Kritiken

Mario Tennis Open im Test

Camelot dürfte, obwohl es sich um ein vergleichsweise kleines Studio handelt, vielen Spielern ein Begriff sein. Eine von Sonys erfolgreichsten Marken, Everybody’s Golf, wurde von dem Studio entwickelt, eine langjährige Partnerschaft mit Nintendo im Anschluss hat eine Reihe von Früchten getragen. Das Highlight ist in dieser Hinsicht sicherlich die Golden Sun-Reihe, doch auch die Mario Sports-Reihe wurde von Camelot stark geprägt. Zwar ist Camelot sicherlich nicht der einzige Mario Sports-Entwickler, zuletzt konnte Sega in dieser Hinsicht ebenfalls große Erfolge feiern, doch mit der Mario Golf- und Mario Tennis-Reihe konnte Camelot qualitativ definitiv die Highlights dieser Reihe schaffen. Nach vielen Jahren der Auszeit und Restrukturierungen im Unternehmen kehrt Camelot nun zum Franchise zurück und hat Mario Tennis Open entwickelt. Doch kann Mario Tennis Open an die Erfolge auf dem Nintendo 64 und dem GameCube anknüpfen?

Qual der Wahl der Steuerungsoptionen
Startet man Mario Tennis Open erstmals, so wird man zunächst mit den zwei verschiedenen Steuerungsmethoden die das Spiel bietet vertraut gemacht. Man kann wie von alten Teilen der Reihe gewohnt mit Analogstick und Buttons spielen, man kann allerdings auch alternativ mit Gyrotationssensor und Touchscreen spielen. Auch Kombinationen wie Buttons und Gyrotationssensor oder Touchscreen und Analogstick sind möglich. Wer von den neuen Steuerungsoptionen nicht viel hält, kann die Bewegungssteuerung im Menü ausschalten – und sollte das auch dringend tun. Mario Tennis Open schaltet nämlich anderenfalls automatisch zwischen Button- und Gyrotationssensor um, wenn man den 3DS senkrecht hält oder wieder waagerecht hält. Das Hauptproblem hierbei ist, dass die Kamera hierbei hinter den Rücken des Charakters schwenkt und den Spieler so massiv verwirren kann.

Ansehnliche Charaktermodelle in Mario Tennis Open.

Andererseits nimmt einem die Gyrotationssteuerung auch die Steuerung seines Charakters über den Tennisplatz ab. Wenn man den 3DS senkrecht hält, lenkt das Spiel den Charakter automatisch in Position um den Ball zurückzuschlagen. Zwar kann man dann weiterhin mit dem Analogstick die Position des Charakters ändern, man steuert dann aber gegen die automatische Steuerung an. Für viele Spieler dürfte die Gyrotationssteuerung allerdings wohl zu simpel sein.

Spezialfelder für besondere Schläge
Die verschiedenen Schlagtechniken werden wahlweise per Touchscreen oder per Button ausgewählt und spielen abseits des normalen Tennisspiels auch noch eine wichtige Rolle im Spiel. So werden immer wieder auf dem Tennisplatz Spezialfelder auftauchen. Jedes Spezialfeld verfügt über eine zugeordnete Farbe, die wiederum mit einem bestimmten Schlag assoziiert ist. Steht man auf solch einem Feld und führt den korrekten Schlag aus, wird dem Ball ein besonderer Effekt mit auf den Weg gegeben. So kann man beispielsweise seinen Ball mit einem Feuerblumenfeld in einen Feuerball verwandeln, der den Gegenspieler zurückwirft, wenn er den Ball zurückschlägt – mit einem Bob-Omb-Feld kann man den Ball direkt hinter das Netz spielen und nicht hoch abprallen lassen. Weitere Möglichkeiten sind ein besonders schneller Schlag oder ein Schlag mit einem sehr starken Spin. Interessant ist die Möglichkeit, mit dem X-Knopf den Schlag vom Spiel selbständig auswählen zu lassen. Dadurch wird der Schlag zwar schwächer, aber die Spezialfelder werden immer aktiviert, wenn man auf ihnen steht.

Wenig Auswahl für Einzelspieler
Betrachtet man die Spielmodi, so fällt Mario Tennis Open wesentlich knapper aus, als vergangene Mario Tennis-Spiele. Einen Story-Modus gibt es nicht mehr, weiterhin vorhanden sind allerdings die Modi Cups, Einzelspiel und Minispiele. Das eigentliche Tennisspiel steht in den Cups und im Einzelspiel im Vordergrund. Insgesamt gibt es in Mario Tennis Open acht Cups zu gewinnen. Es wird gespeichert, mit welchen Charakteren man welche Cups gewonnen hat, so dass es durchaus sinnvoll ist, mit allen Charakteren, oder jedenfalls mit den Charakteren unterschiedlicher Ausrichtung das Spiel durchzuspielen. So gibt es Charaktere, die besonders schnell sind, wie beispielsweise Yoshi, oder solche, die sich zwar langsam bewegen, wenn sie aber einen Ball treffen, diesen besonders stark auf die andere Seite spielen, beispielsweise Bowser. Besonders schwierige Schläge mit Spin können vor allem Techniker schlagen.

