Kritiken

Jett Rocket II: The Wrath of Taikai im Test

„Made in Germany“. Nahezu jedem ist dieser Slogan wohl bekannt, denn mit ihm assoziieren viele fast schon automatisch die außerordentlich hohe Qualität eines Produktes. Die Münchner Entwicklerschmiede Shin’en sorgte zumindest mit hochkarätigen Titeln wie Nanonstray, Nano Assault oder FAST: Racing League auch außerhalb Deutschlands für Furore. 2010 schaffte es dann mit Jett Rocket ein waschechter 3D-Plattformer auf Nintendos Wii Ware-Services. Manche Spieler verglichen den Titel damals gar mit den Super Mario Galaxy-Spielen. Dreieinhalb Jahre später folgt auf dem Nintendo 3DS nun endlich eine Fortsetzung um den gewieften Weltraumhelden. Wir haben uns mit Jett auf die Reise begeben und sagen euch, ob sich der Download von Jett Rocket II: The Wrath of Taikai lohnt.

Das gibt Rache!
Im ersten Teil plagte eine bösartige Roboterbande namens Power Plant Posse den Planeten Yoroppa. Doch dank des Einsatzes unseres titelgebenden Helden Jett Rocket fand ihr Plan, mit Hilfe von gestohlenen Solarzellen alle planetaren Energiequellen an sich zu reißen, glücklicherweise ein jähes Ende. Nun sind die blechernen Fieslinge jedoch zurück und schwören Jett Rocket natürlich Rache. Auch wenn sich Jett Rocket II: The Wrath of Taikai als Nachfolger präsentiert, fallen einem als Kenner des ersten Teils bereits beim Starten des ersten Level massive Änderungen auf. Nicht nur, dass unser Weltraumpolizist ein neues Charakterdesign und –outfit spendiert bekam, auch am Gameplay krempelte Shin’en einiges um. Bot Teil Eins noch erkundungsreiche 3D-Jump’n’Run-Abschnitte, im Stile von Super Mario 64 oder Banjo-Kazooie, spielt sich Teil Zwei nämlich deutlich linearer.

Mit dem Jettpack überwindet ihr spielend Hindernisse und Gegner.
Mit dem Jettpack überwindet ihr spielend Hindernisse und Gegner.

Im ersten Level schlugen wir uns durch einen von der Power Plant Posse besetzten Hafenbereich. In bester 2D-Plattformer-Manier springt ihr als Jett von einer Plattform zur nächsten oder nutzt drehende Zahnräder, um weiter voran zu kommen. Dabei sammelt ihr die abhanden gekommenen Solarzellen, welche über das ganze Level verstreut aufzufinden sind. Trefft ihr auf Gegner, empfiehlt sich der Einsatz von Jetts Dash-Angriff. Rollend schaltet ihr so fast jeden der Roboter aus. Manche der Plattformen und Blöcke weisen strukturelle Risse auf. Diese solltet ihr ebenfalls mit dem Dash-Angriff bearbeiten, denn in nicht wenigen Fällen offenbaren sich dadurch Geheimwege, zusätzliche Solarzellen oder gar eines der gut versteckten Charakter-Fotos, welche nach Abschluss des Levels in einer separaten Bildergalerie angesehen werden können. Wenn ihr alle Fotos im Spiel eingesammelt habt, erwartet euch übrigens eine kleine Überraschung. Gegen Mitte des ersten Levels entdeckt ihr eine Jett Pack-Erweiterung. Nach dem Einsammeln dürft ihr diese dann bis zu fünf Mal nutzen, um euch in ungeahnte Höhen katapultieren zu lassen. Im späteren Verlauf des Spiels finden sich noch andere nützliche Verbesserungen. Wichtig zu erwähnen ist jedoch, dass ihr nur eine Erweiterung zur gleichen Zeit besitzen und verwenden könnt.

Ein Sprung in die dritte Dimension
Wer nach dem Beenden des ersten Levels glaubt, es handle sich bei Jett Rocket II: The Wrath of Taikai ausschließlich um ein klassisches 2D-Jump’n’Run, der irrt sich gewaltig. Schon im zweiten Level bekommt ihr es mit einem komplett dreidimensionalen Areal zu tun. In diesen Abschnitten ähnelt die Steuerung und die Aufmachung der des Vorgängers. Über die Schultertasten dürft ihr sogar die Kamera justieren. Leider wirken gerade die anfänglichen 3D-Level ein wenig trostlos und bieten nur wenige Interaktionsmöglichkeiten. Wer hier außerdem auf erkundungsreiche Level, wie im Vorgänger hofft, der wird enttäuscht. Durch den Perspektivenwechsel ändert sich nämlich nicht viel am grundsätzlichen Gameplay, sodass ihr weiterhin von einem Startpunkt A zu einem Zielpunkt B gelangen müsst. Kleinere Rätseleinlagen oder versteckte Zweigwege sind zwar durchaus spaßig, kommen aber viel zu selten zum Einsatz. Von den insgesamt 15 verschiedenen Level sind aber ohnehin nur sechs in der dritten Dimension. Nach dem Abschluss einer Welt – sprich fünf Stages – erwartet euch dann noch der Obermotz des jeweiligen Gebiets. Die gelungenen Bossfights werten das Spielerlebnis deutlich auf. Insgesamt ist der Umfang okay und nach dem erstmaligen Durchspielen dürft ihr euch an einem zusätzlichen Modus versuchen, von dem wir aber nicht zu viel verraten wollen.

In 3D-Passagen müsst ihr euch auf Angriffe von allen Seiten einstellen.

