Celeste (|PS4|ONE|PC|SWITCH)

Link the Hero

Newbie
27 August 2016
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15
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Ich hab‘s mir gestern auch mal gekauft. Sehr gutes Spiel. Genau nach meinem Geschmack. Mir gefällt, dass man, wenn man stirbt, ohne Verzögerung wieder im selben Raum auftaucht. Da fällt es einem richtig schwer das Spiel aus der Hand zu legen, weil man quasi die ganze Zeit im Geschehen bleibt.
Nintendo könnte sich das ruhig mal abschauen für das nächste New Super Mario Bros.
 
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Reactions: Zelos

Zelos

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24 August 2016
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Jetzt habe ich Celeste ja nun einige male beendet oder halb beendet. Mittlerweile versuche ich mindestens jeden zweiten Tag nen neuen Anlauf und je nachdem wie gut er läuft spiele ich mal weiter und mal nicht so weit. Dabei habe ich im moment gar keine großen Ziele mehr; Die 1h marke habe ich geschafft. Die Goldenen Beeren werde ich nicht versuchen (vorerst). Ich spiele es einfach nur.... weil es spaß macht. Es fühlt sich wirklich toll an und der Skill-Ceiling ist so unerreichbar hoch sodass da immer und immer Raum für verbesserung bleibt und das beste ist das einige Mechaniken im Spiel nicht (oder sehr sehr spät) erklärt werden die meisten Levels und Segmente aber die eventualität mit eingeschlossen haben, dass man diese techniken kennt.

Es ist wahrhaft mit Abstand das beste Jump n Run dass ich je gespielt habe. Es trifft genau meinen nerv und stellt das in den Kern was mir am Genre spaß macht und lässt das weg, was ich am Genre nicht mag und was bei Mario und Co zu oft in den Mittelpunkt rückt. Pure Geschicklichkeit. Es gibt so gut wie nie Timing, oder Warte-Passagen die so ein Mario mir doch zu oft entschleunigen. Keine Münzen. Das sammeln von collectibles ist deutlich in extra abschnitte aber dennoch im selben level unterteilt und kann beliebig erledigt werden. So bleibt Celeste ein Spiel das einen konstant im Flow hält.

Zur Narrative kann man oberflächlich betrachtet nicht viel sagen, aber ich muss ehrlich anerkennen wie gut die narrative mit dem eigentlichem Spiel verwoben ist.
Die Schwierigkeit ist dabei der essentielle Knackpunkt. Aber es verstecken sich auch einfach jede Menge details in den levels. Das offensichtlichste ist wohl die Feder die einen fliegen lässt nachdem Theo ihr vom Trick mit der Feder erzählt. Aber es gibt auch viel subtilere Anekdoten in den levels zerstreut. Es gibt zum Beispiel nur in Kapitel 6 ein paar Wasser passagen und ich habe mir anfangs nicht viel dabei gedacht, aber beim erneuten Spielen habe ich ja auch erneut auf den Dialog am Anfang des levels geachtet und dann war es natürlich mehr als einleuchtend. Insbesondere
dass man 'Part of Me' gegenübersteht nachdem man ein tiefes becken bis zum grunde abschwimmen muss. Erstaunlicherweise ist die Physikalität so verrückt dass das wasser einfach irgendwann weg ist und man in die leere fällt. Man denkt sich anfangs nicht viel dabei weil es ja bloß ein 2D level ist, aber wenn man sich dann vor augen führt wie Madeline ihre Depression erklärt, dann wird einem klar dass sie sie in diesem augenblick bekämpft. Und du mit ihr. Nicht umsonst kann man nur zu 'Part of Me' gelangen wenn man diese passage durchtaucht hat obwohl das level vorher als einziges Kapitel ziemlich oft optionale wege bietet. Bis zu dieser stelle.

Solche und viele andere Details im Leveldesign bewundere ich einfach zutiefst.
 

