Kritiken

Mario & Luigi: Dream Team Bros. im Test

Wir schreiben das Jahr des Luigi, das Jahr des grünen Klempners, der eigentlich immer im Schatten seines Bruders stand und in seiner gesamten Karriere bislang nur wenige Soloauftritte spendiert bekommen hat. Und selbst wenn der vierte Ableger der Mario & Luigi-Reihe selbstverständlich wieder einmal nach beiden Brüdern benannt ist, so steht dieses Mal eindeutig Marios Brüderchen im Rampenlicht. In Mario & Luigi: Dream Team Bros. dreht sich alles ums Schlafen, ums Träumen und um die geheimnisvolle Insel La Dormita. Wie sich der vierte Mario & Luigi-Teil schlägt, haben wir für euch herausgefunden!

La Dormita – Eine Insel zum Träumen
Natürlich beginnt alles ganz friedlich. Prinzessin Peach hat eine Einladung von einem sogenannten Doktor Schlummermehr bekommen, sein Vergnügungseiland La Dormita unter die Lupe zu nehmen. Die Prinzessin kann das Angebot natürlich nicht ausschlagen, die Koffer sind alsbald gepackt und man macht sich auf die Insel einmal genauer unter die Lupe zu nehmen – Mario und Luigi sowie eine Kolonne Toads schließen sich dabei ebenfalls an, man will die Prinzessin ja auch nicht alleine in die große weite Welt schicken. Zwar lässt sich der Gastgeber zunächst nicht blicken, doch das stört die Urlauber zunächst kein bisschen. Alle amüsieren sich prächtig, doch auf einmal – wie könnte es auch anders sein – ist Prinzessin Peach wie vom Erdboden verschluckt. Das Klempner-Duo macht sich sofort auf sie zu suchen und zu retten. Luigi wird das ganze einfach zu viel, er braucht dringend eine Auszeit und gönnt sich auf einem der seltsamerweise überall herumliegenden Steinkissen ein paar Minütchen Schlaf. Mario traut seinen Augen kaum: Ein Wirrwarr an Farben tut sich vor seinen Augen auf, das direkt aus dem Kopf seines Bruders zu kommen scheint. Schließlich findet dieser sich direkt in den Träumen von Luigi wieder. So richtig verrückt wird das Ganze aber erst, als sich herausstellt, dass Luigi eine mysteriöse Verbindung mit der Insel zu haben scheint und dass was sich in seinem Kopf abspielt auch eine Auswirkung auf die Realität hat.

In Luigis Träumen geht es rund!
In Luigis Träumen geht es rund!

Wir kennen die Klempner-Brüder ja schon lange und natürlich ist es nichts Neues, dass sie eigentlich nie mit einer sonderlich ausgefeilten Geschichte daherkommen. Die flauschige Mythologie rund um die Kisse, einem Volk, das nun in der Form versteinerter Kissen überall auf der Insel herumliegt, wirkt größtenteils so, als hätte man versucht die Story so breit wie möglich auszurollen, aber gleichzeitig in Kauf genommen, dass sie dadurch unfassbar dünn wird. Und ganz besonders, wenn man nach vielen dutzend Spielstunden wieder auf ein neues ach so wichtiges Objekt stößt, das man weitere Stunden lang erst suchen muss, nur damit es dem Spieler dann vor der Nase weggeschnappt wird und man daraufhin einfach neue Objekte finden muss, lässt den Spieler wie einen Esel erscheinen, der hartnäckig immer wieder anderen Karotten hinterherläuft, die er dennoch nie erreichen kann. Während man zu NES-Zeiten damals in Super Mario Bros. noch über das „The princess is in another castle“ schmunzeln konnte, wird das Prinzip hier an die Spitze getrieben. Überhaupt – die Aufgaben, die den fleißigen Klempner-Brüdern gestellt werden, gehen selten über das typische „Renne von A nach B und danach gleich weiter zu C“ hinaus während sich Wach- und Traumwelt immer wieder abwechseln.

