Detroit: Become Human (PS4)

Zeratul

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24 August 2016
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Ehrlich gesagt nicht, hab momentan nicht so viel Zeit. ^^' Aber hab jetzt gerade die Überschrift gesehen, das reicht ja schon. o_O Schlechtestes Spiel will bei deiner Erfahrung als Videospieler ja schon was heißen.
Gut, ein Spiel weniger auf der ewigen to-do Liste. ;-)
 

Zeratul

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24 August 2016
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Dann genehmige ich mir den am Donnerstag, wenn meine Prüfung vorbei ist und ich vom Feiern wieder nüchtern bin. ;-) :-D
 

Ryudo

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25 August 2016
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Ich habe das Spiel nun schon ne Weile durch und muss sagen, dass mein positiver Eindruck nicht nachgelassen hat.
Die Handlung ist absolut rund und spannend inszeniert. Durch den Entscheidungsbaum merkt man deutlich, welchen Einfluss die Entscheidungen auf den Handlungsverlauf haben oder eben nicht. So spannend wie Until Dawn ist das Game aber selten. Mag auch daran liegen, dass der Tod nicht hinter jeder Ecke lauert. Ich sehe Detroit auf dem gleichen Level wie die Telltale Spiele.
 

Sun

GUF Veteran
20 November 2016
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[quote quote=77932]Hmm, wenn ich das so lese sollte ich Beyond wohl doch lieber gar nicht erst ausprobieren. :-/ Gabs ja kürzlich im PS+[/quote]
Würde ich auch nicht empfehlen, auch wenn ich Beyond besser als Heavy Rain fand.

 

Zeratul

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24 August 2016
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Detroit ist ja aktuell noch im PS+. Gibt es mittlerweile noch mehr Meinungen zu dem Spiel? Lohnt es sich oder eher nicht?
 
19 November 2018
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Lohnt sich. Quantic Dreams bestes Spiel, auch wenn Cage sich die bescheuerte Wendung um des Schocks willen wieder nicht verkneifen konnte.

Analog zu Breath of the Wild: Ist 60 Euro wert gewesen.
 

Tolja

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24 Oktober 2016
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Ich finde Detroit etwa so wie Beyond - hat mich emotional nicht wirklich berührt.

Heavy Rain ist deutlich atmosphärischer und hat mMn eine interessantere Handlung.
 

Biber

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What a Mess! Detroit: Become Human ist der vierte Versuch von David Cage, die beste Videospielgeschichte aller Zeiten zu erzählen und er scheitert nach dem grauenvollen Beyond: Two Souls abermals krachend. Aber zum Glück nicht ganz so krachend wie beim letzten Mal. Die Handlung liegt in der nicht so fernen Zukunft, das in Detroit ansässige Unternehmen "Cyberlife" stellt massenhaft Androiden her, die das Leben der Menschen auf vielfältige Art bereichern: Als Arbeiter, als Soldaten, als Sexroboter, als Haushaltshilfen, in der Pflege: Androiden sind Teil des Alltags. Soweit ist das Setting ganz interessant, wenn auch die üblichen Themen angeschnitten werden. Einige haben Angst um ihre Arbeitsplätze, andere lassen ihren Frust und Ärger an den Anroiden aus oder haben eine enge, fast freundschaftliche Verbindung. Der Spieler übernimmt die Kontrolle von drei verschiedenen Androiden, die er im Wechsel spielt: Den Haushaltshelfer eines alten Künstlers, den Mutterersatz eines verbitterten, gewalttätigen und drogenabhängigen Witwers mitsamt Tochter sowie einen Polizisten, der von Cyberlife geschickt wurde, um der Polizei bei Ermittlungen mit Androidenbeteiligung zu helfen. Zunächst finden alle drei Handlungsstränge unabhängig voneinander statt, aber die übergreifenden Stroythemen überschneiden sich bald und am Ende treffen sie die drei dann auch tatsächlich.

