Kritiken

Mario Kart 7 im Test

Nachdem der wohl berühmteste Klempner der Welt durch Super Mario 3D Land so manchen Fan begeistern konnte, kehrt er nur kurze Zeit später erneut auf den Nintendo 3DS zurück. Doch dieses Mal schwingt er sich nicht in den Waschbäranzug, um ein weiteres Mal die nach über einem Vierteljahrhundert immer noch wehrlose Prinzessin Peach aus den Klauen des bösartigen König der Koopas Bowser zu entreißen. Diesmal schwingt sich Nintendos Maskottchen wieder einmal in sein Kart! Lässt man die Arcade-Automaten-Versionen außen vor, handelt es sich hierbei nun auch schon um den siebten Teil der beliebten Fun-Racer Reihe. Ob denn die Zahl sieben wirklich Glück bringt und Mario Kart 7 an den hohen Standard der Reihe anknüpfen kann, erfahrt ihr hier bei uns, im GU-Test!

Was lange währt…
Schon länger wird der Mario Kart-Reihe vorgeworfen viel zu viele Elemente aus den bereits bekannten Vorgängern wieder und wieder zu verwenden und nur recht wenig Neues in den aktuellsten Titel einzuarbeiten. Nörgler werden demnach auch wieder bei Mario Kart 7 viel zu meckern haben: Die acht Fahrer, die zumindest anfangs auswählbar sind, sind altbekannt und auch die Hälfte der Strecken sollte einem echten Mario Kart-Veteranen bereits aus früheren Teilen bekannt vorkommen. Und auch das Turbo-System wurde komplett aus dem Wii-Teil übernommen – das heißt es reicht, wenn man sich möglichst gut in die Kurven legt und richtig hindurchschlittert, damit sich die beiden Booststufen ganz von alleine aufladen. Gerade im Vergleich mit dem Ableger für den Nintendo DS, bei dem man in der Kurve möglichst schnell das Steuerkreuz maltretieren musste, dass der Turbo optimal genutzt werden konnte, stellt dies so eine wesentlich angenehmere Weise dar. Selbstverständlich sind auch wieder so einige bekannte Items mit an Bord, wie zum Beispiel die allseits beliebten und gleichsam gefürchteten grünen und roten Panzer, Bananenschalen oder der rote Power-Boost Pilz.

Eine Prise Neues
Doch auch wenn viel altbekanntes seinen Weg in den neuesten Ableger des Fun-Racers gefunden hat, kann niemand Nintendo vorwerfen keine neuen Ideen eingebracht zu haben. Unter den neun zusätzlichen Charakteren, die erst durch besonderes Erfolge im Einzelspielermodus freigeschaltet werden müssen, befinden sich einige noch nie dagewesene Neuzugänge, wie unter anderem die aus Super Mario Galaxy bekannte Honigkönigin, Wiggler, der Tausendfüßler mit den roten Bäckchen und einer Blume auf dem Kopf, oder Metall-Mario.

Und auch die neuen Strecken wurden wunderschön gestaltet. Vom typischen drei-Runden-Einheitsbrei weichen ganz besonders die beiden Strecken ab, die sich rund um die aus Wii Sports Resort und Pilotwings bereits vertraute Insel Wuhu-Island drehen. Stattdessen werden hier zwei deutlich längere Routen quer über die Insel geboten, die durch je drei Checkpoints unterteilt werden. Doch auch die älteren Kurse wurden neu aufgepeppt und zum Teil so verändert, dass in manchen Passagen auch der vollkommen neue Gleitschirm Verwendung findet, der bei einem längeren Sprung von ganz alleine ausgeklappt wird. Dabei darf auch ein taktischer Aspekt keinesfalls missachtet werden: Bleibt man zu lange in der Luft, ist man natürlich langsamer, als wenn man auf dem Asphalt wieder Gas geben kann. Auf der andren Seite kann man in der Luft auch einige Hindernisse umsegeln und eventuell weitere Münzen einsammeln. Und dann haben sich natürlich noch die echt schön aussehenden Unterwasserpassagen ihren Weg in den Fun-Racer gefunden. Okay, zugegeben – spielerisch ändert sich durch jene zwar rein gar nichts, aber wenigstens machen sie optisch doch einiges her. Was natürlich noch bleibt, sind die von vielen – gerade den derzeit führenden – Spielern ach so sehr verhassten Items. Wie bereits erwähnt gibt es auch hier ein Wiedersehen mit so manch einem bekannten Klassiker, doch selbstverständlich wurde das Repertoire noch um die ein oder andere Gemeinheit erweitert. Nachdem im bereits im November erschienenen Super Mario 3D Land der Tanooki-Anzug seine Rückkehr feierte, wurde doch dessen Schwanz auch hier gleich als Item umfunktioniert. Dieser eignet sich perfekt, um Gegner im „Nahkampf“ erstmal umzuwirbeln oder aber, wenn man das richtige Timing erwischt, um den ein oder anderen Panzer elegant abzuwehren. Auch die Feuerblume feiert ihr Comeback – nachdem sie allerdings in Double Dash lediglich den beiden Klempnerbrüdern vorbehalten war, darf nun jeder Charakter Hand anlegen und mit dem harmlos wirkenden Blümchen seine Kontrahenten ordentlich durchgrillen, wenn diese ihm zu Nahe kommt. Doch am Interessantesten ist wohl die „7“. Denn hier erhält man nicht nur eine einzige Waffe, die man direkt auf seine Gegner loslassen kann, sondern gleich sieben! Doch auch wenn es zunächst anders klingt, zu übermächtig ist diese Superwaffe definitiv nicht geraten, denn nur weit zurückliegende Spieler kommen hin und wieder in den Genuss des Power-Ups.

