Mein schlechtestes Spiel: White Album 2: Shiawase no Mukougawa

In unserer Artikelreihe Mein schlechtestes Spiel beschäftigen wir uns mit dem Videospiel-Bodensatz. Eine Bestenliste der schlechtesten Spiele aller Zeiten quasi. Monatlich stellen Community-Mitglieder von Gaming-Universe die persönlichen Lowlights ihrer bisherigen Videospielhistorie vor.

In dieser Ausgabe stellt unser Community-Mitglied z-carmine den PS Vita-Importtitel White Album 2: Shiawase no Mukougawa (Die Kehrseite des Glückes) vor. Die japanische Visual Novel aus dem Jahr 2012 zählt laut seiner Aussage zu den schlechtesten Spielen, die er jemals (an)gelesen hat.

 

 

 

“An den entscheidenden Stellen unserer Beziehung fiel jedesmal Schnee. Als ob der Himmel all die schmerzvollen und traurigen Dinge bedecken wollte. Doch Schnee bleibt, schlussendlich, Schnee. Eines Tages schmilzt er, und alles kommt wieder zum Vorschein, in dreckigem Matsch.“

Da ich eine Buchreihe vom japanischen Autor Maruto Fumiaki angelesen habe, die leider zu sehr kommerzialisiert, also gestreckt und mit Ablegern vermischt wurde, wollte ich mir dieses vermutlich abgeschlossene Werk von ihm zu Gemüte führen. Außerdem schadet es sicher nicht, seinen Horizont bezüglich der gespielten Genres zu erweitern. Außerdem muss mein Japanisch auch in Übung bleiben. Da es ein Vita-Spiel ist, ist es nicht so explizit, wie die Texte in der Buchreihe zu früheren Werken des Autors vermuten lassen. Dazu sollte man wohl eher seine PC-exklusiven Werke herannehmen. Ich gehe nun etwas näher auf die Geschichte ein, wer nicht gespoilert werden will, sollte also nicht weiterlesen. Das dürften aber sowieso nicht viele sein. Eher keiner.

Die Ausgangssituation dürfte, ganz ohne Zweifel, ganz sicher, wirklich, jeder nachfühlen können: Der Hauptcharakter ist Haruki, ein Schüler im Abschlussjahr. Er ist ein Streber, der sich gerne mit Nachdruck in die Angelegenheiten anderer einmischt. Außerdem ist er ein Scheidungskind, die Mutter kehrt erst spät heim, sie haben aber recht viel Geld. Ihr kennt das ja. Diesmal hat er sich dazu überreden lassen, als Teil einer Band beim Schulfestival aufzutreten. Allerdings sind es mit ihm nur zwei Mitglieder. Er und sein Kumpel Takeya. Nach kurzer Zeit gewinnt er durch Zufall und mithilfe eines bekannten Liedes, White Album, zwei Mädchen für die Band.Takeya muss weichen. Obwohl es seine Idee war. Setsuna Ogisou, die unnahbare Schönheit der Schule. Ihre Unnahbarkeit ist allerdings nur Image. Sie kommt aus ärmeren Hause, und beim Singen, z.B. Karaoke, kennt sie keine Rücksicht auf andere. Die schönsten Mädchen sind Single, weil sich niemand an sie heran traut. Außerdem unerwartet seine Sitznachbarin, Kazusa Touma. Wie sich herausstellt, ist sie ist ein Multitalent in der Musik. Sie hat keinerlei Motivation in der Schule, schläft dort meist. Sie wohnt allein, hat aber viel Geld durch die berühmte Mutter. Sie erscheint auf andere Art unnahbar, sie schafft durch ihr ablehnendes Verhalten Distanz. Gegen Harukis Penetranz hilft das aber nicht. Fühlt ihr euch schon an die Schulzeit erinnert?


Fortan geht es um die gemeinsame Zeit der drei. Wegen der knappen Zeit drängt sich Haruki Kazusa auf, ihm beim Gitarrespielen zu helfen. Auch als sie krank wird, übernachtet er bei ihr. Setsuna fühlt sich ausgeschlossen. Der Auftritt beim Schulfestival wird ein Erfolg. Aber als Setsuna danach mit Haruki zusammenkommt, wachsen die Spannungen. Ihr kennt sicher die Signifikanz von Weihnachten für japanische Paare. Dennoch fahren die drei auf Setsunas Drängen an Weihnachten zu dritt zu einer heißen Quelle. “Ich will, dass wir drei für immer zusammen sind.“ Leicht alkoholisiert baden sie sogar zusammen. Im neuen Jahr versucht Haruki, seine Gefühle zu ordnen, und distanziert sich von Kazusa unter dem Vorwand, ihr Zeit zum Lernen für die Abschlussprüfung zu geben. In der Zwischenzeit will er seine Beziehung zu Setsuna festigen.Die ganze Zeit hat man das Gefühl, dass das nicht gut endet. Und das zu Recht. Am Ende bleibt Haruki zutiefst betrübt zurück. Und der Schnee fällt. “Ich blickte in den Himmel, als ob ich den Ursprung des Schnees suchen wollte. Doch in Wahrheit wendete ich mein Auge von der Realität vor mir ab.“ Somit endet das Einführungskapitel. Das Abschlusskapitel und Extras werden freigeschaltet. Das erste Extrakapitel davon ist z.B. ein Prolog aus der Sicht von Kazusa. Die Extrakapitel haben keine Sprachausgabe. Es gibt auch eine Galerie für CGs und Musik. Das Abschlusskapitel spielt im dritten Jahr auf der Universität. Haruki will keine Beziehung mit Frauen mehr, weil er immer noch trauert und sich selbst verachtet. „Ein Kerl wie ich hat es nicht verdient, geliebt zu werden.“ Er hat sich von Setsuna distanziert, um nicht ständig an die Zeit zu dritt erinnert zu werden. Natürlich hat er aber mit diversen Frauen zu tun. Darunter Studentinnen, Schülerinnen seiner angrenzenden früheren Schule, und der Vorgesetzten in seinem Nebenjob.

