Star Trek

Biber

GUF Veteran
25 August 2016
2.697
220
63
Hamburg
www.youtube.com
Die positive, neugierige Sicht auf Wissenschaft ist aus meiner Sichst stark vertreten mit Stamets, Tilly, Michael und Saru. Die Diskussion neuer Technologien hat in der Tat eher rudimentär stattgefunden, überhaupt sind die gesellschaftlichen Themen bisher zu kurz gekommen. Und was du mit religiös-mystischem Kram meinst, weiß ich nicht. Dass man Tilly nicht mögen kann, ist offensichtlich, aber für mich schaffen sie den Balanceakt bisher gut. Ich mag sie :)
 

Yoshi

Moderator
Team
9 August 2016
2.866
165
63
Hagen
Und was du mit religiös-mystischem Kram meinst, weiß ich nicht.
Das Gelaber von Michael am Anfang - ich bin mir ziemlich sicher, dass das noch eine weitergehende Rolle spielen wird. In Staffel 1 aber auch die völlig überzeichnete "Verbindung" Michaels mit ihrem Vater.

Was Tilly anbelangt, finde ich, dass sie halt weder eine gute Darstellung von Autismus ist, noch lustig ist und insofern hlat nur ihre völlig überzogene Peinlichkeit bleibt.
 

GamepadRanger

Mitglied
25 August 2016
396
74
28
31
NRW
War das "Gelaber" von Michael am Anfang nicht bloß wieder ein Zitat aus Alice im Wunderland? Das war doch auch schon in Staffel 1 ein leitender Faden, der die Handlung wiedergespiegelt hat. Oder erinnere ich das falsch?

Ich mag Tilly sehr gern ^^
 

Lottogewinner

Administrator
Team
29 Juli 2016
1.118
249
63
37
Deutschland
Wenn ich mich recht entsinne, hat der Mitautor, der im NeoGAF (jetzt Resetera) aktiv war, das vor dem Start der ersten Folge gesagt.
Es gibt da keinerlei offizielle Stellungnahme, keine Referenz und ehrlich gesagt auch keinen Hinweis und keine Darstellung in der Serie. Aber selbst wenn es so ist und es nicht sonderlich gut dargestellt wird, müsste man primär hervorheben,d ass die Serie einen autistischen Charakter integriert, als genau das dann schon wieder zu kritisieren.

In der Hinsicht ist Discovery eh total toll und sehr das, worum es um Star Trek vornehmlich gehen sollte (und was viel wichtiger ist als die mögliche Auflösung eines Bildschirms im Jahr sonstwas):

- kein klassischer, männlicher Hauptprotagonist (der noch dazu eine Machtposition innehat) sondern eine farbige Frau, die noch dazu wegen Verrat degradiert wurde
- das erste schwule Paar in der Geschichte von Star Trek, was hochgradig überfällig war
- die einzig prominente konservative, weiße Figur der Season 1 hat sich als Anhänger einer fasischtischen Theorie herausgestellt

Dazu kommt in Folge 1 von Staffel 2 der ja doch recht deutlich gezeichnete Anti-Mansplaining-Moment, wo erst der Frau sehr deutlich das rote Shirt für die Außenmission übergeben wird und dann der alles auf "seinen Fakten" besser wissende Mann, der den Frauen erklärt, warum er im Recht ist, drauf geht.

Das sind schon sehr klare politische Statements die gerade früher ein wichtiger Kern von Star Trek waren. Und damit wird die Asteroiden-Szene auch mehr als SFX-Geballere.

Für mich schafft die Serie damit halt wirklich gut den Spagat zwischen purer Unterhaltung und Entspannung und modernen Motiven. Discovery interpretiert Star Trek für das aktuelle Jahrzehnt. Ich mag das nicht nur, ich finde das sogar wichtig und toll.
 
