Ausblicke

Indie-Ecke Special: Highlights gamescom 2016

Auch auf der diesjährigen gamescom waren wieder zahlreiche kleine Spielentwickler sowie Hobbyentwickler zugegen und haben ihre Spielprojekte, zumeist für Download-Plattformen, vorgestellt. Wir haben es uns natürlich nicht nehmen lassen, die kunterbunte Auswahl an Spielen auf der Messe ausgiebig anzuspielen um euch unsere Highlights vorstellen zu können.

Hob
Hob ist ein 3D-Jump & Run mit einem Schwerpunkt auf Wegfindung. Auf der gamescom konnten wir zwei Areale, einen Wald und ein Untergrundlevel spielen. Obgleich die Entwickler Hob als Open World-Spiel bezeichnen, sollte man hier nicht mit weiten Flächen und freier Kamera rechnen. Die Offenheit der Welt kommt vielmehr in zweierlei Hinsicht zum Tragen. Einerseits erhält man, ähnlich wie in einem Metroid-Spiel, im Laufe des Spiels immer weitere Fähigkeiten, die es einem ermöglichen, in bereits besuchten Arealen neue Orte zu erreichen. Andererseits gibt es in der Welt von Hob zahlreiche versteckte Geheimnisse, die die Lebensenergie- oder Ausdauerleiste erweitern. Die Erkundung der Spielwelt ist, trotz fix vorgegebener Kameraperspektive, also unerlässlich.

Ein besonderes Merkmal von Hob ist der Umstand, dass die Spielwelt äußerst variabel ist und man beim Lösen der kleinen Umgebungsrätsel die Spielwelt Stück für Stück verändert. Trotz der stetigen Veränderung der Spielwelt versprechen die Entwickler allerdings, dass man niemals endgültig den Weg zu einem Geheimnis abschneidet. Übersieht man eine Energieerweiterung, kann es zwar passieren, dass man sie vorerst nicht mehr einsammeln kann, später, mit zusätzlichen Fähigkeiten, oder nach weiterer Modifikation der Spielwelt, wird man aber stets eine neue Chance erhalten. Diese Modifikationen sind beispielsweise der Gestalt, dass Plattformen angehoben oder bewegt werden, anschließend aber in der neuen Position verharren. Die Entwickler legen großen Wert auf eine durchdesignte Spielwelt. Nicht alles dient zwingend einem Gameplay-Zweck, aber wenn man sich durch größere freie Ebenen bewegt, wird stets dafür gesorgt, dass zumindest interessante Umgebungsobjekte existieren. Seien es Pflanzen oder Tiere, einfache Leere muss man in Hob nicht befürchten. Hob ist auf Konsolen ausschließlich für PlayStation 4 in der Entwicklung und hat auf der gamescom bereits einen guten Eindruck hinterlassen, obgleich ein Releasetermin derzeit noch nicht bekannt ist.

Lichtspeer
Lichtspeer ist ein Geschicklichkeitsspiel, das derzeit für PlayStation Vita und PlayStation 4 in Entwicklung ist, das Spiel soll allerdings anschließend auch noch für Xbox One und Wii U erscheinen. In Lichtspeer spielt man einen Charakter, der mit einem schier unerschöpflichen Vorrat von Speeren bewaffnet ist. In den Levels rückt der Charakter stückweise von links nach vorn vor und bleibt an ausgezeichneten Punkten stehen, um sich mit Gegnern abzuplagen. In Wellen kommen Gegner auf den Spieler zu, die dieser mit Speeren abwerfen muss. Mit dem Analogstick justiert man die Wurfhöhe, auf Knopfdruck kann man seinen Speer abwerfen. Schafft man es nicht, alle Gegner mit einem Speer zu töten, bevor sie den Spieler erreichen, stirbt man und muss – je nach Spielmodus – am aktuellen Wegpunkt neu beginnen oder aber das gesamte Level von vorn beginnen.

