Kritiken

Kirby: Planet Robobot im Test

Den Titel des knuffigsten und süßesten Videospielehelden hält, zumindest wenn man diversen Rankings Glauben schenkt, auch im Jahr 2016 immer noch Nintendos kugelrunde Fressmaschine Kirby. Umso verwunderlicher ist daher die Tatsache, dass Nintendo dem rosa Helden in den letzten Jahren trotz seiner hohen Popularität vergleichsweise wenige Titel widmete. Mit Kirby: Planet Robobot feiert die Knutschkugel nun nach dreijähriger Abwesenheit endlich ihr Handheld-Comeback. Warum Kirby plötzlich auf robotische Hilfe angewiesen ist und ob der Titel spielerisch etwas taugt, diese Fragen beantworten wir euch in unserem Test.

screen_kirby-planet-robobot_07
Whispy Woods hat ein mechanisches Update spendiert bekommen.

Invasion der Roboter
Eigentlich wünscht sich Kirby nichts mehr als gemächlich an seinem Lieblingsfleckchen zu dösen und dabei von Bergen an Essen zu träumen. Doch wie so oft, scheint Kirbys Heimat wieder einmal von einer Invasion aus dem All bedroht zu werden. Die Haltmann OHG hat Dreamland aufgrund seiner reichhaltigen Ressourcen als idealen Planeten für die Produktion von neuen Maschinen und Robotern ausgemacht und versucht mit der Besetzung verschiedener Knotenpunkte dieses Ziel auch zu erreichen. Gelingt es Kirby die Haltmann OHG und ihre finsteren Pläne zu stoppen?

Kirby: Planet Robobot ändert zunächst nicht viel am grundsätzlichen 2D-Jump’n’Run-Spielkonzept der Reihe. Allen, die bereits Kirby: Triple Deluxe gespielt haben, werden die meisten der folgenden Dinge besonders bekannt vorkommen, da Entwickler HAL Laboratories die Engine und das Kerngameplay des Vorgängers zu weiten Teilen übernahm.

In über 30 sidescrollenden Leveln muss sich Kirby gegen allerhand Fieslinge zur Wehr setzen und ist dabei in der Lage ihre Fähigkeiten, durch das Einsaugen und Schlucken mancher von ihnen, zu kopieren und für sich zu nutzen. Neben klassischen Fähigkeiten wie Feuer, Eis oder Bumerang, welche in nahezu jedem Kirby-Spiel vertreten sind, gibt es auch einige interessante Neuzugänge, die auch bei alteingesessenen Fans für frischen Wind sorgen dürften. Als Doktor-Kirby verschießt ihr Pillen in alle Richtungen oder könnt euch Tränke zusammenmixen, die bei jedem Mal etwas anderes bewirken. Gift-Kirby dagegen kontaminiert alles in seiner Umgebung mit toxischen Gasen – der Horror für jeden Feind. Unsere Lieblingsfähigkeit ist aber die Psycho-Fähigkeit, mit welcher ihr Feinde mittels Psychokinese aus der Ferne angreifen könnt oder euch selbst zeitweise komplett vom Spielgeschehen verschwinden lassen dürft.

Eigens für das Spiel fertigte Nintendo vier spezielle amiibo-Figuren von Kirby, Waddle Dee, Meta-Knight und König Dedede an. Diese können – ebenso wie alle anderen erhältlichen amiibo-Figuren – jederzeit über eine Schaltfläche auf dem Touchscreen aktiviert werden und verleihen Kirby dann direkt eine Fähigkeit, abhängig vom jeweiligen amiibo, sowie einen Energietrank. Werdet ihr mittels Link ganz offensichtlich zu Schwert-Kirby oder mit Pummeluff zu Popstar-Kirby, verpassen euch die vier Spezial-amiibos zusätzlich noch eine neue Optik im Stile des amiibo-Charakters. Auch ohne die amiibos ist das Spiel allerdings schon relativ leicht, sodass das alles eher eine nette Spielerei darstellt.

