Der Turnaround von Microsoft seit 2013

Ripchip

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24 August 2016
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Heute ist mir wieder bewusst geworden, welchen Turnaround Microsoft in den letzten Jahren eigentlich geschafft hat. Wer erinnert sich nicht an die Aussagen von Mattrick auf die Frage, was Leute ohne Internet mit einer One anfangen sollen? Lapidar gesagt hat Microsoft unter der damaligen Führungsriege den Spieler und seine Interessen nicht respektiert und mit Füßen getreten. Wer also kein Internet hat soll weiter auf seiner 360 spielen? Die Verkaufszahlen der Konsolen haben dann gezeigt, was den Spielern wichtig ist bis zu dem Punkt, an dem MS keine offiziellen Zahlen mehr heraus gegeben hat, während Sony gefühlt täglich neue Erfolgsmeldungen publiziert hat.

War MS vielleicht seiner Zeit voraus? Mitnichten, der Spieler will das Gefühl haben, selbst entscheiden zu können was gut für ihn ist. Heute, 6 Jahre später, nutzen viele ihre Konsolen für Netflix und Co, hören ihre Musik über Spotify und die digitalen Verkaufszahlen schießen jedes Jahr weiter in die Höhe. Dafür gibt es wie gesagt einen guten Grund: Der Spieler entscheidet, wie, wann und ob er konsumiert. Keiner will sich vorschreiben lassen, wie er seine Spiele kaufen soll. Und lässt man dem Spieler die Freiheit, verzichtet er freiwillig auf bestimmte Rechte wie dem Verkaufsrecht und konsumiert so, wie es die Publisher gerne hätten.

MS hat viele Fehler gemacht, auch in den Folgejahren. Der Mangel an guten Exklusivspielen war nicht zu übersehen, man musste sich erst wieder den guten Ruf aufbauen, den man mit der Xbox 360 erreicht hat. Hier kommt Spencer ins Spiel, der von Nadella praktisch einen Freibrief bekommen hat, um die Xbox-Sparte wieder in die richtige Richtung zu lenken. Exklusivspiele sind auch heute, im Jahr 2019 im Vergleich zur Konkurrenz noch Mangelware, ein Spiel wie Breath of the Wild oder God of War sucht man auf der One vergeblich. Aber gute Spiele brauchen Zeit, die Weichen sind mit den Neuzugängen wie Ninja Theory gestellt.

Was die Konsole aber von der Konkurrenz abhebt, ist der Service. Wie zum Beispiel bei Gears of War, das von der Seite „Can i Play that“ als erste AAA Spiel überhaupt mit der vollen Punktzahl belohnt wurde. Die Seite befasst sich mit der Zugänglichkeit von Spielen für Menschen, die bestimmte Einschränkungen haben. Gears 5 bietet einen Modus für Farbenblinde, die Untertitel können vergrößert werden und das Spiel kann komplett mit dem Adaptive Controller gespielt werden, einem speziell entwickelten Controller für Menschen mit Einschränkungen, der meines Wissens bisher erste Controller dieser Art überhaupt.

Als weiterer Service ist die Entscheidung, jedes Exklusivspiel auch auf dem PC zu publishen, zu nennen. Der Clou ist aber für mich der Game Pass. Ich weiß nicht genau wie MS den finanziert, ich denke erst mal durch Subventionen, aber für 10 Euro monatlich (wer aufpasst bezahlt einiges weniger) bekommt man eine Auswahl von derzeit 200 Spielen, die man frei herunterladen kann, so lange man Abonnent ist. Das Besondere daran: Jedes Spiel, das von MS veröffentlicht wird, landet direkt zum Release im Game Pass.

Auch die Abwärtskompatiblität ist ein Service, den MS kostenlos für jeden Spieler gebracht hat. Viele Spiele sind auf der One spielbar, die meisten laufen sogar besser. Viele Spieler hätten zum Beispiel gerne ein Remaster von Red Dead Remption. Wer es per AK jedoch mal auf der Xbox One X gespielt hat weiß, dass dieser Traum schon längst erfüllt wurde, sogar besser als man sich das jemals vorgestellt hat. Es sieht um Einiges besser aus als viele „Möchtegern“-Remaster, die von anderen Publishern für viel Geld noch mal verkauft werden.