Biber

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Endlich komme ich mal zu einem Fazit:

Celeste scheint mir der große Konsensplattformer zu sein, hinter dem sich alle versammeln können. Auch ich! Es ist ein sehr gutes Spiel, das mich tagelang an die Switch in jeder freien Minute gefesselt hat. Ich habe das Hauptspiel in wenigen Tagen vornehmlich in der U-Bahn, auf dem Klo und vor dem Einschlafen gespielt, weshalb ich ständig zu spät eingeschlafen bin. Trotz der hohen Qualität ist es aus meiner Sicht aber in keinem Bereich das Meisterwerk, zu dem es ausgerufen wird. Am meisten Probleme habe ich mit der Story. Die hätte ich wohl nicht, wenn meine Erwartungen nicht so hoch gewesen wären, dann wäre sie an mir vorbeigerauscht und ich hätte mich über das gelungene Spiel mit den Motiven und kleine Details gefreut. Doch ich hatte eine emotional packende Erzählung über eine labile Psyche erwartet, eine Geschichte, die wesentlich düsterer ist als das Buddy-Adventure, das mir am Ende präsentiert wurde. Ich hatte Schläge in die Magengrube und ein Spiel mit den Erwartungen des Spielers erwartet. Hat Celeste alles gar nicht. Es ist so vorhersehbar wie ein Tomb Raider. Das ist ein bisschen unfair, macht aber deutlich, wie Erwartung und Realität auseinandergeklafft haben. Celeste verhaut einen zu sehr mit dem Holzhammer, indem es sagt: Achtung. Das ist kein leichtes Spiel. Du wirst sterben. Das gehört dazu. Sei stolz auf deinen Deathcounter. Die NPCs verspotten einen für das Unterfangen, die Protagonistin zweifelt permanent und muss sich Mut zusprechen. Das hätte man weniger plakativ machen sollen, weil man halt am Ende dann doch doch - trotz all der Tode - verhältnismäßig ungebremst durch das Spiel segelt. Das Spiel lädt sich mit zu viel Bedeutung auf, dafür dass man "bloß" viele Plattforminglevel absolviert. Es wäre ein bisschen so, als würde Mario plötzlich deep sein wollen. Der große Twist am Ende bleibt aus, der Moment, in dem Gameplay und Story zusammenklicken und man begeistert ist vom Medium Videospiel. Das heißt nicht, dass sich Celeste nicht gut präsentiert. Es gibt viele beeindruckende Momente, eine gelungene Einbindung des sehr guten Soundtracks und eine tolle Grundstimmung. Die Story hat mich auch nicht gestört, ich hatte mir nur wesentlich mehr versprochen. Das kürzlich durchgespielte Owlboy hat mich mit seiner wesentlich altbackeneren Story mehr gekriegt, weil die Figuren schöner ausgestaltet waren und echte Identifikationspunkte brachten. Ich mochte bei Celeste auch den Artstyle nicht so gern, weder im Spiel selbst, aber erst recht nicht in den Zeichnungen und Avataren, aber das ist Geschmackssache. Es war aus meiner Sicht weder berührend, noch lustig, es war einfach OK.

Gameplay und Plattforming selbst sind natürlich wichtiger und zum Glück auch besser. Celeste bietet sehr direktes Gameplay, lässt sich weitgehend hervorragend kontrollieren und hat viele interessante Moves. Das Staminameter ist nicht immer perfekt einzuschätzen, aber trotzdem die beste Mechanik des Spiels. In späteren Leveln muss man sehr genau mit seiner Ausdauer haushalten und zum Teil waghalsige Manöver in großer Präzision durchführen, weil die Spielräume immer enger werden. Was mich etwas gestört hat ist, dass das Festhalten ein elementarer Bestandteil ist und ich das Halten von Knöpfen, gerade wenn es Schultertasten sind und gerade in solchen Präzisionsplattformern etwas hakelig finde. Mag hier tatsächlich auch mal an den Joy Cons liegen, aber ich war froh, als das Spiel einem mit fortgeschrittenen Techniken das ständige Festhalten aberzogen hat. Grandios ist das Spiel darin, den Spieler besser werden zu lassen. Man lernt eigentlich kaum neue Moves dazu, aber man wird stetig besser. Wenn man frühe Level wiederholt, liegt das "Speedrunning" wirklich nahe, weil man in Passagen, die zu Beginn unmöglich schienen, gar nicht mehr stirbt und geradezu durchfliegt. Das stumme Tutorial und die Lernkurve des Spiels sind spot on und vielleicht der beste Teil an ganz Celeste. Viele der Level sind auch erinnerungswürdig und das letzte Level, das man durch das Finden von unfindbaren Herzen freischalten muss, ist ein sehr würdiges letztes Level und eine tolle Herausforderung.

