Lottogewinner

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Dann gib mir eine entsprechende Definition. Ist es ein Begriff mit harten emotionalen Konnotationen? Ja. Verwende ich den Begriff für Einschränkungen von Plattformanbietern persönlich? Nein, weil ich diese Konnotationen nicht wecken möchte. Ist es falsch den Begriff zu verwenden? Nach meinem Verständnis der Definition die ich gefunden habe (und nicht meine ist, ich hätte eine externe Autorität verlangt) und nach dem was ich in der Schule (in linksgerichtetem SoWi-Unterricht) gelernt habe nein.

Nun gibt es zwei Möglichkeiten: Wenn du falsch sagst, meinst du nicht falsch, sondern gefährlich, dramatisierend oder meinetwegen doof. Dann finde ich die Argumentation aber wenig zielführend, dann sollte man vielmehr die Leute an der Stelle abholen und sagen, wieso es zwar formal Zensur ist, aber Zensur eben als allgemeiner Begriff nicht immer etwas negatives beschreibt, auch wenn er in eklatanten Fällen etwas fatales beschreibt (z.B. China, oder drittes Reich. Und ich glaube nicht, dass ich mich informieren muss, was da in Sachen Zensur passiert [ist], das mal nur am Rande). Es ist eben keine Menschenrechtsverletzung sondern ein harmloser, autoritärer Eingriff, der Individualinteressen und gesellschaftliche Interessen schützt, ohne irgendwem signifikanten Schaden zuzufügen. Darf man im Einzelnen scheiße finden, darf man auch gern drüber diskutieren, ob der vermutete Gewinn für Individual- und gesellschaftliche Interessen real ist, oder in einem adäquaten Gegenwert zum individuellen Verlust vorrangig der Konsumenten steht, die an diesem Produkt in der Ursprungsform interessiert sind. Und in der Diskussion bin ich glaube ich wesentlich näher bei dir als du vermuten würdest (Sonys letzte Schritte finde ich überzogen aber dennoch unproblematisch, in jedem Fall legitim; den Aufschrei deswegen völlig unproportional, andere Fälle wie der Brustslider bei XCX oder die angesprochenen Fire Emblem Änderungen finde ich sogar angemessen bis erfreulich).

Die andere Option ist, dass du sagst, ich liege formal falsch und formal ist die Definition von Zensur nicht erfüllt. Entweder weil ich die Definition falsch anwende (inwiefern?) oder weil du die Definition ablehnst und eine alternative Definition verwendet sehen willst (welche?).

Zumindest diese Frage sollte man schon klären und das kann man schlecht, indem man googelt wie China mit der Keule auf Dissidenten oder Winnie Puuh-Fans eindrischt.
Ich verstehe gerade ernsthaft nicht, was dein Problem ist. Alles was ich sage, ist: es gibt keine Zensur durch Sony. Da interessiert mich einfach nicht, wie der Duden irgendwas definiert und was Zensur generell ist oder mich.

Da es aber keine Zensur durch Sony gibt, ist der Begriff im Rahmen dieser Diskussion falsch gewählt. Fertig.
 

Yoshi

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9 August 2016
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Hagen
Ich verstehe gerade ernsthaft nicht, was dein Problem ist. Alles was ich sage, ist: es gibt keine Zensur durch Sony. Da interessiert mich einfach nicht, wie der Duden irgendwas definiert und was Zensur generell ist oder mich.

Da es aber keine Zensur durch Sony gibt, ist der Begriff im Rahmen dieser Diskussion falsch gewählt. Fertig.
Ich hab dir gesagt, wieso ich der Ansicht bin, dass das, was Sony tut, die Definition von Zensur erfüllt. Wenn du sagst, sie zensieren nicht, dann muss ich entweder die Definition falsch angewendet haben, du musst eine andere Definition zu Grunde legen (die ich dann aber gern kennen würde, denn was ist das sonst für eine Diskussionsgrundlage?), oder es gibt noch die Möglichkeit, dass du zwar anerkennst, dass es formal Zensur ist, du aber aus anderen Gründen (zB den oben genannten) ablehnst, den Begriff zu verwenden. Ich wüsste gerne, welche der drei Situationen es ist, mit der ich es zu tun habe.
 