Was macht das nun zu einem schlechten Spiel? Abgesehen von dem ganzen Reichtum und Talent, und der Tatsache, dass Schlaf bei dem Autor auch ohne Aufputschmittel überbewertet ist, die der Glaubwürdigkeit keinen Gefallen tun? Wenn eine Geschichte in der realen Welt spielt, sind solche Dinge immer ein Ritt auf der Rasierklinge. Und bei der Fixierung auf Zungenspiele beim Küssen, hatte der Autor wohl andere Dinge im Sinn. Da ich kein Fan von Dramen bin, hinterlässt auch die ständige üble Vorahnung einen negativen Eindruck. Deshalb habe ich das ganze auch in Etappen gelesen, unterbrochen von anderen Spielen. Außerdem, was besonders wichtig ist: Im gesamten Einführungskapitel, viele Stunden lang, hat man keinerlei Einfluss. Es gibt nur die Auswahl, fortzufahren, oder den vorigen Text nochmal zu lesen/hören. Auch die Extrakapitel sind nicht interaktiv. Im Abschlusskapitel kommen endlich Auswahlmöglichkeiten vor. Wobei die erste gar keine Auswahl bietet. Man kann nur die zweite Option wählen. Wann die erste Option verfügbar wird, weiß ich nicht. Vielleicht nach dem Durchlesen. Das ist eine unnötige Einschränkung. Aber wer will schon einer nach Alkohol und Schweiß riechenden Studentin (nicht explizit erwähnt, aber logischer Schluss aus der Erzählung) sagen, dass er sie nicht besonders mag? “Bei dir fühle ich mich einfach geborgen“, ist in dieser Situation natürlich die einzige passende Antwort.


Ohne das Abschlusskapitel durchgespielt zu haben, mag die Bewertung vielleicht unfair sein. Der Weg dorthin, zu der ersten Entscheidung, war aber ein langer, der Motivation gekostet hat. Zumal das ungute Gefühl zwar nachlässt, weil es wohl mehrere Enden und zu erobernde Mädchen gibt, aber es ist nicht ganz verschwunden. Das Einführungskapitel bricht dem Spiel das Genick. Deshalb ist White Album 2: Shiawase no Mukougawa das schlechteste Spiel, das ich je (an)gelesen habe.

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4 Kommentare auf "Mein schlechtestes Spiel: White Album 2: Shiawase no Mukougawa"

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Valet
Editor

Du spielst zu wenig Spiele, wenn eine dröge Visual Novel dein „schlechtestes Spiel“ ist, Carmine wink

Wie man aber auch dazu kommt, das zu spielen … ich fand den Anime schon anstrengend. Da ist doch sowas wie „School Days“ wesentlich unterhaltsamer ^^

Z.Carmine
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Vielleicht habe ich meist einfach nur ein gutes Gespür dafür, was für Spiele mir gefallen könnten.
Den Grund des Kaufs habe ich im Text ja genannt. War aber ohne große Nachforschungen.

Ich hatte ja schon überlegt, einen übertriebenen Fake-Text zu BotW zu schreiben, aber das wäre am Thema vorbei. Und die Spoilergefahr für Leser wäre auch ein Problem gewesen. Sogar selbst ausgedachtes hätte mit dem Spiel übereinstimmen können.
Wer das richtige BotW als sein schlechtestes Spiel bezeichnen würde, wäre wohl eine ziemliche Ausnahme. Entweder sehr subjektiv, oder derjenige hätte keine wirklich schlechten Spiele gespielt.

Valet
Editor

Herrje. Jetzt will er schon Fake-Reviews verfassen, OHNE BotW gespiet zu haben ugly

Z.Carmine
Mitglied
Patreon

Sonst wäre es nicht mehr so sehr Fake. ugly
Mal sehen, ob nächsten Monat das Triple steht, was „da hast du aber keine richtig schlechten Spiele gespielt“angeht. ^^

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