Kritiken

Harvest Moon: Das verlorene Tal im Test

Bei diesem irren Wetter wünscht man sich doch nichts sehnlicher, als ein wenig Abkühlung. Als tragende Hauptfigur in Harvest Moon: Das verlorene Tal (Engl.: The lost Valley), entwickelt von Tabot Inc., muss man sich erst einmal durch Schneestürme und verschneite Felder ackern, bevor die Jahreszeiten wieder richtig einkehren können. Ein krasserer Unterschied zwischen Realität und virtueller Unterhaltung geht fast nicht mehr. Aber wie erfrischend ist dieser Ableger der erfolgreichen Simulationsreihe wirklich? Zieht euch warm an und lest es im nachfolgenden Test.

Der Albtraum beginnt
Wie in jedem Vorgänger schon zuvor, wählt man einen Charakter, der seinen Wünschen entspricht. Hier ist es mit der Auswahl des Geschlechts und dem Namen schon getan und man wird direkt mitten im Nirgendwo abgesetzt. Es ist nicht ganz klar, warum man sich an einem solch tristen, verschneiten und unwirtlichen Ort befindet und es wird auch im weiteren Verlauf nicht aufgeklärt. Man findet schnell eine kleine, voll möblierte Hütte und läuft einer unbekannten Stimme hinterher.

Sprich mit den anderen Charakteren, um die Beziehung zu stärken.
Sprich mit den anderen Charakteren, um die Beziehung zu stärken.

Bis hierhin könnte es sich auch locker um ein Intro eines Horrorfilms handeln, aber dafür ist die Grafik viel zu niedlich. Nachdem man der unbekannten Stimme gefolgt ist und sich an den Werkzeugen bedient hat, die in der Hütte hübsch aufgereit drapiert wurden, kann man nun anfangen Schnee zu schippen. Ja, doch, wirklich. Schippt man genug Schnee, befreit man den ersten Erntewichtel. Ein seltsames Geschöpf, was an einen kleinen Pikmin erinnert und sich freut, sich nicht selbst helfen zu müssen. Der Wichtel erzählt dem Spieler nun die tragische Geschichte vom Verschwinden der Quellgöttin, welche normalerweise die Jahreszeiten aufrecht erhält. Ihr Verschwinden erklärt nun den anhaltenden Schnee und die Kälte und, warum sich in diesem Tal keine einzige Menschenseele befindet. Das lässt sich aber ganz einfach ändern: Die verschiedenen Aktionen wie Angeln, Samen pflanzen, Gemüse ernten usw. wecken auch andere Erntewichtel und mit ihnen zusammen kann man nun versuchen der Quellgöttin zu neuen Kräften zu verhelfen.

Nun sollte an dieser Stelle ganz klar betont werden, dass es zwar technisch gesehen ziemlich einfache Handgriffe sind, man aber viele Stunden investieren muss, um überhaupt ansatzweise in der Story voranzuschreiten. Das ist nicht nur unheimlich frustrierend, sondern auch unglaublich langweilig. Die Erntewichtel sollten dem Spieler zwar eigentlich auch bei den verschiedenen Aufgaben helfen, jedoch beansprucht das um Hilfe bitten genauso viel Zeit, wie wenn man beispielsweise alle Blumen selbst gießt. Nach etwa 15 Stunden Spielzeit hat man immerhin 10-12 andere Charaktere ins Tal gelockt, die allerdings nur an bestimmten Tagen und zu bestimmten Zeiten ansprechbar sind. Diese Charaktere sind unter anderem Händler, Schmiede und Bauern, mit denen man oft interagieren sollte, um wenigstens einen winzigen Fortschritt im Spiel zu erzielen. Über den Milchbauern kommt man beispielsweise an Hoftiere, die wiederum für einige Ressourcen sorgen, die dann weiterverarbeitet oder verkauft werden können. Das ist alles nicht sehr innovativ und auch wirklich den Vollpreis des Spiels nicht wert. Eine Neuerung gibt es jedoch: Das Geschehen spielt sich nun auch in der dritten Dimension ab. Das bedeutet, dass man nun auch verschiedene Ebenen im Spiel hat und diese verändern kann. Eine Neuerung, ja, aber eine sehr mickrige. Denn zum Schaufeln hat man, wenn man sich gut um seine Felder und die Interaktion mit den wenigen Charakteren kümmern möchte, überhaupt keine Zeit. Höchstens, wenn es mal wieder schneit, denn dann spart man sich wenigstens das Gießen. Ein weiteres Story-relevantes Feature, welches ein jeder Harvest Moon-Fan bereits kennen sollte, ist die Möglichkeit zu heiraten und dann auch ein Kind in die Welt zu setzen. Diese Möglichkeit gibt es auch weiterhin, jedoch sind wir im Test nicht so weit gekommen. Und glaubt uns, wenn wir sagen, dass wir es versucht haben.