Lottogewinner

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Dann gib mir eine entsprechende Definition. Ist es ein Begriff mit harten emotionalen Konnotationen? Ja. Verwende ich den Begriff für Einschränkungen von Plattformanbietern persönlich? Nein, weil ich diese Konnotationen nicht wecken möchte. Ist es falsch den Begriff zu verwenden? Nach meinem Verständnis der Definition die ich gefunden habe (und nicht meine ist, ich hätte eine externe Autorität verlangt) und nach dem was ich in der Schule (in linksgerichtetem SoWi-Unterricht) gelernt habe nein.

Nun gibt es zwei Möglichkeiten: Wenn du falsch sagst, meinst du nicht falsch, sondern gefährlich, dramatisierend oder meinetwegen doof. Dann finde ich die Argumentation aber wenig zielführend, dann sollte man vielmehr die Leute an der Stelle abholen und sagen, wieso es zwar formal Zensur ist, aber Zensur eben als allgemeiner Begriff nicht immer etwas negatives beschreibt, auch wenn er in eklatanten Fällen etwas fatales beschreibt (z.B. China, oder drittes Reich. Und ich glaube nicht, dass ich mich informieren muss, was da in Sachen Zensur passiert [ist], das mal nur am Rande). Es ist eben keine Menschenrechtsverletzung sondern ein harmloser, autoritärer Eingriff, der Individualinteressen und gesellschaftliche Interessen schützt, ohne irgendwem signifikanten Schaden zuzufügen. Darf man im Einzelnen scheiße finden, darf man auch gern drüber diskutieren, ob der vermutete Gewinn für Individual- und gesellschaftliche Interessen real ist, oder in einem adäquaten Gegenwert zum individuellen Verlust vorrangig der Konsumenten steht, die an diesem Produkt in der Ursprungsform interessiert sind. Und in der Diskussion bin ich glaube ich wesentlich näher bei dir als du vermuten würdest (Sonys letzte Schritte finde ich überzogen aber dennoch unproblematisch, in jedem Fall legitim; den Aufschrei deswegen völlig unproportional, andere Fälle wie der Brustslider bei XCX oder die angesprochenen Fire Emblem Änderungen finde ich sogar angemessen bis erfreulich).

Die andere Option ist, dass du sagst, ich liege formal falsch und formal ist die Definition von Zensur nicht erfüllt. Entweder weil ich die Definition falsch anwende (inwiefern?) oder weil du die Definition ablehnst und eine alternative Definition verwendet sehen willst (welche?).

Zumindest diese Frage sollte man schon klären und das kann man schlecht, indem man googelt wie China mit der Keule auf Dissidenten oder Winnie Puuh-Fans eindrischt.
Geil, dass du ausgerechnet Valet zitierst...

Zensur ist nicht einfach nur ein Wort, dass im Duden steht. Zensur ist ein juristischer Begriff. Alles andere sind sogenannte Beschränkungen. Und das ist ein mehr als entscheidender Unterschied.

In Deutschland ist die Zensurfreiheit durch Art. 5 Abs. 1 GG (»Eine Zensur findet nicht statt«) im Sinne eines Verbots der Vorzensur festgelegt (Meinungsfreiheit). Beschränkungen (Verbot von Gewalt verherrlichenden, Gewalt verharmlosenden, Personen verunglimpfenden oder pornografischen Darstellungen) sind u. a. durch die Tätigkeit der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) und der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, für den Bereich des privaten Rundfunks durch die Landesmedienanstalten, die zur Ausübung der Kontrollfunktion 1988 eine Gemeinsame Stelle Jugendschutz und Programm (GSJP) gegründet haben, möglich. Nähere Bestimmungen enthalten die Gesetze des Straf- und Presserechts sowie die Jugendschutzgesetze.
Quelle: https://m.bpb.de/nachschlagen/lexika/recht-a-z/23269/zensur
 

Yoshi

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Geil, dass du ausgerechnet Valet zitierst...

Zensur ist nicht einfach nur ein Wort, dass im Duden steht. Zensur ist ein juristischer Begriff. Alles andere sind sogenannte Beschränkungen. Und das ist ein mehr als entscheidender Unterschied.



Quelle: https://m.bpb.de/nachschlagen/lexika/recht-a-z/23269/zensur
Ich zitiere Valet weil es das gleiche Problem war.

(2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.