Kirbynator
Schon nach wenigen Leveln habt ihr Zugang zu den titelgebenden Robobots. Steigt Kirby in eine der Maschinen, ändert sich das Spielgeschehen ein wenig. So könnt ihr in diesem Modus nicht mehr frei im Raum herumschweben oder neue Gegner einsaugen, wie sonst üblich. Mit der Scan-Funktion kann dafür aber zumindest euer Robobot die Fähigkeit eines Gegners kopieren und interagiert mit den gleichen Fähigkeiten auf völlig andere Weise mit seiner Umgebung. Die Jet-Fähigkeit verwandelt das Spiel in manchen Leveln sogar in ein waschechtes Shoot’em Up und mit der Rad-Fähigkeit verwandelt sich ein Level in einer Rennstrecke. Durch das Rotieren des Schiebepads könnt ihr mit dem standardmäßig ausgestatteten Bohrer außerdem unterschiedliche Vorrichtungen bewegen und müsst kleinere Rätsel lösen. Aussteigen könnt ihr aus dem Gefährt übrigens nur an speziellen Stationen oder nach dem Abschluss eines Levels.

screen_kirby-planet-robobot_05
Gegen die Robobots können die Transformers einpacken!

Sonderlich viel Spielerfahrung ist für das Durchspielen der Haupthandlung, wie bereits angedeutet, nicht nötig. Selbst die Endbosse am Ende jeder der sechs Welten sind zwar optisch und spielerisch sehr abwechslungsreich, stellen durch den hohen Energievorrat Kirbys aber auch für absolute Anfänger keine große Herausforderung dar. Damit ihr zu diesen vordringen könnt, gilt es eine bestimmte Mindestanzahl an Robo-Blöcken aufzuspüren, von denen in der Regel drei in jedem Level versteckt sind. Sind die meisten Blöcke auf relativ offensichtlichem Wege zu ergattern, gibt es doch den ein oder anderen, welcher entweder ein fehlerloses Spiel oder etwas Denkarbeit erfordert. Zwar genügt es für das Erreichen des Endbosses einer Region schon wenn man pro Level durchschnittlich nur ein bis zwei Blöcke findet, wer jedoch wirklich alle Blöcke innerhalb einer Welt sammelt, schaltet damit die etwas knackigeren EX-Level frei, sodass sich das sorgfältige Suchen durchaus lohnt. Sammelwütige Spieler werden außerdem mit dem Zusammentreiben der über 200 verschiedenen Sticker längere Zeit beschäftigt sein, welche zahlreich in den einzelnen Leveln verteilt sind oder sich durch etwas Geschick im Weitsprung-Minispiel nach dem Absolvieren eines Levels erhalten lassen.

Modi, Modi, Modi 
Insgesamt ist der Story-Modus, trotz der für sich gesehen recht umfangreichen einzelnen Level, eher kurz und wird einen mit dem Freispielen aller Level maximal zehn Stunden beschäftigen. Danach laden allerdings glücklicherweise noch einige zusätzliche Herausforderungen zum Spielen ein.

In Kirbys 3D Arena steuert ihr Kirby in drei Leveln durch begrenzte 3D-Arenen und müsst alle Gegner eines Bereiches ausschalten, indem ihr sie einsaugt und auf andere Feinde ausspuckt. Auf die Kopier-Fähigkeit Kirbys müsst ihr komplett verzichten. Am Ende eines jeden Levels wartet dann noch ein Boss-Gegner auf euch und ihr dürft eure Punktzahl speichern. Spaß macht dieser Modus, keine Frage, wir waren aber doch etwas enttäuscht bereits nach 15 Minuten alles gesehen zu haben.

