CommunityKritiken

Mein Lieblingsspiel: Secret of Evermore

In unserer Artikelreihe „Lieblingsspiel“ stellen wir euch unsere Lieblingsspiele vor. Egal, ob Retro-Klassiker oder aktueller Blockbuster – alles findet hier seinen Platz. Keine Retro-Tests, keine Wertungen – vielmehr handelt es sich hier um eine Art Liebeserklärung an unser Lieblingsspiel. In dieser Ausgabe präsentiert Community-Urgestein Deniz Roskosch (Zelos) das im Jahr 1996 von Squaresoft veröffentlichte Action-Rollenspiel Secret of Evermore.

Der unterschätzte Klassiker…

Wer kennt es nicht? Secret of Mana, das tolle Action-RPG, das man damals auf dem Super Nintendo sogar zu dritt spielen konnte! Es hat sicherlich seinen Platz in der Geschichte der Videospiele verdient und wurde sogar auf dem Super Nintendo Classic Mini als einer der Top 20 Titel des Systems verewigt. Aber was ist mit seinem coolem Verwandten aus Amerika? „Secret Of Evermore? Das ist doch doof! Das hat nicht mal einen Multiplayer.“ Ja, stimmt! Das ist aber auch der einzige Punkt in dem Secret Of Evermore seinem Vorgänger unterlegen ist…

… ist in Wirklichkeit einfach das rundum bessere Spiel!
Der ein oder andere mag heute feststellen, dass Secret Of Mana nicht so gut gealtert ist und durchaus seine Schwächen hat. Für manche ist es aus heutiger Sicht sogar einfach nur noch ein schlechtes Spiel. Und das kann ich sogar durchaus nachvollziehen. Aber das trifft noch lange nicht auf Secret Of Evermore zu, weshalb ich jedem empfehle es auszuprobieren, der es bisher nicht gespielt hat. Der Unterschied wird sofort in der ersten Minute klar: Alles ist gleich. Und doch anders. Und besser. Das liegt vor allem an dem grundlegenden Spielgefühl. Die Action funktioniert deutlich besser und fühlt sich weder so behäbig noch so verzögert an. Die Gebiete sind abwechslungsreich und teilweise abstrakt. Das Spiel folgt von Anfang an einem geradlinigen Weg mit einem klaren Ziel, wodurch man nie die Story und den Fokus aus den Augen verliert. Das Magie-System ist interressant und Grinding wurde hochgradig zurückgeschraubt. Der übliche Gameplay-Loop wird oft durch interessante Ereignisse aufgepeppt und auch audiovisuell ist es heute noch absolut genießbar.

Und das gilt sowohl für heute wie damals
Ich habe beide Titel sowohl damals als kleiner Knirps gespielt, als auch erst kürzlich wieder nachgeholt: So habe ich Secret Of Evermore vor etwa 2 Jahren noch mal ganz klassisch auf dem Super Nintendo durchgespielt, während ich Secret Of Mana im zum ersten mal im vergangenen Jahr- dank der erweiterten Speicherfunktionen des SNES Classic Minis – komplett durchgespielt habe. SoE ist dabei heute noch wunderbar spielbar. Aber fangen wir mal ganz von vorne an. Der Protagonist Ted und sein Hund Spike (beide Figuren sind eigentlich namenlos, aber das sind die Namen, die ich ihnen damals gegeben habe) sind ganz normale Großstädter. Eines Tages jagt Spike einer Katze nach, die unsere beiden Helden schließlich in ein geheimes verlassenes Labor führt. Da Ted seinen Hund über alles liebt, lässt er sich davon nicht abschrecken und tritt ins Innere. Dort entdeckt er eine Apparatur die einem Portal gleicht und die  kurzerhand sowohl Ted als auch Spike in die ominöse Welt von Evermore teleportiert. Doch was ist dieses Evermore und wie kommen die beiden wieder nach Hause?

Secret of Evermore – TV commercial

So absurd die Werbung wirkt, sie fängt wirklich gut das Feeling ein.

