Marvel vs. Capcom: Infinite Test

Die Helden und Schurken des Comic-Verlages Marvel und der Spieleschmiede Capcom messen sich schon seit mehr als 20 Jahren. Trotz, oder gerade wegen, der langen gemeinsamen Geschichte, haben sich Fans einen neuen Ableger gewünscht. Das letzte Spiel der Reihe ist schließlich schon knapp sechs Jahre alt und zwischenzeitlich hat sich bei beiden Firmen einiges getan – es ist also Zeit für ein Update! Mit Marvel vs. Capcom: Infinite erschien kürzlich das neuste Spiel der Reihe und soll Fanservice pur bieten. Ob dabei auch wirklich an alles gedacht wurde? Unser MvC Infinite Test klärt auf!

Für Fans beider Marken ist selbstverständlich wichtig, dass die beliebtesten Figuren für die Kämpfe verfügbar sind. Grundsätzlich deckt das Spiel tatsächlich die wichtigsten Serien ab. Insgesamt erwarten den Spieler 30 Recken, darunter auch ein paar Premieren. Capcom-Fans können sich beispielsweise auf Chris Redfield, Dante und Ryu freuen. Erstmals Teil der Action ist Jedah Dohma aus Darkstalkers und X aus der Mega Man-Reihe. Ein Monster Hunter und Sigma werden wohl per DLC nachgeliefert. Comicfans ziehen mit den wichtigsten Avengers in den Kampf. Einige der aus dem Kino bekannten MCU( Marvel Cinematic Universe)-Charaktere sind erstmals spielbar,  darunter Ultron und Gamora. Zudem ist auch Captain Marvel, die ja in Kürze auch ihren ersten Film spendiert bekommt, Teil der Kämpferriege. So interessante Kämpfer wie Black Panther müssen leider ebenfalls erst nachträglich gekauft werden. Fans der Reihe werden sich zudem wundern, wo die X-Men abgeblieben sind. Leider haben es Wolverine und Co. nicht ins Spiel geschafft und es steht in Frage, ob wir die Mutanten in Zukunft noch sehen werden. Auch Marvels beliebteste Familie, die Fantastic Four, sind abwesend. Für Fans dieser Comics ist das also ein ziemlicher Dämpfer. Insgesamt bietet das Spiel aber trotzdem eine abwechslungsreiche Sammlung von Kämpfern, die für verschiedenste Geschmäcker einen Spielstil bietet.

Problematischer als die Auswahl selbst ist, wie die traditionsreichen Charaktere in Szene gesetzt werden. Insbesondere die meisten männlichen Figuren sehen aus, als hätten sie eine Überdosis Testosteron injiziert bekommen und leiden in Folge dessen unter den Nebenwirkungen. Der Hals verschwindet da schon fast in der ausgeprägten Nackenmuskulatur. Aber auch Details, wie etwa Thors unnatürlich schwebender Umhang, sind den ikonischen Designs nicht würdig. Die Präsentation schwächelt aber nicht nur bei den Charaktermodellen, sondern auch hinsichtlich solch banaler Aspekte wie den Menüs, welche insgesamt den letzten optischen Schliff vermissen lassen.

Während man sich mit den simplen Menüs sicherlich arrangieren kann, sind sie leider Symptom eines Problems, das auch den brandneuen Storymodus betrifft. Denn weder die Story selbst, noch die Cutscenes, die sie erzählen, sind sonderlich ansprechend gestaltet. Ultron und Sigma sind zu Ultron Sigma verschmolzen, welcher prompt die Universen von Marvel und Capcom vermischt und diese mit einer Art Virus unterjochen will. Mit Hilfe der Infinity Stones soll dem Schergen das Handwerk gelegt werden. Ziemlicher Comic-Kitsch also, der wohl auch nur Hardcore-Fans von solchem wirklich längerfristig begeistern wird. Alle anderen können sich maximal über ein paar markante Sprüche ihrer Lieblinge freuen und sich an so kuriosen Begegnungen wie der von Donnergott Thor und dem mickrigen Ritter Arthur aus Ghosts ’n Goblins erfreuen.

Hinsichtlich des Gameplays macht Marvel vs. Capcom: Infinite aber einiges gut. Im Vergleich zum Vorgänger haben sich sogar zentrale Mechaniken verändert. Statt mit drei Kämpfern anzutreten, bestehen die Teams hier nur noch aus zwei Figuren. Zusätzliches Spielelement ist einer der sechs Infinity Stones, die euch im Gefecht unterschiedliche Boni bieten. Der Reality Stone lässt euch beispielsweise auf Knopfdruck ein Projektil verschießen, der Power Stone drängt Gegner zurück. Je nach gewählter Teamkombo, kann die Entscheidung für einen der Juwelen strategische Bedeutung haben und Schwächen der Charaktere etwas neutralisieren. Gleich geblieben ist, dass der Wechsel zwischen euren Spielfiguren von zentraler Bedeutung ist. Während der 2D-Kämpfe könnt ihr nun zu fast jeder Zeit den Kämpfer wechseln und so entweder Combos aufrecht erhalten, oder die Lebensenergie der angeschlagenen Spielfigur auffrischen. Die Kämpfe sind sehr dynamisch und bieten trotz eines simplen Combo-Systems, das Anfänger besonders zu Gute kommt, also genug Mechaniken, um auch Tiefgang für Hardcore-Fans zu bieten. Spaß macht Marvel vs. Capcom: Infinite also auf jeden Fall, zumindest wenn man sich mit dem Actionfiguren-Look abgefunden hat. Neben dem bereits angesprochenen Storymodus, dürft ihr euer Können auch im Arcade-Modus testen: Hier wählt ihr ein Zweierteam eurer Wahl, mit dem ihr immer stärkere Gegnerkombos bezwingen müsst. Am Ende warten dann zwei knifflige Bosskämpfe auf euch, die durchaus eine interessante Herausforderung darstellen. Im Missionsmodus sollt ihr bestimmte Moves ausführen, was euch dabei hilft, die Charaktere kennen zu lernen. Selbstverständlich gibt es auch einen Onlinemodus mit Casual- und Ranked-Matches. Leider hatte ich mit der getesteten Xbox One-Version, trotz keinerlei Einschränkungen bei Region oder Verbindungsqualität, Schwierigkeiten Gegner zu finden. Wer also mit dem Gedanken spielt, MvC Infinite vor allem wegen der Online-Kämpfe zu kaufen, könnte eine böse Überraschung erleben.

 

Fazit
Marvel vs. Capcom: Infinite kann mit seinem Gameplay überzeugen, wirkt aber vor allem hinsichtlich der Präsentation nicht mehr zeitgemäß. Liebhaber der Marken werden aber sicherlich ihre Freude am Fighting Game haben.
Toll
  • spaßiges Gameplay
  • anfängerfreundlich
  • gute Mischung von Spielfiguren
  • interessante Neuerungen
Naja
  • schwache Präsentation
  • kitschiger Story-Modus
  • wichtige Marken fehlen
  • Online herrscht tote Hose
6.5
Ordentlich
Verfasst von
Action-Spiele und Shooter aller Art sind Roberts Fachgebiet. Zwischendurch darf es aber auch gerne ein Spiel mit spannender Story und dichter Atmosphäre sein. Wenn er nicht gerade auf Xbox Live unterwegs ist, verfasst er bestimmt Artikel und News für Gaming-Universe.

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