Kritiken

Hometown Story im Test

Als geborener Städter mag das Leben in einem winzigen beschaulichen Dorf langweilig erscheinen. Jeden Tag sieht man die gleichen Leute und von fetzigen Partys fehlt jede Spur. Manchmal sehnt man sich aber vielleicht nach genau dieser Gemächlichkeit ohne jede Hektik. Das dachte sich wohl auch der geistige Vater der Harvest Moon-Reihe, Yasuhiro Wada, und erfüllte sich laut eigener Aussage mit der Entwicklung der Dorf- und Händlersimulation Hometown Story für den Nintendo 3DS einen Lebenstraum. Ob wir uns im virtuellen Kaff gut erholt und amüsiert oder doch eher zu Tode gelangweilt haben, lest ihr in unserem Test.

„Omi ist nicht mehr da…“
Eines Tages erhaltet ihr von einem unbekannten Absender die traurige Nachricht über den plötzlichen Tod eurer Omi. Als wäre das nicht schon schlimm genug bittet euch der Unbekannte den Posten als neuer Ladenhüter von Omis Gemischtwarenladen anzutreten. Dort läuft nämlich seit ihrem Ableben alles drunter und drüber und auch die Dorfbewohner des kleinen Heimatörtchens eurer Großmutter sind auf eure tatkräftige Unterstützung angewiesen. Kurzerhand macht ihr euch also auf in jenes namenlose Dorf, in welchem ihr bereits eure Kindheit verbracht habt, und versucht den Laden wieder auf Vordermann zu bringen.

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Wahlweise als Junge oder Mädchen tretet ihr in die Fußstapfen eurer Omi und seid nun zusammen mit dem sprechenden mäuseartigen Wesen Pochikal – dieses hat euch übrigens die Nachricht zukommen lassen – dafür verantwortlich, dass der sprichwörtliche Rubel auch rollt. Um potentiellen Kunden Waren zu präsentieren, müsst ihr sie zuallererst auf einem Tisch platzieren. Dabei gilt jedoch realitätsfernerweise unabhängig von Größe und Gewicht eines Artikels: Ein einzelner Gegenstand pro Tisch. Auch den Preis könnt ihr ausgehend von einem Grundpreis selbst bestimmen. Da jeder Bewohner nicht nur seine individuellen Vorlieben besitzt, sondern auch über ein unterschiedlich hohes Budget verfügt, solltet ihr also genau überlegen, welche Waren ihr auslegt und wie viel Geld ihr für einen Artikel verlangt. Das komplette Waren-Management spielt sich auf dem Touchscreen ab, auf welchem ihr gleichzeitig auch einen Überblick über die verfügbaren Waren, Tische und Dekorationsmöglichkeiten erhaltet. Wer jetzt allerdings eine eingängige und intuitive Menü-Steuerung, wie beispielsweise in Animal Crossing: New Leaf, erwartet, der wird schnell enttäuscht werden. Sind erstmal Kunden eingetrudelt, offenbart sich das Hauptproblem, denn da das Antippen auf dem Touchscreen nicht ausreicht, sondern auch noch der A-Knopf zum Hervorholen und Wegstecken eines Gegenstands betätigt werden muss, passiert es nicht selten, dass bei der Unterhaltung mit einem der Kunden versehentlich ein Verkaufsobjekt weggeräumt wird. Das ist gerade deshalb ärgerlich, weil oft nur wenig Zeit bleibt bevor ein Kunde den Laden ohne etwas gekauft zu haben wieder verlässt.

Wollt ihr den Laden wirklich erfolgreich führen, lohnt es sich einmal einen Schritt nach draußen zu wagen. So könnt ihr entweder potentielle Verkaufsware selbst vom Boden aufsammeln, Fische an ausgewählten Stellen angeln oder euch mit anderen Dorfbewohnern austauschen und an Informationen oder seltene Gegenstände gelangen. Ihr seid dabei völlig frei in euren Entscheidungen. Dies mag sich zwar einem Spielkonzept anhören, welches Genre-Vertretern, wie dem bereits erwähnten Animal Crossing, nicht unähnlich ist, jedoch wirkt das ganze Dorf sehr leer und größtenteils trostlos. Daran ändern auch die in Zwischensequenzen vorgestellten Neuankömmlinge nicht viel, welche ab bestimmten Ingame-Spieltagen auftauchen. Die Entscheidungsfreiheit, die das Spiel einem überlässt, ist ebenfalls Fluch und Segen zugleich. Viele Ereignisse findet man allenfalls zufällig heraus, sodass es nahezu unmöglich ist, manche der seltenen Gegenstände ohne die Zuhilfenahme einer Spielehilfe zu erhalten. Die Gespräche mit den NPC-Charakteren sind hierfür leider auch nicht wirklich hilfreich.

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Bonbonlook gepaart mit bezaubernden Klänge
Hometown Story präsentiert sich wie schon die zahlreichen Ableger der Harvest Moon-Reihe in einer knallbunten Optik mit zuckersüßen Charakteren im Chibi-Manga-Stil. Der 3D-Effekt wurde vom Entwickler Toybox sehr gut ins Spiel implementiert und sorgt vor allem in den Zwischensequenzen für ein noch hübscheres Spielerlebnis. An den Animationen hingegen hätte durchaus noch gefeilt werden dürfen. Es sieht daher eher unfreiwillig komisch aus, wenn sich die NPCs neben euch wie auf einer Art Laufband fortbewegen. In wenigen Fällen traten auch massive Grafikfehler auf, welche auch mit einem Absturz des Spiels einhergehen konnten. Für die klangliche Untermalung des Dorftreibens wurde dagegen eine wahrhafte Koryphäe engagiert. Nobuo Uetmatsu, der bereits für die Final Fantasy- und Blue Dragon-Spiele Kompositionen beisteuerte, zeigt auch hier mit vielen sanften traumhaften Melodien, dass er sein Fach meisterhaft beherrscht. Nur etwas mehr Stücke hätten es dann doch sein dürfen.

Wie bewertet man ein Spiel, das das wahre Leben virtuell simuliert? Zunächst schafft es Hometown Story gut die Atmosphäre des ruhigen Dorflebens einzufangen. Spielerisch hat der Titel dann allerdings nur sehr wenig zu bieten. Der Job als Verkäufer ödet relativ schnell an und sorgt dank der recht fummeligen Steuerung darüber hinaus für Frust. Eine Hilfestellung bei der Bewältigung von Aufgaben wäre oft auch von Vorteil gewesen. Planloses Herumgeirre steht daher an der Tagesordnung. Nur die knuddelige Grafik und der malerische Soundtrack von Hometown Story wissen wirklich zu überzeugen. Wer nach einer Lebenssimulation mit längerfristigem Spielspaß sucht, greift besser gleich zu Animal Crossing, welches darüber hinaus auch mit mehreren Leuten gemeinsam gespielt werden kann.

Zu einem guten Plattformer sagt Karim selten nein, aber auch epische Rollenspiele fesseln ihn vor den Bildschirm. Im öffentlichen Nahverkehr vergnügt er sich auch gerne mit kurzweiligen Puzzlern – Mobile-Gaming auf dem Nintendo 3DS ist seine absolute Leidenschaft. Zuhause angekommen, kümmert sich Karim um Datenbankpflege oder versorgt euch mit aktuellen News und Anspielberichten.