Gelungene Schwierigkeitskurve in den Cups
In den Cups muss man drei Gegner besiegen, um schließlich den Pokal abzustauben. Manche Gegner muss man nur in einem Spiel schlagen, es gibt allerdings auch Gegner, gegen die man drei Spiele, sowie Gegner, gegen die man fünf Spiele spielen muss. Zu Beginn sind die Spiele völlig simpel. Wenn man die Spezialplatten ordentlich ausnutzt, hat man quasi die Garantie, jede Partie zu gewinnen. Gegen Ende steigt der Schwierigkeitsgrad allerdings enorm an und die Gegner werden wesentlich wendiger und stärker, Spezialplatten führen nur noch selten automatisch zum Sieg, man muss schon auf besondere Schwächen des Gegners setzen.

Bowsers Aufschläge haben ordentlichen Wumms!

So ist Bowser beispielsweise anfällig gegen Bob-Omb-Spezialplatten, wohingegen Yoshi ernste Probleme mit Feuerbällen hat, da er als Leichtgewicht sehr weit nach hinten gestoßen wird. Zum Glück speichert das Spiel nach jedem Match ab, so dass, wenn man das Viertelfinale gewonnen hat und im Halbfinale verliert, beim nächsten Mal im Halbfinale weiterspielen kann. Ansonsten würde Mario Tennis Open sicherlich für viele Spieler schnell frustrierend enden.

Super Mario Bros. meets Tennisball
Neben dem Standard-Tennis bietet Mario Tennis Open auch eine Reihe von Minispielen. Das gelungenste dieser Minispiele ist gewiss ein Minispiel, das das Tennis-Gameplay mit Marios Jump & Run-Wurzeln verknüpft. In dem Minispiel werden auf einer Wand Level im Stil des ersten Super Mario Bros. vom NES abgespielt. Der Spieler schlägt nun den Tennisball gegen diese Wand und kann auf diese Weise mit dem Level interagieren. Berührt der Ball einen Gegner, wird dieser getötet, berührt er hingegen ein Item oder eine Münze, so wird dieses eingesammelt. Nett ist, dass die Items dem Ball besondere Effekte verleihen. Mit einem Pilz kann man brüchige Blöcke zerstören, mit einer Feuerblume Gegner mit Feuerbällen abschießen. Ziel dieses Minispiels ist es nun, das Ende des Levels mit zwei Leben zu erreichen. Das wird allerdings dadurch erschwert, dass das Spiel mit einem Zeitlimit abläuft. Dieses reicht definitiv nicht aus, um zum Ziel zu gelangen, man muss es also erweitern. Hierzu muss man Zeit hinzugewinnen, indem man Items oder Münzen sammelt und Gegner besiegt. Wirklich eine gelungene Spielidee. Auch die übrigen Minispiele sind durchaus spaßige Angelegenheiten.

Ein Fest für Mehrspielerfreunde
Mehrspielerfreunde werden bei Mario Tennis Open sehr gut versorgt. So kann man wahlweise lokal oder online spielen und sich mit zwei, drei oder vier Spielern gleichzeitig messen. Die gegebenenfalls übrigen Spieler werden dann vom Computer übernommen. Besonders im Doppel mit vier Spielern macht das Spiel eine Menge Spaß und profitiert von dem abwechslungsreichen Geschehen auf dem Tennisplatz. Im Gegensatz zum Einzelspielermodus kann der Mehrspielermodus durchaus eine lange Zeit motivieren. So gilt wie so oft, dass Mario Tennis Open sich für Einzelspieler eher nicht lohnt, für Mehrspielerfreunde hingegen besonders.

Die Königsdisziplin: Das Doppel-Match!

Nett anzusehen
Optisch ist Mario Tennis Open durchaus gelungen und kann mit detaillierten Charaktermodellen, ansehnlichen Tennisplätzen und runden Animationen glänzen. Der Spielablauf ist absolut flüssig und der 3D-Effekt kommt hervorragend herüber. Mario Tennis Open ist also eines der hübschesten Spiele für den Nintendo 3DS und profitiert sicherlich auch von den kleinen Umgebungen, die das Spiel bietet. Auch auf akustischer Seite gibt es wenig zu meckern. Die Hintergrundmusik ist stimmungsvoll, die Charakter-Stimmen sind gewohnt gut umgesetzt und das Spiel bietet eine komplett deutsche Sprachausgabe.

Abschließend ist zu sagen, dass Mario Tennis Open ein unterhaltsames Spiel ist, das für Einzelspieler allerdings ein kurzes Vergnügen darstellt. Multiplayerfreunde freuen sich hingegen mal wieder über ein abwechslungsreiches, spannendes Spielerlebnis. Die technische Ausgestaltung des Spiels ist gelungen und die Vielfalt an Multiplayeroptionen ist löblich. Nichtsdestotrotz wäre es durchaus erfreulich gewesen, wenn Camelot in Anbetracht des mobilen Settings ein wenig mehr Arbeit in Langzeitmotivation für Einzelspieler gesteckt hätte.

Sebastian hat eine ausgeprägte Vorliebe für Jump & Runs, zählt aber auch Action-Adventures und Arcade-Spiele zu seinen Lieblings-Genres. Haupta...