoübertragung oder in niedergeschriebenen Berichten, sodass sie eine bedrohliche Präsenz in ihrem Herrschaftsgebiet ausüben. Ob man die etwas wirre Bibel-Apokalypse-Thematik interessant findet, liegt dann wohl am einzelnen Spieler.

Eine Stärke des Spiels ist das Design der offenen Spielwelt selbst. Die Gestaltung der Landschaft wirkt wie aus einem Guss und somit sehr authentisch. Kontrastiert wird dieser Aspekt von den Einwohnern Hope Countys, die teilweise wie eine Persiflage des typischen US-Amerikaners wirken. Es gibt beispielsweise Verschwörungstheoretiker, Alien-Narren und legendäre Stuntmen. So trifft die Brutalität des Kults auf viele humoristische Elemente. Die Atmosphäre geht dabei aber nicht unter, was an einigen gelungenen Neuerungen liegt. Statt auf geradezu magische Funktürme zu klettern, die auf Knopfdruck alle interessanten Objekte und Orte offen legen, ist die Spielwelt von Far Cry 5 von einer Art “Fog of War” bedeckt, wie man es aus Strategiespielen kennt. Das heißt: Ihr müsst die Details von Hope County selbst entdecken, indem ihr sie besucht, beziehungsweise in Gesprächen oder in Dokumenten davon erfahrt. Im Vergleich zu den Vorgängern wirkt die offene Spielwelt dadurch viel weniger wie eine Kulisse, sondern wie ein real existierender Ort. Sinnvoll ergänzt wird dieser Eindruck dadurch, dass Lager des Kults diesmal sinnvoll in die Spielwelt eingebunden sind, denn es handelt sich dabei um Gebäude mit eigener Funktion und Geschichte, die der interessierte Spieler entdecken kann. Man merkt, dass in die Ausarbeitung der Open World viel Mühe geflossen ist.

Spielerisch handelt es sich um einen waschechten Ego-Shooter, der viele Freiheiten bietet. Nicht nur die Missionen können ganz nach eigenem Ermessen ausgewählt werden, sondern auch die jeweilige Herangehensweise an das bevorstehende Gefecht steht euch frei. Ob ihr also lieber mit Pfeil und Bogen schleichend vorgeht, mit der AK-47 im Anschlag oder doch aus sicherer Entfernung mit einem schallgedämpften Scharfschützengewehr, ist ganz dem Spieler selbst überlassen. Abwechslungsreiche Szenarien sorgen zusätzlich dafür, dass trotz des enormen Umfangs des Spiels keine Langeweile aufkommt. Wer möchte darf erstmals auch das ganze Spiel mit einem Online-Freund gemeinsam spielen, wobei leider nur für den Host der Spielfortschritt gespeichert wird. Wer lieber alleine unterwegs ist, kann dies natürlich auch problemlos meistern. Wenn die Kultisten euch dann doch zu überrennen drohen, können neuerdings bis zu zwei NPC-Verbündete angeheuert werden, die euch im Gefecht unterstützen. Dabei handelt es sich um einige der Bewohner Hope Countys, auf die ihr im Verlauf der Story trefft. Der lokale Flugzeug-Lieferdienst rückt auf Wunsch etwa mit seinem bewaffneten Fluggerät aus, das Bomben auf die Fanatiker abwirft. Andere leihen euch ihre Haustiere aus, wie etwa den Puma “Peaches”, der Feinde auch still und heimlich ausschalten kann. Insgesamt erschienen mir diese optionalen “Guns for Hire” eine Spur zu mächtig, um den Schwierigkeitsgrad auf einem fordernden Niveau zu halten. Trotzdem mischt ihr Einsatz das typische Far Cry-Gameplay auf und sorgt für weitere strategische Optionen. Während eure Reise über Hope County erfüllt ihr quasi automatisch verschiedene Herausforderungen, die beispielsweise an bestimmte Waffen oder Jagdziele gekoppelt sind. Erfüllt ihr diese Aufgaben, bekommt ihr Skillpunkte spendiert, welche wiederum in neue Fähigkeiten und Objekte investiert werden können. Vorbei sind also die Zeiten, in denen ihr für eine größeren Köcher eine willkürliche Zahl eines bestimmten Tieres erlegen musstet – eine sinnvolle Verbesserung!