Zensur findet nicht statt mit Sternchen in Punkt 2. Darüber hinaus spricht der GG Text natürlich nur über Handlungen des Staats, insofern ist die Formulierung im GG nicht ausreichend, um zu beurteilen, ob der Begriff der Zensur semantisch korrekt auf Handlungen anderer Autoritäten angewandt werden kann. Tatsächlich siehst du ja selbst im von dir zitierten Text, dass die Autoren von der bpb schon die Formulierung "eine Zensur findet nicht statt" unmittelbar relativieren und auf Vorzensur einschränken.
 

Lottogewinner

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Ich zitiere Valet weil es das gleiche Problem war.

(2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.

Zensur findet nicht statt mit Sternchen in Punkt 2. Darüber hinaus spricht der GG Text natürlich nur über Handlungen des Staats, insofern ist die Formulierung im GG nicht ausreichend, um zu beurteilen, ob der Begriff der Zensur semantisch korrekt auf Handlungen anderer Autoritäten angewandt werden kann. Tatsächlich siehst du ja selbst im von dir zitierten Text, dass die Autoren von der bpb schon die Formulierung "eine Zensur findet nicht statt" unmittelbar relativieren und auf Vorzensur einschränken.
Ich geh jetzt ins Bett.
 

Cube

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26 August 2016
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Es gibt keine "Zensur-Richtlinie" von Sony. Sony verlangt von Entwicklern, sich stärker an die gängigen Jugendschutzrichtlinien des internationalen Marktes zu halten. Das ist alles.
Die internationale PS4-Versionen von einigen Spielen erfahren nun teils aber etwas mehr Änderungen als die anderen System-Ausgaben.

Daraus könnte man eventuell darauf schließen, dass Sony Änderungen doch mehr nach eigenen Kriterien, und weniger nach den tatsächlichen internationalen Gegebenheiten anraten. Oder die neuen Richtlinien sind so unklar, dass die Spiele-Vertriebe/Macher lieber auf Nummer Sicher gehen.
 

Colt

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25 August 2016
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Das geht bei Sony schon etwas weiter als sich nur an gängige Jugendschutzrichtlinien zu halten. Siehe dieser Artikel:


Interessant finde ich ja das das familienfreundliche Unternehmen Nintendo da nicht einschreitet, solange die Spiele eine Altersfreigabe erhalten. So sollte es sein. Kurioserweise erhalten die meißten dieser Spiele eine 16er oder gar 12er Freigabe. Also in meinen Augen schießt da Sony ganz gewaltig übers Ziel hinaus. Und für mich ist das sehr wohl Zensur.
 
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Das geht bei Sony schon etwas weiter als sich nur an gängige Jugendschutzrichtlinien zu halten. Siehe dieser Artikel:


Interessant finde ich ja das das familienfreundliche Unternehmen Nintendo da nicht einschreitet, solange die Spiele eine Altersfreigabe erhalten. So sollte es sein. Kurioserweise erhalten die meißten dieser Spiele eine 16er oder gar 12er Freigabe. Also in meinen Augen schießt da Sony ganz gewaltig übers Ziel hinaus. Und für mich ist das sehr wohl Zensur.
Mit etwas mehr Zeit als gestern Abend, da hab ich eigentlich nen Film mit meiner Freundin geguckt und konnte nicht lange schreiben :)

Ich kenn den WSJ Artikel. Und ich kenne Sonys Richtlinien.
Sony verlangt von Entwicklern, Inhalte, die in internationalen Märkten anstößig sind, nicht in die Spiele zu nehmen. Das ist eine Richtlinie, um im Rahmen der Publishing abkommen Spiele auf der PS4 zu veröffentlichen. Sony verbietet aber keinem Studio, solche Inhalte zu entwickeln - sie wollen sie nur nicht verkaufen. Es ist das gleiche System, wie wenn Media Markt ein Produkt bei sich nicht ins Sortiment aufnimmt.
Das ist ihr gutes Recht.
Zensur wäre, wenn Sony oder sonst jemand die Entwicklung komplett verhindern würde und damit die Entstehung eines Produktes niederschlagen. Diese macht hat Sony natürlich nicht, deswegen kann auch keine echte Zensur stattfinden. Sony kann nur Inhalte, die für ihre eigene Plattform angeboten werden, regulieren, im Rahmen ihrer vertraglichen Geschäftsbedingungen mit Publisher / Entwicklern. Die eben alles mögliche regulieren :)