Die 13 Level des Spiels sind gruppiert in Paare, die sich jeweils eine Umgebung teilen – wie das Spiel am Ende des Spiels mit der ungeraden Zahl an Levels umgeht, wissen wir nicht – und werden am Ende des jeweils zweiten Levels durch einen besonders widerstandsfähigen Endgegner abgeschlossen. Lichtspeer hat trotz – oder wegen – seines sehr simplen Spieldesigns auf der Gamescom eine Menge Spaß gemacht und die Chancen stehen gut, dass uns in etwa einem Monat ein sehr unterhaltsames Geschicklichkeitsspiel ins Haus steht.

Hue
Hue ist ein Rätsel-Jump & Run, das auf einen markanten optischen Stil setzt und auf den ersten Blick ein wenig an Limbo erinnert. Im Gegensatz zum relativ behäbigen Limbo bietet Hue allerdings ein wesentlich dynamischeres Sprungsystem und im Ergebnis merklich interessantere Hüpfsequenzen. Der Clou von Hue ist, dass die Spielwelt zunächst komplett schwarz und weiß ist, abgesehen von einzelnen Spielelementen, die genau eine Farbe tragen und zunächst vor allem Wege blockieren. Im Laufe des Spiels findet man allerdings die einzelnen Farben, die im Spiel vorkommen und kann sie anschließend verwenden, um den Hintergrund in dieser Farbe einzufärben. Eine gelbe Plattform wird allerdings beispielsweise ununterscheidbar vom Hintergrund, wenn man den Hintergrund gelb einfärbt. In der Konsequenz verschwindet die gelbe Plattform solange aus der Spielwelt, bis man die Hintergrundfarbe wieder ändert.

Auf Grundlage dieser einfachen Umfärbemechanik hat der Entwickler eine ganze Menge interessanter Rätsel und Plattformaufgaben geschaffen, die in unserer etwa einstündigen Spielsession auf der Gamescom in einem angenehmen Maße schwieriger wurden und eine Menge Spaß gemacht haben. Die gelungene Mischung aus Knobel- und Geschicklichkeits-Aufgaben, gepaart mit einem markanten Stil und einer ungewöhnlichen Geschichte rund um das Verschwinden der Mutter Hues, die auf ihren Farbforschungen verschollen ist ergibt sich ein sehr vielversprechendes Spiel. Erscheinen soll Hue bereits Ende des Monats für Xbox One und PlayStation 4.

Schlicht
Anfang 2017 möchte das schweizer Spiel Schlicht mit einer – wie passend – schlichten, aber fesselnden Spielidee sowohl Xbox One- als auch PlayStation 4-Spieler begeistern. Auf der Gamescom konnten wir den 2-Spieler-Kooperationsmodus des Knobelspiels ausführlich anspielen. Ein Spieler übernimmt die Kontrolle über eine schwarze Kugel, der andere Spieler steuert eine weiße Kugel entlang eines flachen Spielfeldes, das einen Bildschirm umfasst und nicht scrollt. Auf dem Bildschirm sind zusätzlich weiße und schwarze Strahlen zu sehen, die jeweils eine Flussrichtung haben. Berührt ein Spieler einen Strahl, der die gleiche Farbe hat, so wird er zerstört und beide Spieler müssen wieder von vorne beginnen.

Ziel des Spiels ist es in jedem Level, dass beide Spieler das für sie markierte Ziel erreichen. Dabei ist natürlich durchweg wechselseitige Hilfe von Nöten. Der weiße Spieler kann nämlich schwarze Strahlen unterbrechen, indem er sich in den Strahlen positioniert, wohingegen der schwarze Spieler weiße Strahlen durchbrechen kann. Die Aufgaben wachsen schnell zu ziemlich knackigen Rätseln aus und es macht eine Menge Spaß, sich mit seinem Mitspieler zu koordinieren, um die Rätsel gemeinsam zu lösen. Einen Einzelspielermodus wird Schlicht ebenfalls bieten, dieser Modus war allerdings auf der Gamescom noch nicht in einem präsentationsfertigen Zustand.