♫ Leb deinen Traum, denn er wird wahr ♫
Und gerade die beiden Welten könnten unterschiedlicher kaum sein. La Dormita lädt stets zum Erkunden ein und bietet dabei auch wahnsinnig viel zu entdecken. Man steuert die beiden Brüder dabei gleichzeitig in einer 2,5D-Welt über die Karte, wobei jeder der beiden über einen eigenen Aktions-/Sprung-Knopf verfügt. Das Vergnügungseiland hält dabei weitreichende Areale, zahlreiche Sammelaufgaben – die dabei helfen die Brüder zu stärken, oder einfach neue Attacken, kleine Puzzlespielchen und ähnliches freischalten – und ein paar zusätzliche Nebenquests bereit. Stoßen die beiden Helden auf feindliche Monster, so legen sie sich Seite an Seite mit den Ungetümern an. Kaum legt sich Luigi allerdings auf eines der steinernen Kissen, so sieht die gesamte Welt gleich ganz anders aus. Eigentlich gibt es zwei große Unterschiede: die absolute Surrealität der Welt, in der nichts wahr, aber alles erlaubt ist, und die Perspektive. Statt wie in der Wachwelt die volle Kontrolle in alle Richtungen zu haben, befindet wir uns in Luigis Träumen auf einmal in einem 2D-Ansicht, wie man es zum Beispiel aus der New Super Mario Bros.-Reihe kennt. Statt den erkundungsfreundlichen Arealen erwarten uns hier plötzlich lineare Jump’n’Run Passagen mit Kampfeinlagen. In den Kämpfen hat man plötzlich nur noch über Mario die Kontrolle, Luigi selbst wird von einer höheren Macht gesteuert und verstärkt wie ein Schatten Marios Angriffe um ein Vielfaches. Sieht man im Hintergrund Objekte, die eine unabstreitbare Ähnlichkeit mit dem grünen Klempner haben, so schlüpft Luigi mit einem Tastendruck in das Objekt hinein und kann dabei auf vielfältige Weise seine Umgebung beeinflussen. Diese Luigisionen sprühen voller neuer, interessanter Ideen. So kann Luigi zum Beispiel mit einem Baum verschmelzen – zieht man währenddessen in der wirklichen Welt, auf dem Touchscreen, an seinem Bart, reckt sich ein Ast der Luigision in genau die Richtung, in die man den Bart des Klempners gezogen hat. Auf diese Weise kann man später auch die Zeit vorspulen und verlangsamen, die Schwerkraft umgehen, heftige Windböen erschaffen oder auch einen riesigen Turm aus Luigis erschaffen, um Orte zu erreichen, die man sonst alleine nicht hätte betreten können.

