Kritiken

Just Cause 3 im Test

Nach Mad Max veröffentlicht der schwedische Entwickler Avalanche Studios mit Just Cause 3 nun den zweiten Open-World-Titel in 2015. Es sind nunmehr neun Jahre vergangen, seit Rico Rodriguez sein Debüt auf dem Bildschirm feierte. In Just Cause 3 schlüpfen wir abermals in die Rolle des Action-Protagonisten um diesen in einer spektakulär inszenierten und zugleich fetzigen Open-World-Spielwiese unter die Arme zu greifen. Ob Just Cause 3 spielerisch überzeugen kann, erfahrt ihr in unserem GU-Test.

Back to the Basics 
Rodriguez kehrt nach Jahren im Dienst für „The Agency“ zu seinen Wurzeln zurück. Wir beginnen unser Abenteuer auf einer wunderschönen mediterranen Inselgruppe namens Medici. Diese überzeugt durch ihre hübschen, spanisch anmutenden Küstenstädtchen, felsigen Landschaften und einem wunderschönen blauen Meer mit sehenswertem Wellengang. Eigentlich ein perfekter Urlaubsort, wäre da nicht der gemeine Diktator namens Sebastiano Di Ravello, der den Inselstaat kontrolliert und die Einwohner terrorisiert – insbesondere weil hier der seltene Wunder-Rohstoff Bavarium abgebaut werden kann, welcher unter anderem zur Entwicklung von Hightech-Militärwaffen von Nutzen ist. Wir schließen uns also der Rebellenbewegung an und versuchen mit brachialer Gewalt den Machenschaften Di Ravellos Einhalt zu gebieten. All dies für ein Ziel: Medici soll frei sein.

Ricos Super-Gadgets
Im Vordergrund von Just Cause 3 steht vor allen Dingen eins: Spektakuläre Explosionen und atemberaubende, absurde Stunts. Hierfür stehen Rico Rodriguez eine Vielzahl an Waffen und Gadgets zur Verfügung. Angefangen von der handlich, kleinen Pistole bis hin zum Raketenwerfer sind wir bestens mit Zerstörungsinstrumenten ausgestattet. Mittels Greifhaken katapultieren wir uns in Windeseile von einem Objekt zum nächsten und können Rico selbst in ungeahnte Höhen ziehen. Fliegende Helikopter oder Flugzeuge lassen sich somit spielend leicht entern. Das Greifhaken-Gadget kann aber auch vielseitig als Waffe eingesetzt werden. Gegnerische Soldaten, Panzer, Helikopter, explosive Fässer… all dies lässt sich auf irrwitzige Weise beliebig miteinander verbinden und führt uns so in eine neue Dimension der Kampfführung. Werden beispielsweise zwei Kampfhubschrauber miteinander verbunden, können diese per Knopfdruck zusammengezogen werden und explodieren in einem großen Feuerball. Es sind alle erdenklichen Kombinationen möglich, auch der nervige Scharfschütze auf dem Wachturm macht mittels Greifhakentechnik schnell Bekanntschaft mit der gegenüberliegenden Mauer oder wird an einen Explosionstank gefesselt, welchen wir anschließend lächelnd in die Luft jagen. Hier sind der Fantasie definitiv keine Grenzen gesetzt. Als weitere Fortbewegungs-Gadgets stehen Rico außerdem Fallschirm und Wingsuit zur Verfügung. Beide lassen sich jederzeit per Knopfdruck aktivieren und befördern den Spieler schnell und spektakulär zum gewünschten Ort. Für Ungeübte ist die Steuerung der Gadgets zunächst etwas gewöhnungsbedürftig. Beherrscht man diese jedoch nach einer gewissen Zeit, macht diese Art der Fortbewegung einen Heidenspaß. Ebenfalls verfügbare fahrbare Untersätze erscheinen hierbei fast schon überflüssig und bekommen im Spielverlauf auch wesentlich weniger Beachtung.

