GU on Tour: Computerspielemuseum in Berlin

Berlin – Stadt der Politik, der Kultur, der Buletten. Doch für Gamer lockt neben dem Brandeburger Tor, der Spree und dem Fernsehturm noch eine weitere Sehenswürdigkeit: das Computerspielemuseum. Bei meinem Ausflug in die Hauptstadt stand dieses Ausflugsziel ganz oben auf der Liste. Wie so ziemlich jede Ecke der Großstadt ist auch das Museum leicht mit dem öffentlichen Nahverkehr zu erreichen und dank des Kugelwillis über der Eingangstür und den bemalten Fenstern schon von weitem zu erkennen. Auch der Eingangsbereich mit dem thematisch passenden Mosaik und den bekannten Figuren stellt eindeutig klar, womit sich dieses Museum befasst.

Vielversprechend ist die Wall of Fame, auf der Fotos von bekannten Gesichtern der Industrie eingerahmt sind, welche das Museum bereits besucht haben. Darunter unter anderem Metal Gear-Schöpfer Hideo Kojima, Borderlands-Produzent Randy Pitchford, sowie Ed Fries, der maßgeblich an der Entwicklung der ersten Xbox beteiligt war. Nicht schlecht! Dementsprechend neugierig war ich auf das, was mich im Inneren des Museums erwarten würde.

Ein Blick zurück
Die Ausstellung beginnt mit einer Reise von den Anfängen des Mediums bis zu den 2010er-Jahren. Dabei wird zunächst ein Blick auf die ersten Spiel-ähnlichen Aktivitäten der Vergangenheit geworfen und erklärt, was die Menschen schon damals am Spielen begeistert hat. Außerdem wird an dieser Stelle der Schachtürke erläutert und frühe Formen künstlicher Intelligenz und virtuellen Lebens dargestellt. Schon hier freut man sich als Besucher, viele Ausstellungsstücke selbst ausprobieren- und anfassen zu dürfen. In Conways Game of Life ließ ich somit gleich mal ein paar Pixelfiguren über den Bildschirm tanzen, die ohne mein Zutun verschiedenste Abläufe tätigten. Das Pixel-Gewusel sah dem Berliner Großstadttrubel tatsächlich durchaus ähnlich!

Im Anschluss zeigt die Ausstellung Exponate, welche den meisten Lesern wohl vertraut sein dürften. Ihr könnt beispielsweise so ziemlich jede Heimkonsole aus nächster Nähe betrachten. Doch auch Spiele werden gewürdigt! Eine Wandinstallation aus Würfeln, bei der je ein Bestandteil für ein wegweisendes Spiel steht, hat mir besonders gut gefallen.

 

Mit einem Atari 2600-Controller kann der Besucher ein Fadenkreuz über die Wand manövrieren, das von einem Beamer auf diese projiziert wird. Verweilt ihr auf einem Würfel, wird ein informatives Video zum Computer-, beziehungsweise Videospiel abgespielt. Eine gute Möglichkeit, um sich einen Überblick zu verschaffen, oder die eigene Erinnerung aufzufrischen! Ein originaler Pong-Automat durfte zwar nicht benutzt werden, dafür darf sich der Besucher auf einem Nachbau mit Freunden und Familie messen.


Mein persönliches Highlight der Ausstellung ist die Nachbildung einer Arcade, also einer Spielhalle, in der man diverse Automaten-Klassiker ausprobieren darf. Glücklicherweise ist das Spielen umsonst, denn sonst würde man wohl – ganz wie in den Tagen ohne PlayStation 4 daheim – eine Münze nach der anderen in die Geräte werfen. Nach ein paar Runden Frogger und einem intensiven Duell in NBA Jam (das ich siegreich beendete, ist doch klar) ging es dann auch schon weiter in den nächsten Bereich der Ausstellung.

Produktion und Einflüsse des Mediums
Nach dem Spaß in der Arcade wird es wieder theoretischer. Ein großer Teil des Museums vermittelt mit Hilfe von Videostationen Information zur Produktion und dem Auftreten von Videospielen im Alltag. So könnt ihr beispielsweise erfahren, wie ein Videospiel entsteht und euch Konzept-Artworks anschauen. Weiterhin wird unter anderem erläutert, welche Rolle die Musik beim modernen Videospiel hat. Aber auch das Phänomen eSport, die Suchtgefahr des Mediums und die transmediale Verwendung für Machinima-Produktionen wie Red vs. Blue finden hier ihren Platz. Die Atari-Controller, welche ihr auf dem Foto sehen könnt, sind übrigens die Steuereinheiten für die zahlreichen Videostationen.

