Kritiken

LEGO City: Undercover – The Chase Begins im Test

Passend zum gelungenen Lego City: Undercover auf der Heimkonsole bringen Nintendo und TT Fusion nun ein Prequel auf dem Nintendo 3DS heraus. Lego City: Undercover – The Chase Begins erzählt, wie Chase McCain seine ersten Schritte als Polizist tätigt und zum ersten Mal auf Rex Fury und seine Gang trifft. Doch kann das Open World-Feeling des großen Bruders überhaupt auf dem Nintendo 3DS eingefangen werden? In Ansätzen ist dieser Versuch gelungen, aber so ganz wollte der Funke auf dem Handheld bei uns nicht überspringen.

Treu der Vorlage
Das Ziel der Entwickler muss es wohl gewesen sein, The Chase Begins mit möglichst wenigen Abstrichen gegenüber der Konsolen-Version auf den 3DS zu übertragen. Dass es dabei zu technischen Einschränkungen kommt, ist klar, aber zunächst einmal wirkt doch alles recht vertraut. Am Grundprinzip von Lego City: Undercover hat sich tatsächlich wenig verändert. Die ersten Schritte wagt ihr in vertrauter Umgebung, spielt sich doch alles in der gleichen Lego City ab. Dieser Anschein wird auch eine ganze Zeit lang beibehalten, mit dem einzigen Unterschied, dass die Stadt in mehrere kleinere Abschnitte aufgeteilt wurde. So fahrt ihr nicht ganz ohne Hindernisse durch die Stadt, denn zwischen den Abschnitten warten Ladezeiten, die gerne einmal eine Minute andauern können. Nichtsdestotrotz besucht ihr bekannte Schauplätze wie die Apolloinsel, den Bauernhof oder das Polizeirevier. Lediglich kleine Details haben sich hier verändert: So befindet sich das Revier teilweise noch im Bau. Durch die Aufteilung in Abschnitte hat es aber auch leider nicht die gesamte Lego City ins Spiel geschafft.

In Lego City gilt es einige Kletterpartien zu meistern.

Ein weiteres wichtiges Merkmal in der Heimkonsolen-Version sind die Verkleidungen von Chase. Auch diese haben ihren Weg auf den Handheld gefunden. Jedes Kostüm verleiht euch andere Fähigkeiten: Als Polizist kann Chase Spuren verfolgen und mit einem Greifhaken höher gelegene Stellen erreichen, als Bauarbeiter mit einem Presslufthammer hervorgehobene Stellen durchbrechen und als Einbrecher Tresore knacken. Alle Kostüme und Fähigkeiten vom großen Bruder könnt ihr somit in The Chase Begins freischalten, wenn auch in anderer Reihenfolge. Schade ist allerdings, dass Chase keine neuen Kostüme spendiert bekommen hat.

Invasion der Lego-Gangs
Der größte Unterschied zum Original liegt darin, dass der Begriff „Open World“ nur noch in Ansätzen zutrifft. Durch die Aufteilung von Lego City in mehrere Abschnitte kommt ein nur sehr geringes Freiheitsgefühl auf, zumal ihr im Verlauf der Story im Grunde pro Kapitel ausschließlich in einem Stadtteil unterwegs seid. So bleiben die Fahrwege zwar sehr kurz und Ladezeiten werden so gut es geht vermieden, wer aber keine Lust hat neben der Story ein paar Geheimnisse zu entdecken, der wird einfach Kapitel für Kapitel wie bei einem Nicht-Open World-Spiel abgrasen.

Pro Stadtteil gilt es eine randalierende Gang und ihren Anführer festzunehmen. Da trefft ihr im Stadtzentrum auf die Rockergang, in der Bergregion auf fiese Hillbillys und auf der Apolloinsel auf feindliche Astronauten. Auf dem 3DS spielen sich alle Missionen zudem in der Stadt ab und es gibt keinen Mix zwischen Stadt und Spezialbereichen. Dies ist insofern schade, da eine ganze Reihe von Lego-typischen Nebenaufgaben auf der Strecke bleiben. Dennoch wissen die Missionen zu unterhalten und lassen sich als recht abwechslungsreich beschreiben. Je mehr Kostüme ihr besitzt, desto vielfältiger werden diese, da mehr und mehr Fähigkeiten von Nöten sind. Klettert an Gebäuden über die Dächer, nutzt Seilrutschen und löst kleinere Rätsel. Wie bei jedem Lego-Spiel sind die Aufgaben klar definiert und zahlreiche Hilfen machen den Ablauf besonders für jüngere Spieler angenehm einfach. Schade ist allerdings, dass immer nur eine Mission auswählbar ist und ihr keine alternativen Lösungswege habt.