Schwacher Storykontext – da geht mehr
Die Story gerät bei alldem schon fast in den Hintergrund. Dies liegt aber vielleicht auch daran, dass sich die Entwickler von Avalanche Studios scheinbar nicht besonders viel Mühe bei der Umsetzung gegeben haben. Wir werden mit einem unveränderbaren Schwierigkeitsgrad und mit lieblos aneinandergereihten Zwischensequenzen konfrontiert. Die Charaktere werden klischeehaft und oberflächlich dargestellt. Der klägliche Versuch, den Spieler mit dem ein oder anderen lockeren Spruch zu unterhalten, verläuft leider oftmals ins Leere. Lustlos abgelesene Gespräche, überlappende Dialoge und unmotivierte deutsche Synchronsprecher tun ihr Übriges dazu. Leider kam es im Verlauf der Kampagne auch vereinzelt zu Performance-Problemen. So stürzte das Spiel in unserem Test einmal komplett ab und die Mission musste von vorne begonnen werden. Letztlich ist das alles jedoch nebensächlich, da Just Cause 3 wohl kaum allein aufgrund der Geschichte gespielt wird.

Der Ort der Verwüstung
Medici ist in drei Regionen unterteilt, die wiederum aus verschiedenen Provinzen bestehen. In jeder dieser Provinzen gibt es Ansiedlungen, die sich in Städte, Wachposten oder Militärbasen aufteilen. Unsere Aufgabe besteht darin, die Standorte zu erobern und so die Truppen des Diktators zurückzuschlagen. Im Zuge dessen müssen bestimmte Objekte zerstört werden, welche innerhalb der Provinzen verteilt sind. In Städten findet man beispielsweise eine große Statue Di Ravellos, Propaganda-Plakate oder Lautsprecher. In Militärbasen gibt es dagegen Treibstofftanks, Transformatoren, Satellitenschüssel und Doppel-Radare. Diese Objekte müssen nun durch gezielten Beschuss oder den Einsatz des Greifhaken-Gadgets zerstört werden. Letzteres führt nicht selten zu einer Verkettung hollywoodreifer Explosionen. Kombinieren wir beispielsweise große, unzerstörbare Gegenstände mit einem Helikopter, können wir mit dieser selbstgemachten Abrissbirne alles zerstören, das uns in den Weg kommt. Unserer blinden Zerstörungswut sind keine Grenzen gesetzt. Schade ist hierbei lediglich, dass sich die Städte, Außenposten und Militärbasen abgesehen von kleinen Details oder der Größe sehr stark ähneln. Außerdem fällt auf, dass wir einige Ansiedlungen erst nach entsprechendem Kampagnenfortschritt erobern können, da der Spieler erst innerhalb der Story gewisse Abwehrmaßnahmen der Basen ausschalten muss.

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Grundsätzlich ist die KI der Gegner nicht besonders anspruchsvoll. Rico marschiert in der Regel als Ein-Mann-Armee durch die Siedlungen und macht alles platt, was ihm in den Weg kommt. Schwieriger verhält es sich dann, wenn man die Alarmstufe erhöht. Ähnlich wie bei GTA werden bis zu 5 Sterne vergeben, welche den Fahndungslevel anzeigen. Entsprechend sind die gegnerischen Militärmaßnahmen bei hoher Sternstufe extrem und massiv. Nicht selten hat man dann mal mit vier Kampfhubschraubern, gefühlten hundert Bodentruppen und gepanzerten Militärschiffen zu tun. Um gegen die gegnerischen Flugeinheiten gewappnet zu sein, empfiehlt es sich daher im Vorfeld die SAM-Geschütze zu hacken, um sie dann gegen Feinde einzusetzen.

Herausforderungsmodi mit Upgrade-Funktionen
Nach Eroberung der Provinz werden Herausforderungen freigeschaltet, mit deren Hilfe Rico zusätzliche Fähigkeiten erwerben kann. Hierzu gehören unter anderem Wingsuit-Flüge, Auto-, Boots- und Flugzeugrennen auf Zeit, Schießübungen und andere Geschicklichkeitsspiele. Nach Abschluss der Herausforderung können wir bis zu fünf sogenannter Zahnräder erspielen. Mittels dieser Zahnräder schalten wir nacheinander Mods für Rico frei. So können wir für unseren Actionhelden beispielsweise zusätzlichen Nitro-Schub oder eine erhöhte Seilkapazität für unseren Greifhaken freischalten. Natürlich möchte man für diese Mods so viele Zahnräder wie möglich erspielen und wiederholt die Herausforderungen entsprechend, bis man die gewünschte Anzahl Zahnräder erhalten hat. Richtig frustrierend sind hierbei jedoch die teilweise sehr langen Ladezeiten, bei denen man sich des Öfteren einige Minuten gedulden muss, bis man eine Mission erneut angehen kann.

