Kritiken

Glover – Heldenhafter Handschuh

Glover hat als rechter Handschuh eines mächtigen Zauberers eigentlich ein recht angenehmes Leben. Eines Tages jedoch missglückt dem Zauberer ein Experiment und schleudert Glover aus dem Labor, verwandelt seinen Zwillingsbruder in einen bösen Handschuh und versteinert den Zauberer. Der böse Zwilling reißt sich umgehend die sieben Kristalle unter den Nagel, die im Reich des Zauberers für Ordnung sorgen und stürzt dieses so ins Chaos. Nun ist es an Glover, seinen Bruder wieder zurück zu verwandeln, seinen Besitzer wieder zu mobilisieren und nebenbei die sieben Kristalle wieder an ihren angestammten Standort zurückzubringen. Was ein Schlamassel!

Wie es sich für ein Comcszenario gehört, hat Glover natürlich nicht fünf, sondern vier Finger und dadurch eine Form, die sich wunderbar anbietet, um die menschliche Form zu imitieren. Die zwei längeren Finger dienen Glover als Beine, die kürzeren Finger als Arme und zusätzlich hat er am Handrücken Augen. Dass Glover ein Handschuh ist, soll aber dennoch großen Einfluss auf das Spielkonzept haben, denn über weite Teile des Spiels läuft Glover nicht einfach durch die Spielwelt, sondern schiebt einen Ball vor sich her. Diese Bälle, die Glover in den 18 Levels des Spiels zum Ziel führen muss, sind eine alternative Form für die eingangs erwähnten Kristalle, die Glover wieder zurückbringen muss. In der Ballform sind sie nicht nur wesentlich stabiler, sondern nützen Glover auch bei der Fortbewegung und beim Lösen von Rätseln.

Glover ist ein ziemlich lineares Spiel, als dass die sechs Welten des Spiels in jeweils drei Level unterteilt sind, die nur in der korrekten Reihenfolge gespielt werden können und die jeweiligen Level wiederum einen linearen Hauptpfad besitzen. Dennoch gibt es auch einen gewissen Sammelanteil im Spiel, denn in jedem Level gibt es zwischen 50 und 80 Spielkarten zu sammeln. Sammelt man in einer Welt in allen drei Levels alle Spielkarten, so schaltet man hierdurch ein spezielles Bonuslevel frei. Allerdings sind die Karten teilweise schon ziemlich gemein versteckt. Mal muss man eine Wand, die nur schwerlich als rissig zu erkennen ist, einreißen, ein anderes Mal mit einem Propelleritem große Teile des Levels zurückfliegen um Karten zu sammeln, die zuvor nur anhand ihrer Schatten zu erkennen waren. Beim Verteilen der Sammelgegenstände ist viel Arbeit in die Überlegungen geflossen, wie man einzelne Karten möglichst fies verstecken kann, dem Spielspaß ist das aber nicht wirklich zuträglich.

Abgesehen von den Bonuslevels sind die Spielkarten aber nicht wirklich wichtig, man kann also auch einfach ohne sie zu beachten durch die Level spielen. Was Glover besonders auszeichnet ist die Spieldynamik mit dem Ball. Glover kann den Ball rollen, dribbeln, stoßen, werfen, auf dem Ball balancieren – dabei kehrt sich die Steuerung um und Glover kann sich so zum Beispiel auch auf Wasseroberflächen fortbewegen. All diese Aktionen sind mit einer relativ simplen, aber doch spielerisch fordernden Ballphysik begleitet, die selbst kleinere Aufgaben, wie das Erklimmen einiger Stufen, anspruchsvoller macht, als man es von 3D Jump & Runs gewöhnt ist. Die Entwickler geben dem Spieler durchaus genug Zeit, sich mit den Mechaniken vertraut zu machen, nach hinten heraus wird das Spiel aber ziemlich knackig und gewisse schwer zu kontrollierende Faktoren im Ballverhalten kosten den Spieler schnell das eine oder andere Leben. Wenngleich das Spiel halbwegs kulant mit der Vergabe von Extraleben umgeht, ist es manchmal ratsam, Leben zu sammeln, bevor man sich in ein unbekanntes Level wagt, denn im hinteren Spielverlauf ist der Verlust einer zweistelligen Zahl an Leben, dank bisweilen ziemlich biestigen Levelabschnitten gar nicht unüblich. Die Entwickler haben sich aber viel Mühe gegeben, interessante Spielaufgaben zu kreieren. Die fummelige Spielmechanik ist allerdings sicherlich nicht jedermanns Sache und das Endgegnerdesign ist eher nervig denn unterhaltsam.

Glover ist ein ungewöhnliches Spiel mit einer durchaus durchdachten Mechanik, das aber stellenweise auch reichlich Nerven kosten kann und nach hinten raus ziemlich schwierig wird. Besonders fatal für meine Spielerfahrung: Nach dem letzten Level habe ich mich schlafen gelegt um den Endgegner am nächsten Morgen zu besiegen. Leider hat ein kurioser Bug, der bei Glover in der N64-Version vorliegt, meinen Spielstand gelöscht. Es sei also zur Vorsicht geraten, wem die Finger nach Glover jucken. Schlussendlich sei außerdem vor der PlayStation-Fassung des Spiels gewarnt, die mit kuriosen Physik-Änderungen und Minimal-Framerate rundum missglückt ist.

 

Dieser Artikel ist Teil der Reihe „Yoshis Top 100 3D Jump & Runs“ – die laufend aktualisierte Bestenliste findet ihr in diesem Beitrag.

Sebastian hat eine ausgeprägte Vorliebe für Jump & Runs, zählt aber auch Action-Adventures und Arcade-Spiele zu seinen Lieblings-Genres. Haupta...
Wurde mir damals hintenrum zu unmotivierend und ich habe es dann nie durchgespielt.
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