  • Like
Reactions: Biber

Yoshi

Moderator
Team
9 August 2016
2.866
165
63
Hagen
Es gibt da keinerlei offizielle Stellungnahme, keine Referenz und ehrlich gesagt auch keinen Hinweis und keine Darstellung in der Serie.
Kein Hinweis ist etwas stark, sie hat ja zu Beginn davon gesprochen, dass sie special needs hätte, irgendeine Form von Behinderung wird sie also wohl haben.
Aber selbst wenn es so ist und es nicht sonderlich gut dargestellt wird, müsste man primär hervorheben,d ass die Serie einen autistischen Charakter integriert, als genau das dann schon wieder zu kritisieren.
Einen autistischen, schlecht geschriebenen Charakter zu haben ist nicht wesentlich besser als keinen zu haben, vor allem wenn er vorrangig als (meines Erachtens schlechter, aber ich sehe, dass die Meinungen da auseinander gehen) Comic Relief verwendet wird.
- kein klassischer, männlicher Hauptprotagonist (der noch dazu eine Machtposition innehat) sondern eine farbige Frau, die noch dazu wegen Verrat degradiert wurde
Star Trek kann man in der Hinsicht aber auch in der Vergangenheit nicht eben einen großen Vorwurf machen. Es gab in zwei der drei langen Serien einmal einen schwarzen, einmal einen weiblichen Captain, der jeweils auch einer der Hauptcharaktere war. Im Gegenteil finde ich es sogar total nachteilig, dass Discovery so extrem auf einen Charakter setzt; in anderen Star Trek Serien wurde immer mal wieder jemand anders fokussiert, was für meine Begriffe einen interessanteren, vielseitigeren Cast und mehr unterschiedliche Töne in der Serie ergeben hat. In jedem Fall ist es totaler Mist, dass Michael als so extremer Supermensch dargestellt wird, der selbst wenn er sich unlogisch verhält noch Recht behält. In der Vergangenheit waren Star Trek Charaktere (jedenfalls Hauptcharaktere, ich will jetzt nicht Q diskutieren) viel balancierter und erstaunliche Fähigkeiten auf einem Feld wurden stets auch ausbalanciert durch Schwierigkeiten auf anderen.
- das erste schwule Paar in der Geschichte von Star Trek, was hochgradig überfällig war
Auch wenn ich es grundsätzlich bevorzuge, wenn Star Trek Beziehungssachen gar nicht erst bespricht, finde ich die Darstellung dieser Beziehung in Ordnung, ich habe hier keine Einwände. Ich finde es ganz nett, das es umgesetzt wurde, aber finde jetzt auch nicht, dass es ein signifikanter Kritikpunkt (im positiven Sinne) an der Serie wäre. Es ist halt eine Kleinigkeit nebenher. Es ist auch in keinem Fall vergleichbar mit dem Kuss aus der Originalserie, denn mittlerweile gibt es unzählige Serien mit homosexuellen Charakteren oder Paaren, den besonderen Wert einer Vorreiterrolle kann man Discovery hier keineswegs zugestehen.
- die einzig prominente konservative, weiße Figur der Season 1 hat sich als Anhänger einer fasischtischen Theorie herausgestellt
Ich verstehe nicht, inwiefern das ein positiver Punkt ist. Also es ist tatsächlich so, dass ich den Punkt nicht einmal richtig verstehe. Bist du froh, dass die Kombination aus weiß und konservativ nur in einem zweifelsfrei negativen Kontext vorkommt? Das würde ich zunächst einmal gar nicht unterschreiben, denn Sarek ist auch ein prominenter Charakter und wesentlich strikter konservativ als Lorca (der von Beginn an eher kriegstreiberisch-faschistische Züge hatte) mit heller Haut, aber selbst wenn es so wäre, wäre das echt ein nennenswert positiver Punkt?
Dazu kommt in Folge 1 von Staffel 2 der ja doch recht deutlich gezeichnete Anti-Mansplaining-Moment, wo erst der Frau sehr deutlich das rote Shirt für die Außenmission übergeben wird und dann der alles auf "seinen Fakten" besser wissende Mann, der den Frauen erklärt, warum er im Recht ist, drauf geht.
Noch holpriger könnte man das aber kaum umsetzen. Zunächst einmal war durch die ganze Cinematik und das Writing ohnehin klar, was passieren würde, dann ist es wieder Michael, um die es an dieser Stelle geht (die ohnehin ein viel zu mächtig geschriebener Charakter ist) und das Szenario ist so unheimlich platt (und in seiner Konsequenz hoffnungslos überzeichnet), dass es kaum ein relevanter Beitrag zu der Frage sein kann. Jedenfalls in seinen guten Folgen war Star Trek wesentlich besser darin, politische Inhalte zu kontextualisieren, statt dem Zuschauer 5 Minuten lang zu sagen: Wir zeigen jetzt, dass man von Mansplaining sterben kann - und es dann auch keinen wirklich stört, dass man stirbt. Im Idealfall wurden politische Fragestellungen mit Dilemmata oder wissenschaftlichem Fortschritt thematisiert, aber selbst in Fällen, wo es mehr in-your-face war (z. B. die von mir erwähnte Folge Gott der Mintakaner), wurde es wenigstens zu einem interessanten Problem herausgearbeitet, statt einfach nur als Selbstzweck darzustehen.