Ittle Dew 2
Auf der letztjährigen gamescom hat sich Ittle Dew 2 bereits als Überraschungshit herausgestellt. Im vergangenen Jahr haben wir Ittle Dew 2 erstmals ausführlich gespielt und folgendes zu sagen gehabt: Ittle Dew 2 bietet ebenfalls Action-Adventure-Kost und setzt optisch trotz vollständiger 3D-Realisierung auf einen sehr an A Link to the Past erinnernden Stil. Die Entwickler, die uns die Möglichkeit gegeben haben, eine fortgeschrittene Vorabversion von Ittle Dew 2 anzuspielen, betonen die besondere Nicht-Linearität des Spiels, denn die ersten sieben von acht Dungeons im Spiel können in beliebiger Reihenfolge gespielt werden. Dabei gilt insbesondere, dass jedes Dungeon ausschließlich mit den Mitteln, die in dem jeweiligen Dungeon geboten werden, gelöst werden kann. Ein zentraler Aspekt des Spiels ist also die Erkundung der Oberwelt ohne einen durch eine umfangreiche Story starr vorgegebenen Pfad durch das Spiel vorzuschreiben. Ganz bewusst haben die Entwickler auf eine simple Geschichte gesetzt, die nur mit einem recht biestigen Humor gespickt einen groben Rahmen für das Spiel gibt und dann den Spielablauf in die Hand des Spielers gibt. Auf der gamescom haben wir eines der ersten sieben Dungeons anspielen können und auch wenn die Komplexität nicht allzu hoch war, mussten wir dennoch an einigen Stellen ein wenig knobeln um die Lösung zu finden. Ittle Dew 2 erweckt im Grunde genommen den Eindruck eines modernisierten Zelda 1, das allerdings in Sachen Rätseldesign etwas mehr zu bieten hat, als der NES-Klassiker. In jedem Fall hatten wir auf der gamescom eine Menge Spaß mit Ittle Dew 2, welches im kommenden Jahr erscheinen soll.

Auch in diesem Jahr haben wir wieder Hand an Ittle Dew 2 legen können und diesmal eine beinahe finale Version des Spiels spielen können. Auffällig war hier besonders die hohe Freiheit die das Spiel bietet, denn im Kampf gegen einen kniffligen Endgegner in einem Dungeon, der – wie jede Aufgabe im Spiel – wahlweise einzig mit der Grundausrüstung überwunden werden kann, empfahl uns der Entwickler, zunächst einmal anderweitig unsere Lebensenergieleiste und Angriffsmöglichkeiten zu erweitern, bevor wir uns an dem Endgegner die Zähne ausbeißen. Spieler, die die Linearität der meisten Zelda-Spiele ermüdend finden, könnten hier zusätzliche Motivation aus unterschiedlichen möglichen Vorgehensweisen schöpfen. In jedem Fall hat Ittle Dew 2 ein weiteres Mal einen hervorragenden Eindruck erweckt und wir sind gespannt, wie das Spiel sich im Test auf Xbox One schlagen wird.

FAR: Lone Sails
Ja, das ist Kunst! Schon der Startbildschirm von FAR: Lone Sails weckte mein Interesse an dem Titel. Kurze Zeit später stand ich mit dem Controller in der Hand vor dem Spiel und konnte mich an der unglaublichen Schönheit des Spiels kaum sattsehen. Jede einzelne Szene auf dem Bildschirm würde sich als Wallpaper eignen und der paradoxe Mix aus Minimalismus und Detailverliebtheit sorgt sofort dafür, dass man sich unweigerlich in das Spiel verlieben muss. Und bei der Liebe für die Präsentation bleibt es nicht, denn die Mischung aus Minimalismus und Detailverliebtheit setzt sich auch beim Gameplay nahtlos fort. Ich werde direkt ins Spiel katapultiert, ohne Intro, ohne Informationen, ohne Hintergrundgeschichte und steuere eine kleine Figur durch die riesig erscheinende Landschaft. Nach kurzer Zeit stoße ich auf eine Maschine, eine fahrbare Maschine, die im Laufe der Spielzeit zum Hauptaugenmerk des Spielers werden wird. Dieses steampunkige Gefährt muss in Gang gesetzt werden, denn es wird mir während der gesamten Spielzeit helfen die enorme Distanz, die es zurückzulegen gilt, zu meistern. Wohin ich reisen werde und weshalb? Das Ziel ist ungewiss!

