Ausblicke

Necrobarista – Gamescom Hands-On

Visual Novels sind wahrscheinlich eines der Indie-freundlichsten Genres überhaupt, da Spiele dieses Genres mit der Arbeit eines einzigen Schreibers stehen und fallen und selbst große Visual Novels oft mit sehr minimalistischer Präsentation auskommen. Dass in Sachen Präsentation aber auch bei Kleinentwicklern in der Tat mehr drin sein kann als statische Bilder oder Minimalanimationen stellt Necrobarista für die Nintendo Switch unter Beweis.

In Necrobarista dreht sich alles um ein Café, in dem sich Verstorbene für 24 Stunden – und keine Minute mehr, wie die Regeln des Cafés äußerst deutlich machen – zu einem letzten Gespräch über ihr Leben einfinden. Der Spieler kann durch eine geschickte Gesprächsführung interessante Informationen über die Leben der Charaktere gewinnen und verschiedene kleine Geschichten verfolgen. Die Demo, die auf der Gamescom zu spielen war, zeigt den Weg eines Verstorbenen in das Café, seinen ersten Kontakt mit dem Personal des Cafés und eine Konversation zwischen dem Café-Personal, die nahelegt, dass die strikten Regeln des Cafés noch zu kontroversen Diskussionen führen werden.

Die eigentliche Geschichte lässt sich anhand der kurzen Demo natürlich leider nicht beurteilen, sprachlich ist der spielbare Teil des Spiels aber gut umgesetzt und mit einer Ausnahme ist das Timing des Texts auch so gewählt, dass der Lesefluss sinnvoll unterstützt wird. Auffällig ist, dass das Spiel eine eher filmische Präsentation hat und die Charaktere zwischen den Konversationen voll animiert sind. Der Anime-Stil des Spiels ist aufwendig in Szene gesetzt und an einer Stelle hat man sogar einen Charakter durch eine dreidimensionale Umgebung gesteuert. In Sachen optischer Präsentation haben die Entwickler also eine Menge Arbeit investiert, die Necrobarista innerhalb des Visual Novel Genres positiv hervorhebt.

Leider ist das Userinterface noch nicht optimal, da manche Interaktionspunkte etwas obskur kommuniziert werden, es keine Anzeige dafür gibt, dass man den Text weiterschalten kann und es keinerlei akustische Begleitung des Textes gibt. Zwar gibt es – durchaus passende – Musik, aber der Text selbst wird weder von Stimmen, noch von einem Schreibgeräusch begleitet, was dem Text ein wenig das Leben nimmt, das Texte in Visual Novels üblicherweise haben. Laut der anwesenden leitenden Künstlerin Ngoc Vu ist die akustische Begleitung derzeit auch keine hohe Priorität für die Entwickler.

Atmosphäre, Idee und optische Umsetzung von Necrobarista machen auf der Gamescom auf jeden Fall Lust auf mehr. Wenn die Schwierigkeiten im Nutzerinterface beseitigt werden und die Geschichte – die man nach der kurzen Zeit auf der Messe natürlich noch nicht beurteilen kann – packend wird, könnte Necrobarista auf jeden Fall eine sehr gute Visual Novel werden.

Sebastian hat eine ausgeprägte Vorliebe für Jump & Runs, zählt aber auch Action-Adventures und Arcade-Spiele zu seinen Lieblings-Genres. Haupta...