Kritiken

Mad Max im Test

Feuerspeiende E-Gitarren, silbermündige Freaks und mitten drin ein Mann, der möglicherweise noch verrückter ist als der Rest. Mad Max. Der Kinosommer wurde von Mad Max: Fury Road ordentlich aufgemischt. Brachiale, handgemachte Action traf auf eine Menge Stil. In diese großen Fußstapfen tritt das Videospiel von den Open World-Action-Experten von den Avalanche Studios. Fasziniert uns das Wasteland in spielbarer Form genauso? Wir haben Mad Max ausgiebig getestet und verraten es euch!

(K)eine Hoffnung im Wasteland?
Nur wenige Überbleibsel erinnern an das Leben vor den katastrophalen Ereignissen, welche die Erde wohl auf ewig verändert haben. Fotos von Hunden, die als Haustiere geschätzt wurden, statt als potentieller Leckerbissen. Es überlebten nur vereinzelte Erinnerungsstücke an Freundschaften, Familien und Liebe. Dinge wie diese sind in der stimmungsvollen Dystopie von Mad Max beinahe vergessen. Stattdessen bestimmen Anarchie und Gewalt das Leben der übrig gebliebenen Menschen. Es herrschen nun gewaltbereite Warlords über die endlosen Wüsten der Erde. Einer davon, der hünenhafte Lord Scrotus, nimmt zu Beginn des Spiels unseren Helden Max ins Visier und zeigt ihm ganz klar, wer das Sagen hat. Zu allem Übel raubt er ihn aber auch um sein Auto, sodass dieser plötzlich mit einer blutigen Nase und ohne Fahrzeug in den lebensfeindlichen Weiten gestrandet ist. Bevor akuter Wassermangel seinem Leben ein frühes Ende bereitet, trifft er jedoch auf Chumbucket. Der durchgeknallte Mechaniker hält Max für ein gottgleiches Wesen, dessen Ankunft in seiner Pseudoreligion prophezeit wird. Seinen Auftrag kann seine Heiligkeit allerdings nur erfüllen, wenn er den Magnum Opus fährt: die schnellste Karre im ganzen Ödland. Chumbucket ist der Meinung, dass er dieses bereitstellen muss. Notgedrungen lässt sich unser Held auf die Fantasien ein und so macht sich das ungleiche Duo daran, die nötigen Teile für das Gefährt zusammenzusuchen, um letztendlich Rache an Scrotus zu nehmen. Diese Prämisse zieht sich durch das ganze Spiel, ohne wirklich viel Raum einzunehmen. Das passt meiner Meinung nach auch ganz gut, denn wirklich ansprechend fand ich die Story nicht. Wesentlich besser haben mir die Geschichten gefallen, die durch die Spielwelt selbst erzählt werden. Die riesige Karte von Mad Max ist gespickt mit allerlei interessanten Orten und Fragmenten, die Rückschlüsse auf die Zeit vor der Katastrophe erlauben. Auch die Bewohner des Ödlands vermitteln gut, was es heißt in dieser Welt aufzuwachsen. Sie sind gezeichnet von Narben – psychischer wie auch physischer Art.

Selten war eine Wüstenlandschaft so schön.

Verstaubte Technik?
Die atmosphärische Spielwelt profitiert zudem von einer schicken Optik. Die Rot- und Brauntöne der Landschaft entsprechen denen des Films. Und was da schon funktioniert hat, gefällt uns auch in der spielbaren Form wieder. Auch wenn die Story kaum direkten Bezug auf Furiosa und Co. nimmt, dürfen sich Fans des Streifens also über optische Gemeinsamkeiten freuen. Wenn sich Sandstürme am Horizont bilden oder der Bildschirm in die brachialen Flammen einer Explosion gehüllt wird, sieht das einfach klasse aus. Die Entwickler haben auch kleinere Details wie etwa Fußspuren im Sand nicht vergessen. Leider geht die schicke Optik immer wieder auf Kosten einer flüssigen Bildrate. Die von uns getestete Xbox One-Version hat immer wieder mal wieder mit merklichem Stottern zu kämpfen. Unspielbar ist es nie, aber es erinnert den Spieler daran, eben doch nur vor dem heimischen TV zu sitzen.

Spuren hinterlassen
Mad Max ist von der Spielstruktur her ein recht klassisches Open World-Spiel, wie man es in den letzten Jahren immer wieder gesehen hat. Die weitläufige Karte ist in mehrere Herrschaftsbereiche aufgeteilt, auf die ihr als Spieler Einfluss nehmen könnt. Entweder indem ihr verfeindete Basen säubert, Aussichtstürme niederreißt oder actionreiche Quests von befreundeten Siedlungsführern annehmt. Je weiter ihr in der Story voranschreitet, desto größer wird die Anzahl an möglichen Zeitvertreiben, die auf der Karte markiert sind. Mad Max bietet eine ganze Menge an Inhalten für euer Geld, die überwiegend eine hohe Qualität besitzen. Da allein aufgrund der schieren Masse an Aufgaben irgendwann Langeweile durch Wiederholung eintritt, lautet die wesentlich interessantere Frage: kann das Spiel auch eigene Akzente im nahezu überlaufenen Genre setzen?

Die Freaks des Ödlands erlauben euch keine Spazierfahrten.