Etwas mehr Spieltiefe bietet da Kirbys Teamjagd. Gemeinsam mit bis zu drei Mitspielern – falls sich keine echten Mitspieler finden, übernimmt die CPU die Steuerung der anderen Kirbys – stellt ihr euch in mehreren Missionen einem Bossgegner in Manier des Hauptspiels. Klingt unspektakulär, allerdings wählt jeder Spieler vor dem Kampf eine feste Fähigkeit aus, die sich nicht nur von ihren Angriffen unterscheiden. So spielen hier auch Rollenspiel-typische Werte wie Geschwindigkeit, Magie oder Verteidigung eine wichtige Rolle. Während der Schwertkämpfer relativ ausgeglichen ist, setzt die Hammer-Fähigkeit voll auf den Angriff, schränkt dafür eure Agilität aber beträchtlich ein. Als Heiler dürft ihr keine starken Angriffstechniken anwenden, könnt aber jederzeit eine Heilzone errichten, die jeder Spieler nutzen darf.

Nach dem Durchspielen der Story lassen sich weitere Modi freispielen. Dazu gehören ein klassischer Boss Rush-Modus sowie ein Time Attack-Modus mit Meta-Knight in der Hauptrolle, wie man ihn in ähnlicher Form schon in Triple Deluxe vorfand. Hier erwarten euch zusätzliche neue Bosse, die Kirby-Kenner eventuell aus früheren Spielen kennen dürften. Wer die StreetPass-Funktion nutzt, kann seine Bestzeiten mit anderen vergleichen.

Kunterbuntes Farbenfeuerwerk 
Die wahre Stärke von Kirby: Planet Robobot liegt überraschenderweise aber nicht im Gameplay, sondern auf der technischen Seite. Angefangen von Waddle Dees, die mit Autos oder Bussen über Brücken aus dem Hintergrund angefahren kommen und halten, wenn die Ampel im Vordergrund auf Rot steht, über ein goldenes Casino, in welchem ihr euch vor fallenden Billardkugeln in Acht nehmen müsst, bis hin zu einer atemberaubenden Unterwasserwelt, die dem legendären Atlantis nachempfunden ist. Man merkt an jeder Ecke mit wie viel Liebe zum Detail HAL Laboratories das Spiel entwickelt hat, weshalb das Spiel einfach fantastisch aussieht – vor allem bei aktiviertem 3D. Genauso variantenreich ist auch der Soundtrack, der sowohl ruhige melancholische Stücke, aber auch rockige oder Dubstep-angehauchte Melodien beinhaltet. In den Extra-Leveln erwartet euch außerdem ein musikalisches Medley mit Original-Melodien aus knapp 30 Jahren Kirby-Geschichte.

Kirby: Planet Robobot stellt einen recht konsequenten Nachfolger von Triple Deluxe dar. Viele Gameplay-Mechaniken wurden aus dem Jump’n’Run-Abenteuer direkt übernommen, was bei der gelungenen Vorlage ja nicht unbedingt etwas schlechtes ist. Die Robobot-Komponente sorgt dabei für eine gelungene Abwechslung im Gameplay. Leider krankt auch Planet Robobot letztlich wieder an dem viel zu geringen Schwierigkeitsgrad im Story-Modus, welcher bei Verwendung von amiibos sogar ad absurdum geführt wird, sowie der kurzen Spielzeit – gerade in den Nebenmodi. Wirklich fordernd sind eigentlich nur die Boss Rush-Modi. Trotzdem hatten wir wieder viel Spaß mit dem Titel. So macht das Ausprobieren der unterschiedlichen Fähigkeiten und Techniken ordentlich Laune. Auch Sound, Optik und Leveldesign sind überaus gut gelungen. Wer mit dem typischen Kirby-Konzept etwas anfangen kann, der darf bei Kirby: Planet Robobot beherzt zugreifen.

Zu einem guten Plattformer sagt Karim selten nein, aber auch epische Rollenspiele fesseln ihn vor den Bildschirm. Im öffentlichen Nahverkehr vergnügt er sich auch gerne mit kurzweiligen Puzzlern – Mobile-Gaming auf dem Nintendo 3DS ist seine absolute Leidenschaft. Zuhause angekommen, kümmert sich Karim um Datenbankpflege oder versorgt euch mit aktuellen News und Anspielberichten.