Kritiken

Hyrule Warriors im Test

The Legend of Zelda Fans dürfen sich derzeit doppelt freuen. Nicht nur wird im Laufe des nächsten Jahres ein komplett neuer Teil der Hauptreihe für die Wii U erscheinen, sondern Nintendo bringt schon diese Woche ein ganz besonderes Experiment in die Läden. Mit Hyrule Warriors erwartet den Spieler einen Action-Schnetzler, bei dem sich bekannte Zelda-Charaktere durch hunderte von Gegnern hindurchschnetzeln. Dabei sind die Warriors-Spiele allerdings auch für ein eher eintöniges Spielprinzip bekannt, das dennoch eine gewisse Faszination auslösen kann. Ob sich die Prügelei durch Goronen, Bokblins und die hylianische Armee lohnt, haben wir für euch herausgefunden!

Hyrule in Gefahr
Nehmen wir direkt den Day-1-Patch dazu, dann haben wir zu Beginn Zugriff auf vier verschiedene Modi, wobei wohl die meisten sich zunächst auf den Legenden-Modus stürzen werden, indem wir die Geschichte von einem Kadetten der hylianischen Armee namens Link erleben, der sich in einer Schlacht, als Schloss Hyrule angegriffen wird, wacker schlägt und einen Großteil der von der mysteriösen Cia aufgestachelten Truppen zurückschlagen kann. Dann passiert das unvermeidliche: Prinzessin Zelda ist auf einmal verschwunden! Impa beschließt dabei, dass Link ihnen bei ihrer Suche eine große Hilfe sein könnte und merkt auch, dass mehr in ihm steckt, als es auf den ersten Blick scheint. So überreicht sie ihm die traditionelle, grüne Tunika – das Gewand des Helden von Hyrule – und bittet ihn, ihr bei der Suche nach der Prinzessin zu helfen. Nach mehreren Leveln spaltet sich schließlich die Geschichte – sollen wir mit Shiek und Imp zum Todesberg reißen und den verrückt gewordenen Darunia besänftigen? Die Schattenebene aus Twilight Princess erkunden, um Midna davon zu überzeugen, dass sie sich besser uns anschließt oder soll es doch lieber der Wolkenhort aus Skyward Sword sein, in der wir mit der Hilfe von Phai Ghirahim bezwingen?

Action nach dem üblichen Musou-Schema
Aber die Charaktere können nicht über das wesentliche hinwegtäuschen: Hyrule Warriors ist ein lupenreiner Warriors-Titel, von dem, was die Zelda-Reihe ausmacht, ist hier sogut wie gar nichts übrig geblieben. Auf dem Schlachtfeld steht ihr unzählige von kleinen Gegnern gegenüber, die bestenfalls als Kanonenfutter dienen und sich oftmals nichtmal wehren, wenn ihr mit einem kurzen Druck auf den B-Knopf eure Klinge durch deren Fleisch gleiten lasst. Oder, sobald sich nach mehreren Angriffen eure Spezialangriffsleiste gefüllt hat, mit einem mächtigen Spezial-Rundumschlag gleich Dutzende von Ihnen auf einmal ins Jenseits befördert. Manche Gebiete sind dabei von den feindlichen Truppen bereits eingenommen worden – um diese zurückzuerobern muss man sich zunächst einmal in jenes Gebiet vorkämpfen und dann dort solange Bokblins zu Boden strecken, bis eine Leiste am rechten Bildschirmrand, die den Einflussgrad der Feinde in jenem Gebiet zeigt, komplett geleert wurde. Erst dann erscheint ein Offizier auf der Bildfläche – habt ihr auch diesen mit ein paar wenige Schwerthieben kampfunfähig gemacht, so ist das Gebiet fortan eures.
Die absoluten Gegner-Highlights sind dabei aber die kolossalen Monster, die wir ebenso aus der Zelda-Hauptreihe kennen. Dass man König Dodongo mit Bomben schwächen kann, um ihm mit dem Schwert den Gnadenstoß zu geben, das wissen wir schon seit dem allerersten NES-Teil. Auch Manhandla kenne ich schon aus diversen Zelda-Teilen und versuche es aus alter Gewohnheit zunächst einmal mit Bomben. Fehlanzeige. Aber mit dem richtigen Timing und dem Boomerang schaffen wir es ganz schnell unseren Widersacher zu erledigen. Oracle of Seasons lässt grüßen. Und auch andere beugen sich schnell ihren Schwachstellen. Außerdem stellen sich natürlich auch so manche typische Zelda-Fieslinge dem Spieler in den Weg, die dabei natürlich noch so einiges mehr einstecken und auch richtig austeilen können.