Während die erste Hälfte des Spiels noch weitgehend unfallfrei über die Bühne geht und die Welt interessant ist, die Kapitel abwechslungsreich und sogar das Gameplay bisweilen interessant, wird die Story des Spiels zunehmend unerträglich. Der Hauptplot ist, dass Androiden überall plötzlich beginnen, ein Bewusstsein zu entwickeln, zumeist, wenn sie in Lebensgefahr sind oder misshandelt werden. Eine der großen Schwächen des Spiels ist, dass die Dinge, die mit den Figuren geschehen, immer so geschehen, wie sie gerade in die Story passen. Zunächst hat man den Eindruck, dass die "Menschwerdung" von jetzt auf gleich passiert, durch ein traumatisches Erlebnis. Eine der Hauptfiguren hingegen entwickelt sich sukzessive zum Menschen und ganz am Ende können Androiden per Jedi-artigem Händedruck konvertiert werden. Was genau in der Programmierung dafür gesorgt hat, dass das passiert, wie es passiert und warum es ganz plötzlich bei so vielen passiert, bleibt wie sehr vieles im Dunklen. Das Spiel reißt alle Themen sehr oberflächlich an, was nicht nur zu einer Menge Plotholes führt, sondern auch zu sehr fragwürdigen Darstellungen. Im Grunde erzählt das Spiel eine sehr plumpe Geschichte über Sklaverei. Dazu werden alle interessanten Grauzonen der Frage von Androiden ausgeblendet. Denn wie schon der Untertitel sagt - es geht nicht um die Schöpfung einer neuen Spezies, sondern darum, dass die Androiden menschlich werden. Es gibt keine Diskussion der Unterschiede. Die Androiden lieben, hoffen, bangen genau wie die Menschen. Sie haben blaues statt rotes Blut und Biokomponenten statt Organe. Es gibt zu allem eine Entsprechung. Die Story nutzt nicht mal ihre offensichtlichen erhöhten Fähigkeiten (Kraft, Rechenleistung, Robustheit) für eine Asymmetrie. Es ist einfach nur Gruppe A gegen Gruppe B. Sie können sogar ihren einzigen sichtbaren Unterschied - einen blau leuchtenden Chip - mit jedem beliebigen Gegenstand entfernen. Eine Idee, auf die merkwürdigerweise auch dann kein anderer Android kommt, als die Menschen beschließen, sie alle zu vernichten. Es gibt dutzende von unlogischen Entscheidungen, die einen wahnsinnig werden lassen. Ein paar Beispiele:

