Kritiken

Fire Emblem: Awakening im Test

Wenn man den Namen „Nintendo“ hört, assoziieren die meisten Spieler hiermit gewiss vor allem die Franchises Mario, Zelda und in manchen Fällen auch noch Metroid. Dass Nintendo aber mehr kann, als nur Mario und Co., wird klar, wenn man sich ein wenig tiefer in der Spiele-Bibliothek der Nintendo-Systeme umschaut. Eine nun schon seit über 20 Jahren bestehende Serie ist Intelligent Systems’ Fire Emblem, die seit ihrem zweiten Game Boy Advance-Titel vor zehn Jahren auch hierzulande bekannt geworden ist. Nach einer mehrjährigen Pause kehrt Fire Emblem nun mit Fire Emblem: Awakening zurück und feiert zugleich sein Debüt auf dem Nintendo 3DS. Doch kann das Strategie-Rollenspiel begeistern oder erwartet den Spieler ein müder Aufguss alter Ideen?

screen_fire-emblem-awakening_12Ungewohnt viele Einstellungsmöglichkeiten
Anders als in den vergangenen Fire Emblem-Titeln wird man zu Beginn von Fire Emblem: Awakening zunächst einmal aufgefordert, einen Hauptcharakter zu erstellen. Wie in einem Sportspiel oder den Sims, wenngleich mit wesentlich weniger verschiedenen Auswahlmöglichkeiten, stellt man sich seinen Hauptcharakter zusammen, indem man sein Geschlecht, seine Statur, seine Frisur und seine Haarfarbe bestimmt. Die übrigen Charaktere im Spiel sind hingegen für alle Spieler identisch. Hat man seinen Wunschcharakter erstellt, kann man als nächstes den Schwierigkeitsgrad auswählen. Hier gibt es gleich zwei Ebenen auf denen dieser bestimmt werden kann. Einerseits kann man aus drei Schwierigkeitsstufen wählen, die sich im Regelwerk, sowie in der Gegner-KI unterscheiden. Anfänger und Spieler mit niedriger Frustrationsschwelle sind wahrscheinlich gut beraten, den niedrigsten der drei Schwierigkeitsgrade zu wählen, denn Fire Emblem: Awakening wird schon früh reichlich schwierig. Profis hingegen freuen sich natürlich auf die besondere Herausforderung des höchsten Schwierigkeitsgrades. Neben dem Schwierigkeitsgrad kann man zudem auch noch eine Regeleinstellung vornehmen, die ihrerseits einen signifikanten Einfluss auf die Spielerfahrung hat. So hat man die Wahl, ob man im klassischen Modus spielen möchte, in dem einmal gefallene Charaktere unwiederbringlich verloren sind, oder ob man lieber im einsteigerfreundlicheren Modus spielen möchte, in dem jeder verstorbene Charakter nach Missionsende wieder ausgewählt werden kann.

screen_fire-emblem-awakening_11Umfangreiche Hintergrundgeschichte
Fire Emblem: Awakening erzählt die Geschichte unseres Helden, der auf Chrom, den Prinzen des Königreichs Ylisse trifft. Chrom führt eine Gruppe von Soldaten an, die sich „Hirten“ nennen und hat im Moment alle Hände voll damit zu tun, Ylisse vor den kriegerischen Aktivitäten seiner Nachbarstaaten zu verteidigen. Die Geschichte wird einerseits in aufwändig animierten Zwischensequenzen, andererseits aber auch in Echtzeit-Videosequenzen mit Hilfe der In-Game 3D-Modelle der Charaktere oder aber klassisch per Texteinblendung erzählt. Wer noch kein Fire Emblem gespielt hat, der sei an dieser Stelle gewarnt, dass die Geschichte durchaus einen massiven Anteil an der Spielzeit einnimmt. Vorausgesetzt, man gewinnt jede Schlacht im ersten Versuch – wenngleich das durchaus ein wenig utopisch erscheint – dürfte die Geschichte ungefähr ein Drittel bis die Hälfte der Spielzeit einnehmen. Wer kein Interesse an der Geschichte hat, oder das Spiel zum wiederholten Male durchspielt, kann aber jede Sequenz und jede Unterhaltung durch einen einfachen Druck auf den Startknopf schlicht überspringen.

screen_fire-emblem-awakening_10Bekanntes Spielprinzip
Das eigentliche Gameplay ist auf den ersten Blick nahezu unverändert. Wie gehabt muss man zu Beginn einer jeden Mission eine Auswahl an Charakteren treffen, die man mit in die Schlacht nimmt und deren Positionierung – in eng gesteckten Grenzen – bestimmt. Anschließend kann man den eigentlichen Kampf beginnen. Das Kampfgeschehen erfolgt rundenbasiert, das bedeutet, dass der Spieler zunächst seine Figuren bewegen kann, anschließend agiert der Computergegner. Gibt es noch unabhängige Einheiten, so treten diese als letzte in Aktion. Nach Abschluss einer Runde wiederholt sich diese Abfolge, bis entweder der Spieler das Ziel der Mission erreicht hat, oder der Computer-Gegner alle Charaktere des Spielers besiegt hat.

