Halo Wars 2 Test

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7.5

Gut

8.9

Leserhype

Zwar veröffentlicht Microsoft in diesem Jahr keinen neuen Shooter mit dem Master Chief in der Hauptrolle, aber ganz ohne neue Geschichten aus dem Halo-Universum müssen Xbox One-Spieler dennoch nicht auskommen. Mit Halo Wars 2 werden gleich zwei Ideen fortgeführt: Einerseits wird die Geschichte um die Crew der Spirit of Fire nach acht Jahren unserer Zeit und 28 Halo-Jahren weitergesponnen. Andererseits unternimmt Microsoft diesmal gemeinsam mit Creative Assembly den Versuch, das Echtzeitstrategie-Genre auf Konsole groß rauszubringen. Um zu erfahren, ob beide Vorhaben gelungen sind, ist es taktisch klug, den folgenden Test zu lesen.

Die Ereignisse vom Strategiespiel Halo Wars aus dem Jahr 2009 fanden noch vor dem ersten großen Abenteuer von John-117 statt. Am Ende des Spiels begaben sich Captain Cutter und der Rest seiner Mannschaft in einen 28 Jahre andauernden Cryoschlaf. Ohne Wissen über den Sieg der Menschheit über die Allianz, oder den galaktischen Terror der Guardians, wachen sie nun in einer fremden Galaxie auf und stellen fest: ein Teil der Alienbande wurde übersehen. Denn auf der Arche, also der riesigen Blutsväter-Installation, auf der die Halo-Ringe gebaut wurden, hat es sich eine radikale Splitterfraktion der Covenant gemütlich gemacht. Unter dem Kommando des Brute-Häuptlings Atriox bedrohen die Banished nun die Erde. Cutter kann dem Treiben natürlich nicht tatenlos zusehen und entscheidet sich, trotz deutlich geschwächter Besatzung, den Kampf aufzunehmen.


Wer an dieser Stelle schon angesichts von Begriffen wie Covenant, Blutsväter und Arche ahnungslos vor dem Bildschirm sitzt, dürfte zumindest von der Story des Spiels nicht abgeholt werden. Ganz klar, hier wird viel Fanservice betrieben und wer eben nicht mit der Lore von Halo vertraut ist, kann den Details der Geschichte nicht folgen. Die bildgewaltigen Zwischensequenzen vom Animationsstudio Blur sind aber wieder einmal sehr gelungen und dürften selbst Gelegenheits-Galaxieretter ansprechen. Viel mehr Worte des Lobes kann ich an dieser Stelle aber nicht verlieren. Die Story ist insgesamt gut genug, um die Missionen in einen größeren Kontext einzubetten, aber gerade das abrupte Cliffhanger-Ende macht den Eindruck, dass hier nicht das volle Potential des Spiels ausgeschöpft wurde. Zumal der im Vorfeld der Veröffentlichung groß beworbene Atriox, nach einem zugegebenermaßen beeindruckenden Auftritt zu Beginn des Spiels, leider nur noch in Form von Audioübertragungen in Erscheinung tritt.

Die Rückeroberung der Arche soll mit einer Reihe von abwechslungsreichen Einsätzen gelingen. Bei einem Auftrag stehen euch nur ein Spartan und eine Handvoll Marines zur Verfügung, ein anderes Mal dürft ihr euch gleich mehrere Basen errichten und verwalten, um die Banished in die Flucht zu schlagen. Doch nicht immer seid ihr in der Offensive. Um Monotonie zu vermeiden, gibt es auch Missionen, die eure Defensivfähigkeiten und das Geschick beim Aufstellen von Geschütztürmen auf die Probe stellen. Zusätzliche Spieltiefe bringen die Anführer-Fähigkeiten mit sich, welche jeweils mit einem Cooldown versehen sind. Cutter kann in ruhigen Momenten beispielsweise angeschlagene Soldaten heilen, oder mitten im Gefecht ein Bombardement anfordern. Fans dürfen sich zudem darüber freuen, dass auch die ODST-Spezialeinheiten per Knopfdruck aus dem Orbit direkt aufs Schlachtfeld gefeuert werden. Apropos Fanservice: Für Liebhaber von Microsofts Sci-Fi-Franchise ist es eine wahre Freude, die liebgewonnenen Einheiten und Fahrzeuge in Miniaturgröße über den Bildschirm wuseln zu sehen. Wenn hier Banshees auf Hornets treffen, verzeiht jeder Spieler mit Faible für Cortana und Co. die meisten Schwachpunkte des Spiels.

