Kritiken

Metroid Prime: Federation Force im Test

Selten ist ein Spiel schon vor Release so viel Hass ausgesetzt gewesen, wie Metroid Prime Federation Force. Nachdem die Reihe seit Metroid Other M fast eine ganze Konsolengeneration in der Schwebe steckte, sollte nun ausgerechnet ein Shooter-Spin-Off die Rückkehr der Reihe markieren. Doch Vorurteile sollten keine informierten Urteile ersetzen. Daher steht Next Level Games’ wahrscheinlich letztes 3DS-Spiel auf dem Gaming-Universe-Prüfstand.

Samus auf dem Abstellgleis?
In Metroid Prime Federation Force schlüpft man erstmals in der Reihe nicht in die Rolle von Samus Aran, sondern eines Föderationsmitgliedes. Der Grund hierfür ist schnell gefunden, denn Metroid Prime Federation Force ist vollständig optional für bis zu vier Spielern spielbar. Da es aber nur eine Samus Aran gibt und das Spiel gleichsam auch alleine spielbar sein muss, ist ein asymmetrisches Spieldesign keine Option. Das soll jedoch nicht bedeuten, dass Fans der athletischen Kopfgeldjägerin gänzlich aus Samus verzichten müssen, als nicht spielbarer Story-Charakter kommt sie immer wieder in der Geschichte vor und spielt – im relativ knappen Rahmen der Geschichte – auch eine nicht unwichtige Rolle.

Metroid in Stückchen
Metroid Prime Federation Force setzt, anders als die Hauptreihe, auf ein missionsbasiertes Spieldesign. Die Missionen spielen zwar auf drei festen Planeten, man kann sich allerdings nicht frei außerhalb der Missionsgrenzen auf den Planeten bewegen. Dadurch geht natürlich eines der vorrangigen Spiel-Elemente, das wiederholte Besuchen von Arealen in einer zusammenhängenden Welt mit neuen Fähigkeiten, verloren. Ausgeglichen wird das durch zweierlei: Einerseits gibt es, wie bereits angesprochen, einen optionalen Mehrspielermodus für bis zu vier Spieler, andererseits gibt es einige Missionen, in denen man seinen Mech verlassen und unbewaffnet zu Fuß durch die Level streifen kann. In diesen Situationen wechselt die Kamera zu einer Ansicht aus der Perspektive der dritten Person und das Spiel wird zu einer Mischung aus Stealth-Spiel und Jump & Run.

Gewohnt gelungene Steuerung
Die Steuerung des Spiels sollte Kennern der Metroid Prime-Serie direkt vertraut vorkommen, denn sie ist im Wesentlichen den GameCube-Titeln entliehen. Mit dem Circle Pad bewegt man sich nach vorn und hinten und dreht seinen Charakter um die eigene Achse. Strafen kann man nur, wenn man die Schultertaste gedrückt hält und in den Zielmodus wechselt. Im Zielmodus ist es überdies möglich, mit Neigung des Nintendo 3DS die Zielerfassung feinzujustieren – im Grunde genommen die einzige Änderung im Vergleich zur klassischen Metroid Prime Steuerung. Auf diese Weise ist es möglich, einen Gegner anzuvisieren und gleichzeitig sehr fein auf einen Schwachpunkt des Gegners zu zielen. Während das im normalen Gefecht meist keine große Rolle spielt, kann es bei Endgegnerkämpfen durchaus eine entscheidende Rolle spielen.

Fokus-Verschiebung statt Genre-Wechsel
Metroid Prime Federation Force wurde im Vorfeld oft als Ego-Shooter bezeichnet und tatsächlich ist der Action-Anteil auf Grund des Wegfalls der Upgrademöglichkeiten und somit einer zentralen Rätselgrundlage, merklich erhöht. Dennoch sollte man hier keinen reinrassigen Ego-Shooter erwarten, denn Metroid Prime Federation Force setzt in seinem Missionsdesign recht oft auf Erkundung – wenngleich im kleinen Rahmen – oder auch kleine Rätsel und Geschicklichkeitspassagen wie Hüpfsequenzen. Kämpfe gegen kleinere wie größere Gegner werden überdies durch das Anvisieren mit einer ganz anderen Dynamik ausgefochten als in gewöhnlichen Shootern. Nichtsdestotrotz, das feine Nachjustieren mit dem Bewegungssensor ist durchaus wichtig und im Ergebnis ist Metroid Prime Federation Force auch definitiv nicht geeignet um es in der Bahn oder dem Bus zu spielen. Eine ruhige Umgebung ist nahezu unerlässlich.