screen_fire-emblem-awakening_14Weniger Variation als auf der Wii
Das Missionsziel variiert zwischen den Missionen dabei nicht mehr ganz so stark wie bei den letzten Fire Emblem-Spielen, meist muss man schlicht alle gegnerischen Einheiten besiegen, oder den Endgegner einer Karte besiegen – was aber im Endeffekt in aller Regel ebenfalls bedeutet, alle Gegner zu besiegen. Vereinzelt gibt es noch Zusatzaufgaben zu erfüllen, etwas ausgefallenere Missionstypen wie „Halte X Runden durch“ haben es diesmal jedoch nicht ins Spiel geschafft. Dafür haben die Entwickler abseits der zahlreichen Story-Missionen noch eine ganze Menge optionaler Nebenmissionen in das Spiel integriert. Die Nebenmissionen ermöglichen es dem Spieler oft, neue Charaktere zu rekrutieren und können nebenbei dazu verwendet werden, die bestehenden Charaktere aufzuwerten. Wem das noch nicht genug spielbare Inhalte sind, der kann zudem bezahlte Downloadinhalte herunterladen, die neue Missionen und Charaktere enthalten. Eine Download-Mission ist kostenfrei erhältlich und ermöglicht dem Spieler, Marth als spielbaren Charakter freizuschalten. Schließlich werden auch noch einige Zusatzmissionen per SpotPass verteilt. Der Umfang von Fire Emblem: Awakening ist insgesamt also mächtig, wenn man wirklich alles erleben möchte, was das Spiel zu bieten hat.

screen_fire-emblem-awakening_13Tolles Missionsdesign
Das Missionsdesign ist, abgesehen von der leichten Einschränkung bei den Missionszielen – sehr abwechslungsreich und vor allem von hervorragender Qualität. Die verschiedenen Karten bedürften sehr unterschiedlicher Strategien und auch das Gegnerverhalten ist von Mission zu Mission stark verschieden. So kann es beispielsweise passieren, dass ein Endgegner – in den meisten Missionen verharren Endgegner an einer festen Position – sich in Bewegung setzt und eine schwache Einheit aufs Korn nimmt, oder aber plötzliche gegnerische Verstärkung ruft, die schwächer aufgestellte Nachhut der eigenen Truppe in Bedrängnis bringt. Die verschiedenen Szenarios funktionieren hervorragend und sorgen dafür, dass das Spiel bis zum Ende hin voll motivieren kann.

screen_fire-emblem-awakening_15Auf Partnersuche
Eine interessante Neuerung in Fire Emblem: Awakening, die einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Spielweise hat, ist das überarbeitete Partner-System. Auf dem Schlachtfeld gewinnen Charaktere Sympathie füreinander, wenn sie nebeneinander positioniert werden und mit gegnerischen Einheiten kämpfen. Überdies helfen sie sich auch bei ihren Kämpfen. Je nach Unterstützerlevel werden mehr oder weniger viele der Charakterwerte für den Kampf aufgewertet, zudem können die benachbarten Charaktere mit etwas Glück ebenfalls angreifen oder aber die angegriffene Einheit verteidigen, so dass diese keinen Schaden erleidet. Dies hat zur Folge, dass man in Fire Emblem: Awakening schnell großen Wert darauf legt, seinen Einheiten nah beieinander zu halten und insbesondere bestimmte Paarungen möglichst aufrecht zu erhalten, um gegnerischen Einheiten einen effektiven Angriff möglichst schwer zu machen. Das Unterstützerlevel hat übrigens noch einen weiteren Effekt: Männliche und weibliche Einheiten, die das maximale Unterstützerlevel S erreicht haben, können sich paaren und die so entstandenen Kinder können ihrerseits auf dem Schlachtfeld eingesetzt werden. Die Kinder erben hierbei Eigenschaften der Eltern, so dass man gezielt Einheiten erschaffen kann, die bestimmte erwünschte Eigenschaften besitzen.

screen_fire-emblem-awakening_37Ordentliche Technik
Abseits des Einzelspieler-Modus kann man zudem auch zu zweit kooperativ gegen bestimmte Gegner antreten. Dies ist allerdings nur lokal möglich. Über StreetPass kann man zusätzlich seine Teams austauschen und so gegen die Teams anderer Spieler im Kampf antreten und sogar deren Anführer rekrutieren. Technisch ist Fire Emblem: Awakening sehr sauber und erinnert stark an die letzten Konsolen-Titel Path of Radiance und Radiant Dawn. Auch wenn das Spiel technisch nicht ganz mithalten kann, wissen die Zwischensequenzen zu gefallen und auch die 3D-Grafiken sind gut gelungen. Das Spiel läuft absolut flüssig und die Hintergrundmusik ist wie gewohnt von hervorragender Qualität.

Fire Emblem: Awakening ist ein hervorragendes Strategie-Rollenspiel, das sich durch die Integration des neuen Anfänger-Modus auch für weniger geduldige Spieler nun stärker öffnet. Langzeit-Fans der Reihe brauchen sich dennoch nicht zu sorgen, denn Fire Emblem: Awakening bietet auch für sie immer noch erstklassige und herausfordernde Kost. Der große Umfang, die gelungene Inszenierung und das fantastische Missionsdesign machen das Spiel zu einem weiteren Tophit in diesem ereignisreichen Frühjahr für den Nintendo 3DS. Wer Strategie-Rollenspielen auch nur ein wenig was abgewinnen kann, sollte auf jeden Fall zugreifen, der Kauf lohnt sich!

Sebastian hat eine ausgeprägte Vorliebe für Jump & Runs, zählt aber auch Action-Adventures und Arcade-Spiele zu seinen Lieblings-Genres. Hauptaugenmerk liegt bei ihm meistens auf der Spielmechanik, eine gut geschriebene Geschichte lässt ihn aber auch schwach werden. Lieblingsspiele: Yoshi’s Island, Super Mario Galaxy 2, Sonic Generations und Zelda: Skyward Sword.