Mal abgesehen davon, dass es eine müßige Diskussion über Begrifflichkeiten ist, weil Sony so oder so recht hat stark sexualisierte Inhalte von Minderjährigen zu unterbinden. Nintendo hat früher das gleiche gemacht und mit ihrem Image als Familienkonzern stark gewalttätige Inhalte unabhängig von USK und Co. nicht für ihre Konsolen zugelassen. Auch das was keine Zensur. Auch hier dir Analogie: Das ist dann wie eine Familienvideothek, die keine Gewaltvideos verkauft.
Konsolen sind Distributionsplattformen für Spiele, genauso wie Steam das Digital ist. Jeder Publisher schließt einen Vertrag ab, um in diesem Ökosystem Spiele verkaufen zu dürfen. In diesem Vertrag stehen dann jede Menge Bestimmungen. Z.B. die Royalties, die man pro verkaufte Spiel an Sony zahlt. Die Regeln, in welcher Fabrik man sein Spiel von Sony produzieren lässt. Und halt auch Bestimmungen, welche Inhalte Sony für seine Plattform zulässt. Das beinhaltet z.b. Schon immer, dass digitale Inhalte, für die es keine Jugendschutzbestimmungen gibt (vgl. Jugendmedienschutzstaatsvertrag) trotzdem den Jugendschutzbehörden vorgelegt und nur nach gleichen Kriterien veröffentlicht werden dürfen.

Sony unterbindet also nicht grundsätzlich die Entwicklung von Inhalten - das wäre Zensur - sondern legt einfach nur verschiedenste Bedingungen fest, was man auf ihrer Plattform verkaufen darf und was nicht.
Ich darf ja auch keinem Gewaltporno drehen und bei Netflix einfach ausstrahlen. Gleiches System - Netflix unterbindet es in seinen Verträgen mit den Filmfirmen und würde es nicht zulassen. Zensur ist es da aber auch nicht. Es gibt auch eine ganze Reihe von japanischen Entwicklern von Hentai-Games, die man dort in den Gameshops für PC kaufen kann. Die bekomme schon seit jeher von keinem Anbieter eine Lizenz, auf deren Plattformen zu verkaufen. Es ist also kein neues Thema.

Im Gaming fällt es ob der Marktmacht von wenigen Unternehmen nur mehr auf. Aber jeder ist ja frei, zu entwickeln was er will, und es selbst zu veröffentlichen (oder leider zu oft auch über Steam die da deutlich weniger regulieren).
Würde das verhindert werden, dann wäre es Zensur. Und auch das gibt es, zB in China wo die Regierung festlegt, welche Spiele und Land dürfen und welche Spiele in China entwickelt welche Inhalte haben dürfen - oder sonst gar nicht entstehen. Das ist echte Zensur.

Als Entwickler in Deutschland oder Japan bin ich hingegen nur ans Gesetz gebunden. Und muss dann halt einfach gucken, dass ich jemanden finde bei dem ich verkaufen kann. Sony hat nun einfach entscheiden, bestimme Dinge nicht mehr verkaufen zu wollen.

Man darf Sony dafür übrigens gene scheiße finden, das ist nicht mein Punkt. Ich finde Nintendos Ansatz, das den Jugendschutzbehörden komplett zu überlassen, auch besser. Wobei Nintendo dafür erstmal einen inhaltlichen Pitch verlangt und such anguckt, was man überhaupt machen will, um Devkits rauszurücken. Das ist bei Sony als Hürde wiederum viel niedriger. Es hat nur einfach nichts mit dem Zensur-Begriff zu tun, der gerne rumposaunt wird, und der hierzulande einfach eine klare juristische Bedeutung hat, sondern es geht um Geschäftsbedingungen.
 

Lottogewinner

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29 Juli 2016
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Deutschland
Da merkt man richtig, dass die "sjw" diejenigen mit den Fakten sind :]
Immer nur auf Twitter von Zensur zu schreien, macht deine Position jedenfalls nicht besser, als meine. Und Gegenargumente bringt du ja auch nicht mit deinem Drive-by Posting. Guck dir Colts Beitrag an; wenn du schon mit mir diskutieren willst, dann spar dir den Kindergarten, dann richtig.

Folglich: Verwarnung mit 24h Sperre wegen Drive-by Posting.
 