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Neue Ideen sucht man in diesem Spiel vergeblich

Links, rechts, links, und jetzt noch ein kleines Stückchen…
Das ganze würde sicherlich viel mehr Spaß machen, wenn man sich nicht ständig über die miese Steuerung aufregen müsste. Die Kamera wird mit den Schultertasten gesteuert und ist das einzig wirklich gut funktionierende Feature. Übergänge zwischen den Ebenen wirken extrem ruckelig und beim Bereiten der Felder darf man das Schiebepad nur minimal in eine Richtung antippen, damit man nicht sofort übersteuert und wieder korrigieren muss. Es gibt zwei verschiedene Möglichkeiten zu laufen: Gehen und rennen. Da man aber mit nur minimaler Betätigung des Schiebepads schon in einen Sprint übergeht, hätte man sich das normale Gehen auch sparen können. Wer aber auf Krämpfe in den Fingern steht, kann es ja mal ausprobieren und es vielleicht sogar schaffen aus einem lagweiligen Spiel ein noch langweiligeres Hobby zu generieren.

Das Auge für´s Detail war offenbar blind
Optisch lässt sich ebenfalls nicht sehr viel Gutes sagen. Auf dem unteren Bildschirm wird die Karte des Tals angezeigt, auf welcher sich auch die verschiedenen Ebenen abzeichnen. Auf dem oberen Bildschirm spielt sich dann das Hauptspiel ab. Und das recht lieblos. Ja, es ist niedlich, aber das sind auch frisch geschlüpfte Vogelbabys auf ihre eigene, schräge Weise. Läuft man auf ein großes Stück Land zu, auf dem viele Bäume oder bepflanzte Felder zu finden sind, so poppen diese Bäume und Pflanzen erst nach und nach auf.

Das Feld zu bereiten sieht einfacher aus als es ist.
Das Feld zu bereiten sieht einfacher aus als es ist.

Aber immerhin bleibt auch dieser Aspekt in der Wirkung den anderen Aspekten des Spieles treu: Es ist immer wieder für eine grausame Spielerfahrung gut. Nicht einmal musikalisch kann Harvest Moon – Das verlorene Tal noch etwas reißen. Nach kurzer Zeit freut man sich, wenn es im Spiel auf den Abend zugeht, da dann das nervtötende Gedudel, das sich Hintergrundmusik nennt, endlich zu spielen aufhört und die Spielwelt in Stille gehüllt wird.

Harvest Moon – Das verlorene Tal ist eine unglaublich erschütternde Enttäuschung für Fans der Reihe. Diejenigen, die noch nie einen Ableger der Reihe gespielt haben, dürften es schlicht als langweilig oder schlecht gemacht abstempeln. Aber allen anderen wird auffallen wie unsauber die Grafik, wie lahm das Pacing, wie langweilig und eintönig das Gameplay, wie frickelig die Steuerung und wie lieblos das Spiel daherkommt. Ich kann an dieser Stelle einfach nur entscheidend vom Kauf des Spiels abraten und trauere um die Zeit, die ich mit diesem Titel verschwendet habe.