Die "Abweichler" rotten sich in einem alten Frachter zusammen und vegetieren dort vor sich hin, bis Markus, ihr Messias erscheint, eine der Spielfiguren. Markus kann sich frei in der Stadt bewegen, nachdem er seinen Chip entfernt hat. Warum ist sonst keiner auf die Idee gekommen? Auf der anderen Seite: Es gibt offenbar nur ein paar Dutzend Modelle, die es jeweils zu Tausenden gibt. Jeder kennt sie, sie sind überall plakatiert, jede Zeitung berichtet über sie und man kann sie in Schaufenstern in der ganzen Stadt anschauen. Wieso kann man dann später im Spiel Soldaten austricksen, indem man sich als Mensch ausgibt? Abgesehen von solchen Inkonsistenzen, von denen es viel zu viele gibt, liegen die Probleme tiefer. Der Anführer der Androiden? Ein Mann. Der sexy Android, der ständig mit dem Leader aneinandergerät, ihn aber nie offen hinterfragt, ihm blind folgt und jede Entscheidung ihm überlässt? Eine Frau.
Der coole Ermittler? Ein Mann? Die Schutzperson für ein wehrloses Kind? Eine Frau. Und wer hilft den von der Versklavung bedrohten Androiden? Aufopferungsvolle Schwarze. Mehr Holzhammer geht nicht. "Sklaverei ist doof" - darüber hinaus geht es nicht. Keine Grauzonen, keine Schattierungen. Deshalb passt es auch so gut in den Kram, dass die Androiden zwar alle menschlich werden und damit jede interessante Betrachtung von Unterschieden weggewischt werden - sie bleiben irgendwie auch alle Maschinen, denn nach ihrer mystischen "Erweckung" durch Markus, der nur deshalb der geile Leader ist, weil sein Herrchen ihn dazu ermutigt hat, über sich selbst hinauszudenken, folgen sie alle unwidersprochen. Es gibt keine Situationen, in denen man wirklich nachdenkt, ob es eine gute Idee ist, eine Armee von Androiden zu erwecken, weil die Armee geschlossen das tut, was Markus sagt. Es gibt keine Individualität. Markus werden drei Sidekicks zur Seite gestellt, die nach dem immerselben Schema funktionieren: Einer will immer alles friedlich machen, eine immer alles mit Gewalt und einer will immer weglaufen. Je nachdem, welche Entscheidung man trifft, geht die Symphatie mit den entsprechenden Komagnions hoch oder runter. So leicht lässt sich das ganze Spiel lesen, wie ein Bravo-Test: "Wie treu bist du? Du bist seit vier Monaten mit deiner Freundin zusammen. Ein anderes Mädchen lächelt dir auf dem Schulhof zu. Was tust du? a) Ignorieren b) Freundlich zurücklächeln und weggehen c) Sex auf dem Schulklo. Diese Tiefe hat jede Entscheidung in Detroit. Nur, dass leider zusätzlich das Fallout-4-System genutzt wurde und die Antwort hinter diffusen Begriffen wie "kalt" "aggressiv", "bestimmt" oder "ruhig" versteckt wird. Das führt manchmal dazu, dass man etwas völlig anderes sagt als man wollte. Das Weglassen offensichtlicher Möglichkeiten ist genauso blöd: Man sucht ein Busticket, um aus der Stadt zu fliegen. Einer Familie fallen die Tickets aus der Tasche. Nun kann man sie zurückgeben oder behalten, aber man kann nicht fragen, ob man sie haben kann, weil das eigene Leben davon abhängt. Das Spiel macht, was ihm gerade in den Kram passt. Nichts von Interesse wird weiterverfolgt und am Ende geht es nur um die Frage: "Wer überlebt?"

Die Story ist so dünn geschrieben und tapst in so viele Fettnäpfchen. Ich hab konsequent den friedlichen Ansatz gewählt und die große, friedliche Befreiungsrede von Markus könnte 1:1 von Hitler gehalten werden, bis zu dem Punkt, an dem Markus sagt: "Aber wir machen es mit Toleranz und Kooperation!". Niemals relefktiert er, dass ihm da eine Horde willenloser Zombies blind folgt. Das Schema ist immer gleich: Vor einer Entscheidung geben die drei Stichwirtgeber ihre stereotypen Stichworte ab, dann sagt einer: "Es ist deine Entscheidung, Markus. Was du auch tust, wir folgen dir. Die Zukunft der Welt liegt in deinen Händen." In meinem friedlichen Ansatz wird nichts ernsthaft diskutiert. Das Argument für Gewalt ist immer: "Die Menschen verstehen nichts anderes, sie werden uns sonst alle umbringen!" und das gegen Gewalt ist: "Gewalt ist keine Lösung." Wirklich, darin erschöpft es sich. Die Platitüden sind schauerhaft. nEs gibt keine Diskussion darüber, warum man eigentlich keine Gewalt anwenden sollte, obwohl die denkbar einfach wären. Und man könnte durchaus auch mal hinterfragen, ob der dritte friedliche Ansatz angesichts immer mehr toten Androiden wirklich noch sinnvoll wäre. Aber nichts da: Markus sagt dann immer: "OK, cool, wir machen es so." Dann sterben wieder ein paar Androiden wegen seiner Entscheidung und es geht von vorne los. In einem Moment der Ruhe sagt er nur einmal: "Hey, ich habe krass viel Macht. Und das ist mega. Aber es verunsichert mich auch." Das Spiel macht es sich dadurch sehr leicht, eine simple Skalverei-Geschichte ohne Widersprüche zu erzählen: Solange der Spieler sich friedlich verhält, sind alle Androiden friedlich. Das ist natürlich bequem, weil man dem Spieler dadurch eine sehr große Kontrolle gibt und ihn die Geschicke der ganzen Welt steuern lässt. Aber es bringt gar nicht den erhofften Effekt und kommt mit dem sehr hohen Preis daher, dass die Geschichte unglaubwürdig und uninteressant wird. Die Soldaten bzw. die Präsidentin werden zum leichten Antagonisten. Die öffentliche Meinung ist natürlich voll pro Androiden und nur die Politiker und das FBI sind böse. Das Spiel ist auch selten unsubtil: Jede friedliche Maßnahme, die man trifft, lässt die öffentliche Meinung positiver werden. Und ganz am Ende sagt die Präsidentin in ihrer Fernsehansprache: "Die öffentliche Meinung scheint die Androiden als Lebensformen anzuerkennen. Also sollten wir das wohl tun." Alles steht in dermaßen simplen und platten Zusammenhängen, dass der ganze Budenzauber mit den vielen Wegen verpufft. Das Spiel macht sich an keiner Stelle die Mühe, mit Erwartungen zu brechen, den Spieler zu schockieren oder aus der Bahn zu werfen. So ist es auch bei dem genannten Ticketbeispiel so, dass man sowieso schon weiß, dass man die Tickets ruhig zurück geben kann, weil einem das Spiel noch eine andere Möglichkeit geben wird.