Das Leveldesign ist einerseits meisterhaft, andererseits durchschnittlich. Meisterhaft ist die genaue Gestaltung der einzelnen Räume. Obwohl es wenig Spielräume gibt, lassen sie oft mehrere Lösungen zu. Dabei gibt es aber nur selten einen "easy way out". Ich hatte wirklich viel Freude daran, durch Ausprobieren und Knobeln den besten Weg durch die Hindernisse zu finden. Was mir weniger gut gefallen hat, ist dass der hohe Schwierigkeitsgrad im Hauptspiel nahezu vollständig auf das Erreichen der ausschließlich optionalen Erdbeeren beschränkt ist. Ohne die Erdbeeren ist Celeste so leicht wie NSMB ohne Münzen. (Mit Erdbeeren aber schwerer als NSMB mit Münzen!). Nur dass die Münzen in Mario etwas bringen und nicht nur fürs Ego sind. Zudem ist die Gesamtstruktur der Levels aus meiner Sicht nicht so grandios wie die der Einzelräume. Das Pacing ist gut, aber im Grunde ist es weitgehend eine Abfolge an Räumen, die kaum eine übergeordnete Struktur haben - auch wenn alle möglichen Reviews und Entwickler-Matt selbst etwas anderes postulieren. Es gibt gelegentlich nette, offen gehaltene Gebiete, so dass es nicht total schlauchig ist, aber wenn man das ganze Klimbim weglässt, sind das einfach Plattformingherausforderungen, die (sinnvoll und stimmig) aneinandergereiht werden.

Dann sind da die B-Seiten. (Und die C-Seiten). Die sind einfach pures Gameplay und wirklich gut designt, aber für mich seltsam unmotivierend. Ich habe es einigermaßen gut durch die ersten drei B-Seiten geschafft und wenig Verlangen, die anderen noch durchzuspielen. Ich habe insgesamt ein Problem mit Post-Game-Content, aber eigentlich nicht in Plattformern. Ich war irgendwann froh, durch zu sein. Hat auch mehr als zehn Stunden gedauert, um dorthin zu kommen, wo ich nun stehe. Das einzige, was mich antreibt, ist dass @Zelos mich sonst nervt. Mehr Lust hätte ich, die fehlenden Erdbeeren zu holen, die dankbarerweise angezeigt werden und leichter zu holen sind, weil man nach Abschluss eines Levels einzelne Segmente anwählen kann und jederzeit das Level verlassen.

Celeste macht also sehr viel richtig. Es hat ein tolles, einzigartiges Kerngameplay, eine stimmige Atmoosphäre, gute Zusatzherausforderungen und einen netten Soundtrack. Es hat mich nur nicht so gepackt wie ich gedacht hätte. Axiom Verge, Hollow Knight und sogar Owlboy haben mich auf einem Level angesprochen, das Celeste nicht erreicht hat. Vielleicht waren die Vorschusslorbeeren zu groß (wobei sie das bei den anderen auch waren), aber ich spüre aus mir heraus viel weniger das Verlangen, jede Herausforderung zu bestehen als bei anderen Spielen. Celeste ist nicht der beste Hardcore-Plattformer, es erzählt auch nicht die beste Geschichte, es hat nicht die beste Atmosphäre und auch nicht das beste Leveldesign. Aber es ist in allen Bereichen sehr weit vorn dabei und im Gesamtpaket deshalb vielleicht einer der rundesten Indie-Titel. Zudem macht es viel, um keine Spieler zu vergraulen und zwar mit Erfolg. Auch die vorbildliche Einbindung eines "Assist-Modes" darf man loben. Das alles reicht für hohe Anerkennung und für ein "Durchsuchten" zumindest des Hauptspiels, aber es reicht nicht für dieses besondere Gefühl, das ich gegenüber besonderen Spielen habe. Celeste hat mich einfach nicht so glücklich gemacht, wie ich gedacht hätte.
 

Zelos

GUF Veteran
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Du hättest wirklich b und c zu Ende machen sollen bevor du ein Fazit ziehst. So lange lasse ich das auch unkommentiert. Schade, aber genau so ein Fazit habe ich erwartet nach all dem wie ich dich kenne und wie du dich vorher schon über das Spiel geäußert hast also kommt es mir nicht überraschend. Ich zähle b und c jedenfalls noch zur gesamt Erfahrung dazu. Du hast etwa 60% der Herausforderungen/Level noch nicht gesehen. Vielleicht packt dich noch mal irgendwann der Wahnsinn.