Equipment aus der Luft 
Als Dank für unsere Mühen greifen uns die Rebellen auf ganz besondere Art und Weise unter die Arme. Sollten wir uns in einer Situation befinden, in der wir beispielsweise ganz dringend eine spezielle Waffe und einen Kampfhubschrauber brauchen, rufen wir die Luftversorgung der Rebellen zur Hilfe. Mittels Rebellenabwurf donnert das georderte Equipment in einem Frachtcontainer vom Himmel und landet direkt vor unserer Nase. Der Untergrund für die Landung des Containers sollte jedoch präzise gewählt werden. Landet der Helikopter beispielsweise auf einer teilweise unebenen Fläche, steht er kurz nach der Lieferung in Flammen und ist unbrauchbar. Der Abwurfservice ist komplett gratis, bis zum erneuten Einsatz dauert es je nach Wunschgegenstand jedoch eine Weile. Das Befreien von bestimmten Basen und Außenposten fügt neue Fahrzeuge und Waffen zum Rebellenabwurf-Menü hinzu.

Darüber hinaus ist Rico mit einem Detektor ausgestattet, mit dem er die versteckten Sammelobjekte der Spielwelt, wie z.B. Audiokassetten und Rebellenschreine ausfindig macht. Der Detektor leuchtet in der Regel auf, sobald wir uns in der Nähe eines Sammelgegenstands befinden. Nach dem Befreien der dazugehörigen Provinz wird die grobe Position des Sammelgegenstands auf der Karte dargestellt.

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Permanenter Online-Modus
Just Cause 3 setzt ferner auf eine permanente Internetverbindung, um dem Spieler jederzeit aktuelle Ranglisten und neue Rekorde von Freunden anzuzeigen. So werden hauptsächlich Statistiken, wie der längste Wingsuit-Flug oder die meisten Explosionen mit anderen Spielern gemessen und angezeigt. Wen dieser Aspekt stören sollte, kann das Spiel allerdings auch in den Offline-Modus versetzen.

Alles in Allem macht Just Cause 3 technisch einen ordentlichen Eindruck. Besonders die Landschaft wurde schön in Szene gesetzt und weiß zu überzeugen. Die Explosionen sind spektakulär und haben es in sich. Leider kommt es jedoch vor allem bei größeren Detonationen häufig zu Framerate-Einbrüchen. Darüber wollen wir jedoch hinwegsehen, da dies den Spielspaß in keiner Weise beeinträchtigt.

Just Cause 3 liefert das, was die Serie auszeichnet. Irrwitzige Action-Einlagen in einer riesigen Open-World-Spielwiese, in der dem Spieler keine Grenzen gesetzt sind. Wir sind ausgestattet mit einem großen Waffen- und Fahrzeugarsenal und können unser Equipment beliebig einsetzen. Das Fliegen mit dem Wingsuit macht erstaunlich viel Spaß und geht nach einer Zeit locker von der Hand. Punktabzug gibt es für die lieblos gestaltete Kampagne: Die Charaktere werden zu oberflächlich dargestellt und ihre vermeintlichen Gags beginnen nach einer Zeit zu nerven. Außerdem wird der Spielspaß durch die zum Teil sehr langen Ladezeiten und die Framerate-Einbrüche getrübt. Wer sich jedoch mit diesen Problemen arrangiert, dem wird Just Cause 3 viel Freude bereiten. Vor allem, wenn man sich einfach auf das Spiel einlässt, umherzieht und mit seiner unmittelbaren Umgebung, den NPCs und den Objekten lustige Physikexperimente durchführt.

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Für Redakteurin Jenny hat sich die Videospielwelt in den letzten Jahren als perfekter Ort zum Wohlfühlen und abschalten herauskristallisiert. Dabei hat sie ihren Fokus besonders auf vielseitige Open World Action Adventures und herausfordernde Shooter gesetzt. Aber auch spannende RPGs mit tiefgründiger Story lassen ihr Herz höher schlagen und verleiten auch auf dem Handheld zu vielen schönen Spielstunden. Wenn sie nicht gerade ins Spielgeschehen versunken ist, versorgt sie Euch gerne regelmäßig mit aktuellen News sowie Testberichten.