Andere Vorteile wären das stabile und schnelle Netzwerk und das viele Spiele von den Microsoft Studios sowohl einen Single-als auch Coopmodus bieten. Zudem sind die Konsolen im Vergleich zur PS4 Pro flüsterleise, ein Vorteil, der gar nicht groß genug herausgestellt werden kann.

Mein persönliches Highlight ist natürlich die X. Power pur, schön leise, dafür extrem günstig, verbunden mit der AK hat man hier viele Spiele noch mal kostenlos verschönert.

Das soll jetzt kein Werbetext werden, aber man sollte auch mal honorieren, wenn ein Publisher den Spielern zuhört, wie es MS in den letzten Jahren getan hat. Gebt der One oder auch der Scarlett eine Chance, wer die Punkte die ich aufgezählt habe wichtig findet, der wird es nicht bereuen.
 

Shiningmind

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29 August 2016
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Ich bin bei dir. Microsoft musste und hat viel gemacht, um den Imageschaden wieder zu reparieren und das ist ihnen einigermaßen auch gut gelungen. Sie haben sich wieder auf Ihre Fokusgruppe, den Hardcoregamern, und auf Ihre Stärken in der Hardware (auch die Elitecontroller will ich hier nennen) und dem Netzwerk fokussiert. Interessant ist, dass Sie vom Prinzip her trotzdem ihre Digitalisierungsstrategie durch ihre Services vorangetrieben haben, nur eben dies nicht von oben herab und mit einer Friss oder Stirb-Strategie, sondern eben über ein userfreundliches Angebot. Ich denke trotzdem, dass Retailfreunde in der nächsten Gen trotzdem wegen dieser Beobachtung erstmal bei Sony bleiben. Da mir das aber nicht so wichtig ist und auch weil mir der Game Pass so gut gefällt und ich hoffe, dass dieser konsequent weitergeführt wird, überlege ich tatsächlich das erste Mal mir statt ner PS Konsole eine Xbox zum Launch zu kaufen und bei der PS zu warten.
 
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Rusix

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2 September 2016
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Ein interessantes und wichtiges Topic.
Klasse Rippi!

Es herrscht viel Aufklärungsbedarf was MS angeht - bei mir wie auch bei vielen anderen. Schön, dass ausgerechnet ihr zwei Stellung dazu nehmt, denn euch würde ich aus dem Bauch heraus direkt als 'unbiased' bezeichnen.

Ihr finde die Entwicklungen der letzten Jahre auch lobenswert. Was den Consumer-Service anbelangt hat MS gehörig aufgeholt. Der wichtigste Service ist aber noch immer 'Exclusives' - und genau da krankt es bei MS seit den späten Kinekt-Escapaden.

Ich bin grundsätzlich offen für eine neue MS-Konsole - zum ersten mal in meinem Leben. Das hat MS sich hart erarbeitet bzw subventioniert. Aber sie müssen delivern, ansonsten verstummen ihre Bemühungen schneller als ihnen lieb ist.

Das Problem für MS ist, dass Sony sich keine groben Schnitzer erlaubt und Nintendo immer näher heranrückt. Da kann man nicht groß mit besserm Service und Infrastruktur Punkten - die Games werden es letzlich wieder entscheiden. Und genau so sollte es auch sein für eine Spielekonsole.
 
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Colt

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25 August 2016
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Ja, mittlerweile bin ich von Microsoft auch sehr positiv überrascht. Der Game Pass war eine super Idee und auch die AK möchte ich nicht mehr missen. Klar, bei den Exklusiv Titeln happert es noch etwas, aber ich denke das wird in den nächsten Jahren viel besser werden.
Da bei Sony schon seit einiger Zeit wieder verstärkt die Arroganz des Marktführeres zu beobachten ist, bin ich auch stark am überlegen das in der nächsten Gen wieder die Xbox meine Hauptkonsole sein wird und die PS5 erst viel später nur für die Exklusiv Spiele gekauft wird.
 

Zelos

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24 August 2016
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Man muss sich schon eingestehen dass MS sich verbessert hat aber insgesamt ist immer noch nichts dabei was mich dazu bewegt eine Box zu kaufen. Ich habe zwei ‘exclusives’ auf steam gespielt. Cuphead und ori. Und beide waren toll. Das wars. Mehr hab ich zu MS nicht zu sagen, bin da sehr indifferenziert.