Aber andererseits fehlt Dir da vielleicht einfach der Biss um dich durchzubeißen (das ist ein Wink an den BB Stream ;) )
 

Biber

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Der Biss muss immer vom Spiel ausgehen. Nie vom Spieler!

Aber zum einen ist das immer noch ein sehr positives Fazit zu einem tollen Spiel und zum anderen schreibe ich, dass viel der Kritik mit der Erwartungshaltung zusammenhängt.

Darüber hinaus sehe ich nicht, wie die B-Sides an dem Fazit noch was ändern könnten. Es ist offensichtlicher Bonus-Content und ich habe ja schon immerhin drei der Level absolviert. Ich spreche dem Spiel auch nicht die Herausforderung an sich ab, nur im Hauptspiel ohne die Erdbeeren. Das ist auch gar nichts Schlimmes.

Das Spiel hat mich ja nicht mit zu hoher Schwierigkeit demotiviert. Ich sitze seit Tagen an Flat Heroes und beiße mich da durch, was bedeutend schwerer ist als alles, was ich in Celeste bisher machen musste. Ich hab ja geschrieben, dass ich es einfach nicht so sehr... mag. Zu schwer ist es mir ganz und gar nicht. Da bin ich anderes gewohnt. Electronic Super Joy, Super One More Jump und Slime-San sind allesamt härter als Celeste und trotzdem hab ich die Biester besiegt.
 

Zelos

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Nunja das hauptspiel ohne Beeren ist schon noch schwerer als nsmb ohne alles. Das ist schon frech, das anders herum darzustellen. Ansonsten ja, ok.

Und Biss kommt von beiden Seiten. Ein bisschen Ehrgeiz muss man schon aufbringen. Das Spiel wirft Dir nen immerhin nen Knochen das lvl 8B solange gesperrt ist bis du alle Herzen hast.

Ich empfehle es wie gesagt nur. Erst als ich die B herausforderungen halb komplett hatte, hab ich mich richtig in das Spiel verliebt und umso mehr über c gefreut.

Und b ist nicht gleich b. Die Level haben die selbe schwierigkeitskurve wie auf der a Seite (sprich lvl 1-3 sind kurz und einfach und es wird länger und schwerer pro Level)
 

Biber

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Na gut, der NSMB-Vergleich stimmt nicht ganz. Aber es ist schon auffällig, wie viele Tode für Erdbeeren draufgehen und wie viele für den Rest. Ich würde schätzen, 70% für Erdbeeren.

Natürlich muss man Ehrgeiz aufbringen. Ohne muss man gar nicht erst irgendwas spielen. Den hab ich ja auch. Aber wenn ich zehn befriedigende Stunden gespielt habe, muss das Spiel mich schon irgendwie kitzeln, damit ich Bonuscontent mache. Andere Spiele schaffen das besser. Und die ersten drei B-Sides haben auch Spaß gemacht, aber ich war dann einfach etwas satt von Celeste. Aber ich hab ja geschrieben, dass du mir im Nacken sitzt und mir vermutlich ewig vorhalten wirst, wenn ich das nicht beende. Zu schwer war es wie gesagt bisher nicht. Im empfand das letzte "reguläre" Level schwerer als die ersten drei B-Sides.

Ich will dir das ja auch nicht madig reden. Im Grunde war mein Fazit doch sehr positiv und ich bin froh, es endlich gespielt zu haben. Nur die ganz große Begeisterung kann ich nicht teilen. Du bist halt so ein Superlativ-Typ und ich etwas geerdeter in meiner Sprache ;)
 
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Zelos

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Als kleine Erinnerung:

Chapter 9 ist heute als kostenloses Update erschienen. Es hat wohl etwa 100 screens/level mit neuen Mechaniken. Ich hab geschätzt das halbe Level hinter mir und es ist schön fordernd. Ich empfehle aber soweit Übung mit den B/C sides. Chapter 9 selbst hat wohl keine B/C sides. Und auch keine Beeren, zumindest habe ich keine bisher entdeckt. Allerdings habe ich knapp eine Stelle gesehen welcher ein alternativer weg sein könnte, konnte aber nicht schnell genug reagieren. Ich versuche erstmal das Kapitel zu schaffen. Am Ende sehe ich dann ja vielleicht ob was fehlt ^^