Kritiken

Mario & Luigi: Paper Jam Bros. im Test

Während Nintendos Heimkonsole Wii U in den letzten Jahren nur spärlich mit neuer Software und insbesondere Rollenspielen versorgt wurde, mausert sich der Nintendo 3DS zu einer wahren Goldmine an Rollenspiel-Perlen. Nach Paper Mario: Sticker Star und Mario & Luigi: Dream Team Bros. veröffentlichte Nintendo mit Mario & Luigi: Paper Jam Bros. den bereits dritten Mario-Rollenspiel-Ableger auf dem 3D-Handheld und vereint damit erstmals die beiden unterschiedlichen Mario-RPG-Spielreihen. Ob es der Klempner auch in doppelter Ausführung schafft uns erneut vor den Bildschirm zu fesseln, lest ihr im folgenden Test.

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Ein folgenschwerer Unfall
Ihren Anfang nimmt unsere Geschichte, wie so oft, im Schloss von Prinzessin Peach, der Herrscherin über das Pilz-Königreich. Bei seinem alltäglichen Schlossrundgang bemerkt einer von Peachs treuen pilzköpfigen Helferleinen Toad ein Loch in einer kaum genutzten entlegenen Abstellkammer. Prompt ist der schlaksige Luigi zur Stelle, um sich die Sache einmal genauer anzusehen. Dabei entpuppt sich besagtes Loch als Mauseversteck, was Luigi beim Hervorkriechen einer seiner Bewohner so sehr erschreckt, dass er einen verhängnisvollen Unfall verursacht. Als er gegen ein Bücherregal kracht, fällt dabei nämlich ein ganz besonderes Buch heraus und mit ihm strömen äußerst wundersame papierartige Wesen in alle Teile des Landes. Es stellt sich heraus, dass das Buch die Heimat der Bewohner des Papier-Pilz-Königreichs darstellt. Sich seines Missgeschicks bewusst, macht sich Luigi also zusammen mit seinem Bruder Mario auf, um die verstreuten Papier-Wesen wieder dorthin zurückzubringen, wo sie herkamen.

Zuallererst gilt es die verängstigten Papier-Toads im Schloss aufzuspüren und in Sicherheit zu bringen. Dabei suchen sie sich die ausgefallensten Orte, um eurem wachsamen Auge zu entkommen. Ob in Blöcken, zusammengefaltet an Geländern oder flach gepresst auf Schildern – die Papier-Toads sind sich für kein Versteck zu schade. Unglücklicherweise sind die Racker aus dem Schloss nicht die einzig Verirrten ihrer Art und so wiederholen sich diese als Minispiel getarnten Suchquests von Zeit zu Zeit, jedoch nicht immer in gleicher Form. Durch die gebotene Abwechslung der Aufgaben, kommt deshalb auch bei der 10. Rettungsmission keine Langeweile auf. Ab und an können diese Zwangsquests aber durchaus auch den Spielfluss dämpfen, zum Beispiel wenn ihr den letzten verbleibenden Toad eines Gebiets auch nach gründlicher Erkundung nicht aufspüren könnt.

Nach ihrer Rettung kommen euch die zweidimensionalen Pilzköpfe dann im weiteren Spielverlauf zum Dank immer wieder zur Hilfe. Unter der Führung der bastelbegeisterten Toadette bauen sie verschiedene Hilfsmittel, die euch auf eurer Reise mehr als einmal aus der Patsche helfen. Doch dazu später mehr.

Wer Rollenspiele mit epischer Handlung gewohnt ist, der wird die Story von Mario & Luigi: Paper Jam Bros. wohl eher müde belächeln, denn dafür ist sie zu einfach und vor allem vorhersehbar gestrickt. Aus diesem Grund wird es für kaum jemanden einen Spoiler darstellen, dass auch die Prinzessin an einem gewissen Punkt im Spiel wieder mal von Allzeit-Bösewicht Bowser gekidnappt wird. Einziger Unterschied: Diesmal gibt es alle Pro- und Antagonisten gleich im Doppelpack, was für unsere Helden natürlich auch doppelten Ärger bedeutet. Dafür glänzt das Spiel zumindest wieder mit seinem typischen Humor, wenn beispielsweise Peach hinterfragt, warum sie immer wieder aufs neue nur „Hilf mir, Mario“ schreien soll oder euch Glitzerstern darauf aufmerksam, macht, dass ihr an eine vorerst unerreichbare Stelle später zurückkehren sollt, weil das in solchen Spielen so üblich sei.

