Lieblingsspiel: Perfect Dark

In unserer neuen Artikelreihe „Lieblingsspiel“ stellen wir euch monatlich unsere Lieblingsspiele vor. Egal, ob Retro-Klassiker oder aktueller Blockbuster – alles findet hier seinen Platz. Keine Retro-Tests, keine Wertungen – vielmehr handelt es sich hier um eine Art Liebeserklärung an unser Lieblingsspiel. Den Anfang macht der Ego-Shooter Perfect Dark aus dem Hause Rare, der im Jahr 2000 für den Nintendo 64 veröffentlicht wurde und Joshua bis heute in bester Erinnerung geblieben ist.

Über Dinge zu schreiben, die man gerne mag, gestaltet sich häufig äußerst schwierig, vor allem, wenn viele positive Erinnerungen damit verknüpft sind. Bei Perfect Dark ist das tatsächlich anders, weil ich klar benennen kann, warum es sich dabei um mein Lieblingsspiel handelt: Jedes einzelne (Gameplay-)Feature bietet genau das, was ich mir wünsche und die Kombination dieser Einzelteile ergibt in ihrer Gesamtheit ein Spieleerlebnis, wie ich es seit Perfect Dark nie mehr vorgefunden habe. Tatsächlich wusste ich vor Perfect Dark nicht einmal, was ich mir von einem Spiel überhaupt wünsche – das Spiel hat quasi erst jenen Standard gesetzt, an dem ich nachfolgende Titel bis heute messe. Was das konkret bedeutet? Kluges Leveldesign, ein herausfordernder Schwierigkeitsgrad mit unterschiedlicher Missionsgestaltung, Koop-Kampagne, Joanna Dark (!), freischaltbare Waffen und Karten, lokale Multiplayer-Perfektion, motivierendes Rangsystem mit ausführlichen Charakter-Statistiken, eine fähige KI (sowohl in der Kampagne, als auch im Multiplayer in Form von Bots) und eine mitreißende Story, die von Grant Kirkhopes grandiosem Cyperpunk-Soundtrack getragen wird. Klingt diese Auflistung ein wenig zu kühl? Vielleicht. Aber unter dem Strich machen diese einzelnen Elemente Perfect Dark zum besten Konsolen-Shooter aller Zeiten, dessen Komplexität und Intelligenz bis heute unerreicht geblieben sind.

 

 

Auf Perfect Dark wurde ich vor allem durch „Konsolero“ Michael Neudert aufmerksam, der den Titel bei GIGA Games anspielte. Unverzüglich importiert und den Nintendo 64 fast zwei Jahre mit kaum einer anderen Cartridge mehr gefüttert. Die meiste Zeit ging dabei für nächtelange Multiplayerschlachten drauf. Besonders die Möglichkeit die Spielmodi, Waffenauswahl und Regeln der jeweiligen Partien selbst bestimmen zu können, hat die Multiplayergefechte zu einer individuellen und auf die persönlichen Vorlieben abgestimmten Erfahrung werden lassen. Klassischer Deathmatch-Modus auf der Karte Area 52 mit der RCP 120, dem Laptop-Gewehr, der Falcon 2, der Dragon,… – ein Glück, dass meine videospielaffinen Freunde und mein Bruder sich damals ebenfalls so schnell in Perfect Dark verliebt haben und die nächtelangen Deathmatch-Schlachten gleichermaßen zelebrierten.

Im Vergleich zu anderen Lieblingsspielen, wie The Secret of Monkey Island, Borderlands oder Secret of Mana, habe ich Perfect Dark nach dieser N64-Zeit nicht mehr länger gespielt. Zwar noch kurz in die HD-Variante auf der Xbox 360 reingeschaut, aber irgendwie möchte ich, dass mir das Spiel als zeitloser Klassiker in Erinnerung bleibt, dessen „Alterungsprozess“ ich gar nicht sehen möchte. Auch Perfect Dark Zero habe ich, aus guten Gründen, bewusst ausgelassen. Perfect Dark ist der Titel, mit dem ich wahrscheinlich die längste Zeit meiner Spielerhistorie verbracht habe und irgendwie auch eine Zäsur. Es war zugleich der letzte Titel, den ich in dieser Form und Intensität im lokalen Multiplayer gespielt habe. Und während dem Schreiben dieses Textes wurde mir dann doch klar, dass mir das Schreiben über mein Lieblingsspiel doch nicht so leichtfällt. Die Erinnerungen sind lebhaft im Kopf abgespeichert und verknüpft mit meinem damaligen „Ich“. Man hätte diesen Text sicher anders aufbauen können, vielleicht eine besondere Erinnerung bei der Bewältigung der Stealth-Mission Chigaco oder die individuellen Regeln im Multiplayer (Sekundärfunktionen der RCP 120, des Laptop-Gewehrs und der Dragon durften nicht genutzt werden!) erzählen können – aber irgendwie wurden all die so angelegten Textentwürfe nie dem gerecht, was ich mit dem Spiel verknüpfe. Denn unter dem Strich steht letztlich, dass ich mit keinem Videospiel jemals mehr Spaß und Freude hatte und Perfect Dark daher absolut zurecht die Bezeichnung „Lieblingsspiel“ trägt.

Verfasst von
Joshua ist Herausgeber und leitender Redakteur von Gaming-Universe. Neben News, Vorschau- und Testberichten liegt sein inhaltlicher Schwerpunkt vor allem bei Magazin-Artikeln und Interviews. Spielerische Lieblinge zeichnen sich vor allem durch eine tiefgründige oder emotionale Geschichte aus – wobei er ansonsten viel Zeit in Partien mit der einzig wahren Fußballsimulation investiert.

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3 Kommentare auf "Lieblingsspiel: Perfect Dark"

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Z.Carmine
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Zumindest für damalige Verhältnisse sieht das in dem Video spielerisch schon gut aus.
Das Nostalgie-/Alterungsproblem ist für mich ein wichtiger Grund, hochgelobte Spiele vergangener Zeiten eher nicht nachzuholen. Secret of Mana war z.B. Jahrzehnte später ein Reinfall.

Sunny
Editor

Ich kenne dieses Nostalgie-/Alterungsproblem gar nicht. Ich kann jederzeit NES, SNES und N64 Spiele spielen und habe immer noch Spaß. Natürlich ist es nicht mehr ganz so spaßig wie beim ersten mal Spielen des Spiels, aber es macht immer noch Spaß. Also ich habe Secret of Mana erst vor ein paar Jahren wieder gespielt und mir hat es Spaß gemacht. Dann habe ich Castlevania auf dem NES Mini letztes Jahr das erste Mal gespielt und auch das fand ich abseits der hohen Schwierigkeit gut.

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