Kritiken

Metroid Fusion im Test

Das lange Warten hat ein Ende. Samus Aran ist endlich wieder zurück. In ihrem neusten Abenteuer darf die Kopfgeldjägerin erstmals seit dem Super Nintendo wieder durch 2D Areale geführt werden. Ein Glück, dass sich Nintendo nicht nur auf Konvertierungen verlässt, denn so bekommen wir mit Metroid Fusion ein komplett neues Spiel und kein leicht aufgebessertes Super Metroid. Gilt nur noch zu klären ob Metroid 4 der famosen Serie gerecht werden kann.

Epische Story
Wem bei bisherigen Metroid Teilen immer eine extrem dichte und fesselnde Story vermisst hat, dem wird mit Metroid Fusion geholfen. Das Spiel wird insgesamt sehr von der Story getragen und fesselt ganz alleine schon vors Display.
Die Geschichte setzt nach Super Metroid ein. Eigentlich sollte die kurze Untersuchung von Planet SR388 nur reine Routinesache sein, aber Samus wird bei ihren Untersuchungen von einem ihr unbekannten Organismus angefallen. Dieser dringt in ihr Nervensystem ein und fusioniert mit ihrem Körper und mit Teilen ihres Anzugs (deswegen auch Metroid Fusion). Ironischerweise sind bzw. waren diese Kreaturen, schlicht X genannt, die natürlichen Gegner der Metroid und so konnten die X nicht zu viele werden. Da Samus die Metroid aber platt gemacht hat, konnten sich die X ungeheuer schnell fortpflanzen und sind mittlerweile eine ähnlich große Bedrohung für das gesamte Universum, wie die Metroid es damals waren. Nachdem die Kopfgeldjägerin kurz vor ihrem Tod stand, konnte man ihr mithilfe eines Impfstoffs mit Metroid DNS das Leben retten. Der positive Nebeneffekt ist, dass Samus nun Gegen die X selbst immun ist, also von ihnen nicht mehr befallen werden kann. Leider mussten einige Teile ihres alten von den X verseuchten Anzugs entfernt werden, da sie sonst keine Überlebenschance gehabt hätte. Samus wird also zur Forschungsstation zurückgeschickt um die X-Parasiten aufzuhalten.
Die X können in fremde Körper bzw. fremde Zellen eindringen und so werden sie auch für Samus wieder zu einer Gefahr. [SPOILER] So kommt es zum Beispiel später zu mehreren Zusammentreffen mit der alten Samus. [/SPOILER]

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Erst denken, dann schießen
Metroid-Kennern fällt sofort auf: Samus ist nicht mehr rot sondern blau. Dies ist ein Standardanzug. Außerdem hat sie fast alle ihrer alten Fähigkeiten verloren. Nur ein schwacher Blaster bleibt ihr noch. Von Beginn an bekommt ihr Aufträge von eurem Bordcomputer. Samus ist zwar erst strikt dagegen, unter einem Computer zu arbeiten, aber mit der Zeit ändert sich das. Auf jeden Fall gibt dieser Computer Samus Informationen über Zielstandpunkte und auch andere Tipps. Im weiteren Verlauf des Spiels kann Samus weitere Waffen, wie Raketen und diverse Upgrades und andere Fähigkeiten erlangen. Auch weitere Anzüge warten auf Samus. Der Kernteil des Spiels ist aber nicht dass Schiessen, sondern das Adventure-typische Entdecken. Es gibt Türen zu öffnen, Geheimgänge zu entdecken und nebenbei ballert man auch noch ein bisschen auf die Gegner. Das Interessante des Spiels ist, dass man am Anfang gar nicht überall hinkann und deswegen später mit neu erlernten Fähigkeiten zu einer bestimmten Stelle zurückkehren muss, um dann einen Geheimgang oder ähnliches zu entdecken. Leider fesselt die Story so sehr und man ist so intensiv mit den Aufgaben des Computers beschäftigt, dass dieses eigene Entdecken von Geheimgängen oft zu kurz kommt. Glücklicherweise sind die Level so gut aufgebaut, dass man zum Beispiel manchmal von seinem Computer abgeschnitten wird und sich einen Alternativ-Weg suchen muss. Dabei helfen die übersichtliche Karte und die geschickt gesetzten Speicherpunkte sehr. Apropos Speicherpunkte: Es gibt insgesamt 3 Speicherplätze die belegt werden können.