Für mich entscheidet auch die nächste Generation wieder welche spiele die Platform bietet. Und Sony bietet halt einfach mal das was ich mag. Große singleplayer Erfahrungen die einen Fokus auf Story haben. Abgesehen von der gears Serie kenne ich da sonst nichts von MS. Und selbst gears ist im Grunde sehr Multiplayer zentriert.
 

Rusix

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2 September 2016
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Ich habe zwei ‘exclusives’ auf steam gespielt. Cuphead und ori. Und beide waren toll. Das wars
Hättest du nicht gesagt, dass es sich um Exclusives handelt - ich hätte es nicht gewusst.

Da kommt schon das nächste Problem:
Die Marke 'X-Box' hat irgendwie keine Identität. Bis auf Halo, Gears und immer wieder Forza fällt mir nix ein.
Sie stagnieren software-technisch gefühlt seit ewigen Zeiten. Komisch irgendwie oder bin ich einfach nicht informiert?

Es kommt ihnen natürlich zu Gute, dass die meisten Games heutzutage Multiplat sind.
Ich glaube aber nicht, dass es reichen wird um die Masse zu bekehren.

Damals gab es doch diese Fables, Kameos und ähnliches. Wo sind die eigentlich?
 

Imur

Newbie
8 Januar 2018
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Lieber Rippi,

du hast insgesamt schon recht. Microsoft hat viel richtig gemacht. Hätte ich keinen PC, hätte ich mir wohl längst eine One X für Multititel gekauft. Sie versuchen jetzt auch noch das letzte Problem in den Griff zu kriegen - die vergleichsweise schwachen Exklusivtitel. Hier gehen sie jedoch einen Weg, der mir überhaupt nicht gefällt. Statt selbst Studios aufzubauen kaufen sie solche, die schon etabliert sind. Im Fall von Ninja Theory sogar genau dann, wenn diese ihren ersten großen Hit landen. Es war also definitiv nicht so, dass sie ein sterbendes Studio gerettet hätten.

Das Ergebnis hiervon ist, dass wir Spieler nicht mehr tolle Titel haben, sondern dass einige der Studios, die vorher für alle entwickelt hätten jetzt eben nur noch für Microsoft entwickeln. Zugegeben - mit mehr Budget und evtl. auch mehr künstlerischer Freiheit durch die finanzielle Sicherheit. Ob sich das wirklich für alle auszahlt bleibt abzuwarten. Bisher sehe ich den Mehrwert für uns alle noch nicht.
 
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Rusix

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2 September 2016
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Statt selbst Studios aufzubauen kaufen sie solche, die schon etabliert sind. Im Fall von Ninja Theory sogar genau dann, wenn diese ihren ersten großen Hit landen. Es war also definitiv nicht so, dass sie ein sterbendes Studio gerettet hätten.
Dafür ist die Zeit jetzt zu knapp. MS hätte vor etlichen Jahren damit anfangen müssen. So kurz vor Launch einer neuen Gen benutzen sie halt die Brechstange: Money.

Nicht schön, da gebe ich die recht.
Vielleicht lernen sie etwas daraus.
 

Zelos

GUF Veteran
24 August 2016
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Bergisch Gladbach
Sind das denn noch die individuellen Studios wenn die jetzt irgendwelche Leute da rein hauen .... das wird doch dann ein seelenloser Haufen so wie Bayern München
 

Sun

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20 November 2016
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Das Ergebnis hiervon ist, dass wir Spieler nicht mehr tolle Titel haben, sondern dass einige der Studios, die vorher für alle entwickelt hätten jetzt eben nur noch für Microsoft entwickeln. Zugegeben - mit mehr Budget und evtl. auch mehr künstlerischer Freiheit durch die finanzielle Sicherheit. Ob sich das wirklich für alle auszahlt bleibt abzuwarten. Bisher sehe ich den Mehrwert für uns alle noch nicht.
Da magst du recht haben, aber andererseits kann ich nichts vermissen von dem ich nichts weiß, denn ich denke nicht, dass sich dadurch die allgmeine Situation bei Multiplattformspielen merkbar verschlechtert. Außerdem sind Spiele, die Microsoft publisht selten exklusiv. Selbst im Konsolenbereich sind sie ja nicht zu 100% exklusiv.
 