Im Gameplay gibt es Licht und Schatten, aber meistens sind die paar guten Ideen kaum ausgereift. So können die Androiden Ereignisse rekonstruieren oder pre-konstruieren, also vorhersehen. Wenn man versucht, eine Überwachungsdrohne zu deaktivieren, kann man verschiedene Optionen vorausplanen. Das könnte interessant sein, wenn es ein Element des Risikos gäbe oder verschiedene Alternativen, die man abwägen muss. Tatsächlich ist es so, dass man einfach verschiedene Möglichkeiten abscannt, drei davon klappen nicht und eine klappt. Wenn man die richtige gefunden hat, drückt man einmal auf X und die Sache klappt. Ich suche also einen von vier Pixeln auf dem Screen aus, von denen mir das Spiel auch noch vorsagt, welcher der richtige ist. Weniger Zutrauen in den Spieler geht nicht.

Man kann noch viel mehr zu dem Spiel sagen, auch Positives: Es sieht fantastisch aus und die Sprecher bzw. Schauspieler sind sehr gut. Es gibt ein paar schöne Momente und sogar ein bisschen gutes Gameplay: Insbesondere die frühen Missionen von Kara und Connor sind gelungen. In den Kara-Flucht-Missionen gibt es eine ruhige Phase, in der man sich die Umgebung gut einprägen muss, um dann später eine effektive Route zu finden. Hier stimmt sogar das Leveldesign und es geht in Sachen Gameplay deutlich über die bisherigen Spiele von Quantic Dream hinaus. Auch die Detektivmissionen mit Connor sind nett - man hat ein wenig Zeit, die Umgebung zu analysieren und Beweise zu sammeln und muss dann den Tathergang rekonstruieren. Hier wäre noch mehr drin gewesen mit komplexeren Missionen, aber nach der Hälfte des Spiels wird es dann eher zu einer QTE- und Bravo-Quiz-Orgie. Der Markus-Strang ist mit Abstand der Schlimmste, aber in jedem Kapitel gibt es Momente zum An-Den-Kopf-Fassen. Das Spiel bietet natürlich eine tolle Präsentation und auch eine gewisse Spannung, aber die nimmt auch zunehmend ab, weil man das Spiel zu sehr durchschaut und genau weiß, was passieren wird. Schön ist auch, dass es wirklich viele verschiedene Abzweigungen gibt, je nachdem, wie man handelt und entscheidet. Spätere Kapitel greifen frühere Entscheidungen auf, wobei es sich auch hier hauptsächlich darin erschöpft, welche NPCs gestorben sind und welche nicht. Aber es gibt ganze oder große Bropcken von Kapiteln, die man in einem Durchgang nie zu Gesicht bekommt, was OK ist und der Illusion der Entscheidung doch sehr nahe kommt. Es ist ein bisschen das, was viele immer von den Telltale-Spielen gefordert haben. Mir war das nie wichtig, aber es ist zugegeben gut gemacht.