Das Herzstück von Dream Team Bros. ist allerdings wie bereits schon in den Vorgängern das absolut hervorragende Kampfsystem. Wie schon angesprochen schlagen sich die beiden Brüder in der realen Welt gemeinsam durch Gegnermassen, jeder mit seinem eigenen Aktionsknopf. Während ihr zunächst nur Sprungangriffe zur Verfügung habt, gesellen sich dort alsbald auch noch mächtige Attacken mit dem Hammer hinzu. Stures durch die Menüs klicken und dann abwarten, was passiert erwartet euch in Mario & Luigi zum Glück jedoch nicht. Im Kampf seid ihr gefordert, wie in kaum einem anderen rundenbasiertem Rollenspiel, drückt ihr im richtigen Moment kurz vor eurem Angriff die Aktionstaste eures Helden, so erhöht sich die Kraft des Angriffes enorm. Gehen eure Feinde in die Offensive, könnt ihr ebenfalls mit dem richtigen Timing deren Attacke ausweichen, manchmal sogar den Angriff parieren, dass die Monster eine ordentliche Portion Schaden einstecken müssen. Nebst ihren Lebenspunkten verfügen die Brüder jeweils noch über einen Vorrat an BP, den sogenannten Brüderpunkten. Im Austausch für ein paar dieser Punkte starten Mario und Luigi einen mächtigen Angriff, der durchaus mehrere Gegner auf einmal in den Tod reißen kann. So bewaffnen sich die beiden zum Beispiel mit der bekannten Feuerblume und fackeln mit Feuerball um Feuerball ihre Widersacher ab. Im Traum laufen die Kämpfe größtenteils ähnlich ab, nur dass die speziellen Brüderattacken durch Traumattacken ersetzt wurden, in denen Luigis Fantasie Mario in den Kämpfen von enormen Vorteil ist. Im Übrigen: Alle die bei Paper Mario: Sticker Star entrüstet aufgeschrien haben, können hier wieder aufatmen: die altbekannten Erfahrungspunkte sind wieder zurück, die beiden Brüder steigen also nach einigen absolvierten Kämpfen nach und nach auf und ihre Werte verbessern sich erheblich. Ebenso könnt ihr nach jedem Level-Up einen Wert noch einmal explizit auswählen und diesen zusätzlich noch einmal um ein paar wenige Punkte erhöhen. Die Charaktere lassen sich also zumindest ein wenig nach Belieben verformen. Dabei levelt natürlich jeder der beiden für sich allein. Auf Level 8 angekommen erhöht sich auch sogleich der Rang der Figuren. Dadurch können noch einmal zusätzliche Fähigkeiten vergeben werden, wie zum Beispiel die Möglichkeit ein Ausrüstungsstück mehr zu tragen, mehr Erfahrungspunkte zu kassieren oder bei jedem Level Up den Angriff noch einmal zusätzlich zu stärken.

Die rundenbasierten Kämpfe sind wieder einmal ein Higlight.
Die rundenbasierten Kämpfe sind wieder einmal ein Higlight.

Traumhafte Technik?
Auch Dream Team Bros. sieht auf dem 3DS wirklich fantastisch aus und wirkt so richtig charmant. Massig liebevolle Animationen machen die beiden Brüder unfassbar lebendig und auch wenn die Unterschiede zwischen den Sprites und den 3D-Objekten immer wieder ein wenig ins Auge stechen, so bleibt Mario & Luigi 4 auf jeden Fall sehenswert, ganz besonders im wunderschönen 3D-Modus, der auf dem Handheld eindeutig zu den besseren gehört. Die Musik jedoch fängt bereits nach kurzer Zeit an ein wenig auf die Nerven zu gehen, gleicht sie doch leider lediglich ein wenig besserem Fahrstuhlgedudel.

Kein Zweifel: AlphaDream hat wieder einmal einen guten Job gemacht und hatte auch mit dem vierten Ableger der Mario & Luigi-Reihe ein solides Rollenspiel abgeliefert, das sich allein schon wegen dem herausragenden Kampfsystem lohnt. Gerade in den zwar recht linearen, aber einfallsreichen Traumsequenzen zeigt Nintendo, dass Kreativität in deren Studios noch immer eine große Rolle spielt. Kaum hat man sich gerade an ein Element gewohnt, wird ein neues eingeführt, das nochmal eines draufsetzt. Schade ist dabei nur, dass das Missionsdesign oftmals einfach zu wünschen übrig lässt und sehr repetitiv wird. Der verrückte Humor und die irrwitzigen Ideen der Entwickler machen hierbei aber wieder einiges wett. Fans von Rollenspielen sollten allein wegen dem Kampfsystem einmal einen Blick riskieren, diejenigen, die auch die Vorgängerteile mochten, werden auch mit Dream Team Bros. wieder ordentlich Spaß haben. (Hinweis: Dieser Test wurde von unserer ehemaligen Redakteurin Barbara Bleier verfasst)