Kritiken

Mein Lieblingsspiel: Okami

In unserer Artikelreihe „Lieblingsspiel“ stellen wir euch unsere Lieblingsspiele vor. Egal, ob Retro-Klassiker oder aktueller Blockbuster – alles findet hier seinen Platz. Keine Retro-Tests, keine Wertungen – vielmehr handelt es sich hier um eine Art Liebeserklärung an unser Lieblingsspiel. In dieser Ausgabe präsentiert Karim das im Jahr 2007 veröffentlichte Cel-Shading Action-Adventure Okami

Vor knapp 21 Jahren erhielt ich mit dem Game Boy Classic mein erstes eigenes Videospielsystem und seitdem kannte meine Begeisterung für das Gaming kein Halten mehr. Sich nach unzählig gespielten Titeln für einen absoluten Favoriten entscheiden zu müssen, ist fast so als sollte man als Vater sein Lieblingskind herauspicken. Dennoch hat mich das 2008 in seiner Wii-Version veröffentlichte Okami fasziniert wie bis dato und auch danach kein anderer. Warum Okami für mich als zeitloses Meisterwerk gilt, lest ihr in meiner ganz persönlichen Liebeserklärung an das Spiel.

Seinen Ursprung hat Okami auf der PlayStation 2, für die es 2006 in Japan zu einem verhältnismäßig späten Zeitpunkt der PS2-Ära erschienen ist. Unter der Federführung des – mittlerweile als Platinum Games neu formierten – Entwicklerstudios Clover Studio setzte man es sich zum Ziel, ein Action-Adventure mit einem stark japanisch angehauchten Setting, vom Epos im Stil eines 3D-The Legend of Zeldas zu kreieren. Dies ist den Clover Studios mehr als bravourös gelungen, denn sie haben das Spiel um einige sinnvolle und spaßige Spielelemente erweitert, die den Titel für mich sogar noch genialer als viele Ableger der Zelda-Reihe machen.

Okami versetzt euch in das fiktive Land Nippon (Anm. der Redaktion: eine Leseform der japanischen Schreibweise (日本) des Landes Japan), welches seit Generationen von dem furchteinflößenden Lindwurm Orochi geplagt wird. Dieser verlangt jedes Jahr zur selben Zeit das Opfer einer Jungfrau des Dorfes Kamiki um seinen unbändigen Hunger zu stillen. Nach dem Sieg des tapferen Kriegers Nagi und der mutigen Wölfin Shiranui herrschte zunächst eine langen Periode des Friedens. 100 Jahre nach diesem Triumph kehrt Orochi jedoch durch die Gier und Unachtsamkeit eines Dorfbewohners zurück und es liegt nun an uns, Amaterasu, der Wiedergeburt der legendären Wölfin, dem Monster erneut die Lichter auszublasen.

Okami erschien zeitnah zu dem damals langersehnten The Legend of Zelda: Twilight Princess. Ironischerweise spielte man auch in diesem Titel (zumindest zeitweise) einen Wolf, weswegen sich der Vergleich zwischen den beiden Titeln nahezu aufdrängte. Wie auch das Vorbild bietet Okami eine gigantische Oberwelt in 3D, die darauf wartet von euch erkundet zu werden. In regelmäßigen Abständen gilt es zudem ebenfalls Dungeons zu meistern, welche mit zahlreichen Rätseln gespickt sind. Davon abgesehen macht Okami jedoch einiges anders, und wie ich finde, sogar besser.

Während die Wolf-Parts im Nintendo-Abenteuer mitunter Tempo vermissen lassen und sich etwas träge spielen, hat man bei Okami stets das Gefühl, einen vollwertigen Videospielcharakter zu steuern; dem Fehlen von Armen und Beinen zum Trotz. So kann sich Amaterasu mittels Spiegeln gegen die von Orochi heraufbeschworenen Dämonen zur Wehr setzen, die ihr über euren Leuchtkäfer-ähnlichen Gefährten Issun verwenden könnt. Die verschiedenen Spiegel enthalten wiederum unterschiedliche Waffen, wie Schwerter oder Peitschen. Diese spielen sich nicht nur sehr unterschiedlich, sondern lassen sich verstärken und erweitern, was dem Spiel einen leichten Rollenspielcharakter verleiht.

Zentrales Spielelement ist und bleibt jedoch der magische Pinsel. Per Knopfdruck pausiert das Spielgeschehen und ihr könnt durch das Zeichnen bestimmter Symbole (diese müssen selbstverständlich vorher im Spielverlauf erlernt werden) diverse Angriffe einsetzen oder Gegenstände erscheinen lassen. Das wirklich tolle an diesem Feature ist dabei die Vielfältigkeit der Einsatzmöglichkeiten dieser Zeichnungen. Ein einfacher Strich stellt beispielsweise einen Schnittangriff dar. Fügt dieser im Kampf bloßen Schaden zu, lassen sich auf der Oberwelt damit hochhängende Früchte von Bäumen auf den Boden befördern oder lästige Bambussträucher durchsäbeln. Ein Kreis lässt dagegen verblasste Blüten und Bäume in neuer Pracht erstrahlen. In der 2008 erschienen Wii-Version ist dies sogar noch gelungener, da man die Symbole mittels Wii-Fernbedienung noch intuitiver auf den Bildschirm zeichnen kann.

