GIGANTIC Test

MOBAs, Hero-Shooter und Konsorten erscheinen dieser Tage beinahe im wöchentlichen Rhythmus. So ziemlich jedes dieser Multiplayer-Spiele hat den Anspruch, an die Erfolge von League of Legends anzuknüpfen. Dass nicht alle dieses hochgesteckte Ziel erreichen können, folgt schon aus der Logik der schieren Masse an Neuveröffentlichungen im Genre. Doch wo andere Entwickler das Erfolgskonzept mehr oder weniger 1:1 kopieren, weicht Motiga vom abgesteckten Pfad ab und riskiert, das Gewohnheitstier namens Gamer zu verprellen. Schon deshalb war ich skeptisch, als mir der Titel vor knapp einem Jahr auf der gamescom erstmals begegnet ist. Nun endet die Beta-Phase und Gigantic muss sich beweisen. Wieso ich mittlerweile weit über 60 Stunden investiert habe? Dieser Test verrät es euch!

Auf den ersten Blick wirkt Gigantic recht vertraut. Zwei Teams aus je fünf vorgefertigten Helden mit individuellen Fähigkeiten kämpfen auf einem annähernd symmetrisch angelegten Level gegeneinander. Im Vergleich zur Konkurrenz legt Motiga viel Wert darauf, Spielphasen ohne Action auf ein Minimum zu beschränken. Zu Spielbeginn und bei jedem Respawn springt euer Held mir viel Elan auf die Map und ist so in kürzester Zeit im Mittelpunkt der Action. Neben dem Kampf mit den Charakteren der Gegner könnt ihr auf dem Weg zum Sieg auch hilfreiche NPC-Vasallen auf Knotenpunkten beschwören – und solche der feindlichen Fraktion erledigen. All diese Aktionen tragen dazu bei, dass euer Guardian, ein gottgleiches Wesen, welches eurem Team den Rücken stärkt, an Macht gewinnt. Als Spielmechanik äußert sich das Kräftesammeln so, dass beide Teams einen Energiebalken füllen müssen – ein Kill bringt euch beispielsweise zehn von den benötigten 100 Punkten. Schafft euer Team dies zuerst, steigt der Guardian ins Geschehen ein und ringt den verfeindeten Wächter zu Boden. Nun beginnt die entscheidende Phase! Das angreifende Team hat 30 Sekunden Zeit, genug Schaden zu verursachen, um dem Monster eines von drei Herzen zu zerstören. Das in die Defensive gedrängte Team muss währenddessen alles dafür tun, dies zu verhindern. Hier hören die Unterschiede zu den Konventionen des Genres aber noch nicht auf.

Statt der klassischen Draufsicht zieht euch eine Third-Person-Perspektive näher ans Geschehen heran. Eure Spielfigur ist dementsprechend mobil: Sprints, Ausweichmanöver und Sprünge möchten beherrscht werden, damit das Match nicht ins Chaos verfällt. Denn wie es sich für einen Vertreter des Genres gehört, ist es nicht nur von Bedeutung, die Vorteile und Limitationen eurer eigenen Spielfigur zu kennen, sondern auch die eurer Mitspieler und Kontrahenten. Nur wer die Übersicht über das Geschehen behält und seine Spezialangriffe klug einsetzt, kann am Ende siegreich sein. Zusätzliche Spieltiefe bringen die ansprechenden und abwechslungsreichen drei Maps, die nicht nur Hinsichtlich der Größe, sondern auch der Geometrie variieren. Hoch gelegene Punkte können euch einen entscheidenden Vorteil verschaffen, während ihr auf anderem Weg nur wenig Deckung habt. Das klassische Drei-Pfade-Design, wie man es von LoL oder Dota 2 kennt, wird hier durch komplexere Gebilde ersetzt. Motiga ist wirklich viel daran gelegen, ein originelles Spiel abzuliefern, und dieses Unterfangen gelingt ihnen meiner Meinung nach bravourös.

Originell ist aber nicht nur das Spieldesign, sondern auch die Präsentation. Der Grafikstil lehnt sich mit seinem Cartoon-Look an The Legend of Zelda: Wind Waker an und wirkt dank der knalligen Farben sehr frisch. Sicherlich folgen die Charaktere diversen Archetypen (ein bulliger Nahkämpfer, eine Assassine mit Kaputze und ein Bogenschütze à la Disney’s Robin Hood), aber sie wirken dank schöner Details und dem mühelos Figur-übergreifend passenden Artstyle sehr stimmig. Mir hat die Optik tatsächlich auf den ersten Blick Lust auf das Spiel gemacht, bevor mich das sehr gute Gamplay längerfristig fesselte.
Falls ihr Lust darauf bekommen habt, Gigantic einmal auszuprobieren, sind die Hürden ziemlich gering. Es handelt sich um ein Free-to-Play-Spiel und folgt demnach dem bekannten Profit-Modell: Die kostenlosen Charaktere wechseln jede Woche – wer seinen Favoriten immer verfügbar haben möchte, muss diesen per Mikrotransaktion freischalten. Dazu könnt ihr euch die passende Währung entweder durch Spielen verdienen oder ein paar Euro lockermachen. Für meinen Geschmack dauert es aber etwas zu lange, um einen der Helden durch reines Spielen zu erwerben – gerade, wenn man gerne noch eine der kosmetischen Skins dazukaufen will. Aber gut, irgendwie soll ja auch Geld verdient werden, damit das Spiel weiterentwickelt wird. Das ist auch nötig, denn aktuell ist Gigantic noch etwas überschaubar an Features.

Drei Karten, ein Spielmodus und ein Dutzend Helden – die Konkurrenz bietet deutlich mehr Umfang. Mir persönlich gefällt das Grundkonzept so gut, dass ich immer wieder eine Runde spiele, aber das hängt wohl von eurem eigenen Geschmack ab. Wesentlich mehr stört mich das Match-Making. Wenn man nicht gerade während der Abendstunden nach Mitspielern sucht, muss man mit ein paar Minuten Wartezeit rechnen. Hoffentlich bessert sich dieses Problem mit der offiziellen Veröffentlichung. Trotz dieser kleineren Mäkel kann ich es euch aber nur ans Herz legen, Gigantic eine Chance zu geben. Das originelle Spieldesign verdient einen Download und mindestens eine Handvoll Probe-Sessions!

Fazit
Gigantic überzeugt mit seinem originellen Spieldesign und sticht so in einem hart umkämpften Genre heraus.
Toll
  • originelles Spiel-Design
  • toller Grafikstil
  • viel strategische Tiefe
  • Liebe zum Detail
Naja
  • langsames Matchmaking
  • nur ein Spielmodus
8
Sehr gut
Verfasst von
Action-Spiele und Shooter aller Art sind Roberts Fachgebiet. Zwischendurch darf es aber auch gerne ein Spiel mit spannender Story und dichter Atmosphäre sein. Wenn er nicht gerade auf Xbox Live unterwegs ist, verfasst er bestimmt Artikel und News für Gaming-Universe.

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