Biber

GUF Veteran
25 August 2016
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Ich merke schon, dass ich noch immer in der "MS braucht kein Mensch"-Denke bin und es wird wohl noch eine Weile dauern, bis ich für mich den Vorteil einer XBOX sehen kann. Trotzdem finde ich das Eingangsposting sehr nachvollziehbar. Solange es für mich aber noch kein schlagendes Argument gibt (GamePass ist noch keines für mich, da ich diese Abos einfach nicht genug nutze), bleibe ich bei Sony/Nintendo, aber wenn sie wirklich nachhaltig etwas aufbauen, könnte das ja eine Zukunft haben.
 

Screw

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26 August 2016
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Solange es für mich aber noch kein schlagendes Argument gibt (GamePass ist noch keines für mich, da ich diese Abos einfach nicht genug nutze), bleibe ich bei Sony/Nintendo, aber wenn sie wirklich nachhaltig etwas aufbauen, könnte das ja eine Zukunft haben.
Rare könnte so ein Argument sein. Das waren sie aber seit dem Wechsel zu Microsoft für mich nie.
 
19 November 2018
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Hm, nachdem Microsoft den 24stündigen Online-Check aufgegeben hat, stand ich der One sehr positiv gegenüber, besserer Controller, leiser und für den Anfang konnte ich mit Sunset Overdrive und auch kleineren Spielen wie Screamride durchaus was anfangen.

Aber dann ging es kontinuerlich bergab. Quantum Break war nett, Halo 5 war mies, Gears of War 4 fühlte sich total altbacken an, Recore erschien so unfertig, dass man nicht mal den gestrichenen Roboter per Photoshopmaßnahme in letzter Sekunde vom Cover entfernen konnte, irgendwie ging alles, in dem keine Autos oder Ori im Mittelpunkt standen, mehr oder weniger schief. Und dann State of Decay 2 - ich dachte, das wäre eine sichere Bank, am Ende war das aber noch Wochen nach Launch unfertig und konzeptionell zu Wischiwaschi. Was habe ich mir im Vorfeld für ein Epos vorgestellt, drei Karten! Dreimal baut man was auf, und muss zweimal irgendwann die Flucht antreten - wie spannend! Äh, ne, man halt eben drei Karten zur Auswahl, wenn man umzieht, dann ohne spielerische Veranlassung und praktisch wirkt es wie eine Art Spielstandreset und die Kampagne besteht im Grunde nur noch aus der Ausrottung von Nestern. Das ging alles so sehr in die falsche Richtung, dass ich es partout nicht ausprobieren will, und ich liebte Teil 1.
Und Crackdown 3: Im Marketing sieht man einen supercoolen Typen im Mittelpunkt, der ist auch irgendwie im Spiel, aber als nur eine von mehreren spielbaren Figuren ist er eine austauschbare Schablone ohne Text nach dem Intro. Welche Verschwendung! Wie langweilig!

Microsoft hat jetzt viele Spiele gekauft, mussten sie, aber für die unmittelbare Zukunft bringt es der Xbox quasi nichts, weil die ersten Spiele nach den Käufen größtenteils weiter Multiplattform sind. Angesichts davon, dass viele dieser Spiele eine Crowdfunding-Vergangenheit hatten, finde ich das ausdrücklich gut, aber damit sind die Käufe nur der Grundstein eines Turnarounds, aber da er noch nicht. Gears 5 ist nach Sunset Overdrive das erste Spiel ohne Autos und Ori, das offenbar unumstritten sehr gut ist und nicht wie ein Relikt aus der letzten Generation wirkt wie Gears of War 4. Wenn ein Spiel für den Turnaround ausreicht, dann war Nintendos Bilanz in der Wii U-Zeit in der Retrospektive viel besser als damals von mir wahrgenommen.