Jedes Kostüm besitzt seine eigenen Fähigkeiten. Der Einbrecher knackt Safes, bricht Türen auf und räumt Geldautomaten leer.

Innerhalb der Missionen kommt es zudem zu Schlägereien mit den einzelnen Gangmitgliedern. Diese gestalten sich auf dem Nintendo 3DS noch simpler, also auf dem großen TV-Vorbild. Wirklich verlieren könnt ihr nicht und mit Ausnahme der Gang-Anführer gibt es keinerlei Variationen. Fortgeschrittene Spieler fühlen sich deshalb total unterfordert. Wo sonst die zahlreichen Nebenaufgaben ein wenig Gehirnschmalz verlangen, bleibt dies bei The Chase Begins leider völlig außen vor. Außer man springt einmal in die Tiefe, da die Kameraperspektive nicht immer optimal gelöst ist.

Nebelwerfer
Neben den Hauptmissionen, die ihr übrigens allesamt locker in sieben bis acht Stunden schaffen solltet, erwarten euch in Lego City immerhin noch ein paar Nebenmissionen, wobei auch hier die Anzahl deutlich zurückgefahren wurde. Pro Kostüm gibt es in jedem Stadtteil eine Tätigkeit gleich mehrmals zu erledigen. Der Bauer muss seine Schweine wiederfinden, der Polizist Überfälle auf Passanten vermeiden oder der Feuerwehrmann Katzen retten. Dank eines auf dem Touchscreen zu aktivierenden Scanners könnt ihr in der nahen Umgebung befindliche Tätigkeiten schnell ausfindig machen. Wirklich motivierend erweisen sich als Zusatzbeschäftigung aber nur die Superbauten, für die ihr spezielle Legosteine benötigt.

Viele Schauplätze stammen direkt aus der Konsolen-Version. Allerdings wurde die Stadt in Abschnitte aufgeteilt und nicht die ganze Lego City ist auf dem 3DS vorhanden.

Okay, der Speicherplatz auf einer Nintendo 3DS-Karte ist deutlich begrenzter, als eine Spiele-Disc. Dennoch muss sich The Chase Begins den Vergleich gefallen lassen, da der grundsätzliche Aufbau unangetastet blieb. Aus technischer Sicht fällt hier vor allem die geringe Sichtweite auf. Der Nebelschleier, der sich durch ganz Lego City zieht, erinnert teilweise an frühere Nintendo 64-Zeiten. Hinzu kommen aber noch sehr auffällige Pop-ups von Gebäuden, Autos und Passanten, weniger Details (zum Beispiel kein Schadensmodell der Autos) und leider auch deutlich weniger Sprachausgabe. Letztere kommt nur in den selten Zwischensequenzen zum Einsatz, die dafür aber immer noch mit die Highlights sind. Der typische Lego-Humor und die zahlreichen Anspielungen sind auch hier vorhanden. Bewegt ihr euch aber in der Stadt, müsst ihr recht viel Text lesen, wodurch eine ordentliche Prise an Charme verloren geht.

Wir haben The Chase Begins in diesem Test sehr häufig mit der Konsolen-Version von Lego City: Undercover verglichen. Ein unfairer Ansatz? Was die Hardwarepower angeht sicherlich ja, aber da TT Fusion so sehr versucht hat das gleiche Spielgefühl auf dem 3DS zu vermitteln, bleibt einem im Grunde nichts anderes übrig. The Chase Begins lässt sich leider nur noch in Ansätzen als Open World-Spiel betiteln und muss zudem mit einigen technischen Einschränkungen leben. Allerdings hat das Spiel gegenüber der Konsolen-Version bis auf die vernachlässigbare Geschichte nichts Neues zu bieten. Deshalb können wir Kennern des Originals einen Kauf eher nicht empfehlen. Und was ist mit denjenigen, die keine aktuelle Heimkonsole besitzen und dennoch Interesse hegen? Nun ja, wir hatten durchaus unseren Spaß, allerdings sollte jedem klar sein, dass hier nicht das gleiche Spielgefühl aufkommt, wie bei Lego City: Undercover. Aufgrund des niedrigen Schwierigkeitsgrades und der vielen Hilfestellungen ist The Chase Begins deshalb besonders jüngeren Spielern zu empfehlen, die einen Einstieg in die Welt der Sandkastenspiele suchen. Lego City: Undercover ist somit ein ordentliches Spiel, das zu sehr im Schatten des großen Bruders steht und den Erwartungen nicht ganz gerecht wird.