Kritiken

Freedom Planet im Test

Indie-Spiele im Stil von SNES- und insbesondere NES-Spielen findet man heutzutage auf den Downloadplattformen der verschiedenen Konsolenhersteller zuhauf. Wenig Beachtung fand bislang hingegen der ikonische Mega Drive-Stil, geprägt insbesondere durch Sonic. Damit ist nun – jedenfalls auf der Wii U – Schluss, denn Freedom Planet, ursprünglich als Fan-Spiel zu Sonic geplant, ist eine digitale Liebeserklärung an das Mega Drive. Ob Freedom Planet darüber hinaus auch noch ein gelungenes Jump & Run ist?

Ungewöhnlich umfangreiche Story
Wenn man Freedom Planet erstmals startet, wird man vor die Wahl gestellt, ob man das Spiel im klassischen Modus oder im Story-Modus spielen möchte. Im klassischen Modus kann man das Spiel einfach ähnlich wie in einem klassischen Sonic-Spiel ohne Unterbrechung durchspielen, die Level schließen nahtlos aneinander an. Wer hingegen Interesse an der erstaunlich umfangreichen Geschichte hat, sollte den Story-Modus wählen, in dem zwischen jeweils zwei Leveln eine, in Spielgrafik erzählte und mit englischer Sprachausgabe versehene, Geschichte erzählt wird. In der Geschichte wird die Heimatwelt von Lilac the Dragon von einem außerirdischen General angegriffen und Lilac zieht mit ihren Freundinnen und dem neu gewonnenen Freund Torque los, um Brevon aufzuhalten. Die Geschichte nimmt erstaunlich viel Raum ein und behandelt neben dem eigentlichen Konflikt auch politische Themen, dürfte aber trotz ordentlicher Umsetzung nicht gerade für Begeisterungsstürme sorgen.

Die Qual der Wahl
Im Abenteuer-Modus kann man zwei verschiedene Charaktere spielen, die bereits angesprochene Titelheldin Lilac, eine violette Drachenfrau, und Carol, eine grüne Wildkatze. Im klassischen Modus kann man zudem noch die Hündin Milla auswählen. Die drei Charaktere unterscheiden sich in ihren Fähigkeiten, nicht unähnlich dem Sonic-Trio Sonic, Tails und Knuckles. So kann Lilac beispielsweise einen kleinen Geschwindigkeitsboost auf Knopfdruck auslösen, wohingegen Carol mit einem Motorrad Wände nach oben fahren kann. Die drei Heldinnen können durch ihre unterschiedliche Fähigkeiten verschiedene Levelabschnitte aufsuchen, die den anderen Charakteren verwehrt bleiben, so dass das Spiel einen gewissen Wiederspielwert bietet. Am schnellsten und somit am spaßigsten ist das Spiel allerdings mit Lilac.

Der Drache und der Igel
In der Hauptsache ist Freedom Planet eine klare Hommage an die Mega Drive-Sonics, besonders an den letzten Teil Sonic & Knuckles. Die Charaktere rennen in rasanter Geschwindigkeit durch Level, die mit vielen verschiedenen Ebenen, die unterschiedlich schnell und schwierig sind, eine ordentliche Varianz zu bieten haben. Loopings, Sprungfedern und Rampen erinnern frappierend an Segas Maskottchen und in der Tat kann das Spiel einen tollen Spielfluss aufbauen, so man denn versucht so schnell wie möglich durch die Level zu rasen. Ursprünglich auf dem PC via der Download-Plattform Steam veröffentlicht, bietet Freedom Planet eine Liste von Achievements, die dem Spieler durchaus knackige Abschlusszeiten für jedes Level vorgeben, darüber hinaus spielt die Geschwindigkeit, in der man durch die Level saust, allerdings keine Rolle.