Oder sehe ich das falsch, weil ich die Spiele im Mittelpunkt sehe? Sollte ich lieber meine Perspektive verschieben und den Markt sprechen lassen? Angesichts dessen, dass Microsoft vermeidet, harte Zahlen zu nennen, glaube ich nicht, dass die Verkaufszahlen die These des Turnaround stützen. Damit frühstücke ich auch die Xbox One X ab. Aus Ingenieurssicht ein tolles Upgrade, aber einen Turnaround hat es nicht verursacht.

Abwärtskompatibilität? Vielleicht bin ich zu Oldschool, aber Abwärtskompatibilität heißt für mich: Ich lege die Disc ein und das Spiel läuft. Einen enhanced Port downzuloaden ist keine Abwärtskompatibilität. Als Service ist es besser als Sonys Abwärtskompatibilität auf der PS4, also besser als nichts. Solange aber nicht 99% der alten Spiele laufen (ein paar Ausreißer gibt es ja immer, ich verlange keinen Controlleradapter für Steel Battalion), ist da Luft nach oben. Warum soll ich als Kunde Kompromisse eingehen? Abwärtskompatibilität sind für mich Geschichten wie die PS2 zur PSone, die Wii zum Gamecube, der Game Boy Advance zu Game Boy und Game Boy Color. Das, und nichts, wirklich gar nichts weniger.
Ich erkenne wie gesagt an, dass es besser als nichts ist, und ich bin auch manchmal beeindruckt, wie viele und welche Spiele Teil dieses Services werden, aber ch hoffe doch sehr, Microsoft arbeitet hinter den Kulissen an echter Abwärtskompatibiltät für die nächste Gen und Sony hoffentlich auch. Leute, seid mal nicht so anspruchslos, geht mal richtig in die Vollen und fordert, fordert und fordert! Abwärtskompatibiltät ist ein Feature, das viele alte Konsolen vollumfänglich definiert haben, drunter müssen wir es nicht abfeiern! Außerdem hat Microsoft immer Discs verwendet. Nintendo hätte ja wirklich praktische Probleme, alle Spiele vom Datenträger lauffähig zu machen, das zieht bei Microsoft aber nicht. Entwickelt mal Ansprüche und labt euch nicht an Brotkrumen!

Hm, okay: Gamepass! "Is it on Gamepass?" Eine häufige Frage auf Resetera. Microsoft züchtet eine Generation heran, welche die harte Arbeit der Spielentwickler nicht mehr angemessen bezahlen will. Das find ich eine verdammt schlechte Entwicklung. Derzeit lohnt sich das für die Partner noch, da ich vermute, dass Microsoft mehr Geld vom Zehner jedes Nutzers ausschüttet*, als eigentlich wirtschaftlich für Microsoft geboten ist, um genügend Futter auf Gamepass zu haben und dieses Modell durchzudrücken, in der Hoffnung, mit einer Geiz ist geil-Metalität den Marktführer zu schädigen, wenn es mit überzeugenden Spielen schon nicht klappt.
*den durch diverse Aktionen ja kaum jemand tatsächlich bezahlt.

Mal sehen, wie sich Gears 5 herkömmlich verkauft, aber Microsoft macht sich seinen eigenen Markt natürlich als erster kaputt. Generell sind Exklusivspiele das Salz in der Videospielsuppe, gäbe es Gamepass nicht, würde ich mich über jeden dieser Käufe freuen. Ninja Theory und Double Fine befreit von der Angst ums nackte Überleben? Wird sicher geil, aber wenn die Teile dann nur noch auf Gamepass erscheinen, weil Microsoft seine eigenen Retail-Verkäufe gekillt hat, bringt mir persönlich das nichts.

Der Microsofttitel, auf den ich derzeit am sehnlichsten warte, ist Gears Tactics. Die Reihe bietet sich für einen Xcom-Ableger geradezu an. Um die Gamescom herum wurde es per Tweet für die One bestätigt. Dank Gamepass bin ich nun aber skeptisch, ob das dann auch in den Einzelhandel kommt.