Nach der etwa zehnminütigen Demo würde ich gerne weiterreisen. Mein Fahrzeug, das im Laufe des Spiels „aufgerüstet“ wird und beispielsweise einen Satz Segel spendiert bekommt, bringt mich mit jedem gefahrenen Meter näher an dieses unbekannte Ziel. Ich steige aus, um kleine (physikbasierte) Rätsel zu lösen, Rohstoffe einzusammeln, nur um anschließend im Inneren des Fahrzeuges erneut alle Hebel (das Fahrzeug bietet verschiedene Ebenen, mit unterschiedlichen Hebeln und Knöpfen) in Bewegung zu setzen um weiterreisen zu können. Als „Atmospheric Vehicle Adventure“ beschreiben die Entwickler ihr Spiel. Selten war eine Beschreibung treffender. FAR: Lone Sails gehört zu den hübschesten und atmosphärisch packendsten Spielen der gamescom 2016. Ein wunderschönes und fesselndes Spiel!

Q.U.B.E. 2
Der Erstling hatte bei unserem Tester Robert einen sehr guten Eindruck hinterlassen und vor allem die stimmige Atmosphäre und kreative Rätselgestaltung wurden positiv hervorgehoben. Nun steht mit Q.U.B.E. 2 die Fortsetzung an, die direkt an die Geschehnisse des Vorgängers anknüpfen soll. Am Spielprinzip hat sicher glücklicherweise wenig getan: Erneut erwartet den Spieler ein Puzzle-Spiel aus der First-Person-Perspektive, indem wir zahlreiche physikbasierte Rätsel lösen müssen, für deren Lösung uns farbige Würfel zur Verfügung stehen. Schon die kurze Demo auf der gamescom hat uns einiges Kopfzerbrechen bereitet, denn die unterschiedlichen Räume und Rätsel erfordern häufig völlig unterschiedliche Herangehensweisen. Dabei sind alle Rätsel so angelegt, dass der Ehrgeiz des Spielers schnell geweckt wird – ohne die Frustrationstoleranz zu gefährden – und unterschiedliche Lösungsmöglichkeiten bieten. Im Mittelpunkt stehen dabei immer die verschiedenfarbigen Würfel. Die roten Würfel änderten ihre Größe auf Knopfdruck, die blauen Würfel ließen unsere Spielfigur höher springen, während die grünen Würfel in schier unendlicher Anzahl generiert werden konnten. Nach rund zwanzig Minuten hatten wir die Demo erfolgreich beendet, auch wenn wir den einen oder anderen Abschnitt nicht gleich auf Anhieb geschafft haben. Während der Erstling vor allem aufgrund des knappen Umfangs etwas Kritik einstecken musste, hoffe wir sehr, dass sich der Umfang von Q.U.B.E. 2 etwas steigern kann. Es scheint zumindest so, dass die Entwickler genügend Ideen und Rätselmöglichkeiten haben, um aus Q.U.B.E. 2 ein packendes Puzzle-Spiel zu zaubern, das PlayStation 4- und Xbox One-Besitzern viel Freude und knackige Rätsel bieten kann!

Sebastian hat eine ausgeprägte Vorliebe für Jump & Runs, zählt aber auch Action-Adventures und Arcade-Spiele zu seinen Lieblings-Genres. Haupta...