Pimp my Ride!
Neu ist allerdings auch, dass man sich sein eigenes Gefährt ganz problemlos aus vielen verschiedenen Einzelteilen zusammenstellen kann, die sich auch allesamt in ihren Fahreigenschaften unterscheiden. Pro gesammelten 50 Münzen erhält der Spieler dann auch ganz automatisch neue Reifen, einen neuen Rumpf für das Kart oder ein neues Segel. Ein wenig schade ist es allerdings schon, dass vollautomatisch die neuen Bauteile freigeschaltet werden – eine Art Shop, in dem man sich bei Bedarf mit den gesammelten Münzen einen bestimmten Baustein erwerben könnte, wäre durchaus wünschenswert gewesen. Doch Vorsicht! Das pure Einsammeln des „Zahlungsmittels“ reicht allerdings nicht aus, damit es direkt eurem Konto gutgeschrieben wird. Werdet ihr inmitten eines spannenden Rennes von einem Panzer oder einem anderen Item erwischt, so landet ein Teil des Goldes wieder auf der Strecke.

War in den Vorgängern oftmals eine ziemlich große Portion Glück nötig, um letztendlich über Sieg und Niederlage zu entscheiden, steht dieses Mal wieder vor allem das eigene Können hinter dem Lenkrad im Vordergrund. Zwar sind einige übermächtige Items, wie zum Beispiel der blaue Panzer, der stets den Erstplatzierten in die Mangel nimmt, noch immer mit von der Partie, aber dennoch wirkt Mario Kart 7 an sich deutlich ausbalancierter und gleichzeitig auch fordernder als der Wii-Teil, da hier ein gut zusammengestelltes Kart, das eigene Fahrvermögen sowie eine ausreichende Streckenkenntnis deutlich erfolgsversprechender sind, als das Glück das richtige Item zur rechten Zeit zu erhalten.

Als einer der ersten richtige Vorzeigetitel für den 3D-Handheld aus dem Hause Nintendo nutzt Mario Kart 7 natürlich das eine oder andere Feature der Hardware. Über StreetPass könnt ihr zum Beispiel ganz einfach die Geistdaten von Anderen empfangen und dann gegen diese antreten. Oder ihr schaltet in einem Rennen in die Cockpitperspektive und steuert euer Kart über den Bewegungssensor. Das ist zwar bei weitem nicht so genau wie die recht präzise Schiebepadsteuerung, aber dennoch ziemlich spaßig. Doch auch hier wird schnell klar – auch wenn der 3D-Effekt im sonstigen Spiel recht gut gelungen ist und das Geschwindigkeitsgefühl wirklich gut unterstützt – Bewegungssteuerung und 3D-Effekt vertragen sich immernoch nicht. Aber auch abgesehen vom 3D-Effekt kann sich der quietschbunte Mario Kart-Teil auch optisch wirklich sehen lassen und überzeugt durch sehr liebevoll gestaltete Strecken und vor allem deren Hintergründe, die vor Charme nur so sprühen. Gleiches gilt auch für den Sound, der es stets schafft gute Laune zu verbreiten und den Spieler stellenweise geradezu zum Mitsummen zwingt.