Jett Rocket II ist nichts für schwache Nerven. Standardmäßig beginnt ihr jeden Level mit drei Leben und für jedes Leben besitzt ihr drei Herzen, die euch die dementsprechende Trefferanzahl durch Gegner oder Hindernisse erlauben. Oft erscheinen einem diese drei Herzen jedoch lachhaft wenig. Nach dem Verlust eines Lebens dürft ihr zwar erneut an einem passierten Check-Point starten, einige Passagen sind aber derart knifflig geraten, dass ungeübte Spieler mehr als ein Dutzend Mal den Game-Over-Bildschirm zu sehen bekommen werden. Das liegt nicht zuletzt auch an dem teilweise sehr fragwürdigen und unfairen Leveldesign. So kam es beispielsweise vor, dass wir unverschuldet von einem pfeilschnellen Laserstrahl getroffen wurden, weil uns schlicht keine andere Wahl blieb als ins Ungewisse zu springen. Glücklicherweise könnt ihr euch vor dem Starten eines Levels mit zusätzlichen Leben und Energie ausstatten. Dafür müsst ihr lediglich eines von drei Minispielen erfolgreich abschließen. In Jett Dash schleudert ihr durch geschicktes Drücken des A-Knopfes eine Kugel durch eine Mini-Stage und dürft die getroffenen Gegenstände behalten. Jett Machine lässt euch eine abgewandelte Variante des „Einarmigen Banditen“ spielen. In Pachi Jett dürft ihr fünf Kugeln in die Tiefe fallen lassen und je nachdem in welchem Fach die Kugeln landen, könnt ihr andere Gewinne abstauben. Um schnell an möglichst viele der nötigen Solarzellen zu gelangen, ist es ratsam die Geschicklichkeitsaufgaben zu wiederholen, welche ihr obligatorisch nach jedem Bosskampf absolvieren müsst. Da wären beispielsweise ein actionreiches Jett Rennen oder ein Fallschirmsprung, bei dem es vor Solarzellen nur so wimmelt.

Suche zahlungswillige Betatester
Ja, man könnte durchaus meinen Shin’en versetzt mit Jett Rocket II: The Wrath of Taikai zahlende Kunden in die Position von Betatestern. Wie dürfte es anders zu erklären sein, dass das Spiel nur so von Bugs wimmelt? Nicht selten stürzte das Spiel in unserer Version ab, sodass wir vor einem eingefrorenen schwarzen Bildschirm saßen und das Spiel beenden mussten. Ein anderes Mal verloren wir an einer Stelle nach dem Einsammeln eines Fotos plötzlich einen Versuch, in deren Nähe weit und breit kein Abgrund oder eine Gegnerquelle in Sicht war. Zudem zickt die Kamera in den 3D-Levels oft und lässt eurer Figur quasi keine andere Option als sich auf den Bildschirm zuzubewegen. Besonders negativ fielen uns die etlichen durchlässigen Wände und Steine auf. Sowohl in den 2D- als auch in den 3D-Abschnitten steht ihr dann mit halben Körper in der Wand oder fallt durch Plattformen hindurch, weil einfach die Kollisionsabfrage öfters Aussetzer zeigt. Da stellt sich uns die Frage: Wieso fielen solche offensichtliche Bugs nicht bereits in der Entwicklungsphase auf? Wir können nur hoffen, dass diese Fehler durch einen Patch schleunigst behoben werden.

 Auch auf dem Jett macht der gleichnamige Held eine gute Figur.
Auch auf dem Jett macht der gleichnamige Held eine gute Figur.

Vorsprung durch Technik
Bei all der Kritik sollte man Shin’en aber auf jeden Fall für die tolle Optik des Spiels loben. Die Lichteffekte beeindrucken und auch sonst sind die Welten an sich sehr schön gestaltet. Vor allem das Charakterdesign überzeugt und lässt manchen robotischen Feind fast plastisch wirken. Für den Soundtrack kommen neben ein paar recycelten Melodien aus Teil Eins auch einige neue Stücke zum Einsatz. Die Bandbreite reicht dabei von elektronischen schnellen Stücken bis hin zu ruhigen, aber stimmigen Klängen.

Auf den ersten Blick macht Jett Rocket II: The Wrath of Taikai ziemlich viel richtig. Das Gameplay bietet reichlich Abwechslung dank 2D- und 3D-Level sowie den zusätzlichen Geschicklichkeitsabschnitten und auch die Bosskämpfe machen Spaß. Von der technischen Seite spielt Jett Rocket ebenfalls in der oberen Liga mit. Bei genauerem Hinsehen fallen einem dann jedoch die reichlichen Schnitzer auf, die sich das Spiel leistet. Der Schwierigkeitsgrad ist nicht immer ganz fair, die 3D-Kamera verhält sich äußerst eigensinnig und über die zahlreichen Bugs brauchen wir uns nicht erneut auszulassen. Es ist wirklich schade, dass ein durchaus gutes Spielkonzept wegen – unserer Meinung nach – vermeidbaren Fehlern merklich an Spielspaß verliert. Auch wenn wir aus diesem Grund keine vollkommen uneingeschränkte Kaufempfehlung geben können und das Spiel hinter den auf dem Vorgänger basierenden Erwartungen bleibt, stellt Jett Rocket II aber immer noch zumindest einen mehr als soliden Plattformer dar.

Zu einem guten Plattformer sagt Karim selten nein, aber auch epische Rollenspiele fesseln ihn vor den Bildschirm. Im öffentlichen Nahverkehr vergnügt er sich auch gerne mit kurzweiligen Puzzlern – Mobile-Gaming auf dem Nintendo 3DS ist seine absolute Leidenschaft. Zuhause angekommen, kümmert sich Karim um Datenbankpflege oder versorgt euch mit aktuellen News und Anspielberichten.
Cooler Test!

K