Rusix

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2 September 2016
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Schaumburg
Aber wenn es um das Grundsätzliche geht, bin ich tatsächlich nicht bereit, einen Meter zu weichen. Rassismus und Homophobie usw müssen als solche sichtbar werden, wo sie auftreten. Ich bin immer für Differenzierung und Diskurs, innerhalb eines gewissen Grundkonsens. Und das Grundgesetz ist für mich nicht verhandelbar
Eine vernünftige Position.

Doch genau hier fängt das Problem ja schon an. Die GG'ers berufen sich ja eben genau auf unsere Grundgesetze und möchten diese (Ihre) gewahrt sehen.

Natürlich kann ich keine größeren Zusammenhänge erkennen, solange ich meine eigenen 'Schieflage' priorisiere.

Wenn ich meine Gore-Kaka und Pippi-Mummu Spiele nicht bekomme, dann fühle ich mich ungerecht behandelt. Es fühlt sich wie eine Zäsur an - gar eine Zensur!!!
Ich denke ich werde in meinen 'Rechten!' eingeschränkt.

Natürlich haben die Leute das Recht diese Spiele zu spielen, aber wenn 'der Markt' sie nicht mehr will, was dann?

Heule ich dann rum?, werde ich aggro?, attackierte ich die Minderheiten die sich geschlossen zu Mehrheiten formieren?

Natürlich hat man das Recht diese Entwicklung scheiße zu finden (ich finde da auch so einiges scheiße.)

Aber in dem Moment wo ich die Menschen attackierte, die einen anderen Geschmack bzw andere Interessen haben als ich, da überschreite ich eine Grenze. Das ist der Moment an dem ich verstehen sollte, dass ich nur einer von mehr als 7 Milliarden Menschen bin. Und die können nicht alle Rücksicht auf meine Präferenzen nehmen.

Gesunder Menschenverstand halt.

Es gibt aber auch Hoffnung für diese Leute.
Der Markt bewegt sich generell in Trends. Es bestehen gute Chancen, dass meine Präferenzen irgendwann wieder bedient werden. Die Retro-Welle spielt mir momentan voll in die Hände.

Kurz: Es herrscht Aufklärungsbedarf bei Begriffen wie Menschenrechten und/oder Präferenzen. Natürlich dürfen reine Präferenzen niemals unsere 'festen' Grundrechte unterminieren.

Und hier darf man durchaus flexibel argumentieren und gerne auch eiige Schritte auf Parteien jeglichen Couleurs zugehen.
 
19 November 2018
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Das Thema ist kompliziert und die Zeiten, in denen ich seitenweise diskutieren konnte, sind vorbei. Aus dem Grund umschiffe ich das Thema normalerweise. Ich will trotzdem mal etwas zu schreiben, aber nicht böse sein, wenn das alles bleibt und ich keine Zeit finde, zu antworten, wenn jemand auf etwas anspringt.

Grundsätzlich verstehe ich nicht, wie es überhaupt so weit kommen konnte. Wie zur Hölle konnte so etwas unwichtiges wie das Geschlecht einer Videospielfigur oder ihre Hautfarbe zum Politikum werden? Doch nur, weil eine Gruppe privilegierter Menschen, die im absoluten Überfluss leben, plötzlich entschieden haben, sich diskriminiert zu fühlen. Der weiße Mann wird unterdrückt, weil im nächsten Subnautica die Hauptfigur eine Frau ist, farbig obendrein? Wie kann man sich von einer solchen Nichtigkeit persönlichen angegriffen fühlen? Wie ist das möglich? Es muss wohl am Internet liegen, wo so ziemlich jeder krude Gedanke so viele Befürworter finden, dass man sich plötzlich als Teil einer Bewegung fühlt. Es geht ja über Videospiele hinaus.
Es ist so ein Quatsch! Wer hätte in den 1980ern behauptet, dass Ms. Pac-Man oder Metroid irgendwie politisch sind?

Und kommt mir nicht mit Immersion. Wer sich als Vielspieler, mutmaßlich im Mittel eine der unsportlichsten Bevölkerungsgruppen überhaupt, mit einem atheltischen Supersoldaten wie Solid Snake identifizieren kann, der kann sich ja wohl mit allem identifizieren!

Ich bin einfach perplex darüber, wie eine Gruppe, die so fanatisch no politics in their games haben will, genau diese politische Aufladung erst schaffen. Die Bewegung erinnert mich an jemanden, der im Steinhaus sitzt, mit Steinen schmeißt und dann nicht darüber hinweg kommt, dass es jetzt auch mal ins Haus regnet.