Allein gegen den Rest der Welt!
Neben den acht Cups, die es in drei verschiedenen Schwierigkeitsgraden zu durchfahren gilt, wurde noch an Zeitrennen sowie an zwei verschiedene Kampfspiele gedacht: zum einen an die bekannte Ballonschlacht, bei der jeder Spieler mit drei Ballons startet und am Ende der als Sieger hervorgeht, der die meisten zum platzen bringt und somit als einziger Überlebende am Ende übrig bleibt. Zum anderen die Münzschlacht, in der es darum geht möglichst viele Münzen einzusammeln und gleichzeitig den Gegenspielern möglichst viele davon wieder zu entreißen. Aber dass der wesentliche Fokus eines Mario Karts noch nie auf dem Einzelspielermodus lag, sollte eigentlich bereits bekannt sein – auch Mario Kart 7 stellt hierbei keine Ausnahme dar, da auch hier wieder die Solokarriere innerhalb eines Abends locker beendet werden kann. Letztendlich macht es aber auch wirklich viel mehr Spaß sein Talent gegen echte Gegner aus Fleisch und Blut zu messen. Und das geht selbstverständlich wie gewohnt sowohl lokal als auch über das World Wide Web. Wie man es auch bereits aus dem DS-Teil kennt hat der lokale Mehrspielermodus den Vorteil, dass man lediglich ein einziges Modul braucht – andere 3DS-Besitzer können sich ganz einfach einklinken und machen auf diese Weise den Kurs als Shy Guy unsicher. Neu ist allerdings auch, dass nun auch Partien zwischen Cartridge-Besitzern und Nichtbesitzern möglich sind.

Doch gerade was seine Onlinemöglichkeiten betrifft, so kann sich Mario Kart 7 durchaus auf die eigene Schulter klopfen. Zwar existiert noch immer keine Art (Voice-)Chat, doch bietet es drei verschiedene Möglichkeiten sich mit anderen Spielern auf eine Spritztour zusammenzutun. Zum einen bietet sich da selbstverständlich ganz komfortabel die eigene Freundesliste an. Zum anderen hat Nintendo hier ein Communitysystem eingeführt. Das bedeutet, dass eine Person eine Community eröffnet und dann seinen Freunden oder im GU-Forum den generierten Code bekannt gibt. Andere Spieler können dann über jenen Code ganz bequem einfach den Raum betreten, ohne erst mit jedem einzelnen Mitglied ganz umständlich Freundescodes austauschen zu müssen. Und zuletzt gibt es noch die Möglichkeit, dass ihr euch zufällig mit irgendwelchen Gegnern aus der ganzen Welt verbinden lasst. Das Spiel selbst analysiert anhand eurer bisherigen Erfolge ungefähr eure Stärke und wirft euch dann mit etwa gleichstarken Kontrahenten in einen Topf. Gerade für Neulinge und auch Veteranen durchaus praktisch! Und außerordentlich flüssig läuft das Ganze auch noch ab – in der Testphase konnten wir wirklich keinen einzigen Ruckler oder einen kurzen Lag bemerken. Vorbildlich, Nintendo!

Mit Mario Kart 7 hat Nintendo zwar weder das Rad noch die Reihe neu erfunden, schafft es aber erneut einen Fun-Racer herauszugeben, der sowohl allein als auch mit bis zu sieben anderen Spielern extremst Spaß bereitet. Und Nintendo hat auch definitv an den richtigen Stellen herumgeschraubt, so dass mit Mario Kart 7 ein Gesamtpaket erscheint, an dem eigentlich sogut wie alles stimmt und sich die Neuerungen perfekt in das gut 20 Jahre alte Spielkonzept einfügen. Schade ist natürlich, dass wenn man es genau betrachtet wirklich extremst viel schonmal da war. Natürlich macht es auch Spaß die alten Kurse entlangzubrettern, was wohl auch bei dem ein oder anderen Spieler ein starkes Nostalgiegefühl herbeirufen dürfte, doch es könnte echt nicht schaden, wenn Nintendo dem Spieler einmal deutlich mehr bieten würde, als zum Beispiel die Hälfte der Strecken aus alten Teilen immer und immer wieder zu recyceln. Doch das ändert nichts daran, dass Mario Kart 7 selbstverständlich immer noch ein wirklich extremst gutes Spiel ist und für jeden 3DS-Besitzer ein definitives Must-Have!

(Hinweis: Dieser Test wurde von unserer ehemaligen Redakteurin Barbara Bleier verfasst)