Übrigens finde ich auch den Wechsel von grundsätzlichen gesellschaftlichen Themen wie Überwachungsstaat, dem Spagath zwischen Verteidigung und Moral, Selbstbestimmung, religiöse oder rassistische Diskriminierung, was ist Leben hin zu eher situativen, individuellen und vor allem nicht zeitlosen Punkten wie "es gibt überproportional Situationen in denen Männer eigentlich besser qualifizierten Frauen versuchen, etwas zu erklären, was diese eigentlich besser wissen" nicht erstrebenswert. Klar kann man letzteres auch thematisieren, aber es ist kein Substitut für ersteres. Zumal die Einbettung in ein Dilemma die bedeutend bessere Lösung ist, da das nicht nur ein Kopfnicken oder -schütteln (je nach eigener politischer Ansicht) zur Folge hat, sondern auch eine eingehendere Beschäftigung mit der Fragestellung erfordert.

EDIT: Und um es klar zu machen: Mansplaining hätte man meines Erachtens auch anders kontextualisiert viel besser umsetzen können, indem man einen männlichen Kommandooffizier einem weiblichen Wissenschafts- oder Ingenieursoffizier hätte etwas erklären lassen und die Umsetzung erzwingen lassen können, was nachteilige Konsequenzen für das Schiff oder die Crew gehabt hätte. Da muss man nicht mit der Holzhammermethode rangehen.
 
  • Like
Reactions: Rusix

GamepadRanger

Mitglied
25 August 2016
396
74
28
31
NRW
Das klingt für mich ganz stark danach, dass du dich daran festbeißt, was du lieber gehabt hättest. Unter diesem Blickwinkel betrachtet, kann ich deine Kritikpunkte an der Machart schon eher nachvollziehen.

Ich versuche stattdessen die Serie so zu genießen, wie sie eben ist. Natürlich hat sie ihre Macken und ist ganz anders strukturiert, als bisheriges Star Trek, aber macht sie das wirklich gleich schlechter oder bloß zu etwas Anderem?
 

Yoshi

Moderator
Team
9 August 2016
2.866
165
63
Hagen
Das klingt für mich ganz stark danach, dass du dich daran festbeißt, was du lieber gehabt hättest. Unter diesem Blickwinkel betrachtet, kann ich deine Kritikpunkte an der Machart schon eher nachvollziehen.