Aber jetzt haben diese Idioten die Sache so vergiftet, dass das alles politisch tatsächlich geworden ist, und daher finde ich es auch gut, wenn sich Seiten wie GU durchaus mal positionieren. Ob mir die Position gefällt, halte ich als Vertreter der Meinungsfreiheit erst mal für zweitwichtig.

Und das ist ein bisschen das Problem, ich hänge zwischen den Stühlen. Worauf ich mich einigen kann, ist die Ablehnung jeglichen menschenverachtenden Hasses, und da ist es nun mal so, dass die Gamergater sich stärker mit diesen Dingen hervortun.

Ich bin auch für mehr Diversität in Spielen. Ich fand es immer cool, wenn ein Spiel frische Heldendesigns hat, und bei menschlichen Helden wird es so automatisch zum Plus, wenn es kein weißer Mann ist. Aber das ist erst mal ein unpolitischer Grund. Ich habe mich wahnsinnig gefreut, in Watch_Dogs 2 eine farbige Hauptfigur vrgesetzt bekommen zu haben, aber wenn in Teil 3 der Held wieder weiß ist, würde ich auch nicht meckern, Manchmal weiß ich nicht mehr, ob ich es mir damit zu einfach mache.

Aber nun will ich mal konkret auf einen Fall Bezug nehmen, bei dem ich persönlich meine grundsätzliche Einstellung zu dem Thema und mein Verhalten fürs erste festgelegt habe. Es ist Kingdom Come Deliverance. Grundsätzlich gab es - das war dann noch auf Neogaf? - eine Diskussion darüber, dass man in dem Spiel einen Weißen spielt und es im ganzen Spiel keinen Schwarzen gibt. Da ist seitenlang darüber diskutiert worden. Grundsätzlich war es durch Reisende, vor allem Händler, sehr wohl möglich, dass sich ein Schwarzer in der Zeit in Böhmen aufhält. Es ist, weil in dem Spiel Krieg herrscht, nicht mehr super wahrscheinlich, weil man als Reisender unsichere Straßen meidet und im Krieg sind sie sehr unsicher, aber etwas schlechtes Timing, und ja, es ist möglich, dass man im Krieg in Böhmen im fünfzehnten Jahrhundert einem Schwarzen begegnet. Wenn dann also der Entwickler beschlossen hätte, einen Schwarzen ins Spiel einzubauen, dann hätte niemand objektiv dagegen angehen können. Nichtsdestotrotz muss man den Entwicklern nicht vorwerfen, ein verzerrend weißes Geschichtsbild zu propagieren, wenn es keine farbige Figur in dem Spiel gibt.
Ich stand also wieder zwischen den Stühlen, beides war für mich zulässig. Wo ich allerdings klar ausgestiegen bin, war die Forderung, dass auch die Hauptfigur auf Wunsch schwarz oder eine Frau hätte sein müssen. Die Rolle, die für sie vorgesehen war, ein Schmiedejunge aus der Region, der nach der Zerstörung seines Dorfes in die Kriegswirren gezogen wird und sich hoch dient, konnte nun wirklich nur ganz klar von einem Weißen ausgefüllt werden. Allenfalls wäre eine Frau denkbar gewesen, man denke an Jeanne d'Arc, aber das wäre für meinen Geschmack etwas zu dick aufgetragen gewesen. Ich hätte aber wohl auch nichts dagegen gehabt.
Letztlich fand ich den Fall deshalb so interessant, weil da mit enormer Energie zwei Seiten miteinander gekämpft haben, und ich am Ende soweit war, mich inhaltlich mehr bei der Seite zu fühlen, die mehr Diversität bei den Hauptfiguren in Spielen will, aber in dem konkreten Fall deren Forderung einfach überhaupt nicht unterstützen konnte, jetzt auf den Helden bezogen. Den afrikanischen Händler im Spiel hätte ich ja sofort akzeptiert.
So, aber jetzt ging die Geschichte ja über die rein inhaltliche Ebene hinaus, der Kopf des Studios hat sich nämlich durchaus chauvinistisch und auch rassistisch geäußert. Die Details sind mir nicht mehr ganz präsent.
Und da gibt es ja auch die Frage: "Welche Konsequenzen zieht man daraus?" Es gibt auf Resetera die Strömung, die Spiele dafür abstrafen will, wenn führende Köpfe eine rechte Gesinnung zeigen, das geht von Kingdom Come auch zu Dragon Quest, wo der Komponist, sagen wir mal, die Aufarbeitung japanischer Gräueltaten im Zweiten Weltkrieg nicht gerade befördert.
Ich bin für die freie Meinungsäußerung. Wenn jemand ein Spiel boykottieren will, darf er das tun, er darf es auch von allen Dächern rufen.* Aber ich habe für mich aus zwei Gründe beschlossen, bei so etwas nicht mit zu machen, ohne auszuschließen, dass jemand mal so weit geht, dass ich das auch tun würde.
Der eine Grund ist, dass Videospiele von einem großen Team gemacht werden. Je mehr Menschen an etwas arbeiten, um so mehr sind Menschen darunter, deren politische Ansicht ich nicht mag. Das ist nicht zu verhindern. Kann ich das gesamte Team in Geiselhaft dafür nehmen? Ich finde nicht. Natürlich spielt die Hierarchie eine Rolle. Der Chef des ganzen ist jemand anderes als ein Grafikdesigner, aber er ist trotzdem nur eine Person und ich kann nicht von jedem Menschen einfordern, meiner Meinung zu sein. Ich bin doch kein Diktator!
Aber muss ich ihn unterstützen? Da kommt für mich Grund Nummer zwei ins Spiel: Müssen tue ich gar nichts, boykottiert was ihr wollt, aber sollte nicht das eigene Handeln letztlich so ausgerichtet sein, dass man dieses Handeln als Grundlage einer allgemeinen Gesetzgebung gutheißen würde? Man nehme mal an, die gesamte Menschheit führt diesen Boykott aus. Praktisch liefe das dann für den Boykottierten auf ein Verbot einer Berufsausübung aufgrund der politischen Ansicht hinaus. Berufsverbote wegen der politischen Ansicht? Das kann doch kein progressiv denkender Mensch ernsthaft wollen!