Mods zur persönlichen Ausgestaltung der Charakter-Attribute
Wenngleich man in Metroid Prime: Federation Force auf die klassische Item-basierte Progression verzichten muss, gibt es durchaus auch im neuesten Metroid-Ableger einige Gegenstände, die den Erfolg oder Misserfolg in einer Mission beeinträchtigen. Im Spiel findet man immer wieder so genannte Mods, die teilweise einmalig, teilweise beliebig oft verwendbar sind. Vor Beginn einer jeden Mission kann man seine Mod-Slots mit jeweils einer Mod befüllen und sich somit in der darauf folgenden Mission über den entsprechenden Effekt erfreuen. Die Mods reichen von Angriffs- und Verteidigungsmodifikatoren bis zu Mods, die im Todesfall den Charakter an Ort und Stelle wiederbeleben. Einzelspieler erhalten zudem Zugriff auf eine besondere Mod, die Angriffs- und Verteidigungswert verdoppeln.

Allein ist alles schwieriger
Hierdurch, sowie über zuschaltbare Drohnen, die im Grunde nicht anderes sind, als automatische Geschosse, die den Spieler umkreisen, soll das Defizit der fehlenden Mitstreiter ausgeglichen werden. Auch mit dieser Mod gilt allerdings: Metroid Prime: Federation Force ist im Einzelspieler-Modus reichlich knackig und erfordert volle Aufmerksamkeit. Besonders der Umstand, dass es in den Missionen keine Zwischenspeicher gibt und man somit beispielsweise wenn man bei einem Endgegner stirbt, das gesamte Level noch einmal spielen muss, kann für manch einen Spieler durchaus frustrierend sein. Im Mehrspieler-Modus hingegen ist es möglich, seine Mitspieler wiederzubeleben, was den Schwierigkeitsgrad definitiv enorm beeinträchtigen kann. Das wird insbesondere deutlich wenn man bedenkt, dass einige Gegner – so beispielsweise der erste große Endgegner in Mission sieben – über Angriffe verfügen, die im Trefferfall umgehend töten.

Gewohnt marginale Kommunikationsmöglichkeiten
Im Mehrspieler-Modus ist das Spiel hingegen weitgehend frustfrei. Sofern man nicht versucht, im Detail mit seinen Mitspielern zu kommunizieren. Wie man es von Nintendo-Spielen gewohnt ist, bietet Metroid Prime: Federation Force nämlich einmal mehr keinen Voice-Chat, sondern ausschließlich die Kommunikation über vorgefertigte Nachrichten, handverlesen von Nintendo. Dadurch wird natürlich sichergestellt, dass keiner über Nintendos Chat-Plattform Schindluder treibt – anders als das Miiverse ist eine Moderation in einem 1:1 Gespräch kaum denkbar – andererseits dürften einige Spieler, die freiere Kommunikation in anderen Online-Spielen gewöhnt sind, hieran Anstoß nehmen.

Metroid Prime Federation Force lässt sich im Grunde genommen am besten beschreiben als eine Sammlung von Missionen, die konzeptionell an die lineareren Abschnitte in den Metroid Prime-Spielen erinnern. Die gewohnte Mischung aus Schuss-Action, Rätseln und Erkundung ist eindeutig stärker in Richtung Kampf verschoben, wer aber an den bisherigen Metroid Prime-Spielen Spaß hatte, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch an Federation Force seine Freude haben können. Die bevorzugte Spielweise ist, wie kaum anders zu erwarten, in voller Viererrunde im Mehrspieler-Modus. Allerdings ist Metroid Prime: Federation Force definitiv auch alleine eine unterhaltsame Spielerfahrung. Kurzum: Federation Force mag kein vollwertiger Ersatz für ein Hauptserien-Metroid sein, ist in jedem Fall aber eine unterhaltsame und gut designte missionsbasierte Interpretation des Konzepts.

Sebastian hat eine ausgeprägte Vorliebe für Jump & Runs, zählt aber auch Action-Adventures und Arcade-Spiele zu seinen Lieblings-Genres. Hauptaugenmerk liegt bei ihm meistens auf der Spielmechanik, eine gut geschriebene Geschichte lässt ihn aber auch schwach werden. Lieblingsspiele: Yoshi’s Island, Super Mario Galaxy 2, Sonic Generations und Zelda: Skyward Sword.