Ich versuche stattdessen die Serie so zu genießen, wie sie eben ist. Natürlich hat sie ihre Macken und ist ganz anders strukturiert, als bisheriges Star Trek, aber macht sie das wirklich gleich schlechter oder bloß zu etwas Anderem?
Wenn ich die Star Trek Formel (TNG / DS9) und die genannten Stärken besonders mag und es vorrangige Gründe sind,d ass ich ein Fan davon bin, dann macht es das zumindest in meinen Augen zu schlechterem Star Trek wenn diese Stärken fallen gelassen werden und durch Dinge ersetzt werden, die ich zwar tolerieren kann, die ich aber nicht annähernd so interessant finde. Banjo Nuts & Bolts ist auch ein gutes Bastlerspiel, aber kein gutes Banjo, weil es das, was Banjo meines Erachtens ausmacht nicht mehr oder nicht mehr gut macht. Mit dem höheren Action-Fokus, der oberflächlicheren Betrachtung von politischen Themen, der Nachlässigkeit bei wissenschaftlichen Themen rückt Discovery halt viel näher an den verbreiteteren Typus von Action-Science-Fiction (der auch beispielsweise in den neuen Filmen vorrangig ist), den ich halt nicht so sonderlich mag. Es ist als Abschaltprogramm OK, aber es hat eben die Qualitäten, die Star Trek für mich ausmachen nicht. Und das beantwortet dann eben die von @Biber gestellte Frage, wie man Star Trek Fan sein kann und trotzdem mit Discovery ziemlich unzufrieden sein kann.

Und den Mehrwert der diskutierenden statt plakatierenden Behandlung von politischen Themen kann man imo gut an einer Buchserie sehen, die ich gerade gelesen habe: Die Enders Reihe von Orson Scott Card, die meines Erachtens viele Qualitäten besitzt, die Star Trek bis hin zu Enterprise ausgemacht hat (in Voy und Ent schon weniger als in TNG / DS9, aber immernoch wesentlich mehr als in STD): Als Linker kann ich damit leben, wenn halt politische Positionen, die ich OK finde "zum abnicken" dargestellt werden. Es hat keinen Vorteil, schadet aber auch nicht. Wenn die Ender-Bücher so geschrieben worden wären, unter Berücksichtigung dass der Autor ein homophober, konservativer, extrem religiöser Mensch ist, hätte ich mich beim Lesen nur aufgeregt, aber nichts mitgenommen. Durch eine gute kontextualisierende Darstellung ist die Reihe dann aber empfänglich für Lesarten, die zwar eigene Überzeugungen zu hinterfragen anregt, aber gleichzeitig nicht einfach abstößt. Tatsächlich würde ich behaupten, dass Enders Game und der direkte Nachfolger selbst aus (m)einer linksaußen Sicht wesentlich interessantere Denkansätze gibt als Discovery.
 

Lottogewinner

Administrator
Team
29 Juli 2016
1.118
249
63
37
Deutschland
Wie ich schrieb - Discovery ist Star Trek für das aktuelle Jahrzehnt. Und da ist die Holzhammermethode zu gewissen Themen durchaus die richtige, meiner Meinung nach. Ansonsten hab ich gerade zu wenig Zeit und wir würden uns nur im Kreis drehen und es muss dir ja auch nicht gefallen und wir haben auch offensichtlich einen sehr unterschiedlichen Anspruch an die Serie, aber es ist halt trotzdem ne gut gemachte Star Trek Serie, so grundsätzlich :)
 
  • Like
Reactions: GamepadRanger

Rusix

Mitglied
2 September 2016
368
113
43
38
Schaumburg
Ich bin jetzt probeweise bei Folge 9 angekommen um zu schauen ob sich etwas am Grundbau der Serie ändert. Kurz gesagt: Tut es nicht. Es plätschert weiter belanglos (oft peinlich) vor sich hin.

Eigentlich wollte ich noch ein bis zwei Sätze zu meinen Kritikpunkten niederschreiben, habe dann aber gesehen, dass Yoshi dies schon auf eine so chirurgisch präzise Art getan hat, wie ich es wohl nicht hätte tun können - Kudos.

Dieses Star Trek ist, wie Lottogewinner so schön sagt, für dieses Jahrzehnt 'angepasst'. Mögliche Übersetzung: Es biedert sich an das Marvel Universum und die Fast & Furious Ästhetik an: Fast Food anstatt gute Rohkost. Coole Moves und ernste Fratzen anstatt etwas zum Nachdenken - der Star Trek Geist invertiert. Man hätte das Produkt folgerichtig 'Trek Star' nennen können und keinen hätte gestört.
 