Experimentelles Spielen
Immer wieder trefft ihr beim Rundgang durchs Museum auch auf ausgefallene Exponate. Auf dem unten eingebundenen Foto ist nicht etwa der Bildschirm winzig, sondern der Controller riesengroß! Um den Geistern in Pacman zu entkommen, müsst ihr mit vollem Körpereinsatz den Steuerknüppel bedienen. Leider defekt war die so genannte Painstation. Der Verlierer beim Pong-Duell bekommt von dieser Maschine einen Stromschlag, verbrannte Finger oder einige Hiebe auf den Handrücken. Autsch! Ob sich Sony, Microsoft oder Nintendo das Patent bereits gesichert haben?

Wechselnde Sonderausstellungen
Damit es beim mehrfachen Besuch nicht langweilig wird, bietet das Computerspielemuseum auch wechselnde Sonderausstellungen. In der Gamestation wird jeden Monat ein neues Videospiel, basierend auf Besucher-Vorschlägen, vorgestellt. Selbstverständlich darf es dann auch gleich getestet werden. In meinem Fall war gerade Night into Dreams auf dem Sega Saturn Teil der Ausstellung. So richtig retro wurde es in der Ausstellung „Aufschlag Games. Wie die digitalen Spiele in unser Leben traten“. Wer also so wie ich in den 90er-Jahren, oder später, geboren wurde, darf hier am eigenen Leib erfahren, wie man früher Videospiele im eigenen Wohnzimmer, Kinderzimmer oder Büro gezockt hat. Zu guter Letzt bot „20.000 Pixel unter dem Meer“ eine Reihe von Wasser-basierten Spielen zum ausprobieren. Neben Endless Ocean auf der Wii durfte ich auch diverse NES-Klassiker anspielen.

Eine Reise wert?
Nach gut zwei Stunden verließ ich das Computerspielemuseum. Und hat es sich gelohnt? Ja, durchaus! Zwar war mir als langjährigem Zocker so einiges bereits bekannt, aber die Reise durch die Geschichte der Computer- und Videospiele bot auch einige neue Erkenntnisse. Und selbst wenn ich wirklich nichts neues dazu gelernt hätte: Nachdem ich erfahren habe, wie es war auf einem flackernden Röhrenbildschirm Commodore 64 zu spielen, weiß ich meine Xbox One und den HD-TV umso mehr zu schätzen! Zu finden ist das Computerspielemuseum in der Karl-Marx-Allee 93a. Der Besuch ist durchaus auch bei einem schmalen Reisebudget möglich. Acht Euro kostet der Eintritt standardmäßig. Studenten, Schüler und Auszubildende zahlen ermäßigt lediglich fünf Euro. Aufgrund des insgesamt doch recht begrenzten Platz würde ich einen Besuch unter der Woche empfehlen. Alle weiteren Informationen, etwa zu aktuellen Sonderausstellungen, könnt ihr bei Interesse auf der Webseite des Computerspielemuseums einsehen.

screen_gu-on-tour-computerspielemuseum-in-berlin_06

Ein Gruß im Gästebuch durfte natürlich nicht fehlen!

Verfasst von
Action-Spiele und Shooter aller Art sind Roberts Fachgebiet. Zwischendurch darf es aber auch gerne ein Spiel mit spannender Story und dichter Atmosphäre sein. Wenn er nicht gerade auf Xbox Live unterwegs ist, verfasst er bestimmt Artikel und News für Gaming-Universe.

Deine Meinung?

0 0

Hinterlasse einen Kommentar

2 Kommentare auf "GU on Tour: Computerspielemuseum in Berlin"

Benachrichtige mich zu:
Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung
Arino
Mitglied

Ich war auch schon einmal mit zwei Freunden dar, und wir konnten sogar die Painstation spielen…Ein Erlebnis, das man nicht vergisst! War auch überraschend spaßig^^.

Spider Karim
Editor

Wenn ich mal wieder in Berlin bin, schaue ich da auch vorbei. Wir hatten dieses Jahr in Frankfurt zumindest eine Ausstellung im Filmmuseum zum Thema Film & Games. ^^

wpDiscuz

Passwort vergessen

Bitte gib hier deinen Benutzernamen oder deine E-Mail-Adresse an. Du wirst einen Link per E-Mail erhalten, um ein neues Passwort zu erstellen.