Mario² & Luigi
Um vor der Bedrohung der zwei Koopa-Könige gewappnet zu sein, steht euch erstmals in der Serienhistorie nach ca. einer Spielstunde Papier Mario zur Seite – Papier Luigi dagegen aus unerfindlichen Gründen aber nicht. Dass ihr euer Abenteuer nun zu Dritt bestreitet, hat selbstverständlich auch Auswirkungen auf das Gameplay. Zunächst erwarten euch Rätsel, die zu Zweit nicht lösbar sind. Ein riesiger Felsblock versperrt den Weg? Mit der Kraft von drei Hämmern sind sie im Nu zu Staub zermalen. Zwischen euch und dem Ausgang tut sich ein endloser Abgrund auf? Bildet einfach eine menschliche Kette aus allen drei Charakteren und ihr seid fluchs auf der anderen Seite. Das tolle an den Trio-Fähigkeiten ist dabei, dass sie von Situation zu Situation auf unterschiedliche Weise genutzt werden können und sich so gut in den Adventure-Part des Spiels einfügen. Gelegentlich kommt ihr außerdem an engen Felsspalten vorbei, die nur von Marios 2D-Variante betreten werden können und nicht selten Blöcke mit äußerst nützlichen Items enthalten.

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Berührt ihr auf der Oberwelt einen von Bowsers oder Papier Bowsers Schergen, wechselt das Geschehen automatisch in den Kampfbildschirm. Viel getan hat sich an dem Grundgerüst des rundenbasierten Kampfsystems gegenüber den Vorgängern nicht. Abermals versucht ihr Runde für Runde euren Gegnern möglichst viele Energiepunkte abzuziehen, und könnt gegnerischen Angriffen mit etwas Geschick ausweichen oder sie sogar zurückwerfen. Besonders exaktes Timing ist wieder mal bei den Duo-Attacken gefragt. Drückt ihr die angezeigten Knöpfe im richtigen Augenblick, richtet ihr besonders hohen Schaden an.

Im Gegensatz zu den Mario-Brüdern aus Fleisch und Blut, ist Papier Mario fast zwingend auf Kopien angewiesen. Wählt ihr die Kopieren-Aktion, die euch einen Spielzug kostet, so erscheinen insgesamt fünf Papier Mario-Kopien, welche zwar keinerlei Defensive besitzen und jeweils mit einem gegnerischen Schlag Geschichte sind, dafür besitzen sie die gleiche Angriffsstärke, wie das Original. Je mehr von ihnen also noch zur Verfügung stehen, desto größer auch der angerichtete Schaden.

Solltet ihr mal an einem der meist sehr knackigen Boss-Kämpfe scheitern, hat das Spiel übrigens auch einige interessante Hilfs-Optionen parat. Relativ früh im Spielverlauf erhaltet ihr amiibo-Funktionskarten geschenkt. Besitzt ihr nun ein kompatibles amiibo, könnt ihr aus diesen Karten spezielle Effekte, wie die Heilung eines Charakters oder eine temporären Angriffssteigerung, gewinnen, die ihr beim Einlesen des amiibos über den separat erhältlichen amiibo-Reader oder Platzieren des amiibos auf dem Touchscreen eines New Nintendo 3DS ohne Verlust eines Zuges nutzen könnt. Dabei können zwar mehrere amiibo eingesetzt werden, jedoch jedes nur einmal pro Kampf. Auch wer keine amiibo besitzt, hat ab einem etwas späteren Zeitpunkt die Möglichkeit ein Set aus Kampfkarten zu verwenden. Ihre Funktionen sind den amiibo-Karten nicht unähnlich, doch ihr erhaltet wie bei einem echten Katenspiel immer nur eine zufällige Karte pro Runde aus eurem Deck und müsst für ihren Einsatz Sternenpunkte aufbrauchen. Die lassen sich wiederum durch erfolgreich ausgeführte Angriffe sammeln. Und wem auch das nicht hilft, der kann immer noch jederzeit in den Leicht-Modus wechseln, in welchem eure Charaktere deutlich stärker als normal sind, ihr aber im Gegenzug auf größere Belohnungen verzichten müsst.