Es ist in vielerlei Hinsicht auch deutlich besser als Beyond Two Souls, weil immerhin das Setting interessant sind und einzelne Kapitel toll. Die Freundschaft zwischen Connor und Hank ist gut geschrieben und man möchte Alice wirklich beschützen. A pros pos Alice: Dass sie ein Android ist und dass als krasser Twist verkauft wird, hat überhaupt keinen Mehrwert für die Story. Es ist sogar egal. Habe ich schlicht nicht verstanden. Ich hätte es sogar besser gefunden, wenn sie keiner ist. Es soll wohl dem Spieler nochmal mit dem Hammer deutlich machen, dass es keinen Unterschied gibt. Aber das ist wie gesagt auch ein Problem. Das Spiel gibt sich viel Mühe, Androiden einzuführen und bums, dann sind es doch auch nur Menschen und es ist Sklaverei und Sklaverei ist doof. The End.

Heavy Rain hatte auch Probleme, hat aber immerhin interessante moralische Fragen gestellt und den Spieler ausgetickst und toll mit Gameplayeinbindung in die Story gespielt. Detroit ist ein kitischiger Blockbuster voller Logikfehler, faulem Writing und problematischen Vergleichen. Ein schweres Thema wird komplett weichgespült und verniedlicht, alle interessanten Ideen im Ansatz abgewürgt. Das Spiel amputiert sich selbst, wo es kann, um mit möglichst viel Pathos eine Geschichte zu erzählen, die jeder Idiot sofort verstehen kann. Nur leider geht sie dabei verloren. Es geht dem Spiel nicht um Charakterentwicklung. Mit den vielen guten Ideen, auch im Gameplay, hätte man hier locker einen Meilenstein schaffen können, wenn man sich ein paar gute Writer geholt hätte, die auch in der Lage sind, einzelne Szenen narrativ gut zu inszenieren. Ich habe mich im Verlauf des Spiels immer mehr von der Story und den Figuren distanziert, bis mir am Ende sogar egal war, dass Alice in Karas Armen stirbt. Das ist schon ziemlich schwach am Ende eines solchen Spiels.

Das war ein wildes Blitzlichtgewitter. Ich müsste das nochmal ordnen und in mich gehen, um es besser zu pointieren, aber nicht heute.
 
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Zelos

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Ich hatte es mit meiner Frau zusammen durch gespielt. Sie war natürlich sehr begeistert von den ‚Möglichkeiten‘ und ich hab ihr die Illusion auch nicht nehmen wollen wenn es gerade mal wieder wirklich spannend war weil ein Charakter fast frühzeitig stirbt (Beispiel horrorhaus) was aber in Wirklichkeit nicht der Fall ist. Ist manchmal schon ein Fluch wenn man ein Spiel schon so durchschaut hat als jahrelanger Gamer :) . Aber wenigstens hatte sie ihre Freude Und ihre Spannung beim zugucken und mitentscheiden.
 

Biber

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Ich hab das auch mit meiner Frau gespielt, weil Heavy Rain ihr "Erweckungserlebnis" war. Sie ist an einigen Stellen auch vor Spannung rausgegangen, war aber unterm Strich auch eher vernichtend in Bezug auf die Story.
 

Biber

GUF Veteran
25 August 2016
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Ich hab den Text noch mal ein bisschen ergänzt und überlegt, warum ich eigentlich Heavy Rain so viel lieber mochte. Denn in der Tat ist die Story von Heavy Rain auch voller Löcher.