Biber

GUF Veteran
25 August 2016
2.697
220
63
Hamburg
www.youtube.com
Das würde ja bedeuten, dass dieses Jahrzehnt mehr auf Fast Food als auf gute Rohkost abfährt. Eine Theorie, die sich angesichts der hohen Qualität vieler aktueller Serien und der vielen Schundserien der 90er nicht halten lässt. Du kannst doch das Jahrzehnt nicht mit Marvel gleichsetzen. In den 80ern und 90ern hätte man genausolche Massenphänomene aus dem Bereich „Fast Food“. Lottogewinner meint, dass die Serie keine 1:1-Kopie der alten Treks ist, wie Yoshi das gerne hätte, sondern die gleiche Sache mit aktueller Herangehensweise macht. Star Trek war immer schon ein Spiegel seiner Zeit. Sowohl thematisch als auch von Handwerk. Die Originalserie war wegweisend, obwohl zwischen all dem Revolutionären ganz viel schlimmer Kitsch war, den man aktuellen ST-Serien nie verzeihen würde. Trotzdem gab es sicher viele, die TNG vorgeworfen haben, sich mit der modernen Präsentation am Zeitgeist zu orientieren. Im Rückblick idiotisch. Discovery ist gutes Star Trek. Mich stört auch manches. Burnham ist in der Tat zu sehr smartass und vieles ist zu sehr Holzhammer. Tilly muss das junge Genie mit den Ideen sein, aber das letzte Problem muss Michael lösen, weil sie höher im Rang ist und die Hauptfigur. Das ist zu schemahaft. Auch dass Saru nie erster Offizier sein darf, sondern Michael ständig bei Pike abhängt, wenn es um die Kernfragen geht, stört. Wenn man keine Captainzentrierte Hauptfigur will, sollte man das durchziehen.

Die letzte Folge dürfte Yoshi in seiner Kritik deshalb auch rundum bestätigt haben. Tilly ist sehr Tilly und Michael ist supermichael. Außerdem wird die Prime Directive als eine von zwei Optionen gesetzt und nicht Prime. Die Entscheidung am Ende war ok, aber es hätte anders diskutiert werden müssen. Und ob die Batterie nötig war? Kaum.

Trotzdem war das wieder eine gute Folge aus meiner Sicht. Und die Probleme die ich nannte, haben alle (ST-)Serien.
 
  • Like
Reactions: GamepadRanger

DCDT

Newbie
25 August 2016
177
17
18
30
Berlin
Ich hätte ja gerne eine Star Trek- Serie, in der nur ein einziger Mensch unter der Crew ist und das auch eher auf den unteren Rängen.
 

GamepadRanger

Mitglied
25 August 2016
396
74
28
31
NRW
Das musste ich erstmal verstehen. Ich dachte DCDT meinte das sarkastisch, dass es nur eine 1-Mann/Frau Besatzung auf dem Schiff gibt xD Hat einen Moment gebraucht bei mir.
 

DCDT

Newbie
25 August 2016
177
17
18
30
Berlin
Ich denke doch, dass MoCap in naher Zukunft auch für Serien machbar sein könnte. Außerdem müssen ja auch nicht alle Offiziere humanoid sein.
 

Yoshi

Moderator
Team
9 August 2016
2.866
165
63
Hagen
Und die Probleme die ich nannte, haben alle (ST-)Serien.
Ist das so? Einen Charakter wie Michael hat es meines Erachtens nie gegeben. Selbst der genetisch verbesserte Herr aus Deep Space Nine (Namensnennung lasse ich aus Spoilergründen mal aus) ist auch nachdem seine Modifikationen bekannt waren kein Alleskönner, Spock hat viele gute Ideen, ist aber unflexibel und kann Schwierigkeiten die nicht strikt logischer Natur sind nur schwer beseitigen. Picard ist ein kluger Entscheider, aber nur in seltenen Fällen jemand, der wirklich gute eigene Ideen einbringen kann. Worf liegt zwar meistens richtig mit "das ist gefährlich", aber das ist augenscheinlich mehr seine Persönlichkeit als seine Unfehlbarkeit. Am nächsten dran an Michael (aber eigentlich doch näher an Tilly) ist da vielleicht noch Wesley, der aber nicht ohne Grund verhasst war und aus der Serie geschrieben wurde. Supermenschen im Maincast, die nicht zumindest auf ein Feld beschränkt sind, gab es meines Erachtens nicht vor Discovery. Und dass der erste Offizier aus fast allen Entscheidungen ausgeschlossen wird auch nicht.