Das Abenteuer beginnt am Anfang…
… und damit meine ich auch ganz am Anfang. Nämlich in der Urzeit! Es dauert nicht lange, bis du deinen leicht veränderten Hund wiederfindest. Und dieser bringt dir sogar deine erste Waffe – einen Knochen! Von hier an beginnt das Gameplay, das dem einen oder anderen schon aus SoM bekannt ist. Man bahnt sich seinen Weg durch die Oberweltkarte und bekämpft dabei Monster und sammelt Items und Erfahrungspunkte. Wie auch bei SoM kann man beliebig oft schlagen, richtet aber nur wirklichen Schaden an, wenn sich die Kraftanzeige am unteren Bildrand vollständig aufgeladen hat. Besser funktioniert aber das Trefferfeedback: Anders als bei SoM ist sofort spürbar, ob man getroffen hat oder nicht. Schlagen und Treffen fühlt sich hier wirklich gut an! Ein Unterschied wie Tag-und Nacht zum Vorgänger, bei dem man teilweise 3-5 Sekunden darauf wartet bis der getroffene Gegner eine Reaktion zeigt bzw. der Schaden registriert wird. Der Urwald ist dabei von schönen Kulissen untermalt, mit einer Musik die sich stark zurückhält (generell wird diese nur punktuell eingesetzt). Und detailliert ist er, überall gibt es kleine grafische Schmankerl zu sehen! Mosquitos schwirren durch die Luft und platzen mit einem schönen Soundeffekt wenn man sie mit dem Knochen trifft. Es dauert auch nicht lange, bis du den einzigen Weg ins Dorf findest. Dort triffst du auf die Stammesführerin Zora Zottelzopf, die dir ein wenig Alchemie näherbringt…

Als Kind hat mich das Ding echt gegruselt und oft fertig gemacht.

1/3 Heizöl, 2/3 Benzin.
Und das ist ein wirklich spannendes System. Wie funktioniert es? Ganz einfach. Gehe in deinem Ringmenü zum Alchemie-Ring und wähle einen Zauber an. Fertig. Okay, was ist der Unterschied zu SoM? Erst einmal sind die Zauber unabhängig zu den Zauberschulen und verbrauchen keine Manapunkte, sondern Zutaten. Darunter fallen u.A. Öl, Wurzeln, Asche, Kristalle, Knochen und vieles mehr. Insgesamt sind es 22 verschiedene Zutaten, die man überall auf der Karte finden und auch bei Händlern kaufen kann. Das liefert einen echten Reiz beim Erkunden, da manche Zutaten seltener sind als andere. Dabei ist dir auch dein Hund behilflich, der gerne mal anfängt in der Nähe einer Zutat zu schnüffeln. Die Zauber selbst verbrauchen immer zwei verschiedene Zutaten. Insgesamt ist es dir gestattet neun Zauber gleichzeitig auszurüsten, wobei es mehr als 30 zu finden gibt. Da es nur an bestimmten Orten erlaubt ist  Zauber auszurüsten, muss also wohl überlegt sein, welche man ausrüstet und welche man verwendet. Ich habe nur noch 10-mal Wasser als Zutat. Wenn ich jetzt den Säureregen anwende (3x Wasser, 1x Pilz), kann ich meinen Heilzauber nur noch 7-mal verwenden (1x Wasser, 1x Wurzel). Was tun? Vielleicht hätte ich besser einen anderen Angriffszauber ausgerüstet, der sich nicht mit den Zutaten des Heilzaubers beißt?

Oder vielleicht einfach draufhauen?
Es mag zwar nicht so viele verschiedene Waffenarten wie in SoM geben, aber das ist im Grunde ein Vorteil. Es gibt weniger zu Grinden. Prinzipiell müssen die Waffen auch gar nicht permanent aufgelevelt werden, da man oft genug rechtzeitig ein besseres Schwert oder eine Axt findet. Es mag im ersten Augenblick vielleicht etwas entmutigend sein wenn der neue Speer noch auf Level 0 ist, aber gleichzeitig musst du dir dann auch keine Sorgen machen, dass du eine bestimmte Waffe vernachlässigt hast. Das Schwert trifft dabei die meiste Fläche, während der Speer zwar die kürzeste Distanz hat, aber dafür am meisten Basisschaden anrichtet, und sogar bei aufgeladener Attacke geworfen werden kann. Die Axt hat die größte Reichweite mit dem Basisschlag. Spiel daher mit der Waffe die dir am meisten liegt, kein Orb wird dich zwingen eine bestimmte Waffe auszurüsten!

Die Hauptstadt der Antike hat so einige Wirrköpfe vorzuweisen.