Aber HR ist ein psychologisches Mysterydrama und keine Geschichte über gesellschaftliche Zusammenhänge und Politik. HR erzählt die sehr persönliche Geschichte eines instabilen Mannes, dessen Familie sich auflöst. Dass er dabei nicht näher aufgeklärte Tagträume hat und irgendwo aufwacht, wird zwar nicht aufgeklärt (wenn man nicht den Cut Content kennt), aber es passt ins Bild und trägt zu seiner Charakterentwicklung bei. Die Geschichte erzählt von drei Männern, die ihren Geisteszustand nicht im Griff haben (und von einer irrelevanten Reporterin) und sich in einem düsteren Drama bewegen. Die Momente sind eindringlicher, vor allem aber wird der Spieler öfter ausgetrickst, da das Spiel bei weitem nicht so vorhersehbar ist. Mithilfe des Gameplays wird der Spieler in die Schuhe der Figuren gesetzt. Es ist teilweise sehr roh, aber es macht einzigartige Dinge mit dem Spieler. Plotholes in einer politischen Geschichte über Sklaverei sind viel schlimmer als in einem Mysterythriller in der Grauzone zwischen Wahnsinn und Realität.
 

Imur

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Das HR weniger vorhersehbar war stimmt auf jeden Fall - das liegt aber auch an der absolut bescheuerten Auflösung. Ein Krimi zum mitraten wird ja auch nicht besser, wenn der Mörder dann am Ende eine Person war, die im ganzen Buch nicht aufgetaucht ist, wodurch man nie richtig raten konnte.

Das erinnert mich an eine bescheuerte Serie die meine Verlobte sich angeguckt hat, ab und zu hab ich dann mal Teile einer Folge mitbekommen. Es wurde die ganze Zeit versucht herauszufinden, wer Person M ist, irgendwann war dann wohl eindeutig klar, dass M... ich weiß es nicht mehr, männlich oder weiblich sein muss. Man hat den wahren Täter dann wegen des Geschlechts die ganze Zeit ausgeschlossen, am Ende kam aber heraus, dass diese Person wohl mal eine Geschlechtsumwandlung hatte, das wusste allerdings niemand und es wurde auch nicht entsprechend besetzt. :ugly: Ich musste echt laut lachen als ich nachgelesen habe wie es ausgeht.

Spätestens seit Lost bin ich etwas allergisch gegen Geschichten die einem ein krasses Mysterium versprechen, dies aber nie bis zum Ende halten können.

Nichtsdestotrotz teile ich dein Ranking HR > Detroit > Beyond und das jeweile mit Abstand.
 
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Yoshi

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9 August 2016
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Das HR weniger vorhersehbar war stimmt auf jeden Fall - das liegt aber auch an der absolut bescheuerten Auflösung. Ein Krimi zum mitraten wird ja auch nicht besser, wenn der Mörder dann am Ende eine Person war, die im ganzen Buch nicht aufgetaucht ist, wodurch man nie richtig raten konnte.

Das erinnert mich an eine bescheuerte Serie die meine Verlobte sich angeguckt hat, ab und zu hab ich dann mal Teile einer Folge mitbekommen. Es wurde die ganze Zeit versucht herauszufinden, wer Person M ist, irgendwann war dann wohl eindeutig klar, dass M... ich weiß es nicht mehr, männlich oder weiblich sein muss. Man hat den wahren Täter dann wegen des Geschlechts die ganze Zeit ausgeschlossen, am Ende kam aber heraus, dass diese Person wohl mal eine Geschlechtsumwandlung hatte, das wusste allerdings niemand und es wurde auch nicht entsprechend besetzt. :ugly: Ich musste echt laut lachen als ich nachgelesen habe wie es ausgeht.

Spätestens seit Lost bin ich etwas allergisch gegen Geschichten die einem ein krasses Mysterium versprechen, dies aber nie bis zum Ende halten können.

Nichtsdestotrotz teile ich dein Ranking HR > Detroit > Beyond und das jeweile mit Abstand.
Wobei "vorkommen" an sich auch nicht so ein starkes Kriterium ist. Ich weiß nicht ob du The Mentalist kennst, in der Serie wird fast von Beginn bis zum Ende nach einem Mörder gesucht und ja, wenn der Mörder hinterher gefasst ist, ist es ein Charakter der schon vorkam. Aber ich behaupte mal eine vernünftige Grundlage um ihn zu erraten bietet die Serie dennoch nicht.
 