screen_freedom-planet_09Ermüdende Level-Länge
Ein wenig unglücklich ist allerdings die große Länge der Level. Gut und gerne bis zu einer halben Stunde kann man sich beim ersten Besuch in einem Level aufhalten, besonders, wenn man es auf die in den Levels versteckten Karten abgesehen hat, die Zusatzinhalte wie Musik freischalten. Zwar sind die Level sehr abwechslungsreich designt, doch wäre es definitiv, gerade für die Time Attack-Zeiten, sinnvoll gewesen, die Level in mehrere separate Teillevel aufzubrechen. Dass die Level zudem ziemlich offensichtliche Bruchstellen bieten, an denen sich ein Levelende angeboten hätte, lässt die Länge der Level umso eigenartiger wirken. Auch wenn die Spielphysik gut gelungen ist, sollten Puristen, die Sonic vor allem wegen seiner Spielerei mit aufgebautem Moment mögen, ihre Erwartungen ein wenig in Zaum halten. Ähnlich wie Sonic in neueren Spielen kann Lilac beispielsweise in Spaziergeschwindigkeit durch Loopings gehen und dank ihres Boosts sofort auf Maximalgeschwindigkeit beschleunigt werden. Dafür ist Freedom Planet aber auch längst nicht so fehleranfällig wie die Mega Drive-Klassiker. In unserem Spieldurchlauf sind wir nie in eine Wand oder durch einen Looping geflogen – Ereignisse, die bei Sonic und Sonic 2 durchaus mal vorkommen können.

Knackige Action und ideenreiche Endgegnerscreen_freedom-planet_06
Neben dem rasanten Jump & Run-Gameplay bietet Freedom Planet aber auch noch einen knackigen Action-Anteil. Die Level sind mit unzähligen mal simpleren, mal anspruchsvolleren kleinen Gegnern gefüllt, die mit einem Standardangriff oder Lilacs Wirbelangriff, der wie ein Doppelsprung ausgelöst wird, dezimiert werden können. Zusätzlich bietet jedes Level einen Endgegner, der in aller Regel an mehreren Stellen im Level zum Kampf antritt und am Ende eines Levels zu einer durchaus veritablen Gefahr erwachsen kann. In diesen Kämpfen erinnert Freedom Planet stark an klassische 2D-Action-Spiele wie Mega Man. Das auf Nahkampf ausgelegte Kampfsystem erweist sich durchweg als gelungen und so gewinnt Freedom Planet durch die knackigen Endgegnerkämpfe eine ganz eigene Identität.

Nostalgische Präsentation
Technisch ist Freedom Planet sehr gut umgesetzt. Die Optik ist lebhaft, bunt und erinnert frappierend an Segas 16-Bitter. Vereinzelte Slowdowns trüben den Spielspaß nicht erheblich und treten zum Glück nie an kritischen Stellen auf. Die hohe Spielgeschwindigkeit, sowie die bisweilen äußerst zahlreichen Gegner, mit denen man es auf einmal aufnehmen muss, zeigen jedenfalls, dass die Programmierer bei der Anpassung ihre Hausaufgaben gemacht haben. Auch musikalisch bietet das Spiel durchweg gute Kost.

Freedom Planet kann sich zwar nicht ganz mit den klassischen Sonic-Spielen messen, bietet aber eine hinreichend starke eigene Identität um hierdurch nicht redundant zu werden. Das rasante Gameplay sowie das abwechslungsreiche Leveldesign wissen zu begeistern und machen Freedom Planet zu einem Pflichttitel für jeden Sonic- oder Mega Drive-Fan. Hätten die Entwickler die etwas zu lang geratenen Level noch einmal in Teillevel unterteilt, wäre zwar noch etwas mehr drin gewesen, aber auch so ist Freedom Planet definitiv ein sehr gutes, empfehlenswertes Jump & Run.

Sebastian hat eine ausgeprägte Vorliebe für Jump & Runs, zählt aber auch Action-Adventures und Arcade-Spiele zu seinen Lieblings-Genres. Haupta...