Überhaupt ist es schon tragisch, was mit Saru, einem der besten Charaktere in meinen Augen, gemacht wird, nämlich nichts. Er ist zwar jetzt Kommandooffizier, war aber vorher Wissenschaftsoffizier, ist also formal in Sachen Naturwissenschaften sicherlich besser als Tilly und wahrscheinlich gleichwertig mit Michael qualifiziert. Doch ist er quasi vollkommen abhängig von Ideen von Michael oder Fähnrich Tilly. Die Autoren scheinen so in Michael und Tilly verliebt, dass selbst Hauptcharaktere der zweiten Reihe deutlich zu kurz kommen und alles was noch dahinter kommt (die ganzen festen Brückenoffiziere, die jetzt einen Namen bekommen haben) ist augenscheinlich nicht mal eine Charakterisierung wert.

Der Stellenwert der Religion bei den Menschen, den ich bereits bei der ersten Folge der zweiten Staffel kritisch sah, wird augenscheinlich in Discovery auch redefiniert, Religiosität war bei den Menschen in TNG nahezu ausgestorben, das müsste Discovery zu Folge aber eine sehr rapide Entwicklung über einen Zeitraum von gerade einmal 100 Jahren sein. Wenn man vergleicht wie über Religion hier und in TNG gesprochen wird (Beispiel : ) ist das schon krass und geradezu eine Wesensveränderung. Wohlgemerkt, es ist für mich nicht zwingend notwendig, dass eine gute Science Fiction-Serie Religion als zu überwindenden Aberglauben oder jedenfalls falsch verstandene / mystifizierte natürliche Ereignisse versteht (wieder: Siehe Ender's Game, aber auch Battlestar Galactica, die ich aber dennoch gern mag), aber bei Star Trek ist es nun einmal, auch bedingt durch Roddenberrys persönliche Einstellung in der Sache eine fest definierte Position.

Schließlich, was die Gesamtepisode anbelangt: Interessanterweise folgt die Folge schon relativ stark einem Grundthema und Schema von alten Star Trek Folgen, bewahrt aber leider die von mir oben kritisierten Schwierigkeiten oder eskaliert die, die ich befürchtet habe (Religion).
 

Rusix

Mitglied
2 September 2016
368
113
43
38
Schaumburg
Das würde ja bedeuten, dass dieses Jahrzehnt mehr auf Fast Food als auf gute Rohkost abfährt. Eine Theorie, die sich angesichts der hohen Qualität vieler aktueller Serien und der vielen Schundserien der 90er nicht halten lässt.
You missed my point. Discovery biedert sich an aktuelle Hypes an, wie seinerzeit Resident Evil 5/6 an die COD's seiner Zeit, während es seine Wurzeln vergisst bzw das was es so gut und besonders gemacht hat. Für mich war Star Trek immer eine Art Licht, eine Boje der Vernunft, der Ratio und Toleranz inmitten der meist oberflächlichen Unterhaltungsserien. Hier wurde mit Auge und Gefühl auf menschliche und ethnische Dilemmata eingegangen, im kleinen wie auch im großen Scope.

Discovery lässt diese Stärken bisher vermissen. Es persifliert diese gar indem es oft auf kleinkarierte Gefühlsduselein auf Teenie-Soap Niveau eingeht: Ich war noch nie verliebt, mein erster Kuss, meine erste Party, meine erste Menstruation etc. Es geht um ständig um Selbstzweifel, Neid, Missgunst, Konkurrenzkampf innerhalb der Gruppe bzw wird diesen kleinen Scharmützel viel zu viel Screentime gegeben.