Aber diese Discgeschichte ist natürlich mein persönliches Problem, ich lehne Gamepass aber vor allem deswegen ab, weil es, sobald die Subventionsphase vorbei ist, hypothetisch so wenig vom Kuchen an die Anbieter auszahlen dürfte, dass die ohne Lootboxen kaum noch genug Geld machen können. Ganz konkret: Ich bange um das Geschäftsmodell von AA-Publishern wie Focus Home Interactive und Spielen wie Greedfall und Vampyre. Ob sich die nächste Generation für Retailfans wie mich lohnt, ist ja bereits ohne Gamepass äußerst fraglich, aber auch in der Downloadzukunft wünsche ich mir einen Markt, der gute Spiele pro einzelnen Nutzer höher goutiert als mit dem Bruchteil eines Zehners.

Aber Microsoft hat jetzt wieder Potenzial und das freut mich unglaublich, so negativ bisher alles klang. Ich will drei gesunde Hardwarehersteller, denn Konkurrenz belebt das Geschäft. Wenn Sony glauben würde, es könne sich ausruhen und wenn Microsoft weitergemacht hätte, wie bisher, sprich Sony hätte sich tatsächlich ausruhen können, hätten wir Spieler in ein paar Jahren blöd aus der Wäsche geschaut. Also, Go Microsoft, Go!
Am wichtigste ist dabei für mich der Kauf von Obsidian und Inxile. Ein Teil von Microsofts Identität war das West-RPG, das mit Morrowind auf der ersten Xbox und mit Bioware wirklich einen großen Teil des Reizes der ersten Jahre der Xboxen ausgemacht hat. Es ist sehr wichtig, dass Microsoft diesen Punkt ganz aktiv wieder ausbaut. Und ja, Double Fine und Ninja Theory dürften auch liefern. Das Potenzial ist da, wie lange nicht mehr, um Sony Paroli zu bieten. Da hat Microsoft sehr kluge Käufe getätigt.

Aber Potenzial ist noch kein Turnaround. Wir sprechen uns ein bis zwei Jahre nach Launch der neuen Konsolen.

EDIT: Ah, ja, ergänzt oben an den passenden Stellen Autos und Ori durch Autos, Ori und Teetassen aus den 30ern.
 

Rusix

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2 September 2016
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Schaumburg
Urgh, über Gamepass habe ich bisher gar nicht so wirklich nachgedacht.
Der Plan war (vielleicht) die neue XBox zu kaufen und dann nur noch über Gamepass die Exklusiv-Titel abzustauben bzw die Gems die noch angeboten werden. Wenn die Entwickler darunter leiden, wäre das aber ne sehr blöde Angelegenheit. Bei Netflix läuft es doch auch ganz gut, oder?
Da fehlen mir die Background-Infos.

Das die Abwärtskompatibilität gar keine echte ist, wusste ich auch nicht.

Sehr informativ Guybrush.
 

Cube

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26 August 2016
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Berlin
Bezüglich Gamepass und dem Verdienst der Entwickler...
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Bin gerade mitten darin von der PS4 auf die XBO umzusteigen. Bei Microsoft stimmt das "Drumherum" inzwischen einfach mehr und die Exklusivlinge beider Unternehmen sind mir zum großteil egal.
 
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Biber

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Nee, @Guybrush Threepwood, du hast schon Recht, die Spiele sind nach wie vor mau. Und Ori und Cuphead kann man inzwischen auch auf Switch spielen. Trotzdem haben sie ne Menge Weichen gestellt, die für die Zukunft hoffen lassen. Und im ganzen Drumherum viele gute Entscheidungen getroffen. Aber die GamePass-Sache kann man natürlich auch anders sehen. Aber ganz egal wie man dazu steht: Ohne Spiele nützt das im Jetzt in der Tat alles nichts, weshalb ich sie auch noch nicht brauche. Man kann natürlich sagen, dass einem Multiplattformtitel reichen und dann ist es vermutlich auch schon jetzt die beste Wahl.
 