Aber es ist nicht nur das Gameplay, das Okami zu einem absoluten Klassiker macht. Vor allem die Grafik sticht gleich ins Auge. Der Cel-Shading-Stil, kombiniert mit einer Tusche-Optik, lässt Okami wie einzigartiges japanisches Kunstwerk wirken. Selten hatte ich so viel Spaß dabei, einfach nur die schönen Landschaften zu betrachten. Daneben bleiben auch die schrulligen Charaktere in Erinnerung. Vom leicht perversen Sidekick Issun, der bei gut bestückten Frauen gerne mal zweideutige Kommentare ablässt, über den tollpatschigen Mr. Satan-Verschnitt Susano, bis hin zum mysteriösen Flötenspieler Waka, der mit einem englischen Akzent möglichst cool wirken will. Jede Figur besitzt ihren individuellen Charme.

OKAMI HD – LAUNCH-TRAILER für PS3

Gut 70 bis 80 Stunden vergingen bei meinem ersten Spieldurchlauf bis ich alles erkundet hatte und davon kam keine Minute Langweile auf. Das liegt nicht zuletzt eben an der Detailverliebtheit, die man dem Spiel an allen Ecken anmerkt. Bis auf den von Clover Studios unabhängig entwickelten Handheld-Nachfolger Okamiden und die auf PlayStation 3 veröffentlichte HD-Portierung ist es leider ziemlich still um das Franchise geworden. Doch Hideki Kamiya, Producer des Originals, bekundete bereits des Öfteren das Interesse an der Entwicklung eines brandneuen Teils. Ich für meinen Teil würde mich jedenfalls sehr über ein Okami 3 freuen. Solange bleibt jedoch das Original auf dem All-Time-Favoriten-Thron.

Zu einem guten Plattformer sagt Karim selten nein, aber auch epische Rollenspiele fesseln ihn vor den Bildschirm. Im öffentlichen Nahverkehr vergnüg...
Okami ist auch eins meiner Favoriten. Ich mag Spiele die Umsetzung japanischer Mythen und Folklore super gern.
Tatsächlich fand ich die Pinselsteuerung aber auf der PS2 noch angenehmer als auf der Wii. War weniger fummelig.
    Ich hab die PS2-Version nie gespielt, aber ich bin mit der Pointer-Steuerung gleich super klar gekommen. Fand das damals sehr intuitiv. Noch besser wäre wahrscheinlich nur ein Wii U-Port gewesen, in dem man die Symbole mit dem Touchpen aufs GamePad zeichnet.
Mich hat das Spiel nach der Hälfte verloren. Da gibt es einen Moment, der sehr abschließend ist und danach tut sich ein weiterer großer Teil der Welt auf. Ich hatte da das Gefühl, genug gehabt zu haben und die Zeichnereien haben mich genervt. Aber ich mochte den Stil und die Musik auch sehr und bis zu dem Punkt war es auch insgesamt ein gutes Spiel.
Was viele glaube ich nicht wussten, weil das nur in der Anleitung stand: Es gab 2 Buttons mit denen man zeichnen konnte, wobei einer für runde Zeichnungen und einer für gerade Striche war. Ich habe damals häufig gelesen, dass Leute Probleme hatten etwas zu zeichnen und gehe stark davon aus, dass diese Leute die Buttons nicht richtig verwendet hatten.
Was mich an der Wiimote-Steuerung eher genervt hat, war das Kämpfen. Gerade bei den Schwertern war es teilweise schwierig zwischen normalen, schnellen Angriffen und den aufgeladenen Angriffen zu unterscheiden, da beides durch unterschiedliches Gewaggle ausgelöst wurde.

Ansonsten kann ich sehr gut nachvollziehen, was Biber meint. Okami wirkt wirklich so, als ob es 3 (oder 4?) verschiedene Geschichten erzählt, die miteinander wenig bis gar nichts zu tun haben, was ich etwas schade fand.

Insgesamt aber auf jedenfall ein absolut geniales Spiel und auch für mich einer meiner alltime-favourites.
    Ich fand auf Dauer die Bewegungssteuerung für den Kampf nicht so gut.
    Mit den Zeichnungen hatte ich größtenteils keine Probleme.
    Mir hat es insgesamt aber auch sehr gefallen.
Okami wollte ich immer kaufen und habs bis zum heutigen Tag nicht geschafft. Irgendwie schreckt mich das Zeichnen ab und dieser Wolf, der mich an die schlimmsten Passagen aus Twilight Princess erinnert.
    Wolf-Link und Amaterasu haben Gott sei Dank gar nichts gemeinsam. Wolf-Link steuerte sich im Vergleich zu Ammy wie ein Legostein.
K
  • K
    Kachō
  • 29. Mai 2017
Habe die Wii-Version damals durchgespielt, und seitdem gehört es ebenso zu meinen absoluten Lieblingsspielen, einfach nur toll^^.
K