Kritiken

Kid Icarus: Uprising im Test

In jeder Generation wird Nintendo von Fans dazu aufgerufen, lange verschollene Serien wiederzubeleben. Ganze 20 Jahre hat es gedauert bis Kid Icarus ein brandneues Spiel spendiert bekam. Pit, der Hauptdarsteller der Reihe, war immerhin Stammgast der beliebten Smash Bros-Serie und dürfte deshalb auch für junge Nintendo-Fans kein unbekannter Charakter sein. Und nun meldet er sich mit Kid Icarus: Uprising für Nintendos 3DS wieder zurück. Hat es Team Sora geschafft, die Serie in die moderne Zeit zu transferieren?

Palutena verleiht Flügel
Um die erste Frage von vornherein zu beantworten: Kid Icarus: Uprising hat im Grunde nichts mit den ersten beiden Teilen zu tun, vor allem spielerisch. Hier und da trifft man auf bekannte Gegner und erhält Gegenstände, die es auch schon früher gab. Das war es auch schon mit den Gemeinsamkeiten zu den früheren Teilen. Dass Sakurai und sein Team Sora nicht zwingend auf die Vorgänger achten mussten, um hart eingesessene Fans zufrieden zu stellen, hat dem Spiel sichtlich gut getan, da diese frei von allem Ballast ihr Ding durchziehen konnten. Während der NES-Teil noch ein sehr schwerer 2D-Jump’n’Run-Titel war, ist der neueste Teil ein Misch aus zwei Genres. Neben Rail-Shooter-Abschnitten gibt es die klassischen 3rd-Person-Abschnitte, in denen auf Gegner gefeuert wird.

Am Ende eines Levels warten rieisige Endbosse auf euch.
Am Ende eines Levels warten riesige Endbosse auf euch.

So sind auch die insgesamt 25 Level im Großen und Ganzen aufgebaut. Am Anfang gibt es den Flug-Abschnitt, in dem Pit auf einem vorgegebenen Weg durch die Luft düst, Ausweichmanöver ausführt und Gegner mit Hilfe des Touchscreens ausschaltet. Diese Abschnitte sind wirklich toll inszeniert und setzen fast schon Adrenalin frei, dank den schnellen Kamerabewegungen. Schade nur, dass es dann auch schnell wieder vorbei ist. Gute fünf Minuten dauern diese Rail-Shooter-Sequenzen im Schnitt und dann landet man auf dem Boden. Hier könnt ihr euch freier bewegen und selber entscheiden, welchen Weg ihr nehmen wollt. Die Steuerung von Kid Icarus: Uprising ist sehr gewöhnungsbedürftig, funktioniert aber nach ein bis zwei Stunden Einarbeitungszeit überraschend gut. Mit dem L-Button wird gefeuert, das Fadenkreuz und die Kamera werden per Stylus am Bildschirm kontrolliert und gesteuert wird Pit mit dem Slide-Pad. Hört sich unangenehm an, ist es eigentlich auch. Vor allem das Schwenken der Kamera gestaltet sich mit dem Stylus nicht wirklich intuitiv. Mit dem mitgelieferten Plastik-Stand, in den ihr euren 3DS reinlegen könnt, wird die Steuerung des Spiels aber deutlich angenehmer und es gibt kaum noch Probleme. Leider ist Kid Icarus deshalb nicht so gut für Outdoor-Aktivitäten geeignet.

Typisch für Sakurai ist die Feature-Vielfalt in seinen Spielen. Das ist bei seinem neuesten Spiel natürlich nicht anders. Wer alles im Spiel erkundet, wird viele neue Waffen finden. Davon gibt es übrigens über 100 verschiedene und das in unterschiedlichen Arten wie, unter anderem, Bögen, Stäbe und Keulen. Alle Waffen haben ihre eigenen Status-Werte und andere Boni. Interessant ist auch die Möglichkeit, Waffen miteinander zu verschmelzen, um neue zu kreieren. Die Ergebnisse einer Fusion sieht man von vornherein schon und kann sich dann entscheiden, ob man die Aktion durchführen will oder nicht. Der Schwierigkeitsgrad ist vor jedem Level einstellbar. Interessant dabei ist, dass es mehr Items pro besiegten Gegner gibt, je höher die Schwierigkeit eingestellt ist. Das motiviert dazu, die Level auch im Nachhinein nochmal durchzugehen.

