The Messenger (Switch/PC)

Shiningmind

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29 August 2016
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Hat es jemand auf dem Schirm? Ist ein Action Plattformer, der zwischen 8 und 16 Bit Optik wechselt. Gerade da mir Guacamelee 2 Appetit auf soche Art von skillbasiertem Gameplay macht, hab ich es mir geladen. Die Reviews da draußen sind jedenfalls positiv gestimmt. Bald mehr davon!

 

Biber

GUF Veteran
25 August 2016
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Vielen Dank an alle, die so eindringlich für das Spiel geworben haben. Viele taten das mit der Einschränkung, dass die zweite Hälfte schwächer sei als die erste, aber das habe ich gar nicht so empfunden, mit einigen wenigen Ausnahmen sogar - im Gegenteil. The Messengar hat zwar in einigen für mich sehr wichtigen Disziplinen, insbesondere im Leveldesign keine Qualität, die über guten Durchschnitt hinausgeht, aber das Gesamtpaket ist so ein großer Freudenspender, dass ich es bei jeder Möglichkeit weitergespielt habe. Optik, Gameplay, Humor, Soundtrack und Pacing sind sagenhaft gut. Fast jeder Gag sitzt, es gibt quasi keinen Track, den ich nicht sofort prominent im Musikganon platzieren möchte und mit wenigen Ausnahmen sind alle Upgrades nicht bloß Schlüssel für wenige Schlösser, sondern fügen sich nahtlos ins Gameplay ein. Das führt dazu, dass man permanent vielseitiger im Moveset wird und damit auch mächtiger. Wie es in einem guten Metroidvania sein sollte. Nur dass das Spiel in der ersten Hälfte überhaupt kein Metroidvania ist. Diese Zweiteilung ist sehr besonders und ich kann verstehen, dass viele nach dem unfassbar stringenten und dynamischen ersten Teil des Spiels, in dem man ein geiles Gebiet nach dem nächsten durchpflügt und von tollem Boss zu tollem Boss getrieben wird, enttäuscht waren, wenn das Spiel plötzlich tief einatmet. Für mich hat die erneute Erkundung aller Gebiete die Welt aber erst plastisch gemacht. Die Stages waren nicht mehr nur Stages, sondern Teil einer vernetzten Welt und es gab so viele unterschiedliche Arten von Aufgaben, die einem das Spiel danach gab. Nicht einfach: Und jetzt suche in jedem Gebiet mit deinen Fähigkeiten 7 Items nach demselben Muster. Nein, überall war etwas anders zu tun. Und die neuen Gebiete waren dann sogar teilweise im Leveldesign famos. Das ist ansonsten der Schwachpunkt. Es gibt immer wieder Räume, die entweder so leicht oder so belanglos sind, dass man nicht versteht, warum sie im Spiel sind. Sogar im letzten Abschnitt warten Passagen, die keine neue Idee haben, sondern einfach nur ein paar Plattformen und Gegner scheinbar willkürlich im Raum verteilen. Das ist etwas, was in anderen Spielen für mich ein No-Go wäre, aber hier pflügt man mit so viel Freude durch die Gebiete, dass es nicht stört. Man hat immer etwas zu tun, ein Ziel vor Augen, eine neue Wendung, die einen staunen lässt. Toll. Die Story ist ziemlich Banane, aber fantastisch erzählt. Nur die "Auflösung" am Ende wirkt unpassend ernst und aufgesetzt. Es ist auch ungewöhnlich, dass so viel Story so spät kommt, nach dem Motto: "Und jetzt erzählen wir dir fünf Minuten, worum es die ganze Zeit ging". Das hat nicht die Kraft eines Twists und langweilt eher. Dann lieber noch eine Anekdote des Shopkeepers mehr. Es gab viele Details, die mich begeistert haben. So kommt man nach einiger Zeit (genau im richtigen Moment!) in das zweite Gebiet, eine neeu Musik setzt ein und man bereitet sich innerlich darauf vor, jetzt anders gefordert zu werden. Und nach wenigen Schritten purzelt man direkt in das dritte Gebiet. Das hatte auch mich einen tollen Effekt, der die Welt plötzlich geöffnet hat. Solche Moment halten das Spiel frisch und unvorhersehbar. Ärgerlich war noch, dass das zentrale Feature der zweiten Hälfte so oft schienbar willkürlich eingesetzt wird und zu wenig vom Potenzial abgerufen hat und dass es dann doch zwei oder drei wirklich nervige Backtracking-Stellen gab. Auch sonderbar war der totale "Drop" im Schwierigkeitsgrad. Während die erste Hälfte kontinuierlich schwerer wurde, war der Rest des Spiels weitgehend ganz ohne Herausforderung. Noch immer mit viel Spaß, aber man ist da so durchgepflügt. Die Rücksetzpunkte sind vielleicht etwas zu engmaschig und man hat die nötigen Kristalle für alle Upgrades zu schnell beisammen. Die Upgrades sind auch extrem spielerfreundlich (alle Geheimnisse und mögliche Durchgänge werden auf der Karte angezeigt), aber es ist kein Super Metroid: Ich glaube, ich hätte mich in diesem dynamischen Spiel eher geärgert, wenn ich Wege hätte suchen müssen. Schließlich ist man The Messenger und nicht The Explorer. Das passt schon. Geiles Spiel.
 
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