Nun, was kann ich abschließend noch dazu sagen? Spielt es und entdeckt Evermore für euch selbst. Die vier großen Welten und ihre vier Geschichten sind alle untermalt von einem tollen düsteren Artstyle und einem passenden Soundtrack. Aufgelockert wird das ganze durch einen blöden Humor, der mir persönlich höchst sympathisch ist. Nicht nur in der Claude M. Moyse deutschen Übersetzung. Auch die Originalversion ist gespickt von Anekdoten der damaligen Popkultur. Es ist heutzutage eine kleine Zeitreise in die 90er, wenn man so will. Das Erkunden der Oberwelt und der Dungeons ist höchst abwechslungsreich in Optik und der Aufgabenstellung, ebenso wie die Endgegner, die alle ihre besonderen Stärken und Schwächen haben. Keine Aufgabe wiederholt sich. Kein Dungeon fühlt sich an wie der andere. Nun schließt euren SNES Mini an und spie…. Oh ja, verdammt! Dann bestellt es euch eben auf ebay bevor es ganz in Vergessenheit gerät.

 

Für Redakteur Christoph sind vor allem gut geschriebene Charaktere, eine mitreißende Handlung sowie fantastische Welten mit dichter Atmosphäre, Asp...

Shiningmind

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29 August 2016
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Habs neulich auch erst wieder gespielt. Zwar nicht durch, sondern bis zur Gotik. Ich finde auch, dass man es heut noch gut spielen kann, da es entschlackter ist und weniger nervende Elemente hat. Demnächst will ich mir mal Secret of Mana 2 geben, das es nie in den Westen geschafft hat.
 

Law

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Ich hab es tatsächlich nie gespielt, aber hört sich ganz interessant an. Falls es irgendwann geportet wird, schau ich mal rein. :)
 

tazel

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Ey, ich hatte das tatsächlich immer ausgelassen,... nun gut, der Text nötigt mich ja quasi dazu, das Ding endlich mal nachzuholen.
 

Zelos

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Würde sich definitiv lohnen. Ärgert mich wirklich dass es das nicht auf den snes Mini geschafft hat. Und freut mich dass es jemand durch gelesen hat ^^
 
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Cube

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26 August 2016
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Wusste schon vor dem Reingucken hier, dass der Artikel von Zelos ausgeht. Erwähnt ja sonst nie nicht irgendwie irgendjemand dieses Spiel.

Habs nie gespielt, was wohl daran lag, dass der damalige SNES-Besitzer in der Familie (Vater) selbst mit beigelegtem Spielebuch bei Secret of Mana nie über einen bestimmten Punkt hinaus gekommen ist und sich deshalb wohl auch nicht mit einem weiteren Secret of auseinandersetzen wollte.

Also ich habs aufm SNES Mini aber psssst! ;)
Du böser Raupkopierer, du. D:
 

Zelos

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Ja ich dachte mal ich rede über etwas das zu wenig Beachtung fand. Auch hier ist der Anzahl der Kenner erstaunlich gering.
 

Biber

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Ich hatte immer den Eindruck, dass das sehr beliebt und viel gespielt ist. Ikarus z.B. schätzt das sehr. Er hat es mir 5 Jahre lang ausgeliehen, ich habe es ihm neulich ungespielt zurückgegeben :) Chrono Trigger und FFVI stehen weiter vorne in der Priorität.
 

Aemeath

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Ich hatte eigentlich auch den Eindruck dass Secret of Evermore ähnlich populär/bekannt ist wie Secret of Mana. War zumindest in meinem Umfeld so. Ich hab SoE damals gespielt und mochte es auch ganz gern aber fand SoM einfach charmanter.
 

Sun

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Ich habe das mindestens 2-3 mal durchgespielt. Das ist viel.
 

Shadowguy

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Also ich habs damals auch gespielt (und habs auch noch immer). Aber ehrlich gesagt ist mir nicht viel in erinnerung geblieben, außer dem Toaster Hund. Alchemie hab ich glaub relativ wenig benutzt wegen den Zutaten - der alte Item aufspar zwang.

Mana ist halt durch den Multiplayer weit mehr gespielt worden, SoE hab ich einfach nur durchgespielt.

Kann mir aber gut vorstellen das SoE besser gealtert ist als Mana, das aus heutiger sicht wohl nicht mehr so richtig gut ist.