Bei der Steuerung hat sich Nintendo nicht lumpen lassen. Obwohl fast alle Knöpfe doppelt belegt sind, klappen die Bewegungen fast wie von selbst. Der A-Button dient zum Springen. Das ist auch das einzige, was an der Steuerung irgendwie zu bemängeln ist. Manchmal sind die Sprünge etwas ungenau und kompliziert zu timen. In der Regel klappt aber alles wie man es sich vorstellt. So auch das Schiessen mit dem B-Button. Einmal gedrückt feuert Samus ihren Blaster ab. Hält man Taste daraufhin gedrückt, lädt Samus die Waffe auf ihr könnt eure Gegner beim Loslassen mit einem stärkeren Schuss bekämpfen. Die B-Taste bekommt eine andere Funktion, sobald man die rechte Schultertaste gedrückt hält. So werden nämlich die etwas durchschlagkräftigeren Raketen aktiviert. Diese sind allerdings nur in bestimmten Mengen vorhanden, also sollte man damit schon ein wenig sparsam umgehen. Der B-Button bewirkt wiederum etwas anderes, wenn ihr euch im Morph Ball Modus befindet. In diesen gelangt ihr durch zweimaliges Ducken, woraufhin sich Samus zu einem handlichen Ball zusammenrollt. Nun könnt ihr euch mit Rollen fortbewegen und mit der B-Taste Bomben werfen. Mit A kann aber später auch im Morph Ball Modus gesprungen werden. Eine besondere Funktion hat die L-Taste bekommen. Diese bewirkt, dass Samus schräg nach unten bzw. schräg nach oben zielen kann. Das funktioniert selbstverständlich auch indem man auf dem Steuerkreuz in die gewünschte Richtung drückt, allerdings läuft Samus logischerweise nach rechts wenn man nach rechts-oben drückt. All diese Funktionen werden erst nach und nach ins Spiel eingebracht und so ist man zu jeder Zeit Herr der Steuerung ohne sich in einem Wirrwarr von Tastenkombinationen zu verirren.

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Gegner ohne Ende
Wer will all die schönen Waffen haben, ohne Gegner, an denen er sie ausprobieren kann? Niemand, deswegen laufen diese in Metroid Fusion auch haufenweise durch die Level. Manchen genügt ein Schuss an den Körper, manche muss man in den Rücken treffen und wieder andere können nur besiegt werden, wenn man unter ihnen steht. Fast jeder Gegner benötigt eine eigene Taktik, was Metroid Fusion viel Spieltiefe verleiht. Eins ist allerdings bei allen Gegnern gleich: Jeder hinterlässt nach seinem Ableben einen X-Parasiten, den es schleunigst einzusammeln gilt. Das hat mehrere positive Effekte. Zum einen können sich die Gegner dann nicht mit Hilfe der X-Parasiten wiederbeleben (das passiert nämlich, wenn man sie nicht einsammelt) und außerdem füllen sie beim Einsammeln die Energieleiste und manchmal auch die Raketen oder Powerbomben wieder ein Stück auf. Natürlich ist das nicht die einzige Möglichkeit an Energie zu kommen. Energietanks, die gleichzeitig auch die Energiekapazitäten erhöhen und Regenerationsstationen sind auch gut für Samus Gesundheit. Die Endgegner sind natürlich wieder ein Kapitel für sich. Jeder hat viele verschiedene Attacken und ist nur mit einer bestimmten Taktik zu besiegen. Wenn man sie dann aber erledigt hat, muss man sich nicht mit gewöhnlichen Parasiten zufrieden geben, sondern man bekommt direkt einen, der die komplette Energie auffüllt und zusätzlich noch eine neue Fähigkeit für euch ausspuckt. So bekommt man nach jedem Endgegner das gute Gefühl, etwas Tolles geleistet zu haben.