Auch auf Hyrules Schlachtfeldern zeigt Link wahre Größe.
Auch auf Hyrules Schlachtfeldern zeigt Link wahre Größe.

Gemeinsam ist man stärker
Auf einer Karte, die ständig am rechten Bildschirmrand dargestellt wird, sieht man stets, wie die Schlacht derzeit verläuft und wo man als nächstens am Besten gebraucht wird, wobei auf dem Gamepad das nächste Missionsziel eingeblendet wird. Dabei muss man nicht nur auf die eigene Gesundheit achten, auch so manches Gebiet darf für einen erfolgreichen Missionsverlauf nicht in feindliche Hände geraten und auch (bestimmte) Mitstreiter müssen auf jeden Fall überleben. Ständig unter Zeitdruck erhöht das Spiel vor allem auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad ordentlich das Adrenalin, was dem Spiel seinen Reiz und einen richtig guten Spielfluss verleiht. Entschlacken lässt sich das, indem man einen zweiten Spieler auf den Plan ruft, da man so dadurch an zwei Orten zugleich sein kann, um die Schwierigkeiten von zwei Fronten zugleich zu dezimieren, wobei sich ein Spieler auf den Bildschirm und einer auf das Gamepad konzentriert. Ein Splitscreenmodus wird leider nicht angeboten. Aber egal ob man allein oder zu zweit an die Sache herangeht – es dauert keine zehn Stunden, bis man den Abspann erreicht hat.

Stück für Stück zu einem stärkeren Krieger
Ebenso typisch für die Warriors-Spiele ist, dass man seinen Charakter auf verschiedenste Weisen trainieren und weiterentwickeln kann. Dabei findet man auf dem Schlachtfeld immer wieder Waffen, Upgrades für besondere Items wie die Bomben und bekommt von feindlichen Offizieren Materialen. Aus diesen gesammelten Rohstoffen kann man für jeden der spielbaren Charakteren Orden schmieden, die dem Charakter neue Fähigkeiten verleihen, wie neue Komboangriffe, weniger Schaden durch bestimmte Elemente oder schnelleres Einnehmen von Gebieten. Um allerdings einen Charakter dadurch maximal aufzuleveln, muss man schon einiges an Spielzeit investieren und auch besonders bestimmte Bossgegner immer und immer wieder niederstrecken. In der Schmiede kann man hingegen seine Waffen ein gutes Stück verstärken, indem man die Fähigkeiten von einer auf eine andere Waffe mit einem freien Slot überträgt, um diese zu stärken. Auch kann man im Dojo die gesammelten Rubine in die Ausbildung eines Charakters investieren und sich somit Level-Ups erkaufen.

Ist Midna Freund oder Feind?
Ist Midna Freund oder Feind?

Jeder Bokblin zählt!
Doch der Legendenmodus ist nicht alles – im freien Modus kann man erneut die Storymissionen nachspielen, doch hier seinen Charakter aus allen dreizehn komplett frei wählen. Im Herausforderungsmodus, der erst kurz vor Release hinzugefügt wurde, muss man binnen eines strammen Zeitfensters bestimmte Aufgaben bewältigen, wie etwa binnen von fünf Minuten 500 Gegner besiegen oder innerhalb der gleichen Zeit 300 Feinde per Spezialangriff niedermähen. Jede Aufgabe wird dabei mit einem Rang bewertet, wobei der Schwierigkeitsgrad im Gegensatz zur Hauptkampagne noch einmal ordentlich anzieht. Und dann wäre da noch der Abenteuer-Modus, in dem man auf der 128 Zellen großen Karte des NES-Erstlings auf jedem dieser Felder verschiedene Aufgaben erledigen muss, die selbstverständlich wieder das gleiche stupide Massenmetzeln aus dem Hauptspiel erfordern. Als Belohnung für ein absolviertes Level erhält man hin und wieder bekannte Items, wie die Kerze, um auf der Oberwelt Geheimnisse aufzudecken. Außerdem wird auch ein Rang verliehen, der die Leistung anhand von der beötigten Zeit und der Anzahl von besiegten Feinden, bewertet. Dabei sind hohe Ränge erforderlich, um Herzcontainer, neue Waffen und benachbarte Felder freizuschalten. Um hier wirklich alles freizuschalten, ist also überall ein A-Rang notwendig – was wohl in einem dreistelliges Stundenpensum resultieren wird, da man höchstwahrscheinlich wegen dem deutlich höheren Schwierigkeitsgrad mehrere Level mehrfach spielen muss. Allerdings muss man sich auch eingestehen, dass diese Spielzeit eben nur durch wiederholtes Absolvieren der immer wieder gleichen Level gestreckt wird. Und auch die Bossgegner, die im Storymodus eigentlich noch eine willkommene Abwechslung boten, verkommen hier, wenn man sie wieder und wieder und wieder besiegen muss, zur selben Monotonie wie der Rest.