Imur

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Klar, nicht jeder Krimi muss so aufgebaut sein, dass das "mitraten" im Mittelpunkt steht. Es gibt ja sogar welche, bei denen man am Anfang selbst sieht wer es war und dann geht es nur noch darum, wie der Fall aufgeklärt wird. (z.B. Columbo)
 

Yoshi

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Klar, nicht jeder Krimi muss so aufgebaut sein, dass das "mitraten" im Mittelpunkt steht. Es gibt ja sogar welche, bei denen man am Anfang selbst sieht wer es war und dann geht es nur noch darum, wie der Fall aufgeklärt wird. (z.B. Columbo)
Bei der Serie geht es aber schon irgendwie (auch) darum :ugly:
 

Biber

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25 August 2016
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Ich fand, die Auflösung kam gar nicht so krass aus dem Hut bei HR. Aber es ist vielleicht eher wie bei Twin Peaks oder anderem David-Lynch-Kram - da ist mir egal, ob Dinge nicht aufgelöst werden oder keinen Sinn haben, weil mich die einzelnen Momente so packen/verstören/erfreuen.
 
19 November 2018
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Ich finde, es ist das Quantic Dreamspiel, wo eben doch alles am besten zusammen passt. Der Revolutionskitsch ist an und für sich schon arg dick und ich kann verstehen, dass sich eingie Leute, die heute unter echter Diskriminierung leiden, sich dadurch teils beleidigt gefühlt haben. Es ist eben kein Kunstwerk, auch wenn Cage denkt, er mache solche Sachen.

Vielleicht ist es das Quantic Dreamspiel, an das ich mit den geringsten Erwartungen herangegangen bin, und vielleicht hat es deswegen bei mir einfach mal richtig gezündet.

Aber Cage² war wieder mal dieser Plottwist mit Alice als Androidin. Dieser Zweig war oft so rührend, aber dann ist sie eine Androidin weil, ja, was will man damit aussagen? Das, was Biber geschrieben hat? Ich glaube, Cage denkt, zu einer großen Story gehört auf Teufel komm raus so ein "unerwarteter" Twist (gut, so was hat in Beyond gefehlt, wenn man so will), also denkt er überhaupt nicht mehr darüber nach - oder was nicht pass, wird passend gemacht. Es entwertet den Storystrang um Kara. Eine Andoridin, die sich so um einen Menschen kümmert, das ist eine wirklich schöne Geschichte., aber dann ist sie eben nicht "wahr". Bäh. Die Geschichte gewinnt nichts, man selbst schon gar keine Erkenntnis. Und im Grunde greift es wie Heavy Rain auch auf eine Art Betrug zu, weil es die Kamera im richtigen Moment wieder weg dreht, wobei es das transparenter als Heavy Rain macht. Das ist halt einfach nicht gut gemacht.

Aber im Gegensatz zu Heavy Rain zerbricht das Spiel nicht daran, weil es nicht der Dreh- und Angelpunkt des Spiels ist, und man es im Endeffekt irgendwie auch ignorieren kann.

Ich bin hier vielleicht der einzige, der alle Spiele von Quantic Dream gespielt hat, oder? Ich stufe sie so ein: Detroit Become Human>Heavy Rain>Fahrenheit>The Nomad Soul>Beyond Two Souls.

The Nomad Soul war freilich eine ganz andere Art von Spiel als der Rest.
 

Zelos

GUF Veteran
24 August 2016
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Der Twist in der Kara-Storyline ist mir übrigens auch sauer aufgestoßen. Insbesondere hat es mich verwirrt warum
der Vater sich überhaupt eine tochter anschafft wenn er sie eh nur anbrüllt und sie ihm bloß auf die nerven geht. Die Haushaltshilfe verstehe ich ja. Aber die Tocher macht doch keinen Sinn wenn er ihr keine Liebe zeigen kann oder will.
 
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