Schmaus für das Auge
Kid Icarus: Uprising gehört zu den bestaussehenden Nintendo 3DS-Spielen, die bisher erschienen sind. Tolle Effekte, die es Level für Level zu bestaunen gibt. Überhaupt sind die wirklich gut gelungen und bieten genug Abwechslung. Auf technische Probleme jeglicher Art sind wir auch nach zig Stunden Spielzeit nicht gestoßen. Fast besser als die Grafik ist der Soundtrack des Spiels. Wie es sich für einen Sakurai-Titel gehört, haben auch diesmal eine Reihe von renommierten Komponisten ihren Beitrag zum Spiel geleistet. Vor allem Rollenspiel-Fans sollten die Namen von Motoi Sakuraba und Yasunori Mitsuda was bedeuten. Während der Erstere regelmäßig für die Tales-Reihe komponiert, steuerte der Letztere die Soundtracks zu den beiden Chrono-Spielen bei. Neben diesen beiden waren noch drei andere nicht weniger bekannte Komponisten am Werk. So ist es nicht verwunderlich, dass die musikalische Untermalung des Spiels wirklich sehr gut gelungen ist. Zu jeder Zeit gibt es die passende Mucke und die ist natürlich sehr schön komponiert.

Die Flug-Abschnitte gehören zu den Highlights des Spiels.
Die Flug-Abschnitte gehören zu den Highlights des Spiels.

Die Sprachausgabe ist leider nur auf Englisch, was sehr schade ist, denn die Gespräche von Pit und Palutena sind oft witzig. Hier hätte Nintendo nicht sparen dürfen, da es wohl eine Menge an Spielern gibt, die der Sprache noch nicht mächtig sind. Zwar gibt es natürlich deutsche Untertitel, doch durch die Aktionen im Spiel kann man diese oft schlecht mitverfolgen. Der Multiplayer ist simpel gestrickt, funktioniert aber tadellos. Entweder lokal mit Freunden oder online könnt ihr im Team oder einzeln gegeneinander antreten. Bis zu sechs Mitspieler kann man dabei haben. Jeglichen Online-Lag oder sonstige technische Schwierigkeiten konnten wir in diesem Modus nicht feststellen. Ein interessantes Feature ist, dass man seine Waffen aus dem Solo-Modus benutzen kann. Das kann zwar zu ungleichen Treffen führen, macht aber dennoch Spaß. Ganz witzig sind zudem die beigelegten Augmented Reality-Karten, mit denen ihr Figuren gegeneinander in der realten Welt antreten lassen könnt.

Kid Icarus: Uprising ist eines der bisherigen Highlights für den Nintendo 3DS und ein gelungenes Comeback des Helden Pit. Wer schon immer ein absoluter Kid Icarus-Fan war, dürfte vielleicht enttäuscht sein, dass diese Version sich anders als die ersten Teile spielt. Für 99% der anderen Spieler sollte das egal sein, da sie wohl die alten Teile kaum kennen werden. Die Flug-Abschnitte sind wirklich toll gemacht und bieten eine Menge schnelle Action. Dem stehen die Boden-Abschnitte, dank der vielen versteckten Items, in Nichts nach. Die Grafik und der Soundtrack gehören zum Besten die es bisher auf dem System gibt. Vor allem das Letztere ist durch all die namhaften Komponisten sehr gut gelungen. Kid Icarus: Uprising ist für jeden Spieler zu empfehlen und sollte in der Sammlung nicht fehlen