Die alten gestandenen Hasen sind passe, Menschen die mitten im Leben stehen und sich ihren Rang verdient haben. Die persönlichen Unsicherheiten der Crewmember sind geradezu exemplarisch für diese Serie und erzeugen damit eine konstante Instabilität innerhalb der Crew - selbst ohne äußere Bedrohung. Auch Saru als erster Offizier ist ständig am fremdeln, ständig von seinen kleinkarierten Unsicherheiten abgelenkt - es fehlt der Blick fürs große Ganze (Was würde ein Riker oder Tuvok dazu sagen?) Picard hätte inzwischen die ganze Crew gefeuert. Allein der Kapitän überzeugt an dieser Front, scheint bisher auch eine gewisse Tiefe im Charakter zu haben. Ich mag den Kerl! ^^

Wenn wir nicht von der Discovery reden würden (dem Vorzeigeshiff der Flotte), dann wäre diese Teenie-Ausrichtung verständlich. Es ist ein Szenario, dass ich mir bei einer Serie im Bereich der Flottenakademie voller Wesley Crushers vorstellen könnte, aber nicht hier.

Ich finde sie Serie nicht per se schlecht, mag aber die neue Ausrichtung nicht und hoffe, dass diese Serie noch die Kurve kriegt. Potenzial hat sie allemal.

Ich finde es schade, dass man zu Anfang noch groß geprotzt hat, dass die Discovery sich mit über 300! Forschungsprojekten gleichzeitig beschäftigt und am Ende nur ein intastellarer Waschbär übrigbleibt, der das ganze Schiff dank seiner Gene! durch den unendlichen Raum steuert.

Mein persönlicher Tiefpunkt war aber die Entscheidung einen von Klingonen gefolterten 08/15 direkt zum Sicherheitsoffizier der Discovery zu machen - und keiner stellt diese Entscheidung in Frage. Seine einzige Qualifizierung war bisher, dass er überlebt hat und schießen kann.

Es sind diese Entscheidungen, die das Erbe mit Füßen treten. Aber ich bin ab Folge 10 auch gewillt weiterzugucken. Es gab bisher auch positive Ausreißer: Folge mit Mud!, Expedition auf Pavana etc.
 
Zuletzt editiert:

Rusix

Mitglied
2 September 2016
368
113
43
38
Schaumburg
Nachtrag:

Nachdem ich jetzt alle erhältlichen Folgen (inkl Short Treks) gesehen habe, bin ich doch sehr angenehm überrascht worden. Einige meiner Kritikpunkte sind inzwischen negiert worden:
- Mit dem Ausscheiden des rührseligen Klingonen-Hybrids und dem sentimentalen Boyfriend-Artztes ist die aufkeimende Bollywood-Komponente komplett rausgeschrieben worden. Halleluja!
- Mit dem Ausscheiden der Klingonen ist die Torture-Treachery (GoT) Komponente raus. Yes!
- Mit den Short Treks und mehr Screentime für bisher passive Crewmember ist endlich etwas Abwechslung im bisherigen Schemata eingezogen.
- Mit Cpt. Pike wurde ein würdiger Ersatz für Cpt. Lorka gefunden.

Und das Beste: Mit der letzten Folge kam endlich so etwas wie Star Trek-Feeling auf. Sehr schöne Entwicklung, das kann echt noch was werden :)

Jetzt müsste eigentlich noch das Sporennetzwerk gekillt werden um einigermaßen Kanon zu bleiben und sich damit gleichzeitig den esoterisch-religiösen Kitsch zu entledigen der diverse Crewmeber und damit den Zuschauer belästigt.

Eines ist aber sicher: Die erste Staffel ist der schlimmstmögliche Einstieg in die Star Trek Welt ever und wird von mir ab jetzt gemieden wie der Teufel das Weihwasser.

Aber ich bin ready for things to come ^^