Adventure sind schwer
An diesem Spiel werden angehende Abenteurer und Kopfgeldjäger ordentlich zu knabbern haben. Denn wie fast alle 2D Adventure ist auch Metroid Fusion vom Schwierigkeitsrad sehr weit oben angesiedelt. Dabei bleibt das Ganze aber immer fair und Frust kommt auch beim vierten Versuch noch nicht auf, weil es einfach Spaß macht. Auch die sehr gut platzierten Speicherpunkte wirken sich positiv auf den Spieler aus. Man geht eigentlich nur kurz hinter einem Speicherpunkt kaputt und muss deswegen nur ein kleines Stückchen wiederholen. Besonders schwer sind aber eigentlich nur die Endgegner, für die man gut mal fünf oder sechs Versuche benötigen kann. Deswegen sollten sich vor allem jüngere und unerfahrene Spieler erst einmal mit anderen Vertretern des Genres herumschlagen oder Metroid Fusion probespielen.

Grafik
Wer meint, dass die Zukunft des GBA in der dritten Dimension liegt, der hat Metroid Fusion noch nicht gesehen. Wunderschöne, flüssige Animationen lassen Samus so echt wie nie zuvor wirken. Die Level sind alle abwechslungsreich wie selten zuvor auf einem Handheld. Man hat immer im Hintergrund irgendetwas zu bestaunen. Auch Detail-Liebhabern bietet Metroid Fusion einiges. Je nach Blickrichtung sieht Samus anders aus und schießt selbstverständlich auch immer mit dem selben Arm. Das heißt, die Bewegungen wurden nicht einfach umgedreht, sobald Samus die Blickrichtung wechselt, sondern jede einzelne Animation wurde für beide Blickrichtungen programmiert. Andere Details wie der Transparenzeffekt bei Nebel oder Gasen sind ebenfalls ein Genuss fürs Auge. Den Höhepunkt der famosen Grafik setzen dann die spektakulär in Szene gesetzten Endgegner. Grafisch spielt Metroid Fusion trotz zunehmender Zahl der 3D Spiele auf Handhelds immer noch ganz weit oben mit, obwohl es auf den ersten Blick natürlich nicht so spektakulär wirkt wie ein 3D Spiel.

Sound
Ihr habt Metroid 3 für Super Nintendo gespielt und habt immer noch die Musik im Kopf? Das liegt wohl daran, dass der Sound damals einfach klasse war. Dann wird euch auch die stimmungsvolle Musik bei Metroid Fusion gefallen. Sie ist zwar nicht so eingängig, wie auf dem SNES, aber passt jederzeit perfekt zum Geschehen auf dem Display und trägt sehr viel zur dramatischen Story bei. Die Qualität ist vor allem mit Kopfhörern sehr gut. Genau wie die Soundeffekte. Jede noch so kleine Veränderung an der Waffe bewirkt einen anderen Sound. Auch die Gegner hören sich allesamt super an. Insgesamt zählt der Sound zu den besten, die es auf einem Handheld je zu hören gab.

Auch das beste Spiel muss einmal zuende gehen. So auch Metroid Fusion. Leider hat man nichts mehr, wofür es sich lohnt das Spiel nochmals zu spielen. So ist es nur ein sehr gutes bis perfektes Adventure mit hohem Schwierigkeitsgrad. Aber diese paar Stunden, die ihr an dem Spiel sitzt, sind einfach klasse. Wer dem Adventure-Genre nur ein klein wenig abgewinnen kann und einem fordernden Schwierigkeitsgrad nicht abgeneigt gegenüber steht, der hat mit Metroid Fusion sein Traumspiel gefunden.

Hinweis: Dieser Test wurde von unserem ehemaligen Redakteur Oliver Stümpel verfasst