GedankenGUt: Die Zukunft von Videospiel-Events

Während immer mehr Spiele nur noch auf digitalen Marktplätzen gekauft werden können und die Online Gaming-Szene weiter wächst, präsentieren Messen wie die E3 oder die gamescom alljährlich stolz die stabilen, hohen Besucherzahlen. Doch wie viele Jahre lang werden die Hallen der Kölnmesse noch überlaufen sein? Haben Offline-Events im Zeitalter der Digitalisierung eine Zukunft? Wäre es nicht sogar kundenfreundlicher, Neuankündigungen und Demos direkt auf der Konsole zu präsentieren und sich diese Events zu sparen? In der neusten GedankenGUt-Ausgabe diskutieren wir daher anlässlich der bevorstehenden gamescom über die Zukunft von Videospiel-Events!

herunterladbare Demos anstatt geballter Messepräsenz würde viel von dem Reiz des Besonderen verlieren

Sebastian meint: Videospielmessen haben den Vorteil eines Eventcharakters. Pressekonferenzen durch digitale Events zu ersetzen, wie Nintendo es tut, ist für den Ottonormalverbraucher kein großer Unterschied, aber herunterladbare Demos anstatt geballter Messepräsenz würde viel von dem Reiz des Besonderen verlieren. Hinzu kommen weitere praktische Probleme: Jede Vorabdemo müsste einen Zertifizierungsprozess durchlaufen, der zusätzliche Aufwand für Nintendo, Microsoft und Sony wäre nicht zu unterschätzen. Außerdem verlieren die Entwickler ein Stück weit die Kontrolle über die Spieler-Erfahrung und geben potentiell unfertigen Code in Spielerhände, was einen schlechten Eindruck hinterlassen könnte, zumal auf Abstürze und erwünschtes Spielerverhalten nicht unmittelbar reagiert werden könnte. Daher ist meine Antwort simpel: Digitale Events werden auch mittelfristig Spielemessen nicht den Rang ablaufen.

Durch die Zusammenkunft von unzähligen Menschen, die das selbe Hobby teilen, wie man selbst, entsteht auf den Messen ein gewisses Gemeinschaftsgefühl

Karim meint: Ob E3, Tokyo Games Show, PAX oder auch die gamescom bzw. ehemals Games Convention – Videospielemessen haben eine mittlerweile langjährige Tradition in der Industrie und sorgten auch abseits von den Videospielankündigungen selbst oft für einige ikonische Momente. Unvergessen ist beispielsweise Nintendo of Americas CEO Reggie-Fils Aimes „My body is ready“-Auftritt auf der E3 2007. Für die Publisher selbst sind solche Messen natürlich ebenso eine heutzutage unverzichtbare PR. Kaum wird wohl über die kommenden Titel der Publisher und Entwickler dermaßen intensiv von Presse und Medien berichtet, wie zu den Messezeiten – und dies nicht nur von reinen Games-Publikationen, sondern eben auch von noch massentauglicheren medialen Sprachrohren wie beispielsweise in Deutschland von der BILD, dem Spiegel oder der Welt. Ein anderer Faktor sind die Fans selbst. Durch die Zusammenkunft von unzähligen Menschen, die das selbe Hobby teilen, wie man selbst, entsteht auf den Messen ein gewisses Gemeinschaftsgefühl. „4 the players“ lautete passenderweise vor einigen Jahren das Leitmotto von Sonys Marke PlayStation. Und eben dieses Motto zieht bei den Fans, wie man an den steigenden Besucherzahlen solcher Messen in den letzten Jahren beobachten kann, welche damit die Kassen klingeln lassen. Ich denke daher nicht, dass Download-Demos so schnell gamescom und Co. ablösen werden.

Momente wie dieser sind es, die bei Messen in Erinnerung bleiben. Müssen wir bald komplett auf sie verzichten?

Ich denke es wäre durchaus besser, wenn Spiele-Entwickler mehr online, oder herunterladbare Demos anbieten würden

Mareike meint: Die gamescom-Besucherzahl wächst von Jahr zu Jahr immer mehr. Ich sehe das mit eher gemischten Gefühlen. Zum einen freue ich mich sehr, dass die Videospielindustrie immer weiter wächst zum anderen finde ich es auf der Messe einfach zu voll. Um das Spiel seiner Wahl anspielen zu dürfen, muss man teilweise bis zu zehn Stunden anstehen, was frustrierend sein kann. Ich denke es wäre durchaus besser, wenn Spiele-Entwickler mehr online, oder herunterladbare Demos anbieten würden, so könnte man in Ruhe zu Hause allein oder mit Freunden testen. Auch Spiele-Entwickler könnten davon profitieren, da so mehr potentielle Käufer die Demo spielen könnten.
Obwohl ich Spiele lieber in Ruhe teste, halte ich große Events wie die E3 oder die gamescom für durchaus sinnvoll. Für neue Ankündigungen oder Informationen zu kommenden Videospielen ist eine Messe eine gute Sache. Vor allem die großen Bühnenshows, bei denen ein Hersteller den anderen übertrumpfen möchte, faszinieren mich immer sehr. Es wäre für mich auch in Ordnung, Demos zuerst nur auf Messen anzubieten und später online zu Verfügung zu stellen. Ich denke das wäre ein fairer Kompromiss. Frei nach dem Motto: Demos für alle!