Shadow of the Paper-Colossus
Neben den rundenbasierten Kämpfen erwarten euch in regelmäßigen Abständen auch Kämpfe gegen gigantische Pappkolosse. Genau hier kommen Toadette und ihre helfenden Papier Toads ins Spiel. Habt ihr genug verirrte Papier Toads eingesammelt, bauen sie euch nämlich euren ganz eigenen Koloss. Die Kolosskämpfe unterscheiden sich dabei maßgeblich von den normalen Kämpfen. In einem größeren freibeweglichen Areal steuert ihr euren Koloss durch die Gegend und müsst Gegner durch Rammattacken niederstrecken. Habt ihr ihnen genug zugesetzt, könnt ihr mit der A-Taste einen mächtigen Finishing-Move ausführen. Jede Aktion verbraucht allerdings auch Antriebsenergie. Einmal komplett aufgebraucht, müsst ihr erst eine Ladestation innerhalb des Areals aufsuchen und ein kurzes Rhtyhmus-Minispiel à la Jam with the Band absolvieren um den Tank wieder aufzuladen. Auch wenn sich dies uns jeglicher Logik entzieht und etwas aufgesetzt wirkt, so stellt es zumindest eine nette Auflockerung dar.

Die Kolosskämpfe sind - rollenspieluntypisch - sehr actionreich.
Die Kolosskämpfe sind – rollenspieluntypisch – sehr actionreich.

Technisch hat sich im Vergleich zu den Vorgängern ebenfalls nicht viel getan. Die Umgebungen sind Mario-typisch wieder bunt und idyllisch geraten und der Mix der 2D-Charaktere aus der Paper Mario-Welt mit der 3D-Welt aus Mario & Luigi funktioniert ebenfalls erstaunlich gut – gerade bei aktivierter 3D-Funktion, dennoch reißt das Spiel optisch keine Bäume aus. Selbiges gilt für den Soundtrack, der zwischen stimmungsvoll mitreißend und nicht beachtungswürdigem Beiwerk schwankt.

Man könnte meinen Alpha Dream würde langsam müde von der Entwicklung neuer Mario & Luigi-Titel, aber das scheint auch bei Mario & Luigi: Paper Jam Bros. noch immer nicht der Fall zu sein. Das erste Crossover der beiden Serien steht den Vorgängern in Nichts nach und glänzt mit einigen neuen Ideen. Besonders das Kampfsystem bereitet dank variablem Schwierigkeitsgrad Neulingen wie Rollenspiel-Veteranen gleichermaßen Spaß. Trotz allem reicht das alles nicht, um die Vorgänger bedeutend zu überflügeln. Mario & Luigi-Fans und Neulinge mit Rollenspielaffinität werden mit Paper Jam Bros. stundenlangen Spielspaß haben, wer jedoch große Innovationen erwartet, wird wohl eher enttäuscht.

Zu einem guten Plattformer sagt Karim selten nein, aber auch epische Rollenspiele fesseln ihn vor den Bildschirm. Im öffentlichen Nahverkehr vergnügt er sich auch gerne mit kurzweiligen Puzzlern – Mobile-Gaming auf dem Nintendo 3DS ist seine absolute Leidenschaft. Zuhause angekommen, kümmert sich Karim um Datenbankpflege oder versorgt euch mit aktuellen News und Anspielberichten.