Also, ja, auch wenn ich es bislang noch nicht getan habe, werde ich irgendwann Kingdom Come Deliverance spielen.

Vielleicht habe ich mich dadurch als unpolitischer Mensch enttarnt. Vielleicht bin ich auch ein Gamergater, der seinen Hass nur besser verbirgt, auch vor sich selbst. Aber letztlich kann ich diesen Meter nicht gehen, Videospiele nicht als so politisch aufgeladen betrachten, dass ich Lust habe, dies zum Hauptthema zu machen, wenn ich über Spiele diskutiere.

Aber diese ganze Gamergate-Bewegung macht mir schon Angst. Wenn so ein Quatsch ausreicht, eine große, hasserfüllte Bewegung ins Leben zu rufen - mein Gott, also, dann ist irgendwie auch alles möglich.

*Gamergater dürfen Ihre Thesen auch verkünden, wobei ich das Hausrecht der Meinungsplattform achte. Wenn Facebook jetzt ein paar prominenten Rechten das Konto sperrt oder Reseteras Moderatoren eine Richtung deutlich bevorzugt, ist das erlaubt, schließlich gibt es genug Plattformen, in der auch das andere Spektrum alles schreiben kann. Es ist auch keine Zensur, wenn Sony bestimmte Inhalte nicht möchte, selbst wenn andere Platformbetreiber mehr zulassen. Solange Sony nicht die Welt regiert und die Veröffentlichung der Inhalte überall behindert, ist es keine Zensur. Das mal kurz dazu.
 

Lottogewinner

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Deutschland
Guter Beitrag!

Aber nur kurz gefasst: bei Kingdom Come ging die Diskussion hauptsächlich darauf los, weil der Producer in Videos mehrfach Neonazi-T-Shirts getragen hatte... da war der Kontext entscheidend. Außerdem wurde bereits im Greenlivht angemerkt, das integrieren zu können. Wenn also der Neonazi Producer, der das realistischte Mittelalterspiel aller Zeiten machen will, genau diesen Aspekt ignoriert, trotz deutlichen Hinweisen, ist das schon schwierig.
 
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Reactions: Guybrush Threepwood
19 November 2018
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Ganz von Anfang an habe ich das nicht mit bekommen, da waren die schon auf Seite 30, oder so.
An T-Shirts kann ich mich tatsächlich nicht erinnern, mehr an zweifelhafte Tweets. Bestimmt gab es solche Tweets. Es sind ja fast immer Tweets.