Bleed 1+2 (SWI | ONE | 360 | PS4 | PC)

Biber

GUF Veteran
25 August 2016
2.525
185
63
Hamburg
www.youtube.com

Wenn man sich den Trailer anguckt, ist man schon begeistert. Kein Wunder, dass ich das gfekauft habe. Zudem hat Ripchip es sehr gelobt und empfohlen. An sich haben wir in dem Genre einen ähnlichen Geschmack, aber Bleed mochte ich gar nicht und der im Trailer versprochene Spaß hat sich kaum niedergeschlagen. Hier mein Fazit:

Bleed wird gerühmt als kurzer und etwas unpolierter Shooter, der einen so sehr über das Gameplay kriegt, dass man Perfektion anstrebt. Das klang sehr gut. Leider ist es eher schwach. Man spielt ein Mädchen mit lila Haaren und dem wunderbaren Namen Wryn. Ernsthaft. Das ist der beste Name, den je ein Protagonist in einem Videospiel hatte. Wryn ist eine Art Psychopath und will die beste Videospielheldin aller Zeiten werden. Dafür macht sie sich auf die Jagd nach den sechs bisher größten Helden aus Retro-Spielen. Klingt nach No More Heros, aber abgesehen von der Prämisse und den rudimentären Storybits in Form von kurzen Texten zu jedem Gegner wird das nicht weiter genutzt. Stattdessen schießt man sich durch die extrem kurzen Level und besiegt am Ende einen Boss. Man hätte auch andere Storytexte draufklatschen können, das Spiel hätte sich nicht im geringsten verändert. Soll heißen: Gameplay und Story haben gar nichts miteinander zu tun.

Das Gameplay... uff. Vermutlich lässt sich das Spiel mit Tastatur und Maus besser steuern, denn mit einem Controller wird das Spiel zum Twin-Stick-Shooter, nur dass man zusätzlich Springen, Dashen und die Zeit verlangsamen kann. Da man permanent beide Daumen auf den Sticks zum bewegen und schießen braucht, fallen die Face Buttons komplett weg als Option und man muss mit den Schultertasten agieren. Zumindest mit den Joy-Cons wird es damit wirklich sehr schnell krampfig. Ich habe das Spiel aber nur im Handheldmodus gespielt, weshalb ich darauf angewiesen war. Das Mit Maus und Tastatur stelle ich mir das aber ganz gut vor. Ist man dann erstmal drin, kann das Spiel tatsächlich gute Gameplaymomente haben. Die Bullet Time und das Dashen ermöglichen ein Umtanzen der Gegner, so dass man bald aus scheinbar unmöglichen Situationen ohne Gegentreffer hervorgehen kann. Es ist gerade im Vertikalen trotzdem zu hakelig, da es nicht immer leicht ist, die genaue Richtung, in die man dashen will, zu bestimmen. Es bietet auch nicht diese gute Mischung aus Anspannung durch Gegnerhorden und Motivation, immer besser zu werden wie z.B. bei Graceful Explosion Machine, das in jeder Hinsicht so viel besser ist. Bleed hat für einen "frantic action shooter" viel zu wenige Gegner, gibt einem aber auch nicht die Möglichkeit, diese zu handeln. So bleibt es lahm und blass. Die Motivation, gut zu werden: Je besser man ein Level abschließt, umso mehr Punkte erhält man, die man im Shop für andere Waffen oder mehr Energie ausgeben kann. Na gut.

Die Gegner und das Leveldesign geben aber nicht genug her, um die individuellen Stärken der Waffen auszuspielen. In den meisten Fällen war ich mit der schnell feuernden Standardwaffe am besten bedient. Die Level sind extrem simple Aneinanderreihungen von Räumen. Die Leveldesignideen, die es gibt sind dann sowas wie ein Fahrstuhl mit Gegnerhorden, dessen Plattformen teilweise elektrisch werden, ein Zuglevels, in dem man schnell zum nächsten sicheren Punkt vordringen muss, um nicht vom Tunnel geköpft zu werden oder ein Abschnitt, den man in einem riesigen Apfel verbringt, der von einem Drachen geschluckt wird. Dort muss man sehr schnell den Dash-Move einsetzen, um nicht vom schrittweise absinkenden Apfel zerquetscht zu werden. Das ist alles OK, aber nicht sehr originell und oft auch zu hakelig.

Hin und wieder ist man fast versucht, besser zu werden und die kurzen Level bieten sich für eine High-Score-Jagd schon an, aber das Gameplay ist einfach nicht flüssig genug und die Level nicht interessant genug, um mich zu motivieren. Dadurch verkommt das Spiel zu einem etwa einstündigen, rudimentären Shooter, der weniger witzig ist als er sein möchte. Und das Spiel ist eher hässlich. Es gibt so viele tolle, auch minimalistische Looks für Indie-Pixel-Spiele, aber Bleed sieht einfach billig aus.