Diese Frage kann ich erfreulicherweise weitestgehend mit „Ja“ beantworten. Genau wie in der Story nimmt euer Auto auch im Gameplay eine wichtige Rolle ein. Die Avalanche Studios nutzen das Gefährt nicht nur als Mittel um weite Entfernungen zu überbrücken, sondern binden es direkt in das Kerngameplay des Spiels ein. Euer Magnum Opus ist gleichzeitig Fortbewegungsmittel, Rammbock und Waffe und somit in vielen Situationen unerlässlich. Wollt ihr beispielsweise eine Basis der Feinde erobern, solltet ihr euch zunächst um die angrenzenden Scharfschützen-Türme kümmern. Entweder ihr parkt außer Sichtweite und nutzt die eingebaute Sniper, oder ihr verlasst euch auf die Panzerung eures Gefährts und reißt die Aussichtspunkte mit der Harpune ein. Letztere kommt euch auch im Kampf gegen Auto-Karawanen zugute, lässt sich damit doch der ein oder andere Fahrer direkt aus seinem Fahrersitz ziehen. Seid ihr ohne fahrbaren Untersatz unterwegs, müsst ihr die Raufbolde des Ödlands mit euren Fäusten bekämpfen. Zwar besitzt ihr auch eine Schrottflinte, doch die Munition dafür ist rar gesät. Die Suche nach Resscourcen erweitert das Gameplay um einen spannenden Survival-Aspekt, der sich stellenweise deutlich auf den Schwierigkeitsgrad auswirkt. Da ihr euch eure Patronen aufsparen solltet, vermöbelt ihr sie also mit einem Combo-System, das eindeutig der Arkham-Reihe entliehen ist. Das Original profitiert jedoch von den vielen Gadgets, die das Geschehen aufmischen. Zwar könnt ihr als Max auch Waffen und explosive Objekte im Level nutzen, aber den Tiefgang und die Qualität, die wir von der Batman-Reihe gewohnt sind, erreicht Mad Max leider nicht. Die nervigen Faustkämpfe verzeihen wir aber gern, weil die Gefechte mit dem Magnum Opus durch viel Abwechslung und zahlreiche Möglichkeiten überzeugen.

Das liegt insbesondere am komplexen Fortschrittssystem, das es euch erlaubt Max und sein Gefährt nach eigenem Wunsch anzupassen. Ihr braucht eine stärkere Harpune, um feindliche Fahrzeuge ihrer Panzerung zu berauben? Kein Problem! Oder bevorzugt ihr grobere Methoden? Einige zusätzliche Spikes bringen die Motoren der gegnerischen Fahrzeuge sicher schnell zum Qualmen. Im Spielverlauf entwickelt sich der Magnum Opus vom nahezu schrottreifen Untersatz zu einem wahren Wüstenmonster, das kaum zu stoppen ist. Auch Max ist in mehr Aspekten als nur seinem Aussehen anpassbar. So könnt ihr außerdem seine Fertigkeiten und Ausrüstung detailliert verbessern. Finanziert wird das Ganze mit Metallschrott, der auf der gesamten Karte verteilt ist. Jeden Dünen-Winkel zu erkunden lohnt sich also doppelt!

In Situationen wie diesen heißt es: Cool bleiben!

Freiheit hat ihre Grenzen
Während euch das Spiel in typischer Open World-Manier früh gestattet in alle möglichen Richtung aufzubrechen, trübte die Steuerung leider meinen Entdeckerdrang. Während die etwas schwerfällige Steuerung eures Autos zu Beginn dessen verbesserungswürdigen Zustand geschuldet- und somit beabsichtigt ist, hat Max selbst immer wieder für Frust gesorgt. So sind viele Aktionen nur explizit möglich, wenn es euch das Spiel gestattet. Springen kann Max beispielweise an speziell dafür vorgesehenen Punkten. Dadurch hatte ich nie so richtig das Gefühl voll in Kontrolle zu sein. Das Zielen mit eurer Schrottflinte gestaltet sich zudem auch ziemlich fummelig, weshalb die Kugeln gerne mal alles treffen – bloß nicht das beabsichtige Ziel. Insbesondere angesichts des Ressourcenmangels habe ich mich oft darüber geärgert.

Mad Max ist durchaus ein Spiel das einen Blick wert ist. Einige kleine bis mittelgroße Probleme zum Trotz, haben mich die Abenteuer des ungleichen Duos die meiste Zeit gut unterhalten. Das liegt nicht zuletzt an der stimmungsvollen Spielwelt, die mit ihrem beinahe schon außerirdisch anmutenden Landschaft zur ein oder anderen Spazierfahrt einlud. Im überraschend farbenfrohen Sandmeer hat mich allerhöchstens die problematische Bildrate aus der Illusion gerissen, das Ödland unsicher zu machen. Die Aufgaben sind zahlreich und können glücklicherweise auch für viele Spielstunden unterhalten, bevor die ständige Wiederholung an der Motivation zum Weiterspielen zehrt. Letztendlich ist Mad Max ein gutes Action-Spiel, das es schafft in einem hart umkämpftem Genre auch eigene Akzente zu setzen.

Action-Spiele und Shooter aller Art sind Roberts Fachgebiet. Zwischendurch darf es aber auch gerne ein Spiel mit spannender Story und dichter Atmosphäre sein. Wenn er nicht gerade auf Xbox Live unterwegs ist, verfasst er bestimmt Artikel und News für Gaming-Universe.