Mehr Mut zur Beta, zum unfertigen Entwicklungsprozess wünsche ich mir da häufig

Joshua meint: „Ab hier vier Stunden Wartezeit“ – ich erinnere mich noch gut daran, als Call of Duty-Fans vor ein paar Jahren diese lange Wartezeit an einem gamescom-Freitag in Kauf nehmen mussten, um einen exklusiven Einblick zum damals bevorstehenden CoD-Ableger erhaschen zu können. Von außen ein großer und stylisher schwarzer Kasten,… – innen angelangt gab es dann ein zwanzigminütiges Video mit ein paar Gameplay-Szenen zu sehen. Natürlich feinsäuberlich durchgescriptet. Anschließend wurde man von der Security wieder aus dem Kasten herauskomplimentiert. Fertig. Zugegeben, dabei handelt es sich um ein Extrembeispiel, doch ich habe den Eindruck, dass man den Spielern häufig zu wenig zutraut. Alles, was es da zu sehen gibt, ist auf den Millimeter genau geplant. Da gibt es keine Bugs, keine Glitches, alles ist glatt. Und wenn es doch einmal einen Bug gibt, dann eilt sofort ein Standmitarbeiter herbei um schleunigst eingreifen zu können. Mehr Mut zur Beta, zum unfertigen Entwicklungsprozess wünsche ich mir da häufig. Einen Gameplay-Trailer kann ich mir zuhause anschauen. Eine Demo, die ja schon einem gewissen Qualitätsstandard genügen muss, kann ich mir, wenn sie denn angeboten wird, auch zuhause zu Gemüte führen. Zu dieser Einsicht könnten Spieler künftig immer häufiger kommen, vor allem deshalb, weil die Wartezeiten durch jährlich steigende Besucherzahlen nicht kürzer werden. Dabei bieten Videospiel-Events die einmalige Möglichkeit, die potentiellen Spieler direkt in die Entwicklung mit einzubeziehen. Feedback-Bögen, direkte Gespräche mit den Besuchern, Abstimmungen über (neue / umstrittene) Spielmodi. Die Masse an Spielern tatsächlich nutzen, anstatt sie lediglich zu beschallen! Traut man den Spielern so wenig zu? Wenn der Release eines Titels noch in weiter Zukunft liegt, ist es doch absolut verständlich, dass es noch Bugs, Glitches und kleinere oder größere Problemstellen gibt. Das versteht jeder Spieler, das kann man ihm zutrauen – da bin ich mir sicher. Natürlich wird es auch künftig noch Videospiel-Events geben, doch das große Potential, das diese eigentlich bieten, bleibt zu häufig ungenutzt. „Warum soll ich mich zwei Stunden anstellen, wenn ich mir das Video auch zuhause anschauen kann?“ – eine absolut berechtigte Frage!

Heute freue ich mich, völlig neidlos auf die Vor-Ort-Besucher, darauf, die Konferenz-Streams bequem von zu Hause zu verfolgen

Maximilian meint: Messen wie die gamescom wird es noch lange Zeit geben. Nicht unbedingt, weil sie den Spielern einen echten Nutzen erbringen, sondern weil es ein gutes Geschäft für die Messeveranstalter ist. Erst dieses Jahr wurde die E3 in Los Angeles erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, bei einem Ticket-Preis von 249 Dollar (die ersten 1000 Käufer mussten „nur“ 149 Dollar zahlen). Gleichzeitig wächst auch die Tokyo Game Show in Japan jedes Jahr und es wird überlegt, wie man mehr Besucher logistisch möglich machen kann. Insofern: Die Existenz des Konzepts Videospiel-Messe ist nicht bedroht.
Anders sieht es mit der Sinnhaftigkeit aus Spielersicht aus. Ich weiß noch, dass es als Teenager mein größter Traum war, auch einmal zur E3 zu dürfen. Das war zu Zeiten instabilen ISDNs. Heute freue ich mich, völlig neidlos auf die Vor-Ort-Besucher, darauf, die Konferenz-Streams bequem von zu Hause zu verfolgen. Snacks neben mir, Chat-Fenster an der Bildschirmseite und gemeinsam mit unzähligen anderen Gamern das Highlight des Jahres zu genießen – und alles in Full HD. Und dank umfangreicher Stream-Angebote verpasse ich keine Info.
Es wäre wirklich spannend, wie sich die Besucherzahlen entwickeln würden, würden alle Messe-Demos auch online zugänglich gemacht werden. Seit Jahren jedenfalls scheint die gamescom vor allem eine gute Ausrede zu sein, Mitglieder der eigenen Online-Community zu treffen – und zumindest das ist dann wohl ein echter Nutzen für uns Spieler, denn wer kommt schon aus Norddeutschland nach Bayern, nur weil ein langjähriges Mitglied ein Zocker-Treffen in den eigenen vier Wänden anbietet?  wink

Verfasst von
Action-Spiele und Shooter aller Art sind Roberts Fachgebiet. Zwischendurch darf es aber auch gerne ein Spiel mit spannender Story und dichter Atmosphäre sein. Wenn er nicht gerade auf Xbox Live unterwegs ist, verfasst er bestimmt Artikel und News für Gaming-Universe.

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2 Kommentare auf "GedankenGUt: Die Zukunft von Videospiel-Events"

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Z.Carmine
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Für mich sind die Messen selbst ja nichts. Teuer, laut und voll.
Für Aufmerksamkeit in den Medien sind sie aber viel mehr geeignet, als blosse Internetausstrahlung.

Mehr Demos auf der heimischen Konsole könnte man aber schon bringen.

Darkie
Mitglied

Ich bin nicht wegen den Spielen zur Messe gefahren. smile Für mich stand das Treffen mit den GU-Leuten an erster Stelle und danach kamen erst die Spiele, wenn man überhaupt Bock hatte sich anzustellen. Bin halt lieber durch die Messehallen gelaufen und habe mich umgesehen. Demo sind mir ehrlich gesagt auch total egal. Wir beide sind er Spieler welche mehr auf Qualität achten und brauchen keine Demos dafür, wenn nicht werden Spiele später gekauft und Tests abgewartet. smile

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