Lottogewinner

Administrator
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29 Juli 2016
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Deutschland
Es gibt quasi ein Xbox vor und nach Spencer. Und natürlich dauert es, bis die Entscheidungen Früchte tragen. Vor drei Jahren war ich nichtmal sicher, ob sie nochmal eine Konsole bauen wollen. Nun haben sie eine Menge coole Studios, stecken wieder Geld in ihre AAA-Marken wie Halo, Gears, Forza oder Fable, bringen Optionen für Core Gamer wie den Elite Controller, haben Gamepass ins Leben gerufen, unterstützen Crossplatforming, arbeiten mit xCloud an einem Konzept, Xbox-Spiele auch unterwegs weiterspielen zu können und bringen ihre Marken wenn es sinnvoll ist auch auf die Switch. Dazu eben dnan doch die Abwärtskompatibilität. Klar muss man da Spiele runterladen - weil die Xbox eben eine komplett andere Hardwarearchitektur hat, einfach nur Discs einlegen ist technisch einfach nicht möglich. Dafür lädt man aber halt nicht den Emulator, sondern bekommt 4K-Versionen von alten Spielen, die woanders als Remaster teuer verkauft werden. Dazu dann noch wirklich fantatische Initiativen wie der Adaptive Controller, von dem sich alle eine Scheibe abschneiden sollten!

Wo das hinführt, wird man sehen, wenn die nächste Konsole auf dem Markt ist. Die Geschwindigkeit, mit der Phil Spencer die Weichen in die richtige Richtung gestellt hat - und zwar nicht nur durch großspurige Ankündigungen für die nächste Generation, sondern durch nachhaltige, schrittweise Umsetzungen - ist jedenfalls enorm beeindruckend. Wenn sie so weiter machen, wird Sony sich jedenfalls in zwei, drei Jahren nicht mehr so sehr auf seinem Vorsprung weltweit ausruhen können, wie sie es aktuell halt doch tun. Und in den USA ist Xbox ja auch jetzt schon fast auf Augenhöhe.

Was Guybrush am Ende richtig sagt: Von drei Starken Plattofrmen profitieren am Ende alle, und ich glaube, dass Microsofts Bemühungen zu Crossplattforming, Service und Accessibility dem Gaming insgesamt echt gut tun und auch Sony und Nintendo herausfordern werden, da mehr zu leisten. Und, wie Biber sagt, für Third-Party-Spiele sind sie jetzt schon dank technischer Überlegenheit die beste Wahl. Auch das ist für viele ja schon ein Argument.
 

Ripchip

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24 August 2016
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Lieber Rippi,

du hast insgesamt schon recht. Microsoft hat viel richtig gemacht. Hätte ich keinen PC, hätte ich mir wohl längst eine One X für Multititel gekauft. Sie versuchen jetzt auch noch das letzte Problem in den Griff zu kriegen - die vergleichsweise schwachen Exklusivtitel. Hier gehen sie jedoch einen Weg, der mir überhaupt nicht gefällt. Statt selbst Studios aufzubauen kaufen sie solche, die schon etabliert sind. Im Fall von Ninja Theory sogar genau dann, wenn diese ihren ersten großen Hit landen. Es war also definitiv nicht so, dass sie ein sterbendes Studio gerettet hätten.

Das Ergebnis hiervon ist, dass wir Spieler nicht mehr tolle Titel haben, sondern dass einige der Studios, die vorher für alle entwickelt hätten jetzt eben nur noch für Microsoft entwickeln. Zugegeben - mit mehr Budget und evtl. auch mehr künstlerischer Freiheit durch die finanzielle Sicherheit. Ob sich das wirklich für alle auszahlt bleibt abzuwarten. Bisher sehe ich den Mehrwert für uns alle noch nicht.

Lieber imur,

erst einmal vielen Dank für deine Geduld, meine Antwort hat lange auf sich warten lassen, jedoch bist du stets besonnen und gut gelaunt im Chat gewesen und hast mich nie darauf aufmerksam gemacht, wie unhöflich es von mir ist, auf deinen ersten Forenpost seit langem so lange nicht zu antworten. Das spricht für dich als Mensch und macht dich zu jemand ganz Besonderem!

Wie Lotto schon geschrieben hat, Microsoft kauft nicht nur, sie bauen auch etwas auf, sie stellen Leute ein, Entwickler wie Playground stellen nun mehr Spiele her, als es ihnen vorher möglich war. Dementsprechend gehe ich stark davon aus, dass wir Spieler sehr wohl mehr tolle Titel bekommen, weil einfach mehr Entwickler hinter den Spielen stehen und auch Ideen, die keinen großen Gewinn befürchten lassen, ausgebaut werden und somit zu einem Spiel führen, dass ohne großen Publisher im Rücken nie möglich gewesen wäre.