Auch wenn man durch die verschiedenen Modi und die dreizehn Charaktere eigentlich durchaus sehr lange beschäftigt bleibt, so fehlt irgendwie doch die Langzeitmotivation. Besondere Extras wie Zusatzkostüme zwar im Spiel enthalten, müssen allerdings teisl käuflich erworben werden. Auch die klassischen Zelda-Dungeons, für die die Reihe so bekannt ist, haben es nicht ins Spiel geschafft – obwohl andere Warriors-Serienableger bereits gezeigt haben, dass so etwas auch in einem Musou-Spiel ganz gut funktionieren würde. Schade ist dabei auch, dass Hyrule Warriors sich – ohne den Kauf von DLCs – nur auf drei Ableger der Zelda-Franchise beschränkt und abgesehen von ein paar Anspielungen auf Majoras Mask den Rest ignoriert. Wer also das volle Hyrule Warriors Paket sein Eigen nennen möchte, zahlt noch einmal drauf.

Endbosse wie diese sind nicht so leicht klein zu kriegen.
Endbosse wie diese sind nicht so leicht klein zu kriegen.

Rock’n’Roll-Zelda
Die Technik hinter Hyrule Warriors ist allerdings ein zweischneidiges Schwert. Zwar sind die Kämpfer recht detailliert gestaltet und vor allem die Spezialangriffe überzeugen durch ein ansehnliches Effektgewitter – vor allem aber die Hintergründe wirken größtenteils doch arg steril und ein wenig langweilig. Ein paar Details hier und da, sowie hochauflösendere Texturen hätten dem Spiel wirklich gut getan. Wenn die eigene Armee auf eine feindliche trifft, passiert es auch hin und wieder, dass die Framerate einbricht und deutlich spürbar in den Zeitlupenmodus wechselt und auch ist unsere Version in unserer Testphase dreimal abgestürzt, wobei diese Performanceprobleme mit dem aktuellen Patch angeblich eingedämmt wurden. Rockige Gitarrenriffs untermalen das Geschehen auf dem Bildschirm meist sehr passend und auch einige Remixe von bekannten Zelda-Tracks haben es ins fertige Spiel geschafft. Zelda-typisch gibt es auch wieder größtenteils keine richtige Sprachausgabe und die Texte der einzelnen Charaktere werden lediglich in schriftlicher Form auf dem Bildschirm erzählt – mit Ausnahme der Erzählerin, die euch zwischen zwei Schlachten immer wieder eine kurze Zusammenfassung der Geschichte vorliest. Demnach bleibt auch Link wieder sehr wortkarg – stattdessen ergreift seine Fee Proxi für ihn das (schriftliche) Wort. Inklusive dem bekannten „Hey, Listen!“.

Hyrule Warriors ist genau das geworden, was man erwarten konnte. Ein spaßiger Action-Schnetzler im The Legend of Zelda-Gewand, der zwar das Genre-Rad nicht neu erfindet, aber durchaus für eine gewisse Zeit zu unterhalten weiß. Vor allem im Mehrspielermodus weiß der Schnetzler zu gefallen, auch wenn sich dort ebenfalls recht schnell Ermüdungserscheinungen bemerkbar machen. Wer sich bislang mit den unzähligen (Dynasty-)Warriors Spielen nicht anfreunden konnte, den wird auch der Legend of Zelda-Anstrich keines Besseren belehren können. Freunde der Musou-Spiele hingegen werden auch mit Hyrule Warriors nichts falsch machen und zugleich noch mit massig Fanservice bedacht werden. Ob dies über das stumpfe Gameplay hinwegtrösten kann, muss dabei allerdings jeder für sich selbst entscheiden. (Hinweis: Dieser Test wurde von unserer ehemaligen Redakteurin Barbara Bleier verfasst)