Neben klassischen Shooter-Einlagen bietet Hope County weitere Aktivitäten in Form von Nebenquests. Die bereits erwähnte Jagd von Tieren gestaltet sich noch immer als wenig spannend oder gar anspruchsvoll. Geschicklichkeitstest in Form von Stuntherausforderungen, welche von einem fetzigen Metal-Song über den Lokalpatrioten Clutch Nixon begleitet werden, machen schon eher Spaß. Hier müsst ihr per Wingsuit oder in einem Musclecar in einer bestimmten Zeit Checkpoints erreichen. Klares Highlight für mich sind aber die Prepper Stashes. Dabei handelt es sich um kleinere Schätze und Ressourcenlager, die ihr nur durch das Lösen von Umgebungsrätseln, Sprungeinlagen oder ähnlicher Challenges erlangt. Sie sind nicht nur ein gelungener Ausgleich zu der konstanten Action des Spiels, sondern auch allesamt individuell konstruiert.

 

Ein wirklich kurioser Aspekt des Spiels ist der Multiplayer-Modus, genannt Far Cry Arcade, den ihr entweder traditionell über das Hauptmenü, oder per Spielautomat in einem der Außenposten von Hope County, auswählen könnt. In der Vergangenheit waren Team Deathmatch und Co. weder ein besonders gelungener noch ein beliebter Bestandteil der Reihe. Meist war sogar nach einigen Wochen bereits tote Hose auf den Servern. Dementsprechend musste ein neues Konzept her – das hat auch Ubisoft erkannt. Doch ich bin nicht sicher, ob die neue Herangehensweise wirklich die richtige ist. Bis zu 12 Spieler treten einer Lobby bei, woraufhin eine Handvoll dieser eine Map inklusive Spielmodus vorschlagen darf. Alle anderen haben im Anschluss die Möglichkeit, für ihren Favoriten aus den Vorschlägen abzustimmen. Toll ist, dass so die schier unendliche Zahl der, von Nutzern in einem komplexen Leveleditor gebastelten, Karten gespielt werden können, sodass Arcade viel Abwechslung bietet. Zwar könnte aus der Schwarmintelligenz der Spielerschaft folgen, dass in ein paar Wochen nur noch einige wenige Maps Stimmen erhalten, aber momentan ist quasi jedes neue Match eine Überraschung. Problematisch ist, dass das Gunplay selbst im Multiplayer eine ziemliche Katastrophe ist und nicht an die Qualität des Einzelspielermodus heranreicht. Oftmals wirkt es geradezu willkürlich, ob die abgefeuerten Kugeln beim Gegner registriert werden. Auch das User Interface, mit dem innerhalb weniger Sekunde die gewünschte Karte gefunden werden soll, könnte noch optimiert werden. Viel mehr als kurzweiliges Chaos bietet der kompetitive Mehrspieler-Aspekt von Far Cry 5 so derzeit leider nicht. Wer ohnehin lieber alleine spielt, kann aber auf eine Vielzahl von selbstgebauten Challenge-Maps zurückgreifen, die alleine oder gemeinsam mit einem Mitstreiter bezwungen werden können. Bereits jetzt kurz nach Release des Spiels findet ihr hier einige spannende Kreationen aus der Community.

Abschließend noch ein paar Wort zur Technik des Spiels, welches von uns auf der Standard-Xbox One sowie der Xbox One X getestet wurde. Keine Frage, rein optisch kann mich der Shooter in beiden Varianten begeistern. Hier spielt der Titel definitiv in der Oberklasse mit, was insbesondere an dem hohen Detailgrad und der starken Weitsicht liegt. Ärgerlich sind hingegen verschiedene Bugs, die den Spielfluss hemmen. Beispielsweise wurden nach Ladezeiten Missionen nicht getriggert oder der Bildschirm blieb einfach schwarz. Hoffentlich wird hier noch per Patch nachgebessert.

Fazit
Far Cry 5 ist keine komplette Revolution der Reihe, aber bietet frische Ideen und sorgt so erneut für viel Spaß!
Toll
  • neue Ideen
  • detaillierte, schicke Spielwelt
  • großer Umfang
  • abwechslungsreiche Action
  • Map-Editor in Far Cry Arcade
Naja
  • technische Bugs
  • Guns for Hire machen das Spiel zu leicht
  • Mehrspielermodus mit schwachem Gunplay
8
Sehr gut
Verfasst von
Action-Spiele und Shooter aller Art sind Roberts Fachgebiet. Zwischendurch darf es aber auch gerne ein Spiel mit spannender Story und dichter Atmosphäre sein. Wenn er nicht gerade auf Xbox Live unterwegs ist, verfasst er bestimmt Artikel und News für Gaming-Universe.

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