Creative Assembly haben Wert daraufgelegt, die Möglichkeiten der Echtzeitstrategie auszuschöpfen. Während das Missionsdesign zwar insgesamt unterhaltsam ist – das Genre als solches aber kaum innoviert – ist die Umsetzung auf den Controller die große Stärke von Halo Wars. Wie schon im Vorgänger ist sowohl das Spieldesign, als auch die Steuerung selbst, komplett auf das Gamepad ausgelegt. Die Grundlagen sind dabei denkbar simpel: Die Auswahl von Einheiten erfolgt über die A-Taste und das Kommando zum Angriff über die X-Taste. Shortcuts auf dem Steuerkreuz, sowie dem rechten Bumper erlauben es euch ganze Einheitengruppen auf einmal auszuwählen, oder zwischen zentralen Punkten auf der Karte hin- und herzuspringen. Während das Zuteilen von Einheiten auf Gruppen im ersten Teil noch schmerzlich vermisst wurde, ist dies nun endlich möglich. Für Halo Wars-Veteranen ist das Kontrollschema gleich vertraut – alle anderen dürften nach einer kurzen Eingewöhnungszeit überrascht sein, wie gut ein klassisches RTS auf Konsole funktionieren kann. Kompromisse hinsichtlich der Komplexität werden für das Xbox-Publikum aber dennoch gemacht. So ist das Errichten von Gebäuden und anderen Strukturen beispielsweise nur an festgelegten Orten möglich. Strategiespiel-Experten dürften also in Halo Wars 2 schneller an die Grenzen der Möglichkeiten stoßen, als dies bei den Genrekönigen auf dem PC der Fall ist. Andererseits werden Anfänger so auch deutlich seichter an die Tücken dieser Art von Spiel herangeführt. Dafür sorgen auch die übersichtlichen Radial-Menüs, welche das Verwalten eurer Basen angenehm flott von der Hand gehen lassen.


Der umfangreiche Multiplayer-Aspekt des Spiels weiß weitestgehend zu überzeugen. Das Stein-Schere-Papier-System der Einheiten funktioniert zeitlos gut und wird durch Counter-Einheiten aufgebrochen. Grundsätzlich sind Fahrzeuge wie der Scorpion-Panzer effektiv gegen Fußsoldaten, aber anfällig gegenüber Lufteinheiten, welche wiederum mit Raketenwerfern von Marines schnell aus dem Himmel geholt werden. Wenn es gegen andere Spieler zur Sache geht, muss das Micromanagement und die ideale Reihenfolge der Bauten sitzen! Im klassischen Deathmatch stellen sich einzelne Generäle oder gleich ganze Teams auf einer Karte üppigen Materialschlachten, welche andauern, bis auch das letzte Gebäude eines Teams zerstört ist. In Dominanz werden für das Halten von zentralen Orten auf der Karte Punkte verteilt, welche euch Schritt für Schritt dem Sieg näherbringen. Der Ausbau eurer Basis spielt hier eher eine sekundäre Rolle, da es zielführend ist, möglichst schnell die Map unter eure Kontrolle zu bringen. Ein ähnlicher Spielmodus geht sogar noch einen Schritt weiter und versorgt euch mit unendlichen Ressourcen. Das hohe Spieltempo von Beginn einer jeden Partie an klärt schnell, wer seine Truppen effektiver unter Kontrolle hat.


Der wohl ungewöhnlichste Neuzugang heißt Blitz und erfordert ganz eigene Herangehensweisen. Statt eure Armee in Gebäuden auszubilden, hat jeder Spieler ein Sammelkarten-Deck, mit dem Einheiten direkt auf das Schlachtfeld teleportiert werden. Auch hier müssen mindestens zwei von drei Zonen über eine bestimmte Zeitspanne unter Kontrolle gehalten werden, um siegreich aus der Schlacht zu kehren. Damit nicht gleich zu Spielbeginn die mächtigsten Einheiten beschworen werden, wird jedem Spieler in bestimmten Abständen Energie zugeteilt. Die Rate, mit der man mit dieser notwendigen Ressource ausgestattet wird, kann durch das Aufsammeln von regelmäßig erscheinenden Items beschleunigt werden. Nur wer zum richtigen Zeitpunkt seine Karten ausspielt und das Geschehen auf der Karte im Auge behält, kann hier gewinnen. Grundsätzlich funktioniert dieser Spielmodus – auch in der Feuergefecht-Variante gemeinsam mit einem Freund gegen die KI – ziemlich gut. Schade ist jedoch, dass die mangelnde Anzahl an Maps, sowie das mögliche Erwerben von Boosterpacks durch Echtgeld, auf Dauer den Reiz nehmen könnten.

Gut

  • gelungene Umsetzung des komplexen Genres auf Konsole
  • viel Fanservice
  • abwechslungsreiche Multiplayer-Optionen
  • mehr Möglichkeiten als der Vorgänger

Schlecht

  • eher schwache Story
  • macht wenig neu im Vergleich zum Vorgänger
  • weniger Komplex als die besten Titel des Genres

Fazit

Insgesamt ist Halo Wars 2 ein ziemlich gutes Spiel. Auch wenn sich in den acht Jahren seit dem ersten Teil nicht viel getan hat, funktioniert das Spielprinzip noch immer. Ein besseres Echtzeitstrategiespiel dieser Art werdet ihr auf der Xbox One nicht finden. Wenn ihr mit dem Genre etwas anfangen könnt und euch nicht an der enttäuschenden Story und den genannten Schwächen stört, kann ich euch das Spiel ans Herz legen. Gerade Halo-Fans dürften mit Halo Wars 2 ihre Freude haben.
7.5

Gut

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3 Kommentare auf "Test"

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Valet
Editor

Schöner Test. Fand die Demo zum ersten Teil damals okay, aber Strategie interessiert mich seit Age of Empires 2 leider nicht mehr. Die alljährlichen Anno-Skin-Updates haben mir das Genre vermiest. Eigentlich will ich nur ein echtes AoE3 mit Rittern :/

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